Geburt mit ungewöhnlichen Komplikationen
27.09.2002
Pro:
Spannend bis zum furiosen Schluss
Kontra:
Gegen Ende leicht übertrieben
Empfehlenswert:
Ja
 winterspiegel
Über sich:
Es gibt nichts Schöneres als das Mysteriöse. Aus ihm entspringt alle wahre Kunst und Wissenschaft......
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„Atemtechnik“ aus der Geschichtensammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“, ist mit dem Untertitel „Winter“ als 166 Minuten umfassende Lesung auf 3 CDs erschienen. Joachim Kerzel gibt dem Vortrag dieser Novelle, die sich einem Lieblingsthema von King – dem Tod, und im speziellen Fall auch der Geburt auseinandersetzt, die erzählerische Klasse, die für ein kurzweiliges und spannendes Hörvergnügen sorgt. Ich sehe sie als quasi „Stiefmütterchen“ dieser Anthologie die 1982 erschien, sie wurde als einzige noch nicht verfilmt. Doch nicht nur deshalb, wurde sie meiner Meinung nach immer ein wenig unterschätzt. Zusammenfassung der Lesung David Adlay ist der eigentliche Erzähler der Geschichte, er berichtet wie er vor Jahren von seinem Boss, in einem New Jorker Herrenclub eingeführt wurde. Dieser ihm zu Anfangs ziemlich seltsam vorkommende Ort, gibt ihm aber schon nach sehr kurzer Zeit ein wohliges Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit. Stevens - ein geheimnisvoller Butler kümmert sich um die „Mitglieder“, die sich immer Donnerstags um einen riesigen Kamin versammeln, um sich gegenseitig die verschiedensten Geschichten zu erzählen. An jeden Donnerstag vor dem Weihnachtsabend aber, wird immer eine sehr spezielle - immer unheimliche Erzählung, von einem der alten Männer zu Besten gegeben.Eben von einer so speziellen Geschichte will uns Adlay berichten. Wie es scheint, die unheimlichste und auch unglaublichste, die ihm in all den langen Abenden vor Weihnachten je untergekommen ist. Emlyn Mc Carren hat sie all die Jahre in seinem Innersten verborgen, doch an diesem denkwürdigen Donnerstag vor Weichnachten ist es soweit, er beginnt seine Geschichte vorzutragen - jene von der Atemtechnik. Mc Carren holt ein wenig aus, berichtet von seinen jungen Jahren und wie er unaussprechlich grausige Erfahrungen im ersten Weltkrieg gemacht hat, bevor er sich 1929 in seiner Heimatstadt New Jork als Arzt niedergelassen hat. Eines Tages betritt eine gut aussehende, aber schlicht gekleidete Frau seine Praxis. Die Untersuchung ergibt, dass sie im zweiten Monat schwanger ist aber nicht Verheiratet, sondern alleinstehend. In jener Zeit war so eine Situation natürlich alles andere als einfach. Sandra Standsfield - so der Name der Schwangeren, entscheidet sich trotzdem dafür, das Kind unter diesen schwierigen Bedingungen zu bekommen, und sich unter die Obhut von Mc Carren zu begeben. Bei weiteren besuchen von Sandra erfährt der Doktor nach und nach ihre ganze Lebensgeschichte, bis zu dem Moment, als sie vom Vater des Kindes sitzengelassen wurde. Die Schwangere befolgt mit einer ans pedantisch grenzenden Akribie, den Anweisungen des Arztes, zu der auch visionäre Vorbereitungen zur Geburt wie: Körperliche Betätigungen, und Atemübungen gehören, wie sie heutzutage zwar üblich, aber damals völliges Neuland betraten.Als ihre Schwangerschaft gegenüber ihrem Arbeitgeber nicht mehr zu verheimlichen ist verliert sie ihren Job, und wird mit Schimpf und Schande auf die Straße gesetzt. Bei einem Besuch von Sandra in der nächsten Zeit, hat Mc Carren bedrückende Vorahnungen seine Patientin betreffend, und auch Sandra scheint den dunklen Flecken auf ihrer Seele zu bemerken, als sie dem Arzt gegenüber wie nebenbei bemerkt: „Doktor ich glaube ich bin verdammt.“ Die Wehen setzen schließlich ausgerechnet am Weihnachtsabend ein, Sandra lässt ein Taxi rufen und verabredet sich mit Mc Carren im Krankenhaus zur Entbindung. Gerade als der Doktor vor dem Hospital ankommt, stürzt er auf der völlig vereisten Straße und erlebt aus dieser Position wie der Unfall passiert. Der Taxifahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, gerät ins Schlingern und stößt brutal mit einem entgegenkommenden Krankenwagen zusammen. Die Person, die sich auf dem Rücksitz befindet, wird wie eine Stoffpuppe aus dem Heckfenster geschleudert. Mc Carren steht auf, und schlittert wie in Trance auf den völlig verdrehten Körper zu.Wer jetzt glaubt schlimmer könne es nicht mehr kommen, sieht sich getäuscht. Denn für Emlyn Mc Carren beginnt sich jetzt ein Horrorszenario abzuzeichnen, dass sich ein Irrer in seinen verrücktesten Phantasien nicht makabrer ausgedacht haben könnte... Kritik An einem unfreundlichen Tag, wenn Abends der Wind um das Haus pfeift, und man sich an seinen Lieblingsplatz in der Wohnung zurückzieht, könnte der richtige Augenblick gekommen sein, die Kopfhörer überzustreifen und sich von Kinks Geschichte ins Land der Phantasie entführen zu lassen.Kings „Atemtechnik“ ist eine einzige Manipulation am Leser, oder wie in diesem Fall dem Zuhörer. Der Schriftsteller gibt immer nur so viel Information Preis, um den Hörer unter Spannung zu halten, und neugierig werden zu lassen. Außerdem weist der Autor in vielen Andeutungen darauf hin - und lässt überhaupt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass der ganz große Knüller, auf den die Handlung zielstrebig zusteuert, ganz sicher irgendwann noch kommen muss. So wird eigentlich eine relativ normale Geschichte einer starken Persönlichkeit erzählt - einer schwangeren Frau, die sich eingeschüchtert, aber mit sehr viel Stärke an einen Arzt wendet, und langsam Vertrauen zu ihm aufbaut. Die Mysteriösen oder Phantastischen Elemente sind zwar immer unterschwellig vorhanden, spielen bis fast zum Schluss hin, aber eher eine untergeordnete Rolle. Wir gewinnen einem Einblick in jene Zeit, in der es eine unverheiratete Frau, die ein Kind bekam besonders schwer hatte, und die ärztliche Kunst von manchem Mediziner der damaligen Zeit, heutzutage vermutlich nur noch mit ungläubigem Kopfschütteln bedacht werden kann.King versteht es sehr gut jeden Charakter glaubhaft darzustellen. Seien es die Erzähler die sehr gut gezeichnet, und in der Gegenwart verankert wurden, oder die in deren Geschichten vorkommenden Personen, die sofort nach ihrer Einführung Gestalt annehmen und Vertrautheit vermitteln. Denn je mehr dies geschieht, um so mehr ist die Fassungslosigkeit und der Schrecken, der sich im unbeschreiblichen Finale dann schließlich wiederspiegelt. Hier ist dann auch die Stelle, wo King ganz besonders makaber und skurril sein will, und fast noch im Endspurt seine so hart erarbeitete Glaubwürdigkeit zu verlieren droht, aber Gott sei dank nur fast. Ganz unversöhnlich entlässt uns der Autor aber nicht aus seinen Fängen, sondern gibt uns ein wenig Zuversicht, und vielleicht sogar noch einiges Nachdenkenswerte mit auf den Weg, bevor er sich von uns durch den Vorleser verabschiedet, um sich in seine digitale Behausung zurückzuziehen, bis er vielleicht irgendwann dazu aufgefordert wird, diese ungewöhnliche Geschichte erneut zu erzählen. Der Sprecher Joachim Kerzels sonore, tiefe Stimme sorgt beim Zuhörer immer für einen leichten, aber angenehmen Schauder. Er scheint deshalb ganz besonders gut Kings Erzählungen vermitteln zu können, fast könnte es einem so vorkommen, als wäre der Text speziell für seine Stimmbänder geschrieben worden. Keiner mir bekannten Sprecher fängt das unterschwellig Bedrohliche, dass in vielen Büchern von King enthalten ist besser ein, und lässt es langsam dem meist ahnungslosen Zuhörer eiskalt den Nacken hinuntergleiten. So hat Kerzel schon in den King – Lesungen wie: „Nachtschicht“, „Briefe aus Jerusalem“ und zusammen mit Franziska Puigulla „Das Mädchen“ eine unvergleichliche Atmosphäre geschaffen, die sich nahtlos in „Atemtechnik“ fortsetzt, und einen hoffen lassen, dass auch das nächste King – Buch möglichst bald durch seine unvergleichliche Stimme zum Leben erweckt wird.
Stephen King AtemtechnikWinter Ungekürzte NovelleLübbe – Audio 3 CDsGesamtspielzeit:166 Minuten Preis: ca. 25 Euro
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02.11.2003 20:06
Ist schon eine interessante Geschichte, hab ich aber auch nur gelesen ;-)
26.10.2002 20:35
sowas gibts auch schon auf cd? *freu* *bald weihnachten sei* der anfang der geschichte kommt mir sehr bekannt vor.ich meine,das mal gelesen zu haben,habs dann aber weggelegt.kann mich nur noch an die stelle in dem club erinnern.ich glaub,ich fands langweilig.
12.10.2002 20:52
Kenn ich gar nicht.... aber mein kleines inneres Kind schreit: HABEN WILL *gg*. Hast mich richtig neugierig gemacht, wobei ich sowieso King so gern les, wenn auch nicht alle Bücher nach meinem Geschmack sind, z.B. Duddits hab ich nur zur Hälfte gelesen und hab es dann wieder zurückgebracht (leih mir immer eine Menge in der Bücherei aus ;). Allerdings etwas hören ist ja wieder was anderes.. ;) *aufEinkaufslistesetz* TSCHÖ ;)