Ein tolles Moped mit eingeschränkter Alltagstauglichkeit
01.04.2011 (04.04.2011)
Pro:
Überdimensioniert, Optik, durchzugstark (entdrosselt oder aufgwertet), günstige Motorteile
Kontra:
Startprobleme, Langstrecken ungeeignet, Tank extrem empfindlich
 Falk86
Über sich:
Mitglied seit:01.04.2011
Erfahrungsberichte:2
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Ich befasse mich hier in meinem ersten Erfahrungsbericht mit einer Aprilia RS 50 Baujahr 2007, welche ich 2010 für 2600 Euro (Norm-VK: 3300 Euro) im Neuzustand kaufte. Es handelt sich bei meinem Moped um ein Fahrzeug welches als "Ladenhüter" seit 2007 auf Lager war (noch in originaler Transportverpackung).
Grund für den Kauf: Die Kaufentscheidung traff ich nach monatelanger Vorbereitung und Vergleichen mit anderen 50ccm, 45km/h Schalt-Mopeds. Ich suchte nach einem Spaß-Moped für den gelegentlichen, sommerlichen Einsatz. (Auch war es mein Bestreben mal diese "neuen/modernen" Mopeds zu testen) Das Fahrzeug allgemein: Die Aprilia RS 50 ist ein vollverkleidetes, flüssigkeitsgekühltes, 50ccm, 2-Takt (Renn-)Moped mit einem 6-Gang Schaltgetriebe und 2,9 PS Serienleistung. Das fahrbereite (vollgetankte) Gewicht liegt bei 115 kg.
Austattung: Kombiinstrument mit analog gehaltenem Drehzahlmesser bis 12000 U/min und einem LCD-Display welches gleichzeitig als Tachometer, Uhr, Tageskilometerzähler, Runden-Timer, Zylinder-Temperatur (Balkendiagramm) und Gesamtkilometerzähler fungiert. Ansonsten die üblichen Warnleuchten für "Benzin is alle", "Öl is alle", "Motor zu heiß". Unter dem Fahrersitz befindet sich noch eine kleine Rolltasche mit Bordwerkzeug, die aber mehr oder minder nur aus einem Schraubenzieher und einem Zündkerzenschlüssel besteht. Die Fronscheinwerfer sind meiner Meinung nach Unterdurchschnittlich, die Lichtausbeute ist ziemlich schlecht. Fahrleistungen: Im Originalzustand gibt es meiner Meinung nach keine sog. "Fahrleistungen". Der Motor scheint mit dem Gewicht und der Drosselung auf 45km/h sowie der Einhaltung der EU-Abgasnormen extrem beschnitten. Jeder Fahrradfahrer fährt schneller an...6-Gänge auf 45km/h bedeuten viel Schaltarbeit. Legale Abhilfe schafft eine Sport-Auspuffanlage (mit EG-BE) aus dem Zubehör welche zumindest etwas mehr Durchzug zur Verfügung stellt. Ungedrosselt (Vorsicht: Illegal und die Straßenzulassung entfällt) stellt das Fahrzeug, nach Angabe meines Händlers, bis zu 8 PS zur Verfügung und ist kaum wiederzuerkennen, bissig und gute 80km/h schnell.
Motor, Getriebe u. Auspuff: Das Getriebe lässt sich sehr gut schalten (auf richtiges Getriebeöl achten!) und ist sehr ruhig. Der Motor erzeugt kaum spürbare Vibrationen und läuft im Originalzustand flüsterleise und das ist nicht nur so daher gesagt...man hört es kaum...der Auspuff hat den Namen "Flüstertüte" und das wörtlich genommen, verdient. Die offizielle Motorenbezeichnung lautet D50B1 (=mit Ausgleichswelle), dieser kommt aus dem Regal des durch die Piaggio-Gruppe einverleibten Herstellers Derbi in Spanien. Fahrwerk u. Bremsen: Man merkt der Aprilia ihre eigentliche Leistungsfähigkeit schon am äußeren Erscheinungsbild an. 300mm Scheibenbremse vorn, 180mm hinten, massiver Alu-Rahmen/Schwinge sowie eine Upside-Down Gabel welche auch in einem wesentlich größeren Motorrad verbaut sein könnte. Einzig das nicht einstellbare Federbein für die Schwingenfederung scheint mir ziemlich hart konzipiert. Die Bremsen arbeiten wunderbar, verlangen aber einen kräftigen Druck zum Erreichen der gewünschten Bremsleistung. Allgemein eine sehr gute Straßenlage und ebend richtiges "Big-Bike-Feeling".
Optik: Kurz und knackig: Klasse! :-) Komfort: Ab 1,90m Körpergröße müssen die Beine arg abgewinkelt werden. Der Sitz ist echt hart und verdient fast nicht seine Bezeichnung, für längere Strecken meiner Meinung nach ungeeignet. Die Sitzposition ist recht sportlich/agil flach gehalten, gewöhnungsbedürftig (falls man noch nie auf einem "Rennmoped" saß) aber in Ordnung. Der Soziussitz ist ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei und reicht höchstens für eine 45kg Dame mit schmalem Gesäß aus.
Stauraum: Nur minimal unter dem Sitz, passend vielleicht für eine Packung Zigaretten... Verarbeitung/Qualität: Bei diesem Punkt gibt es meines Erachtens kaum Beanstandungen, lediglich der Tank ist bei meiner schwarzen Farbvariante stark Kratzer empfindlich und sollte mit großer Vorsicht behandelt werden, ein großes Tankpad ist zu empfehlen. Besonders die verbauten Metallteile lassen auf große Sorgfalt bei der Fertigung schließen. Die Verkleidung könnte teilweise etwas stabiler ausgeführt sein aber ist wohl heutzutage "Mode".
Ersatzteilversorgung/Tuningteile: Dieser Punkt verdient einer besonderen Erwähnung. Die Regale spezialisierter Händler sind prall gefüllt mit Auspuffanlagen, Zylindern, Kupplungen und allen möglichen Motorteilen von namenhaften sowie nahezu unbekannten Herstellern, von extrem günstig bis sündhaft teuer, legal bis Rennsport. Die Ersatzteilversorgung ist demnach gesichert. Wehe jedoch dem, der einen Satz baut und Original-Teile wie Verkleidungen braucht, hier wird es richtig teuer und diese gibt es nur vom Hersteller. Probleme: Typisch für die Italiener...könnte man meinen..."Sie" mag kühle Temperaturen garnicht und brauch ein paar Anläufe um morgens per E-Starter zu zünden. Bei Minus-Graden wird es kritisch und dort hilft meistens nur Anschieben (2.Gang einlegen, Kupplung ziehen, laufen, Kupplung kommen lassen, leicht Gas geben). Diverse Einstellungsarbeiten am Vergaser brachten kaum/garkeine Verbesserung aber irgendwie habe ich "Sie" bisher immer zum Starten ermuntert. Ein anderes Problem welches ich nach meiner ersten Regenfahrt bemerkte, die offensichtliche Fehlkonstruktion des hinteren Schutzblechs/Kotflügels. Dieser lenkt den Dreck schön nach oben unter das Heck von wo aus die "Suppe" Richtung Federbein läuft, nicht gerade prickelnd bei einem offenen Dämpfer, wie ich finde. Im Übrigen kommt man nirgendwo ran ohne nicht vorher einige Teile zu demontieren, selbst ein Zündkerzenwechsel ist eine Herausforderung.
Fazit: Für mich ist die Aprilia RS 50 ein tolles Fahrzeug, optisch wie technisch. Eine Alltagstauglichkeit würde ich meiner "Kleinen" aber nur ungern bescheinigen. Gerade im gedrosselten Zustand ist die Fahrt für mich mehr eine Qual als erste Wahl...ungedrosselt und mit etlichem Zubehör aus dem Tuningregal bestückt, ist "Sie" ein kleines Biest mit beachtlicher Leistung aber hiervon profitiert nur die Rennstrecke, denn alles andere ist ILLEGAL! Wer sein Moped allerdings wirklich liebt, der lässt es als Leichtkraftrad eintragen. Der Sinn davon sei an diesem Punkt mal dahin gestellt ;-)
Bemerkung: Die Aprilia RS 50 wird offiziell von Aprilia in Deutschland nicht vertrieben u.a. wie ich glaube aufgrund der geringen Nachfrage. Eigentlich schade, da Aprilia/Derbi sowie auch Yamaha (bzw MBK Frankreich) und einige andere Hersteller tolle Mopeds fertigen. In unserem Nachbarland Österreich erfreuen sich diese Fahrzeuge großer Beliebtheit.
Einige Händler (bei weitem nicht alle) können/würden/werden auf Wunsch/Nachfrage diese Fahrzeuge bestellen. Diese sind ohne weiteres Anmeldefähig dank EU Zertifikat.
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04.04.2011 22:42
Interessant aber lieder nicht meine Marke und Klasse. ciu dilue
02.04.2011 09:15
"Innerhalb eines Kalendertages können Sie maximal 9 Berichte als "besonders hilfreich" bewerten " - schade, Gruß!
02.04.2011 00:20
Schicker Flitzer:-)!