Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Individuelle Zubereitung . |
| Kontra: |
Siehe Text . |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Im Zeitalter der Globalisierung darf man geografische Bezeichnungen mit einer gewissen Skepsis betrachten. Oben auf der Verpackung steht “Chicken Curry”. Nun gut, das habe ich unter der Bezeichnung schon mehrfach gegessen. Unten drunter steht “Madras Curry”. Eigentlich wurde die Stadt Madras in Chennai umbenannt und ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. In deutscher Übersetzung ist dies das Land der Tamilen.
Bevor ich zu dem Produkt selber komme, möchte ich etwas den Hintergrund durchleuchten.
DER HINTERGRUND
Zwar war ich noch nicht in Tamil Nadu, doch dafür in Singapur und dort gibt es einen Stadtteil mit dem Namen “Little India”. Dieser Stadtteil wird mehrheitlich von Tamilen bewohnt und dort habe ich mehrfach in tamilischen Restaurants gegessen. Bevor ich ein Produkt kaufe, das mit dem Namen “Madras” Werbung macht, lese ich mir ganz genau durch, was auf der Verpackung sonst noch drauf steht und vergleiche das mit meinen Erfahrungen.
Also: in der Sprache der Tamilen spricht sich “Curry” wie “Kari” und das Wort bedeutet ganz einfach Soße. Das ist ganz einfach eine Soßenmischung und nichts weiter. Eine Soße allein macht noch nicht satt und so schaue ich nach, was weiterhin dazu kommt. Einmal im Original. Dazu gibt es entweder ein bestimmtes Fladenbrot, das “Roti” genannt wird. Oder auch Reis. Zu meiner Zeit war Roti billiger als Reis und zumindest in billigen Restaurants bekam ich mit, wie sich der ärmere Teil der Bevölkerung ernährt. Es gibt riesen Mengen an Roti und nur eine winzige Portion Hühnerfleisch. Das “Kari” dient nur zur Geschmacksanreicherung und zu nichts weiter. Dadurch relativiert sich auch die Schärfe, denn die Portion wird ja in Wirklichkeit auf riesige Brotmengen verteilt.
Nun aber das Produkt. Beilagen werden nicht genannt, doch dafür soll man zwei Kartoffeln zugeben. Also ehrlich! Es mag ja sein, dass mein Überblick über die tamilische Küche nicht ganz repräsentativ ist, doch Kartoffeln habe ich dort noch nie gesehen. Interessant finde ich den Vorschlag, dass man eine weitere Currypaste hinzufügen möge. Aha! Dann weiß ich bereits, wo die Schärfe herkommt. Das Produkt selber ist mit nur einer Pfefferschote als “mild” gekennzeichnet, doch wenn man es gar nicht so mild will, dann kann man nachhelfen.
Alles weitere sind Dinge, die ich in der tamilischen Küche für möglich halte. Nun gut, das ist auch wie bei uns - nicht jeder Koch macht die gleiche Soße.
Bemerkenswert finde ich wiederum den Hinweis, dass man das Gericht auch abwandeln kann. So könnte man es auch mit Rindfleisch und Tomatenmark versuchen. Na ja - ein gläubiger Hindu wird wohl nicht gerade seine heilige Kuh schlachten, doch da wir mehrheitlich keine Hindus sind, gilt hier der Grundsatz der Toleranz: erlaubt ist, was schmeckt.
WO GEKAUFT?
Rein zufällig entdeckte ich dieses Produkt bei REWE. Somit sparte ich mir den Weg zu einem Asia-Shop, der von meiner Wohnung aus recht weit entfernt ist. Den genauen Preis habe ich nicht mehr in Erinnerung, doch so zwischen 1,70 und 1,80 Euro werden das gewesen sein. Die Packung enthält 50 Gramm und die Menge dürfte für vier Personen ausreichen.
Bevor daraus eine ganze Mahlzeit wird, kommt noch einiges hinzu und die Gesamtkosten schätze ich auf 5 Euro. (Bezogen auf 4 Personen und abhängig von Sonderangeboten).
DIE PACKUNG
Diese zeige ich lieber im Bild, denn es ist ein eigenwilliges Violett, das Verwechslungen ausschließt. Gezeigt wird das fertige Gericht in einer Glasschale. Ich habe eine feuerfeste Form, die so ähnlich aussieht und daraus schließe ich, das man das Gericht im Backofen dünsten kann. Jedenfalls habe ich das so gemacht.
Auf der Rückseite stehen die Inhaltsstoffe und das Rezept (mit Abwandlungen).
Die Sprachen sind Deutsch, Niederländisch und Französisch.
DER HERSTELLER
Asian Home Gourmet arbeit unter Lizenz mit Cerebos Pacific Ltd. zusammen und die haben ihren Sitz in Singapur. Aha - das hatte ich mir beim Kauf fast gedacht. Also doch Singapur und somit könnte der Geschmack etwas mit meinen Erfahrungen zu tun haben.
INHALTSSTOFFE
Die genauen Anteile sind nicht angegeben. Enthalten sind: Sojaöl, Schalotten, Knoblauch, Salz, roter Chilipfeffer, Zitronengras, Senf, Bockshornklee, Gelbwurz, Kümmel, Koriandersamen.
ZUBEREITUNG
Bevor ich das Gericht schmecken kann, muss ich es erstmal zubereiten. Dazu sage ich, was auf der Verpackung steht und was ich anders mache.
Einmal der Inhalt der Packung. (Weil ich es schärfer mag, füge ich noch einen TL Sambal Oelek hinzu).
3 EL pflanzliches Öl. (Wohl notwendig im Wok, doch im Bräter geht das auch mit einem EL).
1 große Zwiebel. (Ich nehme 2 kleine).
350 Gramm Hühnerbrustfilet in Würfeln geschnitten. Okay.
2 Kartoffeln in Würfeln geschnitten. (Lasse ich weg).
50 Gramm Asian Home Gourmet Kokoscremepulver und dann mit Wasser gemischt. Ich nehme 250 ml Kokosmilch von einem anderen Hersteller und genau dieses Produkt habe ich in meinem letzten Bericht beschrieben.
Soweit noch nicht gemacht, schneide ich alles klein und fülle die Mischung in den Bräter. Diesen stelle ich kalt in den Backofen, woraufhin ich die Temperatur auf 140 Grad stelle. Nach etwa 20 Minuten schalte ich herunter auf 60 Grad wegen der Nachwärme. So lasse ich mein Madras Curry nochmal etwa eine Stunde lang ziehen.
Dazu koche ich Basmati Reis.
Im Bild zeige ich kurz mal die Zutaten, wie ich sie in den Bräter hineingebe. Danach rühre ich mehrfach mit dem Löffel um, damit sich alles vermischt.
DER GERUCH
Von Anfang an machen sich die Zwiebeln besonders stark bemerkbar und das gilt besonders dann, wenn man eine Pfanne verwendet. Auch deshalb dünste ich lieber in einer feuerfesten Form im Backofen. Wie machen es nun die Inder? Das ist von der Kaste abhängig. In einigen Kasten sind Zwiebeln okay und in anderen sind sie wiederum verpönt.
In meinem Backofen wandelt sich der Geruch allmählich. Die Zwiebeln lassen nach und der Geruch wird immer indischer. Eben würzig, aromatisch, abgerundet und irgendwann rieche ich auch den Curry. Dann läuft mir schon das Wasser im Munde zusammen und es wird Zeit zum Essen. (Zu der Zeit sollte auch der Reis fertig sein).
DER GESCHMACK
Nun führe ich mir das Essen zu Munde. Es schmeckt wie es riecht. Eben indisch: hochwürzig, harmonisch und auch etwas nach Curry. Ja - so habe ich auch das Original kennen gelernt.
Die brennende Schärfe stellt sich erst nach etwa 10 Minuten ein, und das auch nur, wenn ich einseitig Hühnerfleisch esse. Sobald ich Reis in den Mund nehme, oder auch, wenn ich Reis mit Soße vermische, lässt die Schärfe wiederum nach.
So ernähren sich auch die Inder. Fleisch steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt des Essens. Zur Ernährung dienen vor allem Brot, Reis, Obst und Gemüse.
Gerade bei diesem Gericht steht gar kein Obst auf der Verpackung. Weil ich das aber kenne, habe ich vorsorglich etwas Obst gekauft. Das entspannt den Gaumen und dient auch zur Versorgung mit Vitaminen.
DIE FARBE
Das Bild auf der Verpackung ist irreführend, denn das Gericht sieht rötlich aus. Auf meinen Bildern sieht Curry gelb aus und so bekommt man es auch normalerweise. Das Gelb ergibt sich aus der Verwendung von Gelbwurz - wie der Name schon sagt.
Den rote Farbton erzielt man nur durch große Mengen an rotem Pfeffer und dann heißt das Gericht in Indien nicht mehr “Curry” sondern “Vindaloo”. Vorsicht! Vindaloo ist echt scharf und treibt einem die Tränen in die Augen. Wer einmal Vindaloo gegessen hat, der wird dieses Gericht als angenehm milde empfinden.
WARUM EINE FERTIGSOSSE?
Jeder Inder erzählt mir, dass ein guter Koch keine Fertigsosse nimmt. Vielmehr müsse man die Gewürze selber zusammenstellen. Damit ist nur ein gewisser Nachteil verbunden. Man braucht vielerlei Gewürze in kleinen Mengen und dabei sind auch Gewürze, welche im Aroma recht bald nachlassen. Das lohnt sich nur, wenn Curry regelmäßig in großen Mengen gegessen wird. Das gilt für Restaurants und auch für indische Großfamilien, doch nicht unbedingt für kleinere Haushalte.
Hier habe ich alles zusammen aromadicht verpackt und ich kann mich vielmehr darauf verlassen, dass das Essen gleichmäßig so schmeckt, wie ich es erwarte.
FAZIT
Dieses Produkt empfehle ich denjenigen, die einmal ein indisches Curry im Original kennen lernen wollen. Die Grundsubstanz entspricht schon dem Original. Das Rezept kann man mehrfach abwandeln und dann stellt sich die kritische Frage: welches Original meint man?
Dazu meine Erfahrung. In der Stadt Melaka wurde mir einmal ein indisches Restaurant ausdrücklich empfohlen und dort hatte es mir so gut geschmeckt, dass ich dort fast täglich Chicken Curry gegessen hatte. Deshalb habe ich den Geschmack noch sehr genau in Erinnerung. Nun schmeckt mein Curry zuhause genauso wie in Melaka und dieses Ziel hatte ich auch angesteuert. So kam meine Rezeptidee zustande und eigentlich ist das jetzt ein “Melaka Curry” und kein “Madras Curry”.
Das ist ein gutes Produkt mit dem ich sehr zufrieden bin. Individuelle Abwandlungen im Rezept sind möglich und deshalb kann man sich seine indischen Vorbilder aussuchen.
Nun viel Spaß beim Kochen und ich freue mich über Eure Kommentare.
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