Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
landschaftlich sehr reizvoll |
| Kontra: |
bergig |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Heute möchte ich Euch vom Bad Arolser Adventsmarathon berichten. Dieser findet jedes Jahr am ersten Adventsamstag am Twistesee (Nordhessisches Mittelgebirge) statt. Diesen lief ich schon zum fünften Mal.
Er wird als Einsteiger-Marathon empfohlen, dem ich aber nicht zustimmen kann. Er ist für Einsteiger sehr schwierig!!! Da die Strecke einige lange Steigungen hat, kann sich das auf einen Marathon-Einsteiger auch negativ auswirken, ganz besonders für die, die aus dem Flachland kommen . Zudem besteht die Möglichkeit, dass es Ende November oder Anfang Dezember schneit. Wäre ich diesen Wald-Marathon als meinen ersten Marathon gelaufen, hätte ich im Ziel bestimmt gesagt: "Einmal und nie wieder".
Aber dieser Marathon sollte mein neunter sein und zum fünften Mal war ich hier am Start. 1993 war hier der Dr. Thomas Wessinghage mitgelaufen, der 1983 Europameister im 5000-Meter-Lauf war, und hier nach 2.40 Stunden als vierter ins Ziel kam.
Er heißt Bad Arolsen - Advent - Waldmarathon und findet am ersten Adventssamstag statt. Start und Ziel ist bei der Twisteseehalle, Ortsteil Wetterburg. Anmeldeschluss ist Mitte November oder wenn das Teilnehmerlimit erreicht ist. Bisher wurden an die 700 Läufer gezählt. Man lässt sich Startunterlagen zukommen, füllt die Fragen aus und bei gleichzeitiger Zahlung der Startgebühr von 40 DM, durch Scheckbeilegung oder in bar ist die Anmeldung gültig. Am Starttag sind keine Nachmeldungen möglich. Die Startnummern kann man am Tag vorher, den Freitagabend ab 17.00 Uhr und noch am Starttag von 8-10.30 Uhr abholen.
Jeder Teilnehmer erhält eine Urkunde, die er am selben Tag mitnehmen kann. Die Sieger und die drei ersten einer Altersklasse erhalten wertvolle Ehrenpreise. Ergebnislisten erhält man kostenlos. Diese Marathon-Veranstaltung findet nur ca. 20 Km von meiner Heimatstadt Korbach entfernt statt. Dadurch fällt für mich eine lange Anreise weg. Der Start ist Samstag und man kann sich am Sonntag noch erholen, bevor man Montag wieder zur Arbeit muss. Die Strecke ist sehr gut gekennzeichnet und abwechslungsreich, 95% feste Waldwege, die bei jedem Wetter gelaufen werden können. Dieser Lauf bietet sehr viel fürs Auge und Gemüt.
Meine Startnummer hatte ein Laufkollege schon am Vortag abgeholt. Um 8.30 Uhr fuhren wir dann zu viert nach Wetterburg in die Twisteseehalle. In der Twisteseehalle liegen schon Ausschreibungen aus über zukünftige Marathons, Halbmarathons, Cup-Läufe usw .für das kommende Jahr. Hier kann man sich informieren, Erfahrungen austauschen, Pläne schmieden und mit Läufern unterhalten, die letztes Jahr auch schon hier waren. Hier kann man sich noch mal stärken seine Sporttaschen abstellen, während man unterwegs ist. Nach dem Lauf kann man hier duschen oder kostenlos das Hallenbad nutzen. Die Halle ist wieder proppevoll und ca. 10.30 Uhr hält der Cheforganisator Heinrich Kuhaupt eine Rede über die bevorstehende Strecke, damit die Läufer wissen, was sie erwartet, und sie ihre Kräfte richtig einteilen können. Ca. 10.40 Uhr gehen dann auch die letzten Läufer 800 Meter am Twistesee entlang, auf der Staumauer am "Cafe im See" vorbei, zum Start. Hier standen wir dicht gedrängt und warteten auf den Startschuss. Die Witterung war gut. Wir hatten ca.7 Grad und ich hatte mich für lange Kleidung entschieden.Um 11 Uhr fiel der Startschuss. Wir wünschten uns einen "guten Lauf".
Langsam setzten wir uns in Trab. Die 800 Meter, die wir von der Twisteseehalle bis zum Start gehend zurücklegten, liefen wir jetzt wieder zurück, vorbei an uns anfeuernde, jubelnde Bekannte und Unbekannte. Die ersten drei Kilometer führten am See entlang, vorbei am Strandbad, Bootsverleih, Wasserski und Kiosk von dem man zu dieser Jahreszeit nichts sieht. Leider. Ich war gut drauf und überholte immer mehr Läufer. Kurz nach dem Start hatte ich schon gemerkt, dass ich wohl meinen Schuh zu feste gebunden hatte. Doch da ich gut drauf war, wollte ich auf keinen Fall stehen bleiben und mir den Schuh neu binden. Bei Km 2 stand dann ein Streckenposten, der uns die Zeit ab den Startschuss noch mal zurief.
Nach 3 Km, bevor wir den See verließen, standen noch mal jubelnde und uns "einen guten Lauf" wünschende Bekannte. Und jetzt ging es auf einen Weg, der nach einer scharfen Linkskurve ansteigend in den Wald führte. Mir ging es gut, aber ich versuchte trotzdem mich etwas zurückzuhalten. Nur nicht zu schnell angehen. Sonst war ich hier immer schon außer Puste, aber diesmal war meine Atmung ziemlich ruhig. Neben mir lief einer meiner Laufkollegen, der mir nicht von der Seite wich, denn ihm wurde von "unseren Leuten" zugerufen, er solle bei mir bleiben. Da er diesen Lauf sowieso nicht powern wollte, blieb er bei mir. Auf dieser Strecke wird jeder Kilometer ausgezeichnet. Versorgungsstellen gibt es ab Km 7, 14, 20, 26, 34 und 38 und natürlich am Ziel. Es gibt warmes Elektrolytgetränk, Tee, Wasser, Bananen, Müsliriegel etc.
Die ersten Steigungen hatten wir überstanden und wir waren jetzt eingelaufen und näherten uns einer Hauptstraße, wo der Verkehr von der Polizei geregelt wurde, damit wir die Straße ungefährdet überqueren konnten. Hier jubelten uns wieder Bekannte zu und die ersten 10 Km hatten wir hinter uns gebracht. Weiter ging es. Mein Laufkollege schaute auf die Uhr und sagte" 10 Km, unter 60 Minuten". "Weiter so". Wir überholten und wurden überholt - und zwar von "Weihnachtsmännern". Einige hatten sich für diesen Lauf wieder verkleidet. Freundlich lächelnd und ohne Anstrengung im Gesicht liefen sie an uns vorbei. Auf Feldwege ging es weiter und hinein in den Wald , wo bei Km 14 die nächste Versorgungsstelle war, wo wir etwas tranken und ich mir eine Banane nahm. Wir konnten uns den nächsten Kilometer etwas erholen, denn es ging bergab. Und bei Km 15 empfingen uns wieder jubelnde Leute, die uns ermunterten durchzuhalten. Vorbei ging es und ca. 500 Meter auf der Straße weiter, bis wir abbiegen mussten und ein Weg ca. 200 Meter steil aufwärts führte. Viele liefen durch, einige gingen. Warum sich überanstrengen? Die paar Meter walkten wir. Ich war immer noch gut drauf, aber meine Füße machten mir zu schaffen. Der Schuh war zu fest gebunden, aber neu binden wollte ich ihn auch nicht. Das kostet ja Zeit.
Wir näherten uns der 20 Km-Marke und dem nächsten Versorgungsstand. Zeitmäßig lagen wir unter 2 Stunden. Mein Laufkollege meinte, wir könnten noch unter 4 Stunden ins Ziel kommen. Aber für mich wäre das unmöglich. Diese schwierige Strecke und mit diesen Füßen. Ich war noch nie unter 4 Stunden gelaufen. Nach diesen 20 Kilometern überquerten wir wieder eine Straße, wo der Verkehr von der Polizei geregelt wurde und uns eine Schleife von 6 Km erwartete. Wir liefen also weiter und uns kamen schon die Schnelleren entgegen. Man was sind die schnell. Wir nickten und hoben lobend die Hand zum Gruß. Die Schleife von 6 Km lässt sich zwar gut laufen aber wir hofften, dass wir sie auch bald hinter uns haben. Zum Ende der Schleife, auf der langen Geraden, kamen uns auch Läufer entgegen, die die 6 Km noch vor sich hatten; und wir wurden bejubelt, überquerten die Straße und konnten uns bei Km 26 stärken. Mit schlotternden, kraftlosen Knien (der Schuh war immer noch zu fest geschnürt), nahm ich etwas zu mir. Ich traute mich nicht den Schuh zu lockern, denn mir würde es schwarz vor den Augen werden und ich würde anfangen zu taumeln. Ich glaubte es nicht mehr zu schaffen.
Aber weiter ging es.
Ein, zwei Steigungen noch und ab Km 30 war das schlimmste überstanden. Wir liefen und liefen in der Erwartung, dass es ab Km 34 bergab geht. Während der Anstrengung des Laufens entging uns aber nicht, dass wir an einen See vorbei gekommen waren. Es gab hier Buchenwald, dort eine Fichtenschonung, einen Teich, einen Bach und wir müssten auch noch an einen Wassergraben mit Mühlrad vorbeikommen. Wie schade, dass dieser Lauf nicht im Frühjahr oder Sommer stattfindet, wenn alles schön grün ist. Eine lange Gerade führte uns zu Km 34 .An der "Waldschmiede" (ein Gasthaus) war ein weiterer Versorgungsstand aufgebaut und wir wurden wieder bejubelt und ermuntert auszuhalten. Jetzt ging es 4 Km bergab. Aber meine Beine schmerzten, sie wollten nicht mehr. Nur noch langsam weiter laufen. Nichts mehr riskieren. Von meinem Laufpartner ermuntert und auf die zwei Läufer 150 Meter vor uns aufmerksam gemacht, lief ich weiter, wurde schneller, überholte und ließ die beiden sogar hinter mir. Das "Spielchen" wiederholte sich mehrmals. Wir nahmen den letzten kurzen Berg in Angriff und liefen ins nächste Dorf ein, wo uns die letzte Versorgungsstelle erwartete. Noch einmal stärken und auf ging es , die letzten 4 Km würden hart werden. Ich ging ein paar Schritte und lief wieder. Nach weiteren 2 Kilometern kamen wir wieder am See entlang . Der Weg war jetzt leicht ansteigend. Bei Km 41 ging ich noch mal. Ich wurde überholt und ermuntert weiter zu laufen um unter 4 Stunden zu kommen. Ich kam wieder ins Laufen und versuchte beim Zieleinlauf bei 3.59.48 Uhr für den Fotografen zu lächeln .
Das erste Mal unter 4 Stunden!!!
Hier war ich immer über 4,5 Stunden gelaufen, meine Bestzeit bis dahin war 4:12 Stunden. Jetzt unter 4 Stunden. Wie war das möglich? Ich konnte es gar nicht glauben. Im Ziel angekommen bekommt man eine Karte mit dem Namen des Fotografen in die Hand gedrückt, damit man sich das Zielfoto oder ein Foto, was auf der Strecke gemacht wurde, bestellen kann. Wir tranken und gingen anschließend in die Twisteseehalle um zu Duschen und auf die anderen zu warten. Zum ersten Mal hatte ich hier heißes Wasser zum Duschen. Nach dem Duschen trafen wir uns in der Halle zum Meinungsaustausch und geselligen Beisammensein, und warteten auf die Siegerehrung, die ab 17.00 Uhr stattfand. Wir blieben, bis die Urkunden auslagen und machten uns auf den Weg nach Hause.
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Viele Grüße allen Nichtläuern, Läufern und denen, die es noch werden wollen,
eure marathoni (Gitta)