Take my breath away
17.12.2003
Pro:
Darsteller, Bilder, . . . .
Kontra:
Liebesgeschichte könnte mehr Platz bekommen, starke Parallelen zu anderen Wong Kar - Wai - Filmen, sicher nix für Actionfans
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 BillMaplewood
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Wong Kar-Wai gehört zu den Kultregisseuren der 90er Jahre. Spätestens sein großer Erfolg mit „Fallen Angels“ bei der Berlinale brachte ihm diesen Ruf ein! Dabei sind seine Filme sehr speziell, absolut nichts für die breite Masse und ganz sicher auch nichts für den gemeinen Hong-Kong-Action-Fan! Das hat einen Grund: Obwohl Wong Kar-Wais Hauptfiguren sehr oft Profikiller und Gangster sind, steht die Action ganz und gar nicht im Vordergrund. Auch in seinem Erslingswerk „As tears go by“ steht ein Gangster im Mittelpunkt: Wah (Andy Lau) arbeitet für die Mafia. Hauptsächlich treibt er Geld für sie ein. Mit ihm zusammen arbeitet sein bester Freund Fliege (Jacky Cheung). Er ist sein „kleiner Bruder“, eine Art Rangfolge innerhalb der Mafia, die bedeutet, dass Wah für Fliege verantwortlich ist, dieser sein Untergebener ist und Wah ihn ausbilden soll.
Fliege kann sich mit dieser Rangfolge nur schwer abfinden. Er ist vorlaut und ein Heißsporn. Er will sich einen Namen machen. Deshalb legt er sich immer wieder mit einen anderen Gangster an. Ngor (Maggie Cheung) ist die Cousine von Wah. Sie kommt eines Tages Wah besuchen, da sie krank ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Band. Als sie wieder abreist, reist Wah ihr nach. Doch in der trostlosen Gangsterwelt von Hongkong hat weder die Liebe zu Ngor noch die Freundschaft zu Fliege eine Chance.
Schon in seinem Erstling zeigt Kar-Wai dem Zuschauer ein Motiv, welches man in seinen weiteren Filmen immer wieder sehen wird. Er zeigt ein trostloses verregnet Hongkong und in diesem eine Gruppe einsamer Menschen. Allen voran Wah. Dieser ist zwar cool und lässig und damit genau das Gegenteil von dem hektischen und ungeduldigen Fliege, aber auch Wah ist einsam. Er hat nur Fliege und will diesen Freund deswegen nicht verlieren und hilft ihm aus jeder Patsche! Erst später hat er einen „zweiten Freund“, eine Liebe, seine Cousine Ngor. Doch als er dann die Wahl hat bei seiner Cousine zu bleiben oder wieder einmal seinem Freund zu helfen, entscheidet er sich für seinen Freund. Es bedeutet seinen Tod!
Typisch für Wong Kar-Wai und das ist es auch, was man über weite Strecken dem Film vorwerfen muss: Er ist typisch für Wong Kar-Wai! Wenn man seinen Episodenstreifen „Fallen Angels“ oder „Chungking Express“ gesehen hat, dann kennt man auch „As tears go by“ (wobei man das ganze natürlich eher umdrehen kann, da „As tears go bye“ der erste Film des Regisseurs ist). Es ist einfach das typische Motiv und der typische Stil von Kar-Wai in den Neunzigern. Im Gegensatz zu „Fallen Angels“ ist „As tears go by“ zwar kein Episodenfilm, er kommt aber trotzdem fast wie einer daher. Man kann ihn wirklich fast unterteilen in eine Episode um die Freundschaft zwischen Wah und Fliege und eine um die Liebe zwischen Wah und Ngor. Dabei kommt letztere Epsiode trotz eines Traumpaares bei den Darstellern Andy Lau und Maggie Cheung (beide da der Film aus dem Jahr 1988 stammt, noch sehr jung) deutlich zu kurz. Hervorragend die Kuss-Szene in der Telefonszelle, ein Meisterwerk für sich, aber leider gibt es etwas zu wenig davon (hervorragend auch die Szene, in der Maggie Cheung in einem roten Kleid eine blau beleuchte Discothek betritt).
Dabei ist diese Szene, wie der ganze Film visuell wieder ein Meisterwerk. Auch wenn Kar-Wai hier noch nicht mit dem genialen Kameramann Christopher Doyle zusammen arbeitete, sondern mit Law Wai Keung sieht man hier den besonderen visuellen Stil schon mehr als deutlich, der sich durch alle Filme von Kar-Wai zieht und von Christopher Doyle zur Perfektion gebracht wurde. In „As tears go by“ wird viel mit der Handkamera gearbeitet, der Stärke von Law Wai Keung nach Angaben von Kar-Wai. [1] F A Z I T °°°°°°°°°° Trotz einzelner Kritikpunkte ist Wong Kar-Wais Film immer noch stärker als die große Mehrheit der amerikanischen Filme. „As tears go by“, dass von Martin Scorcese „Mean Streets” (“Hexenkessel”) inspiriert wurde [1], ist ein extrem pessimistisches Drama um Liebe und Freundschaft. Wunderschöne Bilder, wie das oben beschriebene in der Telefonzelle und brutale Schlägereien wechseln sich ab und zeigen die Grausamkeit der von Kar-Wai geschilderten Welt. Ein guter, wenn auch phasenweise zu aufdringlicher, Soundtrack rundet den Film sehr gut ab (hervorragend dabei einmal die musikalische Untermalung durch „Take my Breath away“). Sieben von zehn Punkten!
Der Film ist nur in kantonesischer Sprache mit deutschen Untertiteln verfügbar. [1] Vergleiche hier zu ein Interview mit Wong Kar-Wai bei filmstar.de: http://www.filmstar.de/entertainment/stars/w/wong_kar_wai_i_01.html
D A T E N °°°°°°°°°° Titel Deutschland: As Tears Go By Originaltitel: Wong go ka moon Genre: Drama / Action / Lovestory Hongkong 1988, FSK 16, Laufzeit : 96 Minuten Darsteller: Andy Lau (Wah), Maggie Cheung (Ngor), Jacky Cheung (Fliege), Alex Man (Tony), Wong Un (Mabel), Lam Gao (Ah Kung), Wong Bun (Ah Sai)
Regie: Wong Kar-wai Produzenten: Alan Tang, Rover Tang Drehbuch: Wong Kar-wai Musik: Danny Chung Kamera: Lau Wai Keung Ausstattung: William Chang Schnitt: Peter Chiang, Hai Kit Wai W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N °°°°°°°°°°°° Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0096461/
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=1882 © Björn Becher 2003
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17.02.2004 19:17
Ich liebe Wong Kar-Wai Filme - jedenfalls die, die ich kenne (worunter auch As Tears Go By fällt). Ich glaube, ich nehme dich jetzt mal in mein CIS auf :-)
22.12.2003 15:03
Klasse Bericht! Dir und Deinen Lieben ein frohes, besinnliches und friedliches Weihnachtsfest ;-)
19.12.2003 13:41
"As Tears Go By" ist neben "Fallen Angels" mein Lieblingsfilm von Wong Kar Wai - auch wenn er im Gegensatz zu seinen späteren Film (Ausnahme: "Ashes of Time") eher für das kommerzielle Kino produziert wurde.