Arzthelferin (MTA)

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1-6 von 6 Erfahrungsberichten    
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Der Beruf der Arzthelferin
Erfahrungsbericht von Finchen1983 über Arzthelferin (MTA)
22.04.2006


Produktbewertung des Autors:   

Einstellungschancen: mittelmäßig 
Aufstiegschancen gering 
Verdienstmöglichkeiten: mittelmäßig 
Sozialleistungen: überdurchschnittlich 

Pro: Kontakt mit Menschen, abwechslungsreich
Kontra: Stress, lange Arbeitszeiten

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Hallo, heute will ich mal nicht versuchen, irgendwelche Produkte zu bewerten, sondern euch ein bißchen von meinem Berufsleben erzählen.
Nun ist es bald wieder soweit, viele junge Menschen beenden die Schule und stehen vor dem großen Problem: Was nun??
Da gibt es viele Möglickeiten: Eine höhere Schule besuchen, ein Praktikum machen, studieren, eine Berufsausbildung oder ein Jahr ins Ausland gehen.
Denke mal, dass dies statistisch die häufigsten Wege sind, die jemand nach dem Schulabschluss einschlägt.

Um euch die Entscheidung zu erleichtern welchen Berufsweg ihr gehen wollt, versuche ich euch auf diesem Weg den Beruf der Arzthelferin schmackhaft zu machen oder euch zumindestens mal einen Einblick zu verschaffen.


Erst mal erzähle wie ich, wie es kam, dass ich eine Ausbildung zur Arzthelferin machte.
Jeder von euch kennt das bestimmt, in der Schule muß man in der neunten Klasse ein zwei- oder auch dreiwöchiges Praktikum absolvieren. Ich wollte schon immer Kindergärtnerin, Krankenschwester oder Arzthelferin werden.
Also machte ich mein zweiwöchiges Praktikum im Kindergarten. Hab mir so gedacht, da spielt man den ganzen Tag mit den Kindern und liest ihnen Geschichten vor, bastelt ein bißchen... Jaja, so leicht war das dann doch nicht. Spaß gemacht hat es mir auf jeden Fall, aber die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz waren zu der Zeit leider nicht so rosig.
Nach meinem Schulabschluss entschied ich mich dann zu einem einjährigen Praktikum als Krankenschwester. Eine Ausbildung kommte ich damals noch nicht beginnen, da hier die Voraussetzungen sind, dass man mindestens 17 Jahre alt ist, ich war erst 16. Deshalb also das Praktikum. Das war auch mein Glück, denn richtig Spaß gemacht hat mir das nicht. Im diesem Beruf darf man nicht zu einfühlsam sein, denn viele Leute liegen wirklich sehr lange in einem Krankenhaus, sind verzweifelt, können sich oft selber nicht mehr helfen und viele sterben auch dort - sowas nimmt einen schon ganz schön mit. Desweiteren erfordert dieser Beruf eine hohe körperliche Anstrengung, gerade bei alten Patienten die nicht mehr alleine aufstehen können, die sich auch im Bett nicht mehr selber bewegen können. Habe da wirklich schon von vielen Krankenschwestern gehört, dass sie Rückenprobleme haben.
Aber da es nur ein Praktikum war konnte ich nach einem Jahr sagen: So, das war´s für mich und Tschüss.


Und dann endlich machte ich eine Ausbildung zur Arzthelferin!


Voraussetzungen
********************
~Eine abgeschlossene Berufsausbildung
~Sehr, sehr viel soziales Engagement
~Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen
~Immer ein nettes Lächeln - auch für Patienten die einem unsympatisch sind
~Belastbarkeit - denn auch in diesen Beruf wird man oft mit Schicksalen konfrontiert die einem wirklich ans Herz gehen
~Stresssituationen sollten perfekt gemeistert werden - gerade dann wenn viel Betrieb in einer Praxis ist und die Patienten an der Anmeldung Schlange stehen, hier werden nämlich zuerst einmal die Arzthelferinnen beschimpft (nicht der Arzt!)
~Ruhe bewahren - in einer Arztpraxis kann es zu Notfallsituationen kommen (ein Patient wird bewußtlos, übergibt sich, etc.), wenn man dazu selber noch hektisch wird verunsichert das den Patient und auch die wartenden Patienten
~ Keine Angst vor Blut - je nachdem in welcher Praxis, z. B. beim Allgemeinarzt oder Internisten gehört es dazu Blutentnahmen durchzuführen
~ Kollegialität - irgendwie ist es doch fast in jeder Arztpraxis so, dass eine Person dort schon länger arbeitet, die einen herumscheucht, herumkommandiert und oftmals unfreundlich zu einem ist (bei uns wurde diese Person scherzhaft "Schwester Oberin" genannt). Aber auch solche Mitarbeiterinnen sollten mit Respekt behandelt werden!
~ Computerkenntnisse - keine wirkliche Veraussetzung, denn dies kann erlernt werden, aber ein paar Grundkenntnisse sind schon mal nicht schlecht (viele Praxen arbeiten heutzutage am Computer und nicht mehr mit Karteikarten wie das früher einmal war)
~ Einsatzbereitschaft
~ Ausgeglichenheit
~ Korrektheit - sehr, sehr wichtig!! Stellt euch mal vor wie das wäre wenn ein Befund von einem Patient vertauscht würde! Korrektheit ist auch wichtig bei der Reinigung und Sterilisation von medizinischen Geräten
~ Pünktlichkeit


Die Ausbildung
*****************
Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre.
In dieser Zeit wird zweimal in der Woche die Berufsschlule besucht.
In den meisten Arztpraxen ist zudem so geregelt, dass einem ein freier Nachmittag zusteht.

Meine Ausbildung habe ich bei einem Internisten absolviert, was sehr interessant war, da hier Magen- und Darmspiegelungen durchgeführt wurden.
Werde mal kurz auflisten, was ich im praktischen Bereich in der Praxis so alles gelernt habe:
~ Labortätigkeiten (Blutentnahme, Urinuntersuchungen, Anlegen von Infusionen, Injektionen)
~ Anlegen von EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruck
~ Selbständige Durchführung von Doppleruntersuchungen, Lungenfunktionen, Inhalations- und Reizstromtherapien
~ Assistenz bei Magen- und Darmspiegelungen, Gewebeprobeentahmen
~ Anlegen und Wechseln von Verbänden, Fädenentfernung
~ Textverarbeitung, Schreiben von Arztbriefen, Führen der elektronischen Patientenkartei inkl. Leistungserfassung im Bereich der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung
~ Reinigen, Desinfektion und Sterilisation von medizinischen Geräten und Arbeitsflächen

Wie schon gesagt, dies sind meine Erfahrungen beim Internisten, in einer gynäkologischen Praxis oder beim Augenarzt werden natürlich wieder ganz andere Untersuchungen durchgeführt und erlernt.


Die Berufsschule
*******************
Zweimal in der Woche einen halben Tag (sechs Schulstunden) wird hier unterrichtet.

Folgende Fächer werden gelehrt:
~ Medizinische Fachkunde
~ Abrechnungswesen
~ Rechnungswesen und Wirtschaftslehre
~ EDV / Textverarbeitung
~ Labor
~ Deutsch
~ Religion
~ Sozialkunde
~ Sport
In der Abschlussprüfung braucht man allerdings nicht all diese Fächer. Sport, Religion und Deutsch werden nicht geprüft.


Die Abschlussprüfung sieht dann wie folgt aus

* Medizin*
~ Medizinische Fachkunde (90 Min. Prüfungszeit)
~ Laborkunde (30 Min. Prüfungszeit)

* Verwaltung*
~ Wirtschaftslehre mit Organisation (30 Min. Prüfungszeit)
~ Rechnungswegen mit Buchführung (60 Min. Prüfungszeit)
~ Abrechnungswesen (30 Min. Prüfungszeit)

* Wirtschafts- und Sozialkunde*
(45 Min. Prüfungszeit)

* Praktische Übungen*
~ Textverarbeitung (30 Min. Prüfungszeit)
~ Mündliche Prüfung (15 Min. Prüfungszeit)


Nach bestandener Prüfung wird ein Prüfungszeugniss und ein Arzthelferinnenbrief von der Ärztekammer ausgehändigt + ein Abschlusszeugniss vom Chef.

Mit ein bißchen lernen und aufpassen ist die Schule eigentlich nicht schwer.
Hatte früher in der Schule in Mathe immer vierer oder sogar fünfer, aber hier in Rechnungswesen schrieb ich auf einmal Einsen und Zweien (bin also das beste Beispiel, das es nicht schwer ist).
Abrechnungswesen und Wirtschaftslehre,
hier werden viele praxisbezogene Themen durchgenommen, diese sind also auch nicht schwer zu erlernen, da von einem selber die meisten Sachen, die gelehrt werden, in der Praxis jeden Tag durchgeführt werden.
EDV und Textverarbeitung,
hier wird erst mal gelernt blind auf einer Tastatur mit zehn Finger zu schreiben, dazu bekommt man ein Blatt Papier über die Tastatur gelegt damit man nix sieht (an der Schreibmaschine). Aber keine Angst, in der Abschlussprüfung geht es darum Briefe mit den korrekten Absatzabständen zu schreiben (am PC, Fehler können also verbessert werden).
Medizinische Fachkunde ist das Schwerste - Lehre der Anatomie und Pathologie.
In diesem Fach muss einfach aufgepasst und gelernt werden! Zum Schluss glaubt man sogar, dass man mehr weiß als ein Arzt, aber dieses Fach ist auch das Interessanteste von allen.
Ach ja, und dann noch Sozialkunde (nicht gerade meine Stärke).
Solche Sachen bei Elternzeit, gesetzliche Arbeitszeiten, Mutterschutzgesetz, Sozialgerichtsbarkeit und Formen der sozialen Sicherung werden hier durchgenommen. Naja, wem dieses Fach liegt, wird es auch hier nicht schwer haben, es muss einfach nur Interesse an solchen Themen gezeigt werden.


Die Vergütung
****************
Diesen Beruf darf man nicht ausüben oder erlernen, wenn man Großverdiener werden will.
Hier die aktuelle derzeitige Tabelle:
1. Ausbildungsjahr: 500 Euro
2. Ausbildungsjahr: 600 Euro
3. Ausbildungsjahr: 750 Euro


Abgeschlossener Berufsausbildung wird die Vergütung in vier verschiedene Tätigkeitsgruppen unterteilt.

Tätigkeitsgruppe I:
Ausführen von Tätigkeiten nach Anweisungen, wobei Fachkenntnisse vorausgesetzt werden, wie sie durch eine abgeschlossene Berufsausbildung als Arzthelferin mit der Prüfung vor der Ärztekammer erworben werden.

Tätigkeitsgruppe II:
Ausführen von Tätigkeiten nach allgemeinen Anweisungen, wobei vertiefte Fachkenntnisse vorausgesetzt werden, die über die Anforderung in Gruppe I hinaus erworben worden sind. Es werden 3 Berufsjahre vorausgesetzt.

Tätigkeitsgruppe III:
Weitgehend selbständiges Ausführen von Tätigkeiten, die gründliche Fachkenntnisse und mehrjährige Erfahrungen sowie Fortbildung oder die Aneignung zusätzlicher Kenntnisse auf einem bestimmenten Gebiet erfordern und die in der Regel mit Übernahme von besonderer Verantwortung verbunden sind. Er werden 6 Berufsjahre vorausgesetzt.

Tätigkeitsgruppe IV:
Selbständiges Ausführen von Tätigkeiten, die besondere Anforderungen an das fachliche Können und das Verantwortungsbewußtsein stellen und die in der Regel mit Leitungsfunktionen (Personalführung, Weisungsbefugnisse) verbunden sind.

In diesem Beruf kann also von 1309,05 Euro bis 2220,43 Euro verdient werden.
(Achtung: Diese Angaben sind noch von 2002!!!! Mittlerweile dürften es doch ein paar Euros mehr geworden sein, diese Angaben dienen nur dazu, euch einen kleinen Einblick zu verschaffen).

Aufstiegschancen
*********************
In einer Arztpraxis sehen die Aufstiegschancen so aus, dass man in die oben erwähnten Tätigkeitsgruppen eingestuft werden kann. Leider gibt es sonst keine Aufstiegschancen.
Wer das will, kann sich allerdings weiterbilden, z. B. nach der Berufausbildung eine weitere Ausbildung zur Krankenschwester machen oder in den Beruf der Altenpflegerin wechseln.
Es gibt auch viele Abrechnungsstellen in Deutschland, die bevorzugt Arzthelferinnen oder Krankenschwerster einstellen. Hier werden die Rechnungen für die Privatpatienten erstellt, in diesem Berufsfeld fällt der Verdienst auch höher aus, als als Arzthelferin und die Arbeitszeiten sind besser. Allerdings arbeitet man hier in einem Büro, der persönliche Kontakt zu den Patienten fehlt völlig.


*Mein persönliches Fazit*

Ich würde mich jederzeit wieder dazu entschieden diesen Beruf zu erlernen.
Abgesehen von der "Schwester Oberin" waren alle Kollegen supernett, einen besseren Chef als ich hatte wird man wahrscheinlich sonst nirgendwo finden (durften den sogar duzen!). Aber denkt dran, nicht alle Chef´s sind so nett, viele Ärzte sind echt unfreundlich zu ihren Helferinnen.
Der Beruf macht sehr viel Spaß wenn man selber Freude daran hat. Zugegeben, manche Patienten nerven einen echt, das gleicht sich aber wieder aus, weil es auch viele nette Menschen gibt, die einem dann wiederrum das Gefühl geben ihnen geholfen zu haben. Es gibt viele Patienten die schenken den Arzthelferinnen kleine Sachen zu Weihnachten, bringen selbstgebackene Kekse mit und bedanken sich überschwenglich wenn sie wieder gesund sind. Genau durch diese Menschen weiß ich, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.
Bei jedem Beruf den man erlernen will, sollten sich jedoch vorher viele Gedankten gemacht werden, ob es das Richtige für einen ist. Auch in einer Arztpraxis ist nicht immer alles ganz leicht zu meistern. Da kommen z. B. Patienten an, die sich die Hose eingekotet haben (wirklich alles schon erlebt!) oder welche die riechen als hätten sie sich seit fünf Wochen nicht mehr geduscht und natürlich müssen diese Patienten behandelt werden wie alle anderen auch. Beleidigen darf man hier niemanden, sind schließlich auch nur Menschen (also Nase zu und durch). Ach, und nicht zu vergessen die Privatpatienten (die bringen das meiste Geld ein), diese müssen ganz besonders höflich und nett behandelt werden. Verantwortung ist ein Wort, das in diesen Beruf groß geschrieben wird. In einer Artzpraxis darf niemals gestruddelt werden, dies kann immer schwere Folgen habe (ob für einen selber oder den Patient). Verwantwortung bedeutet z. B. bei der Blutentnahme Handschuhe anzuziehen, stellt euch mal vor, ihr verletzt auch mit einer benutzen Nadel und der Patient ist mit einer Blutkrankheit infiziert! Das kann sehr schlimme Folgen für euch haben.
Wenn einem dieser Beruf gefällt machen einem die langen Arbeitszeiten eigentlich nichts so viel auch (viele Praxen haben bis 18 oder sogar an einigen Tagen bis 19 Uhr geöffnet.). Aber man muß sich dessen auch bewußt sein, in einer Praxis ist es nicht wie im Büro, wo immer um 17 Uhr Feierabend ist. Wenn um 18 Uhr noch Patienten da sind müssen auch Überstunden gemacht werden, einfach heimgehen - das geht nicht.
Und nicht zu vergessen, einige Ärzte haben an den Wochenenden Notdienst, an diesen Tagen muss auch eine Arzthelfering in der Praxis vorhanden sein.


Hoffe ich konnte euch mit meinem Bericht den Beruf Arzthelferin etwas näher bringen und für alle die noch nicht überzeugt sind oder generell sich noch nicht genau entschieden haben, welchen Beruf sie erlernen wollen mein Tipp: Macht ein Praktikum !!
   
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