Nachdem ich mit dem zweiten Teil der Nighthuntress Serie von Jeaniene Frost nicht ganz glücklich war, lief es für mich und Teil 3 „At Grave’s End“ wieder etwas runder. Damit wäre auch der Einfall einer Freundin erledigt, die meinte ich hätte lediglich zu schnell hintereinander gelesen. Das ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Vampire-Lady über At Grave's End / Frost, Jeaniene 2. März 2009
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
durchschnittlich
Unterhaltungswert:
sehr hoch
Spannung:
sehr spannend
Humor:
ziemlich humorvoll
Aufmachung:
schön
Pro:
Bones
Kontra:
manchmal will die Autorin zu viel
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Nachdem ich mit dem zweiten Teil der Nighthuntress Serie von Jeaniene Frost nicht ganz glücklich war, lief es für mich und Teil 3 „At Grave’s End“ wieder etwas runder. Damit wäre auch der Einfall einer Freundin erledigt, die meinte ich hätte lediglich zu schnell hintereinander gelesen. Das musste ich aber tun, weil ich die Reihe jemand als Leihgabe versprochen hatte.
Bisher sind drei Bände erschienen und ein vierter kommt im Spätsommer 2009. Die Reihe wird auch für den deutschen Markt übersetzt:
Blutrote Küsse (Halfway to the Grave) Kuss der Nacht (One Foot in the Grave) (At Grave's End) (An Early Grave)
Die englischen Bände von Harper Collins sind als Taschenbuchausgaben für um die 6 Euro erhältlich. Die Preise schwanken etwas. Die Übersetzungen findet man für relativ günstige 7,95 Euro bei Blanvalet.
Im Zentrum der Reihe steht Ich-Erzählerin Catherine „Cat“ Crawfield. Sie ist Mitte 20 und eine der wenigen Personen, die über die Existenz von Vampiren Bescheid wissen. Denn Cat ist ein Halbvampir, ihr Vater hatte ihre Mutter seinerzeit vergewaltigt und Cat verfügt daher über einige Zusatzfeatures. Ihre Mutter hat ihr konstant eingebläut, dass Vampire Monster sind und mit süßen 16 begann Cat ihre Karriere als Vampirkillerin.
Die ersten beiden Bände umfassten 5 Jahre im Leben von Cat. Zum Entsetzen ihrer Mutter verliebt sie sich in den Vampir, Kopfgeldjäger und Gelegenheitskiller Bones, bleibt aber der Beseitigung von bösen Vampiren treu, arbeitet sogar für eine geheime Spezialeinheit, die sich mit dem Übernatürlichen beschäftigt. Cat hat einiges wegen ihres Chefs Don wegzustecken, hinter dem sich nicht nur ein manipulatives Miststück verbirgt. Cat gelingt es dann auch, dass Bones Teil ihrer Einheit wird, ohne das Don ständig mit einem Pfahl in einer dunklen Ecke lauert.
In Teil 3 nun könnte alles wunderschön sein. Bones will Cat heiraten, bald ist Weihnachten, Cats fieser Vater ist hinter Schloss und Riegel und hat gestanden, dass Cats Mutter gar nicht vergewaltigt wurde, sondern dass er ihr nur spaßeshalber Blödsinn einhypnotisiert hat. Grund genug also ein paar Bösewichte zu killen und danach daheim vor dem Kamin zu kuscheln.
Bones macht Karriere in Vampirkreisen. Mencheres, einst ein Ägypter, und nun sozusagen Bones vampirischer Großvater bietet ihm ein Bündnis an, dass ihn gleichzeitig zu Mencheres Nummer 2 werden lässt. Leider ist das nun aber ein Fall von dumm gelaufen, denn der hellseherisch veranlagte Mencheres sieht einen Krieg kommen für den er Bones braucht. Mencheres hätte halt von Anfang an mit der Rachsucht einer wütenden Frau (hier nämlich seiner eigenen) rechnen müssen.
Band 3 bringt diesmal den roten Faden der Serie nicht sonderlich weiter, sondern setzt mehr auf den Actionplot, was auch nicht zwangsweise schlecht sein muss. Besser als alles in einen Band zu quetschen und Ideen zu vertun.
Cats Mutter ist eine späte Rache vergönnt, die sie richtig geniesst, um danach von der totalen Nervensäge zu einer Nummer mit knochentrockenen Sprüchen zu mutieren. Hier wird deutlich, dass Cat zwar das Aussehen ihres Vaters geerbt hat, den sturen Schädel und das freche Mundwerk aber von unerwarteter Weise von der mütterlichen Seite.
Bones erhält durch seinen Opi Mencheres ein Powerupdate und erbt u. a. dessen Gedankenlesefähigkeiten. Zusätzlich dazu erhält er ein paar weitere Gimmicks, was man als Leser nicht unbedingt zu schätzen weiß. Zu mächtige Fantasyfiguren verlieren schnell ihren Reiz, weil sie unantastbar werden. Hier nutzt die Autorin die Aktion um einen Knalleffekt einzubauen. Ein recht simpler Weg um für Drama zu sorgen, Baby. (Funktioniert aber, bei einigen weiblichen Lesern hatte das Heulen und Zähneklappern ausgelöst, wie man so hört.)
Die Story an sich verfügt wieder über einige makabre Ideen bei denen man keinen allzu schwachen Magen haben sollte, das ganze ist aber wiederum mit trockenem Humor gewürzt. So haben Bones und Cat ihren ersten richtigen Krach, weil sie nicht zu einer fröhlichen Foltersession mitkommen darf.
Was man kritisieren mag, ist dass man vieles schon kennt. Im Grunde fühle ich mich mal wieder deutlich an die Bücher von Anne Rice erinnert, die auch gern alte Ägypter als Vampire bemühte. Frost tut dann aber genau das, was ich bei Rice immer ein wenig vermisst habe: sie rockt die Bude und schickt ihre Figuren nicht ins Museum. Außerdem stehe ich überhaupt nicht drauf, wenn man einen gewissen Vlad aus Transsylvanien bemüht. Den hat Stoker umgebracht, warum lässt man ihn nicht in Frieden ruhen? Frost hat ihn hier äußerlich übrigens sehr akkurat beschrieben und dieser Figur ein wenig von dem Flair verliehen, dass sie in Coppolas Dracula-Verfilmung hatte. Auch die Gags für die sie den ollen Vlad halt brauchte, waren eigentlich ganz witzig, hätten aber am Ende auch nicht sein müssen. Die Figur erinnert letztendlich charakterlich sehr an Bones, findet sicherlich ihre Anhänger in der Leserschaft, aber wird dem Vorbild einfach nicht gerecht. Während Vlad aber noch Spaß macht, finde ich den Auftritt von Doc Hollyday völlig Banane.
Wenn man nicht kritisieren mag, dann macht Frosts Reihe hier aber auch wieder Spaß. Wenn es gut gemacht ist, und wenn die Autorin es durchblicken lässt, den Leser quasi mit der Nase drauf stößt, kann es durchaus amüsant sein, Anspielungen auf dieses Genre zu suchen und auch zu finden. Denn das verbirgt die Autorin auch in diesem Band nicht. Der Name Anne Rice wird sogar explizit in einem Seitenhieb genannt. Weniger bekannte Kollegen entdecken da vielleicht auch nur die Genrefans (Könnte mir vorstellen, dass Frau Frost einen ähnlich bestückten Bücherschrank hat wie ich). Frosts Reihe wirkt, als würde sie von jedem das raus greifen, was ihr gefällt, alles völlig durcheinander wirbeln und durchschütteln, um ein Endprodukt abzuliefern, dass ein wenig durchgeknallt und skurril ist. Der ein oder andere Gag geht dabei aber leicht in die Hose, weil es einfach zu dicke wird.
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