Lange Zeit dominierte der Name "Atari" den Videospielemarkt.
Allerdings ist das so lange her, dass die wenigsten Leser alt genug sind um in dieser Zeit dabei gewesen zu sein.
Alles begann 1978 mit dem Atari VCS (später 2600 genannt), welches mit Pauken und Trompeten Einzug in die heimischen ... Bericht lesen
Atari 7800 ProSystem - Früher Underdog, heute DIE Retrokonsole!
Erfahrungsbericht von MrHabaki über Atari Atari 7800 ProSystem 04.02.2011
Produktbewertung des Autors:
Benutzerfreundlichkeit
ausgezeichnet
Spieleauswahl
alles, was man braucht!
Ausstattung
gut
Grafik
sehr gut
Sound
befriedigend
Pro:
Sehr gute 8 - bit Graphik, spielt Spiele vom Atari VCS 2600, Einzigartige Titel !
Kontra:
Soundchip vom Atari 2600
Empfehlenswert?
Kompletter Erfahrungsbericht
Lange Zeit dominierte der Name "Atari" den Videospielemarkt.
Allerdings ist das so lange her, dass die wenigsten Leser alt genug sind um in dieser Zeit dabei gewesen zu sein.
Alles begann 1978 mit dem Atari VCS (später 2600 genannt), welches mit Pauken und Trompeten Einzug in die heimischen Wohnzimmer hielt. Eine Spielhallenumsetzung nach der anderen kam dafür heraus und prägte stark das Image der Marke Atari. Asteroids, Centipede, Missile Command und Space Invaders, um nur einige zu nennen.
Bis 1983 riss der Erfolg der Konsole kaum ab. Allerdings stellte sich bald das Problem ein, dass zuviele Spiele von Drittherstellern kamen, die qualitativ teilweise unter aller Kanone waren. Aufgrunddessen brach der Videospielmarkt, zumindest in den USA, zeitweilig zusammen und es wurden kaum noch Konsolen verkauft.
Blöd für den Atari 7800, denn dieser stand als
Nachfolgemodell des Atari 2600
(und 5200 - welcher jedoch nur in den USA veröffentlicht worden war) und neues Atari Konsolenflaggschiff bereits mit einigen tollen Titeln in den Startlöchern (u.a. Xevious, und Centipede), ein erster Testverkauf in ausgewählten Kaufhäusern war bereits erfolgt, jedoch aufgrund der schwierigen Marktsituation wurde das Gerät komplett eingestampft.Zu diesem Zeitpunkt hatte Atari mit dem 7800 wirklich großes vor: Ein Speichermodul für Highscores, eine Laserdiscerweiterung und vieles weitere Gadgets waren bereits geplant und teilweise schon verkauft worden.
Als sich der Markt, nicht zuletzt wegen dem Erfolg des Nintendo NES etwas beruhigt hatte, die Lizenzprobleme geklärt waren (Atari Inc. wurde mittlerweile von Time Warner abgespalten), brachte man den Atari 7800 ProSystem 1987 doch noch in die Läden. Von dem Expansionsbus der Testserienmodelle - heute begehrte Sammlerstücke - war leider genausowenig zu sehen, wie von der Computererweiterung, oder dem Highscore Cartridge.
Auch
das Softwarelineup (von 1984) konnte nicht so richtig mit der Konkurrenz mithalten,
immerhin gab es schon Spiele wie Super Mario Bros. und Zelda auf dem NES. Der Atari bekam nur die bewährten, aber (mittlerweile) veralteten Arcade Klassiker mit auf den Weg. Xevious ist hier wohl der (graphisch) beste Titel gewesen, überzeugt es doch mit ruckelfreiem Scrolling und sieht meiner Meinung nach besser aus als die NES Version, ansonsten gab es aber kaum Titel die vergleichbar waren. Mario Bros. auf dem 7800 sieht zwar toll aus, war aber bei Super Mario Bros 3 auf dem NES als kostenlose Beilage dabei (allerdings ist SMB 3 ein sehr später NES Titel)!
Trotz allem, die Hardware des Atari 7800, vor allem der Graphikchip "Maria" war durchaus konkurrenzfähig. Der Atari konnte 100 Sprites ruckel- und flackerfrei darstellen (womit sich das NES sichtlich schwer tat), sein größtes Manko war jedoch der Sound - erfolgte doch die Soundausgabe über den selben Spundchip, wie er im Atari 2600 Verwendung fand. Und dieser war auf dem Stand von 1978! Um dieses Manko zu umgehen, integrierte Atari in mindestens zwei Spielen den "Pokey" Soundchip der 8-bit Atari XL Computer und so klangen zumindest Ballblazer und Commando hervorragend und brauchten sich soundttechnisch nicht zu verstecken. Aber auch ohne Pokey schafften es die Entwickler teilweise hervorragende Sounds aus der Maschine zu kitzeln. Jinks - eine scrollende Breakoutvariante - sei hier angemerkt, dieses Spiel bietet Sprachausgabe und ein gesampeltes Pianostück als Intromusik.
Der Verkauf des Atari 7800 begann also sehr schleppend, trotzdem schaffte es die Konsole irgendwie eine User-Basis aufzubauen, die groß genug war, dass sie von Atari immerhin bis 1991 unterstützt wurde.
Dass der Atari 7800
komplett abwärtskompatibel zum Atari 2600
war, die VCS Spiele also ohne Adapter darauf gespielt werden konnten, trug sicherlich zu seiner Verbreitung bei.
Gegen Ende des "offiziellen" Lebens des Atari 7800 kamen richtig gute Spiele auf den Markt, die graphisch und von der Spieltiefe den NES und MasterSystem Konkurrenten in nichts nachstanden.
Double Dragon, Rampage, Ikari Warriors, Scrapyard Dog, Alien Brigade, Ninja Golf und Fatal Run um nur einige zu nennen.
Das letzte Spiel von Atari war Midnight Mutants, ein großartig inszeniertes Action- Adventure mit bildschirmfüllenden End- Gegnern, Rätseln und Grandpa Munster aus der gleichnahmigen Fernsehserie (The Munsters).
Der 7800 kam zwar nicht mit Pauken und Trompeten auf den Markt, ging dafür aber mit ebensolchen unter. Leider wurde das von der Masse der Videospieler gar nicht mehr wahrgenommen.
Der Atari 7800 heute:
Vielleicht erfreut sich der Atari 7800 gerade deswegen einer umso größeren Beliebtheit unter den Retrospielern: Es gibt eine überschaubare Spielebibliothek mit ca. 70 Titeln, die meistens auch noch erschwinglich sind und bei denen praktisch keine Nieten dabei sind. Qualitativ (sieht man mal teilweise vom Sound ab) bewegen sich alles Spiele auf einem sehr hohen Niveau. Darüberhinaus kann man auf die gigantische Spielebibliothek des Atari 2600 zurückgreifen!
Auch heute kommen noch vereinzelt neue Spiele von Hobbyentwicklern für das System heraus und ab und an taucht sogar ein unveröffentlichter Prototyp aus der digitalen Versenkung aus. Selbst neue Hardware (das XM - Expansion Module) soll erscheinen, welche das RAM erweitert, Highscores abspeichert und einen eingebauten Pokey Soundchip hat. Kurzum der Atari 7800 lässt auch heute keine Wünsche offen und sollte in keiner Retro-Sammlung fehlen!