Aronia- die Wunderbeere aus dem wilden Osten blüht jetzt
18.11.2008 (03.05.2011)
Pro:
Etwas für das ewige Leben
Kontra:
Glaube kann Berge versetzen
Empfehlenswert:
Ja
 straus07
Über sich:
Bin jetzt viel im Garten und deshalb wenig bei ciao.
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Vor einigen Jahren brachte ich mir aus Polen 2 Aroniapflanzen mit, weil sie so schöne schwarze Beeren hatten und das Laub im Herbst so herrlich rot sich verfärbte. Ende Mai erscheinen in kahlen Doldenrispen weiße, 15 mm große, weißdornähnliche Blüten, die selbstfruchtbar sind. Ich habe für knapp 1 m hohe Sträucher 5-7 Euro in Polen bezahlt, in Deutschland werden sie für etwa ab 10 Euro aufwärts im Internet angeboten. Mir war zwar bewusst, dass man sie essen kann und mir war auch bekannt wie sie schmecken , aber so richtig zur Ernte kam es nie, da meine kleinen gefiederten Gartenfreunde immer schneller waren mit der Ernte. In Deutschland hatte ich die Pflanze noch nie gesehen und so schaute ich mich damals im Internet und in Gartenbüchern um. Zuerst war kaum was zu finden, außer das die Pflanze in der Sowjetunion angebaut wurde und man versuchte sie auch in den RGW-Staaten heimisch werden zu lassen. Aber wie alles aus dem wilden Osten brauchte es seine Zeit bis sich das christliche Abendland mit den Errungenschaften des Osten vertraut machte, erst einmal abwertend und diskriminierend und dann in der Regel mit Karacho und so ist heute das Internet voll mit Berichten über die Wunderbeere aus dem Osten und sogar Ozon vom ORB brachte eine richtungsweisende Sendung über eine Anlage bei Dresden.
Nach Wikipedia ist die Apfelbeere (Aronia) eine Pflanzengattung mit etwa drei bis neun Arten, die zur Subtribus Kernobstgewächse (Pyrinae) in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehören. Am häufigsten sind die beiden Arten Aronia arbutifolia und Aronia melanocarpa, sie werden Kahle Apfelbeere oder Schwarze Eberesche genannt. Pflanzenkrankheiten gibt es kaum. Die Apfelbeere stammt aus dem Osten Nordamerikas. Dort ist sie hauptsächlich von Kanada bis Florida wild auf sauren, feuchten Böden zu finden
Die obstbauliche Nutzung begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den russischen Biologen und Obstzüchter Mitschurin, der die Aronia um 1910 mit anderen Obstsorten wie Ebereschen und Mispeln gekreuzt oder sie zumindest veredelte. Nach der Oktoberrevolution begann man dann im Altaigebiet mit Förderung der Sowjetregierung mit dem plantagemäßigen Anbau und erweitere die Anbauflächen über das ganze Land, soweit es das Klima zu ließ. Schon in den frühen 80er Jahren begannen verschiedene Betriebe in Bulgarien, in der Tschechoslowakei und in den skandinavischen Länder mit der versuchsweisen Kultivierung dieser Wildobstart. In der DDR begann der Anbau 1976 in der damaligen LPG "Berglandobst" in Schirgiswalde bei Bautzen. Die erbsengroßen, schwarzen Früchte, die ab Mitte August bis Oktober geerntet werden können, schmecken süß-säuerlich-herb und sind sicher nicht jedermann Geschmack. Die Beeren werden entweder getrocknet (wie Rosinen) verwendet oder durch Dampfentsaften als Saft getrunken. In der bunten Republik Deutschland spielte die Frucht, da sie sich nicht maschinell ernten lies und aus dem Osten bekannt war, erst einmal keine Rolle. Kleinere Mengen fanden dank ihrer roten Farbe Verwendung als Lebensmittelfarbe. In den ORB -Beitrag waren erstmalig auch Erntemaschinen zu sehen so dass zu vermuten ist, dass der Anbau erweitert wird. Anzeichen dafür ist auch die Tatsache, dass meine Berliner Mosterei mir gegen Apfelabgabe auch Aroniasaft ohne Beschränkung zur Verfügung stellte.
In der ehemaligen UdSSR und auch Polen wurde die Apfelbeere aufgrund ihrer auch für die Medizin wertvollen Inhaltsstoffe, Flavonoid-, Folsäure, Vitamin-K- und Vitamin-C zu den Heilpflanzen gerechnet. So wurden Aroniabeeren für die Herstellung von Vitamin-Tabletten verwendet, und auch Medikamente gegen Kapillartoxikosen, anazide Gastritis und Blutungen werden aus ihnen gewonnen. Auch gegen Kinderkrankheiten, Leber- und Gallenerkrankungen, Magenentzündungen, Allergien, Hautkrankheiten und sogar bei Strahlenschäden sollen Aroniabeeren helfen, daneben werden aus Apfelbeeren auch blutdrucksenkende Medikamente hergestellt. Sie wurden auch zu Trockenfrüchten verarbeitet, welche reich an Vitamin-P-aktiven Stoffen sind. Auch in Deutschland und den USA hat man das jetzt erkannt und ist dabei weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
Sorten für den Ertragsanbau sind die Aronia melanocarpa 'Viking'mit großen, flachkugeligen, schwarzen, glänzenden Früchten. Sie ist nicht ganz so aromatisch wie die Wildform, dafür ertragreicher und mit einer Höhe von ca. 1,5 m bestens zur Handernte geeignet, weiterhin gibt es die Aronia × melanocarpa 'Nero' mit etwa 12 mm dicken, sehr saftigen, kaum glänzenden Früchten, die sehr gut zur Herstellung von Marmeladen usw. verwendet werden können. Sie ist die am meisten angebaute und ertragreichste Sorte in Deutschland und Polen und steht auch in meinem Garten.
In der Ex- DDR seit den 1970er Jahren in Kultur, wird sie in westdeutschen Baumschulen als "Schwarze Colorado-Beere" angeboten.
Die Aronia hat seine Liebhaber gefunden und so gibt es sogar einen "Verein der Freunde und Förderer der Aroniabeere e.V. " mit Satzung u.a. Er ist zu finden im Internet.
Freunde und Förderer der Aroniabeere e.V Selliner Straße 17 01109 Dresden Infotelefon: 0351-2186083 Internetadresse www.aroniabeere.de Email: info@aroniabeere.de
Da sich Iwan Wladimirowitsch Mitschurin Verdienst um die Kultivierung der Aronia erworben hat, möchte ich ihn in meinem Bericht mit erwähnen. Da ich auf dem Dorf in der ehemaligen DDR groß geworden bin spielte er eine gewisse Rolle in meiner Kindheit. Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen war in den 50iger Jahren besonders ausgeprägt und so gab es positiv gesehen Mitschurinbauern, Mitschuringärtner und an jeder vernünftigen Schule auch einen Mitschuringarten. Wir hatten auch einen und haben experimentiert mit Futterpflanzen, Gräsern, Klee und natürlich auch mit Mais " der Wurst am Stengel". Wir lernten das Pfropfen und Okulieren und freuten uns, wenn wir dabei Erfolg hatten. Wir haben auch Gemüse angebaut, das dann in der Schulküche verarbeitet wurde. Natürlich gab es dagegen auch Widerstand und so wurden Bauern mit viel Unkraut und wenig Ertrag, auch abfällig als "Mitschurinbauern" verunglimpft. Iwan W. Mitschurin wurde am 15./27. Oktober 1885 geboren und verstarb am 7. Juni 1935. Er war ein bedeutender Biologe und Pflanzenzüchter dem es gelang, frostresistente Obstsorten für das kontinentale Klima Russlands zu züchten, die den Obstbau für weite Gebiete Russlands, mit ihren tiefen Wintertemperaturen, überhaupt erst möglich machten. Im zaristischen Russland ohne Unterstützung, erhielt er unter der Sowjetmacht volle Unterstützung und konnte so mehr als 300 neue Sorten schaffen. Mitschurin war der Ansicht, dass Obstsämlinge durch Erziehung und geeignete Pfropfpartner beeinflusst werden und die so erzielten Veränderungen erblich seien. Das stand im Widerspruch zu den Lehren des Augustinermönchs Gregor Mendel und so behauptet Wikipedia, dass die Botanik zur Parteisache und Ideologie wurde und man entblödet sich nicht Mitschurin und seine Lehre dafür verantwortlich zu machen, dass Obst und Gemüse in den frühen 1960er Jahren im Ostblock zur Mangelware wurde. Ich lernte in meiner Oberschulzeit (1956-1960) Beides unter dem Gesichtspunkt das sich die beiden Theorien ergänzen und wechselseitig angewendet werden müsse zur Ertragssteigerung.
Richtig herausgearbeitet ist bei Wikipedia die Aussage: "Das wichtigste Anliegen von Mitschurin waren jedoch die Schulgärten und die Einbeziehung der Naturwissenschaften, Botanik und besonders der Gartenarbeit in die Erziehung und Schule, er sah in dem Lehrer den Gärtner und in dem Schüler den jungen Baum, der zu erziehen und zu formen sei, damit er einmal die besten Früchte tragen kann." Wie wahr und dazulernen kann man überall, auch in Deutschland.
Fazit: Ich werde nicht Mitglied des Aroniavereins und werde meinen Garten auch nicht zum Mitschuringarten umgestalten, ich werde aber die Verbreitung der Aroniapflanze verfolgen und meinen Nachbarn weiter empfehlen. Zwei habe ich schon gewonnen, weitere werden folgen und meine Gartenvögel werden vermutlich auch zur Weiterverbreitung beitragen. 2008 habe ich 6 Flaschen Saft zur Probe bezogen. Die Resonanz in der Familie war positiv, 2009 werden es mehr und vielleicht erreichen wir damit das ewige Leben.
Quellen: Internet, Wikipedia, Meyers Lexikon DDR, ORB- Sendung
Bilder von Aronia. Eine Wunderbeere aus dem Osten
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
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21.08.2011 16:38
SH und einen schönen Sonntag noch
26.05.2011 18:26
schöne Bilder... lg undi77
16.05.2011 05:22
Ein gern gegebenes BH für einen TOP-Bericht über die Apfel-Beere :-))