Über sich:Mein jüngster Bericht: "Zeit des Verrats" (Buch). +++ Bitte keine Leserunden-Angebote. +++...
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Aus einem neuartigen japanischen Kernreaktor werden sechs Tonnen Lithium 6 geraubt. Gleichzeitig verschwindet aus einem Forschungsreaktor in Frankreich eine große Menge hochgiftiges Plutonium. Beides zusammen lässt die amerikanische Terroristenabwehr befürchten, dass die Diebe den Bau einer Atombombe und einen Großangriff aus eine amerikanische Großstadt planen. Die "Nuclear Terrorism Unit" hat bald ein Schiff im Visier, das Tonnen von Uranerz geladen hat - und Kurs auf Los Angeles hält… (korrigierte Verlagsinfo)
Der Autor °°°°°°°°°°°°°
Risto Isomäki ist Schriftsteller, Wissenschaftsredakteur und Umweltaktivist. Er hat bereits an mehreren internationalen Umweltprojekten mitgearbeitet. Mit seinem Roman "Die Schmelze" und dem damit verbundenen Artikel "34 Ways to Stop Global Warming" hat er die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) auf sich aufmerksam gemacht und agiert inzwischen als ihr Berater. "Ascheregen" ist sein fünfter Roman. Durch die Havarie des Atomkraftwerkkomplexes Fukushima hat das Buch eine unerwartete Aktualität erhalten.
Handlung °°°°°°°°°°°°°
Prolog
Am 1. März 1954 zündeten die Ameikaner auf dem Südseeatoll Bikini eine neuartige Atombombe. Ihr Fallout war enorm stark und ließ das Wasser in der Atmosphäre als Schnee zu Boden fallen, der grau wie Asche war. Als der japanische Fischtrawler "Glücklicher Drache Nr. 5" dreihunderte Seemeilen östlich von Ground Zero in die Falloutwolke gerät, finden die Fischer den grauen Schnee, der bald ihr Boot bedeckt, noch wundervoll. Doch schon wenige Stunden später stellt sich bei den ersten Männern Überkeit und Erbrechen ein, dann die ersten Zusammenbrüche… Die Wolke zieht weiter über die Atolle Utrik und Rongelap, sie bringt tödlichen Schnee.
Haupthandlung
Kommissar Niori wird mitten in der Nacht in die Hauptverwaltung des Yoshikawa-Konzerns in Osaka gerufen. Auf den Überwachungsmonitoren der Security kann er mitverfolgen, wie Wachmänner getötet werden - es sind insgesamt acht. Bis er mit dem Verantwortlichen zum Tatort vorgedrungen ist, findet er sieben Leichen, doch wo ist die achte? Der Verantwortliche
Bilder von Ascheregen. - Thriller / Risto Isomäki
Ascheregen / Isomäki, Risto
endlich kann ihm sagen, was die Killer eigentlich wollten: die LR-Module der neuartigen Atomreaktoren. Sie haben sechs Tonnen Lithium-6 gestohlen. Niori hat keine Ahnung, was man mit diesem Zeug anstellen könnte. Er soll es bald herausfinden…
Am nächsten Morgen wendet sich die New Yorker Prostituierte Kate Henshaw an die Abwehreinheit für Nuklearterrorismus (NTU) der US-Regierung. Sie hat ein Telefongespräch ihrer Kunden belauscht. Was denn bitteschön Lithium-6 sei? Leiter der NTU-Einheit ist Kenneth Andrews, mit ihm arbeiten der Finne Lauri Nurmi, seine Frau Alice, eine Halbindianerin, und schließlich Julia Noruz, die persische Vorfahren hat - eine buntgewürfelte Truppe, die aber notfalls einen Spezialeinsatz ausführen kann.
Selbstverständlich wird die NTU von den Japanern über den Diebstahl von Lithium-6 unterrichtet, das ja immerhin spaltbares Material darstellt, ein Isotop von Lithium. Alice fliegt hin, um der Spur dieses Zeugs zu folgen. Sie gerät mit den Yakuza, der japanischen Mafia, aneinander. Indem Kate henshaw Lauri Nurmi zum Nachdenken bringt, erkennt die NTU schließlich, dass sich mit Hilfe des Lithiums-6 eine mindestens ebenso schmutzige Atombombe wie "Castle Bravo" herstellen lässt, die am 1. März 1954 auf Bikini gezündet wurde.
Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn gleichzeitig mit dem Lithiumdiebstahl wird der NTU aus Frankreich gemeldet, dass aus einem Forschungsreaktor im Laufe mehrerer Jahre rund 160 Gramm hochgiftiges Plutonium gestohlen wurden. Zusammen mit Lithium-6 und schwach angereichertem Uran-238 könne man daraus eine Atombombe bauen, die zwar sehr groß sein müsste, derern Fallout aber verheerende Auswirkungen auf den betroffenen Ground Zero hätte - vom elektromagnetishen Puls (EMP) ganz zu schweigen, der alle Elektronik verschmoren würde.
Aus Japan kehrt eine ziemlich lädierte Alice zurück. Zusammen mit Lauri beteiligt sie sich dennoch an einem Spezialeinsatzkommando gegen einen australischen Frachter, der Uranerz nach Los Angeles bringen soll. Es wird ein Himmelfahrtskommando…
Mein Eindruck °°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Der Autor von "Die Schmelze" kennt sich mit Klimawandel ebenso gut aus wie mit den Gefahren aus der Nutzung der Atomenergie. Das merkt man den zahlreichen Fakten an, die er in die 380 Seiten seines Romans gestopft hat. Ich hätte nie gedacht, dass man A-Bomben aus so vielen verschiedenen Komponenten bauen könnte - jeder einzelne Aufbau mit unterschiedlicher Wirkung.
Die NTU agiert denn auch entsprechend energisch, als es darum geht, den Drahtziehern der neusten Bedrohung auf die Spur zu kommen und ihnen das Handwerk zu legen. Andrews und seine Leute stoßen auf einen islamistischen Verbindungsmann, der zufällig auch Geheimdokumente über eine seltsame Art von A-Bombe in seiner Wohnung versteckt hat - die Lauri Nurmi entdeckt. Dass dieser Mann dann gefoltert wird, um ein Geständnis zu erzwingen, findet er jedoch alles andere als akzeptabel. Ja, was darf's denn nun sein, Herr Nurmi?
Krieger in Aktion
Nurmi ist offenbar der Typ Krieger alter Prägung, der noch über einen Ehrenkodex verfügt. Er kann sich mit einer Prostituierten wie Henshaw anfreunden, doch das Foltern geht ihm zu weit. Leider stößt er mit dieser Haltung weder bei Andrews noch bei seiner Frau Alice, die beide pragmatischer eingestellt sind, auf Verständnis oder gar Gegenliebe. Wir können Lauri zwar mögen, doch allzu viel Verständnis kann er auch von uns nicht erwarten.
Nachdem sich Alice gegen die Yakuza erfolgreich zur Wehr gesetzt hat, erklären sich Alice und Lauri bereit, an der Kaperung des australischen Erzfrachters tatkräftig mitzuwirken. Die Action kommt also keineswegs zu kurz, so dass der Roman die Bezeichnung "Thriller" nicht zu Unrecht für sich in Anspruch nehmen kann. Die Kaperung verläuft extrem blutig und fordert Opfer - auf beiden Seiten.
Gesäter Zweifel
Ein guter Thrillerautor weckt jedoch im Leser frühzeitig Zweifel, ob es sich die Jungs mit den weißen Hüten so einfach machen dürfen - die Action allein kann's wohl nicht richten. Schließlich ist dies kein Western. Schon auf den ersten Seiten beschleichen deshalb Kommissar Niori Bedenken, es könne sich um eine Inszenierung handeln. Ein Ablenkungsmanöver? Auch der Erzfrachter erweist sich als falsche Fährte - ein Schlag ins Wasser, der auch im Leser für Frust sorgt.
Wachsender Frust
Doch wo steht der wahre Feind? Jetzt kommt Henshaw wieder ins Spiel: Sie soll erneut bei ihrem Kunden Washburn arbeiten, diesmal jedoch als Agentin für die NTU. Nach einigem Sträuben und einer brutalen Erpressung seitens Andrews' willigt Henshaw ein. Doch als Lauri Nurmi ebenfalls in die Wohnung Washburns eindringt, erweist sich das erhoffte Finale als vorbereitete Falle für die NTU-Mitarbeiter. Als sich Lauri gefesselt in der Gewalt Washburns und seiner Schergen befindet, bricht der Roman mir nichts dir nichts ab.
Die Übersetzung °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Angela Plöger hat die zahlreichen technischen und wissenschaftlichen Fachausdrücke akkurat ins Deutsche übertragen, doch ab und zu unterlief auch ihr ein Fehler. Auf Seite 18 heißt es, der neue Kernreaktor der Japaner würde "200 Watt Elektrizität" liefern. Das ist nicht viel mehr als eine gewöhnliche Glühbirne. Ein paar Seiten Seiten wird die Angabe korrekt gemacht: Es muss "200 Kilowatt" heißen.
Unterm Strich °°°°°°°°°°°°°
Man kann nicht unbedingt sagen, dass es sich um einen Thriller vom Kaliber eines James Bond, Jack Reacher oder gar Jason Bourne handelt. Vielmehr dient die Thrilleraction nur als Vorwand dafür, eine paar unbequeme Informationen und Wahrheiten unters lesende Volk zu bringen. Das ist allerdings in einer Zeit, in der die Havarie des AKW-Komplexes Fukushima die Welt in Schrecken versetzt, durchaus willkommen.
Auch die US-Präsidentin, die im Buch von der NTU peu à peu die schrecklichen Möglichkeiten eines Anschlags mit einer schmutzigen Megabombe aufgezeigt bekommt, dürfte nicht weniger erschreckt sein als die Bürger von Tokio, auf die eine Wolke radioaktiven Fallouts zu schwebt.
Das Problems dieses Roman ist weniger inhaltlicher als vielmehr literarischer Natur. Es mag ja unterhaltsam sein, die entsprechend breit ausgewalzten Actionszenen zu lesen, doch jeder anständige Thriller muss eine Prämisse einhalten: dass der Held überlebt und dabei die Welt rettet.
Hier löst der Autor diese beiden Prämissen in keinster Weise ein. Das Ende ist offen, das Problem ungelöst, die Welt schwebt weiter in Gefahr. Von einer Fortsetzung erfahren wir ebenfalls nichts, so dass wir nicht annehmen können, die Lösung werde spätestens im Sequel folgen. Meinen Frust kann man sich vielleicht vorstellen. Entsprechend fällt der Punktabzug aus.
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19.04.2011 21:04
BH von mir! LG
15.04.2011 19:37
Na, doch noch eines übrig ;-))
14.04.2011 10:41
die bestnote gerne überreicht, lg willi