Erfahrungsbericht über

Assassin's Creed 2 (Playstation 3)

Gesamtbewertung (10): Gesamtbewertung Assassin's Creed 2 (Playstation 3)

26 Angebote von EUR 14,95 bis EUR 48,69  

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Wenn die Gondeln Trauer tragen...

5  15.01.2010

Pro:
Grafikpracht, Abwechslungsreicher als AC1, tolles Setting, aufwendige Handlung

Kontra:
stellenweise Steuerung

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Grafik

Sound

Multiplayer:

Bedienung

mehr


andrekuhlemann

Über sich: Nasenlöcher adé, Sonne ahoi!

Mitglied seit:12.04.2001

Erfahrungsberichte:209

Vertrauende:66

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 80 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Vorgeschichte:

Die Handlung der "Assassin's Creed"-Reihe spielt auf zwei Handlungsebenen - im realen Jetzt und in der virtuellen Vergangenheit. Desmond , die Hauptfigur über die wir die Kontrolle nehmen, ist ein ganz normaler Mensch, ein Barkeeper, kein Held, bis er von einer geheimen Organisation entführt wird. Die Organisation entpuppt sich als eine bis heute überlebende Formierung der Tempelritter. Mithilfe einer Maschine, dem sogenannten Animus, muss Desmond die Erinnerungen eines seiner Vorfahren abrufen, da dieser Informationen gesammelt hat, die die Tempelritter in ihre Hände bekommen wollen. Die DNA enthält nicht nur unsere genetischen Informationen, sondern auch alle Informationen all unserer Vorfahren. Der Animus kann diese Gedankeninformationen aufnehmen und sie abspielen. Da Desmond der letzte Nachfahre Altairs, eines der berühmtesten Auftragsmörders der Geschichte ist, muss er geistig zurück in die Zeit der Kreuzzüge reisen und für die Organisation ein Geheimnis aufklären und das heilige Relikt, den Edensplitter, finden. Doch alsbald merkt er, dass die Tempelritter kein edles Ziel verfolgen. Zum Glück jedoch gibt es einen Maulwurf, der ihn am Ende befreit...
Kurzkritik Teil 1:

Als eins der allerersten Spiele, die ich auf der PS3 gespielt habe, verband Assassin's Creed gleichermaßen Fluch und Segen der ausgebrochenen Grafikopulenz. Die Präsentation der Welt war fantastisch. Weitläufig, weitestgehend flüssig und unglaublich beeindruckend, doch je mehr man auf einer Konsole darstellen kann, desto mehr wird dies von Spielern verlangt, desto mehr Zeit und Geld braucht die grafische Umsetzung und umso weniger Geld wird für den sehr wichtigen Rest ausgegeben. Assassin's Creed ist zwar nicht nur ein Grafikprotzer, hinter dem nichts steckt, ganz im Gegenteil eigentlich, doch ein unausgegorenes Spielprinzip überlagert leider die vielen, tollen, originellen Ideen.

Die vielschichtige Story mit den zwei Ebenen war eine der positivsten Überraschungen für mich, da ich mich so wenig mit dem Spiel vorher beschäftigt hatte, dass ich annahm, es spiele ausschließlich im Mittelalter. Neben der sowieso interessanten Tempelrittergeschichte und der unverbrauchten Kreuzritterepoche, brachte die Vermischung mit der Neuzeit eine große Spieltiefe mit tollen Wendungen.

Auch war die Welt nicht nur beeindruckend anzuschauen, sondern wirkte auch belebt und lebendig. Nur diese unglaublich nervenden Bettlerinnen, die man nicht mehr los wurde, waren zu viel des Guten.

Somit war der wirklich einzige schwerwiegend negative Punkt die Wiederholung des Spielgeschehens. In jedem Kapitel musste man jemand anderen umbringen, der Weg dorthin war aber immer gleich. Man geht ins Assassinenbüro, hört bei einem langweiligen Gespräch zu, bekommt einen Auftrag, muss drei Aufgaben erledigen, die immer wieder identisch sind und aus Lauschen, Rennen oder Morden bestehen und dann kann man den Hauptgegner des jeweiligen Kapitels erledigen. Immer und immer wieder das Gleiche. Lediglich der Kampf mit dem Endgegner bot etwas Abwechslung.

Dennoch ist Teil eins ein beeindruckendes Stück Videospielgeschichte, dass man gespielt haben muss.
Die Geschichte geht weiter:

Assassin's Creed 2 fängt genau dort an, wo Teil 1 aufgehört hat. Der Maulwurf ist aufgeflogen und flieht mit Desmond aus dem Bürokomplex der Tempelritter hin zu einem eigenen Büro, wo ein weiterer Animus und nervige Kollegen warten. Wieder im Animus wird diesmal ein anderer Vorfahre von Desmond aus seinem DNA-Fundus geholt, da dieser weitere Edensplitter ausfindig gemacht haben soll. Wir gelangen nach Italien ins 15. Jahrhundert und sind mitten im Florenz der Renaissance und im Körper von Ezio Auditore, einem jungen Frauenliebhaber.

Alsbald wird Ezio aber keine Zeit mehr haben, sich ausgiebig mit dem anderen Geschlecht auseinanderzusetzten, da der Machthaber von Florenz Ezios Vater und Brüder gefangen genommen hat. Kurz vor deren Hinrichtung erfährt Ezio von seinem Vater, dass er eine wichtige Kiste im eigenen Haus versteckt hat. Dort drin findet Ezio Utensilien eines Assassinen und lernt so, dass sein Vater zu diesem Geheimbund gehörte. Um den Tod seines Vaters und seiner Brüder zu rächen, möchte Ezio selbst ein Assassine werden, flieht aber zunächst mit seiner Mutter und Schwester zu seinem Onkel Mario ins heruntergekommene, verarmte Gut Monteriggioni.

Dort ausgebildet reitet er fortan wieder zurück nach Florenz, und beginnt dank der technischen Hilfe von Leonardo da Vinci mit der Rache an den Mördern seiner Familie. Sind die ersten Männer in Florenz beseitigt führt ihn seine Jagd weiter nach San Giminiano, Forli und bald zu den Grachten von Venedig.

Nach dem er alle diese Städte von den Übeltätern befreit hat, wartet nur noch der Vatikan auf ihn, wo er das größte Geheimnis der Menschheit aufdecken wird...

Das Spielprinzip:

Assassin's Creed ist ein Open-World-Third-Person-Game. Wem das nichts sagt, dem sei nicht nur verziehen, sondern folgend auch geholfen. "Third Person" ist dieses Spiel, weil wir nicht durch die Augen der Person sehen, wie bei einem "First Person"-Spiel, sondern der Spielfigur über den Rücken schauen. Je nachdem wie wir die Kamera drehen, dürfen wir Ezio auch gerne mal von vorne sehen, wenn man aber nicht sieht wo er hin springt, ist das doch recht unpraktisch. AC2 ist ein "Open World"-Spiel, weil man nicht von einem Raum zum nächsten läuft und eine Level-Struktur hat. Natürlich ist es nicht so "open" wie manch andere Spiele, in diesem Genre, da man bestimmte festgeschriebene Dinge erledigen muss, um die Handlung voranzutreiben, aber es gibt auch genügend optionale Nebenaufgaben und nun auch eine frei begehbare Welt, die man erkunden kann wie man möchte.

Das Ziel des Spieles ist es den Edensplitter zu finden und sämtliche Drahtzieher hinter dem Mord der Familie zu töten. Um dahin zukommen müssen unzählige Aufgaben in klar gegliederten Unterkapiteln erledigt werden. Viele der Aufgaben bestehen zwar auch darin zu morden, aber so simpel wie in vielen anderen Spielen ist das nicht, da Assassine edle Kämpfer sind. Man kann das Spiel zwar aggressiv durchspielen, wenn man will, es ist aber darauf angelegt und macht auch nur dann Spaß, wenn man taktisch vorgeht. Unauffälliges Morden durch anpirschen, tarnen und tauschen ist die wahre Taktik. Bei manchen Missionen darf man z.B. auch gar nicht entdeckt werden, bis man den finalen Todesstoß gibt, denn sonst muss man die Mission neu starten. Andere Gegner fliehen auch, wenn sie einen entdecken oder holen dutzende von Wachen, die man bekämpft oder vor denen man flieht. Also kommt man mit einer "Hau-drauf"-Taktik in diesem Spiel Gott sei Dank nicht viel weiter. Ein bisschen vorausschauendes, taktisches Handeln und Überlegen kann einen hier oft retten. Aber auch wenn man oft morden muss, wird dies nicht so eintönig, wie beim Vorgänger, da erstens die Vorgehensweise beim Morden oft geändert werden muss und zweitens die Attentate besser in die Geschichte eingeflochten sind, als bei Teil 1.

Neben dem Morden bietet das Spiel aber natürlich auch noch andere "Highlights", allen voran das Klettern. Wie schon Altair vor ihm, ist auch Ezio ein begnadeter Fassadenkletterer. Jeder einzelne Winkel der Städte ist erklimmbar, sei es eine Stadtmauer oder ein riesiger Turm. Viele dieser Türme muss man sogar erklimmen, um oben angekommen einen Überblick über das Gebiet zu bekommen, damit neue Missionen auf der Karte erscheinen. Das macht erstens Spaß, bietet zweitens unglaubliche Panoramen über die Städte und Landschaften und ist drittens wichtig wenn man schnell fliehen muss. Selbst wenn man nicht in einer Mission ist, ist es schön einfach über die Dächer der Städte zu springen und der Körperbeherrschung Ezios zuzuschauen.

Weiterhin kann man z.B. betrogenen Ehefrauen helfen, in dem man ihre Männer beim fremdgehen erwischt und diese verprügelt, man kann Rennen quer durch die Städte in einem Zeitrahmen bestreiten oder sich z.B. auf die Suche nach 6 versteckten Siegeln machen. Die Eingänge zu den verstecken der Siegel sind einfach zu finden, da diese auf der Karte verzeichnet sind, ist man erst einmal durch den Eingang durch, wird es etwas schwerer, denn hier bietet sich eine große Weiterentwicklung zu AC1, die für Abwechslung dient. Auf einmal findet man sich in Katakomben oder Kirchen wieder und das Spiel tritt aus seinem üblichen Genre raus und wird zu einer Art "Tomb Raider", da in den Gebäuden weniger Kampf sondern das richtig getimte Hüpfen und Springen und Hangeln gefragt ist, um weiter zu kommen. Das ist anspruchsvoll, lockert das Spiel auf und ist leider nur durch die Steuerung beeinträchtigt, die soweit automatisiert wurde, dass sie für so zielgenaues Springen, falls es nicht geradeaus geht, nicht gedacht ist. Schade, denn wäre die Steuerung anders gewesen, wäre hier manchmal der Frustfaktor nicht ganz so groß gewesen, denn mal schnell ein Sprung 90 Grad um die Ecke geht nicht wirklich gut mit der AC-Steuerung und das ist unter Zeitdruck sehr ärgerlich, wenn man nur danebenspringt, weil die Figur nicht macht, was man will.

Im Gegensatz zu Teil 1 hat man der Fortsetzung noch ein wenig "Wirtschaftsimulation light" beigefügt, was zwar simpel gehalten wurde, aber noch mehr Spielfülle gibt. Ist man erst einmal in Monteriggioni angekommen, was vielleicht nach ungefähr einer Spielstunde passieren wird, kann man diese leblose Stadt mit ein wenig Geld wieder zum florieren bringen. Man kann Gemälde in den verschiedenen Städten kaufen, die man besucht, man kann die in Monteriggoni vorhanden Geschäfte und Einrichtungen gegen Geld renovieren lassen oder diverse Gegenstände finden, die die Stadt aufwerten. Dies ist nicht nur um sich gut zu fühlen, sondern je prächtiger die Stadt wächst, was man alsbald auch durch mehr Menschen in den Straßen und schöner aussehenden Häusern sieht, desto mehr nimmt man durch Steuern ein. Geld, dass man dann wieder für neue Gemälde, Häuser oder Rüstungen und Waffen ausgeben kann. Da dieses Aufwerten für den Spielverlauf aber nicht zwingend erforderlich ist und Simulationshasser nicht abschrecken soll, ist es eben sehr einfach gehalten und nach der Hälfte des Spiels sind alle Gebäude repariert und man bekommt so viel Geld an Steuern, das man gar nicht mehr ausgeben kann. Trotzdem fand ich den Teil des Spiels sehr unterhaltsam, da man der Stadt wirklich ansieht, wie es ihr geht und dadurch einen heimatlichen Bezug bekommt, auch wenn weniger Steuern den Schwierigkeitsgrad etwas erhöht hätten.

Die Geschichte in Nahaufnahme:

Im Nachhinein wirkt die Geschichte von Teil 1 nur wie eine Einleitung zu Teil 2. Sie bot zwar die tolle Überraschung, dass das Spiel eigentlich in der heutigen Zeit spielt und der Rest nur aufgerufene Erinnerungen sind, aber Teil 2 wirkt viel ausgereifter und vielschichtiger. Teil 1 war für mich mehr wie eine Aneinanderreihung von kleineren Geschichten und Altair wirkte etwas distanziert und kühl. Ezio wirkt eher wie ein echter Mensch, da man ihn schon als jugendlichen Nicht-Assassinen kennenlernt und ihn im Verlauf des Spiels über mehrere Jahrzehnte verfolgt. Zwar springt man hier zwar auch immer von Mordziel zu Mordziel, aber der Hauptfaden, der die Geschichte zusammenhält ist weitaus präsenter. Auch das Einflechten von realen Personen wie Leonardo da Vinci, der uns immer wieder gerne hilft oder den Medici lässt Teil 2 organischer wirken. Auch, dass man Leonardos Homosexualität nicht untergraben hat und in den Dialogen immer wieder Anspielungen darauf aufkeimen lässt, ist bei so einem "Männerspiel" lobenswert.

Was mich persönlich noch sehr erfreut, ist der Zeitraum und der Ort an dem das Spiel spielt. Jerusalem und Umgebung zu Zeiten der Kreuzzüge im ersten Teil war schon originell und unglaublich detailverliebt und authentisch umgesetzt, aber ich liebe die Renaissance und habe zumindest San Giminiano und Florenz schon echt bereist, was dem Spiel weitere Pluspunkte einbringt. Wenn man in dem Spiel den Dom von Florenz oder die Türme von San Giminiano erklimmt, vor denen man schon in echt gestanden hat, ist das witzig und beeindruckend wie gut die Designer diese Gebäude nachempfunden haben.

Was Teil 1 im Gegenteil zu Teil 2 besser macht, ist der Anfang der Geschichte, das liegt aber natürlich an der Logik der Story. Teil 2 startet etwas schleppend und dröge, da man nun einmal erst aus dem Bürogebäude fliehen und durch kühle Flure gehen muss, bis etwas mehr Spannung aufkommt. Auch das Büro der Assassinen hat mich zuerst etwas genervt, da die Leute, die unserem Helden und dem Maulwurf helfen hippe, junge, klugscheißende Techniker sind, wie man sie aus amerikanischen Klischeefilmen kennt. Zum Glück spielt AC2 aber fast ausschließlich in der Welt des Animus. Neben Anfang und Ende spielt zwischendrin nur eine einzige Szene in der Jetzt-Welt und auch während der Erlebnisse Ezios halten sich die Kommentare der Helfer aus der echten Welt zurück.

Wenn man über die Geschichte redet, muss man das Ende unbedingt erwähnen. Ich will so wenig konkrete Handlungen verraten wie möglich, aber der Twist von Teil eins wurde weit überboten. "Da Vinci Code" trifft auf "Unendliche Geschichte" trifft auf "Mission to Mars". Würde ich es nicht besser wissen, hätte ich gedacht, dass das Spiel auf einem Buch basiert, so beeindruckend fand ich die Enthüllungen in Teil 2. Manch ein Spiel mit seiner Pseudo-Handlung sollte sich an dieser Geschichtstiefe ein Beispiel nehmen.
Die Grafikpracht:

Da man aus Teil 1 schon alles an Grafikpower rausgeholt, was die neuen Konsolen alles zu bieten haben, ist der Unterschied zwischen Teil 1 und Teil 2 nicht sehr enorm. Dennoch staunt man genau wie bei Teil 1, wie weit man schauen kann und wie besessen authentisch die Atmosphäre der Städte und Landschaft eingefangen wurde.

Ich habe bei einigen Kritikern gelesen, dass sie die Atmosphäre bei AC1 besser fanden, ich finde dies nicht. Sie ist weder besser noch schlechter, sie ist einfach nur anders. Jerusalem und Umgebung war düsterer und verkommener und für den Teil auch perfekt, aber nun schon wieder das Gleiche wäre auch langweilig gewesen, deswegen kann man sich bei AC2 an lichtdurchfluteten, romantischen Gebäuden sattsehen, wenn man will. Auch wenn das große Highlight Venedig, die letzte Stadt ist, in die man im Spiel reist, bieten selbst die "kleineren" Gegenden beeindruckende Aussichten. Auch die Unterteilungen der Städte in bestimmte Gebiete ist wieder detailverliebt. Man erkennt, wenn ein neues Viertel anfängt und wer dort wohnt. Für Arme, für Reiche, Marktbereich, Kloster - Assassin's Creed ist fast schon ein digitaler Reiseführer. Die zahlreichen Menschen in den Straßen unterhalten sich, streiten sich, Bauern harken die Felder und Soldaten gehen auf Patrouille. Und ganz wichtig: Es gibt keine Bettlerinnen mehr, die einen verfolgen. Dafür gibt es zwar ab und an Straßenmusiker, aber in Teil 2 kann man endlich Geld geben und diese somit loswerden.

Sowohl Teil 1, als auch Teil 2 haben mich, wenn wir schon bei Realismus sind, bei dem Gefühl von Höhe beeindruckt. Wenn man einen hohen Turm empor klettert und zum Schluss noch ganz oben auf das Kreuz der Kirchturmspitze muss, kann einem selbst wenn man brav zu Hause sitzt ein wenig mulmig werden. Nach AC1 habe ich "Prince of Persia" gespielt, dort musste man auch weit hochklettern, ich weiß aber noch, wie enttäuscht ich dort war, dass man da keine "Höhenangst" bekommen hat.

Schön ist auch, dass man sich für ausgedehntere Zwischensequenzen entschieden hat. Teil 1 bat nur dröge Dialoge, bei denen man selbst aus drei Kamerawinkeln wählen konnte, sonst aber keinerlei Bewegung hatten und bei Teil 2 hat man sich für eine filmdramaturgische Optik entschieden, was mehr Schwung in die ganze Handlung gebracht hat.

Das einzige Problem an der Grafik sind einige Gesichter. Es fängt schon schlecht an, wenn man unseren Maulwurf zum ersten Mal sieht. Eine junge Dame, die wie der Joker aussieht. So ein Mund ist nicht normal. Ezio ist perfekt in Mimik und Bewegung, dort wurde aber wohl auch die Figur aus Teil 1 komplett übernommen, da Ezio, Altair und Desmond das gleiche Gesicht haben.

Aber auch sonst sehen einige Gesichter von Nebenfiguren etwas leblos und maskenhaft aus. Das viel mir wohl auch stark auf, da ich zuvor "Uncharted 2" gespielt habe und dort sämtliche Figuren unglaublich aufwendige Mimik verpasst bekommen haben, die schon fast photorealistisch war.

Die Steuerung:

Wieder ein mal ein Beispiel für Fluch und Segen. In der Außenwelt auf der Flucht ist die Steuerung eigentlich sehr gut, muss man in Eile genau springen und ist das Ziel nicht direkt geradeaus, kann einem die automatisierte Steuerung oft zum Verhängnis werden. Die Steuerung ist soweit automatisiert, dass man eigentlich beim laufen oder klettern nur die Richtung angeben muss, Ezio springt und klettert sonst weitestgehend von alleine. Man muss nicht für jeden Sprung einen Knopf drücken. Ezio hat zwei verschiedene Modi, einen unauffälligen in dem er geht oder langsamer läuft und einen aggressiven, wenn man die Taste R1 gedrückt hält. Dann sind die Aktionen die er macht eben schneller und kampfbereiter. Beispiele dafür: drückt man das Kreissymbol schiebt er Leute die im Weg sind bei Seite, hat man die R2-Taste gedrückt und drückt dann den Kreis greift er an. Beim Laufen ist das eben ähnlich. Ist R2 gedrückt und man läuft und springt mit dem X klettert Ezio und hört nicht auf bis man den Cursor oder R2 loslässt. habe ich eine Kluft vor mir, muss ich nicht das X zum Springen drücken, Ezio macht dies automatisch, falls ich weiterhin den Cursor nach vorne drücke. Damit wird das Spiel sehr schnell, eine Flucht somit adrenalingeladen, muss man aber eben genau sein und unter Zeitdruck nach einem Sprung zum Beispiel scharf rechts abbiegen, klappt das nicht, denn Ezio springt weiter geradeaus. Man muss erst anhalten und ihn dann springen lassen und in der Zeit kann der Verfolger einen schon erreicht haben. Auch bin ich oft genug beim Klettern rückwärts von Türmen gesprungen, obwohl ich eigentlich nach oben oder zur Seite springen wollte. Somit ist die Steuerung zwar für den Hauptaufgabenteil des Spiels ideal, bei einigen wichtigen Situationen, aber alles andere als vorteilhaft. Schade.
Das Kampfsystem:

Bei einem Spiel, dass zwar den direkten Kampf oft umgehen will, kann man dem Schwert aber nie ganz entsagen. Ehrlich gesagt, war ich öfter in einen Kampf verwickelt, als ich es wollte, da Taktik nie meine Stärke war. Zu Teil 1 hat sich kaum etwas verändert, außer vielleicht, dass Ezio nicht von alleine heilt, sondern Kampfwunden durch Toniken von Ärzten geheilt werden können.

Zudem sind die Angreifer nicht ganz so dumm wie noch vor 2 Jahren. Sie greifen auch schon mal parallel an und warten nicht erst, bis die Kollegen tot sind. Man kann sowohl durch eine gute Technik die Kämpfe gewinnen, aber auch mit ein wenig Heilungstonikum durchaus mit "wahlloser Angriff". Zur Not hilft auch die Flucht, wobei Soldaten einen auch auf Dächer verfolgen können, zum Glück aber nicht ins Wasser.

Es gibt sicherlich Besessene, die alle Waffen ausprobieren und ihren Stil perfektionieren. Ich habe mir keine einzige Waffe im Spiel gekauft, sondern hab immer das benutzt, was ich hatte. Und davon meist die versteckten Klingen, da die grade beim Erstschlag sehr effektiv sind. Andererseits wird man bei manchen Aufgaben gezwungen Dinge wie Pistole oder Rauchbombe zu benutzen, da Nahkämpfe nun mal viel Aufmerksamkeit erregen.

Was sonst noch anfällt:

Groß Angekündigt und viel damit beworben und dann nur ein einziges Mal im Spiel benutzt wurde das Fluggerät, eine Leihgabe von Leonardo da Vinci. Die Szene war nett und brachte wieder einmal etwas Abwechslung, die Teil 1 missen lies, aber dafür, dass dies als Highlight angekündigt wurde, wurde es zu spärlich eingesetzt.

Altair war ein großer Krieger, der perfekt mit Waffen und Pferden umgehen konnte - aber er hatte nicht einmal das Seepferdchen. Ezio stirbt nicht mehr bei der Berührung mit Wasser, im Gegenteil. Mehr als das Fluggerät, ist Schwimmen oder in Venedig gerne auch Gondoliere fahren ein großer Teil des Spielgeschehens. Endlich.

Anstelle von Mönchen zwischen denen man sich verstecken konnte, die immer genau an den richtigen Stelle plötzlich auftraten, kann man sich in AC2 nun in jeder Menschenansammlung verstecken oder Prostituierte anheuern, die einen begleiten und Soldaten ablenken. Auch Räuber kann man anheuern, die sind aber weniger Verführer als unterstützende Kämpfer.

Die Wahrheit - ein rätselhaftes Video gibt es zudem im Spiel zu entdecken. Verstreut über sämtliche Städte finden sich auf einigen Gebäuden rätselhafte Symbole, die wenn man nah genug an sie herantritt und seinen Adlerblick einsetzt ein Rätsel freigeben. Hat man dies gelöst, erhält man den Ausschnitt eines Videos. Die Rätsel fangen anspruchsvoll an und werden immer schwerer. Man muss Kunst entschlüsseln und Codes knacken, doch das Ergebnis lohnt sich. Hat man alle kurzen Videos freigeschaltet, ergeben sie ein Gesamtvideo, dass das Ende des Spiels schon andeutet, bevor man dort überhaupt ist. Für mich hat sich das Rätselraten gelohnt, denn das Video hatte auch diesen "Da Vinci Code"-Die-Kirche-erzählt-uns-Mist-Mythos, der ein wenig Gänsehaut bei mir verursacht hat.

Das Spiel ist komplett Deutsch übersetzt - sowohl in Text als auch Ton. Man hat sich einige aus Film und Fernsehen bekannte Synchronsprecher gegönnt, so hat Ezio/Desmond die Stimme von "My Name is Earl"-Jason Lee und Leonardo da Vinci klingt wie Heath Ledger. Die Stimmen und Dialoge sind stimmig und aufwendig eingedeutscht.

Die toll gestalteten, aber kaum gebrauchten Landschaftsabschnitte zwischen den Städten aus Teil 1 gibt es in dieser Form nicht mehr in Teil 2. Nur einmal müssen wir auf einer längeren Strecke zwischen zwei Gebieten reiten, dort werden wir aber verfolgt, so dass dies zu einer festgelegten Actionszene und keiner frei erkundbaren Route führt. Ansonsten kann man zwischen den einzelnen Städten für ein paar Taler schnell reisen. Innerhalb einer Stadt geht dies nicht, was gerade in dem gigantisch großen Venedig schade ist.

Wie so ziemlich jedes Spiel für die PS3 unterstützt AS2 Trophies. Belohnungen, die es für bestimmte Spielaktionen gibt z.B. "Besiegen sie 5 Gegner hintereinander ohne selbst getroffen zu werden" oder "Geben sie 1000 Taler für Prostituierte aus". Ich bin nicht der begnadetste Trophäenjäger und dennoch habe ich über 80 Prozent geschafft. So viele Trophäen hatte ich noch nie in einem Spiel, da viele recht einfach zu bekommen sind und sich im Spielverlauf von selbst ergeben.

Muss man Teil eins gespielt haben? Theoretisch schon. Die Geschichte baut natürlich auf einander auf. Andererseits muss man auch nur die Rahmenhandlung der Jetzt-Zeit kennen und die kann man durchaus nachlesen. Teil eins ist aber trotz seiner Fehler ein so tolles Spiel, dass es sich lohnt es zu spielen.
Fazit:

Die Kritiken des ersten Teils wurden erhört. Die geniale Grafik, ein originelles Setting und eine fesselnde Handlung wurden beibehalten, nur diesmal wurde das sich immer wiederholende Spielgeschehen durch abwechslungsreiche, spannende Missionen und einige interessante Nebenaktivitäten erweitert. Nur die automatisierte Steuerung kann an einigen Stellen zu Frustrationen führen. Das offene Ende macht auf Teil 3 Lust.
Fakten:

Testbericht bezieht sich auf:
"Assassin's Creed 2" für die Playstation 3
von Ubisoft
erschienen am: 19.11.2009
ebenfalls erhältlich für Xbox 360
PC Version erscheint am: 15.2.2010
FSK 16 (ungeschnitten)
Komplett Deutsch
Unterstützt PSN-Trophies
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ma_D91

ma_D91

09.05.2011 16:43

Schön ausführlich! Lob und Anerkenung für die aufgebrachte Zeit!

Skybob

Skybob

28.02.2010 22:10

toller Bericht - dafür ein wirklich verdientes BH - GLG Sven

kaengi_the_kangaroo

kaengi_the_kangaroo

24.02.2010 12:32

Mit solchen Spielen hab ich halt leider gar nichts am Hut! LG, Bärbel

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"besonders hilfreich" von (19%):
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