Erfahrungsbericht über "Athen"

veröffentlicht 08.09.2003 | pekru
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"Drei Tage in Athen"

Wer mal gerade für ein Wochenende, just for Fun, in die Hauptstadt der Hellenen reisen will, der sollte wenigsten schon vorher eine ungefähre Vorstellung davon haben, was er dort sehen und unternehmen will und was nicht!

Grundsätzlich werdet ihr mir zustimmen wenn ich sage, dass man eine europäische Metropole mit mehr als vier Millionen Einwohnern in so kurzer Zeit auf keinen Fall in ihrer Gänze erfassen kann. Vor allem dann, wenn es auf relativ begrenztem Raum so viel zu sehen gibt.

So war es meine Idee, meiner Freundin einen ersten Eindruck über diese pulsierende Stadt zu vermitteln, und ihre Lust auf weitere zukünftige Urlaube in Griechenland zu machen. Vorweg, das ist mir gelungen!


Anreise und Ankunft

Athen ist uns Kölnern näher gekommen! Durch die direkten Flugverbindungen mit Germanwings, mehrmals wöchentlich, ist sie gerade mal drei Flugstunden von uns entfernt. Die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge. Über München und Italien, Venedig links unter uns und gut zu erkennen, geht es über die Adria geradewegs zum neuen internationalen Flughafen Eleftherios Venizelos, der mir einen besonderen Bericht wert sein wird!

Unser Flugzeug steht nach Landung auf dem Vorfeld. Kaum haben wir seine künstliche Klimazone verlassen, heißt es erst mal tief einatmen. Für mich in südlichen Ländern immer der erste Kontakt, Einstellen auf die neue Umgebung. Wärme und Geruch fühlen und auf der Zunge „schmecken“! Alle Sinne darauf konzentriert!

Athen empfängt uns mit 32 Grad Lufttemperatur und fühlbarem Wind. Kein Gedanke an die so oft beschriebenen Athener Dunstglocke. Kein Wölkchen am Himmel!

Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele im Jahr 2004, aber auch als Platzgründen, haben die Griechen diesen Flughafen weit vor die Stadt gebaut. Mit dem Taxi geht es für 23 Euro in 45 Minuten direkt zu unserem Hotel in der Straße „Athinas“ nahe am Monastiraki Platz.

Auf unserer Fahrt sehen wir, dass überall gebaut wird. Olympia lässt grüßen. Dennoch, und das überrascht uns dann doch, keine Staus unterwegs. Wie überall in südlichen Ländern beweist uns auch unser Taxifahrer, dass er ein Könner ist und eigentlich auch als Testfahrer seinen Mann stehen könnte! Dennoch bleibt ihm Zeit, auf olympische Neubauten und vorbeifliegende „Altertümchen“ hinzuweisen!

By the way, ein Teil der ausgebauten Strecke zwischen Flughafen und Stadt ist mautpflichtig. Unser Taxi durchfährt eine bargeldlosen Mautstelle. Die Daten werden per Funk zwischen Fahrzeug und Mautcomputer ausgetauscht. Sollten die Griechen das etwa schon geschafft haben, was bei uns immer noch zu Schwierigkeiten führt?


Erster Tag (Freitagnachmittag)

Wir kommen gegen 17.00 Uhr im Hotel an. Eigentlich von der Reise müde, könnte ich mich jetzt erst mal hinlegen. Aber, nach dem Motto, schlafen kannst du zu Hause, jagt mich meine Freundin gnadenlos auf die Dachterrasse unseres Hotels. Dort ist alle Müdigkeit sofort verflogen!

Ein Rundblick über die nähere Umgebung entschädigt für so vieles! Grandios steht die Akropolis auf ihrem hellen Felsen im immer noch gleißendem Sonnenlicht! Welch ein Anblick! Dass sie teilweise mit Baugerüsten „verschandelt“ ist, kann den erhabenen Eindruck nicht mindern. Ein Gefühl von Größe macht sich in uns breit, wir sind wirklich in Athen!

Den Abend verbringen wir in einem der typischen Straßenrestaurants in der Nähe des Monastiraki Platzes. Typische Touristenkneipe, mit einigermaßen genießbarem Essen, viel griechischem Wein und Ouzo pur. Ich weis, den trinkt man eigentlich als „Longdrink“ mit Eis und Wasser, aber ich mag ihn nun mal nur so!

Eine erste Lektion für die kommenden Restaurantbesuche haben wir trotzdem gleich mitbekommen. Bestelle in Tourikneipen nie Vorspeisen und Hauptgericht von vorne herein! Unser Kellner bringt uns nämlich die gesamte Bestellung in einer Lieferung. Der kleine Zweiertisch hat kaum Platz dafür. Uns bleibt jetzt nur noch die Wahl, ob wir das Hauptgericht zuerst essen, dass es nicht kalt wird, oder ob wir das in Kauf nehmen wollen. Jedenfalls waren wir danach immer schlauer. Zuerst die Vorspeisen bestellt, und dann, nach Hunger und Guster das Hauptgericht. Manchen Kellner hat das zwar offensichtlich gewundert, aber sie nahmen es immer freundlich hin!

Zweiter Tag (Plaka und Akropolis)

Früh wecken uns die Glocken der kleinen orthodoxen Kapelle, die mitten im Häusermeer unserem Hotel gegenüber liegt. Nach dem sehr einfachen Continental Frühstück, na ja der Kaffee war Ok, sind wir auch schon unterwegs zur Plaka.

Die „Plaka“ ist das Altstadtviertel von Athen. Sie liegt um die Akropolis und die verschiedenen Ausgrabungsstätten in nordöstlicher Richtung herum.
Man muss sie sich zu Fuß erschließen, und daher auch „gut zu Fuß“ sein! Zwar fährt in den engen Gassen ab und zu ein Auto oder Motorrad, aber grundsätzlich beherrschen die Fußgänger die engen und winkligen Straßen.

Der eigentliche „Eingang“ der Plaka befindet sich an der Westseite des Monastiraki-Platzes. Ein großes Schild, quer über Straße weist auf einen „permanenten Flohmarkt“ hin. Wir lassen es hinter uns, und schon saugt uns die Atmosphäre auf. Wir gehen unter im Gewühl der Besucher. Dass es international ist, kann man an dem babylonischen Sprachgewirr hören. Erstaunlich für uns, dass so wenig Deutsche darunter waren.

Kleine und große Geschäfte bieten alles an, was man sich auf einem Flohmarkt vorstellen kann. Antikes und Ramsch, auch Billigläden, wie sie auf allen europäischen Einkaufsstraßen zu finden sind.

Überall preisen Verkäufer laut ihre Waren an und griechische Musik hallt aus den Lautsprechern. Aber auch hier gilt genaues Hinsehen. Manches antike Stück war made in Taiwan. Dennoch, wer ein Auge dafür hat, und die kleinen, im Keller liegenden Antikläden findet, der kann so manches Schnäppchen machen.

Das alles braucht Zeit und Muße. Nach etwa drei Stunden nahmen wir die Gelegenheit zur Erholung in einem Straßenkaffee. Ein griechischer Salat mit riesiger Fetascheibe, ein Tzatsiki, ein Cola und ein Bier für 17 Euro. Für ein normales Essen alla "deutscher Grieche" legt man für zwei Personen zwischen 45 und 55 Euro hin. Das ist zwar happig, aber in der Plaka normal.

Danach zu den Ausgrabungsstätten. Eigentlich ist alles Gelände, das um die Akropolis liegt, eine einzige Ausgrabungsstätte, die Agora.

Nachdem wir den Eintrittspreis von 12 Euro pro Person (gilt für vier Tage) entrichtet haben, empfängt uns eine unbeschreibliche Ruhe, dem Ort entsprechend. Sie wird lediglich durch die Zikaden und ab und zu von der nahen Metro unterbrochen. Erstere waren wohl gerade auf Brautschau. Dementsprechend haben sie sich aufgeführt.

Fast ehrfurchtsvoll durchschreiten wir die antike Stätte, die schon vor mehr als 2400 Jahren von „modernen“ Menschen besiedelt war. Wir lesen die aufgestellten Schilder und stellen uns vor, was sich wohl damals am Hephaistos Tempel abgespielt haben mag. Ich berühre alte, sechs Meter hohe Säulen und weis, dass bereits vor langer Zeit ein Künstler sie bearbeitet hat.

Langsam geht es bergan bis zum Eingang zur Akropolis. Hier ist es mit der Ruhe vorbei. Menschenmassen, mit Bussen angekarrt, bilden lange Warteschlangen, um den heiligen Tempelberg ersteigen zu dürfen.
Irgendwie hat uns das erschreckt. Wir haben die Akropolis nur von außen bewundert. (leider sind die Tempelanlagen größtenteils mit Gerüsten versehen)

Bergab, durch die schmalen Gassen, kommen wir am „Turm der Winde“ und den Resten der Hadrians-Bibliothek (beide aus römischer Zeit) vorbei, wieder zum Monastiraki-Platz. Unser nahes Hotel nimmt uns zur kurzen Siesta auf.

Am Abend finden wir, nur zwei Straßen von unserem Hotel entfernt und Abseits vom Trubel, einen kleinen, mit Bäumen bestandenen Platz, unter denen drei Tavernen ihre Tische aufgestellt haben. Bei griechischer Livemusik entspannen wir von den Anstrengungen des Tages.


Dritter Tag (Sonntag)

Der Sonntagmorgen, das hatten wir schon zu Hause geplant, war dem Besuch des „eigentlichen“ Flohmarktes in der Plaka und den Nebenstraßen vorbehalten. Ambulante Verkäufer aller Couleur priesen ihre Waren, vom Wasserhahn, fast ungebraucht, bis zum Haustier an.

Meine Freundin, sie sammelt alte Wecker, wurde gleich viermal fündig. Wecker der Firma Peter, seit 1966 nicht mehr hergestellt und in prachtvollem Zustand, für acht Euro das Stück, das war ein echtes Schnäppchen.

Den Nachmittag verbrachten wir in Piräus. Mit der Metro von der nahen Monastiraki-Station aus für 1,20 Euro (hin und zurück), das war preiswert und schnell. Für 60 Cent darf man in Köln noch nicht mal die U-Bahn betreten!

Wir wollten das Meer sehen, haben die Fährschiffe zu den Inseln betrachtet und im Jachthafen einen sündhaft teuren Eiskaffee für 6 Euro (each) getrunken.
Hat sich aber dennoch gelohnt, wir haben uns die Meeresbrise um die Nase wehen lassen. Irgendwie gehörte das für uns dazu.


Montag

Unser Abreisetag stand an. Bis zwölf Uhr muss das Zimmer geräumt sein. Dennoch haben wir die Zeit genutzt.
Eine viertel Stunde zu Fuß zum Grabmal des unbekannten Soldaten am Sindagma. Grund für unser Ziel war die Evzonen, eine militärische Ehrenwache in traditioneller Kleidung. Eigentlich stehen sie still, aber in bestimmten Zeitabständen marschieren sie, nach einem vorgeschriebenen Ritual, mit eigenartigen Schrittfolgen, hin und her. Das ist nicht zu beschreiben und sieht teilweise sehr lustig aus, obwohl es wegen der Stätte eine ernste Angelegenheit ist. Dabei in voller Montur bei 35 Grad im Schatten.
Das muss man einfach gesehen haben. Ich vermute, dass sie neben der Akropolis zu den Meistfotografierten in Athen gehören.

Auf der Rückfahrt zum Flughafen, mit vorbestelltem Taxi, ließen wir unseren Athenaufenthalt ausklingen. Schade, dass er so kurz war!


Preise

Eigentlich ist es erfreulich, dass man nach der Währungsumstellung nun auch in Griechenland kein Geld mehr tauschen muss und mit Euro bezahlen kann. Das Traurige daran ist, dass die Umstellung, wie auch bei uns, alles verteuert hat.

Ich bin nicht sicher wie sich das im übrigen Griechenland ausgewirkt hat, für Athen, vor allem die Touristenbereiche, muss man die große Brieftasche dabei haben. Letztlich war es das jedoch wert!


Verkehr

Auffällig für uns ist, dass sich der Verkehr, sowohl auf der Strasse als auch auf den Bürgersteigen im Rahmen hielt. Ich hatte das anders in Erinnerung. Ein hilfreicher Grieche erklärt uns, dass die Monate Juli und August die Ferienmonate der Athener sind. Da sind die meisten auf den Inseln und überlassen die Stadt den Touristen. Glück gehabt!


Fazit

Athen wird mir immer wieder einen Trip wert sein. Allerdings muss man für diese Stadt viel mehr Zeit haben. Wir haben so viel noch nicht gesehen, noch kein Museum betreten.

Wie schon gesagt, Geld muss man mitbringen, und das nicht zu wenig! In diesen drei Tagen haben wir neben Hotel und Flug ca. 300 Euro ausgegeben. Also kein ganz billiges Vergnügen.

Smog, Hitze und etwaige Schwüle haben wir zu keiner Zeit belästigt. Erstens gehört Wärme zu Griechenland, und zweitens wehte andauernd ein fühlbarer Wind. Die oft beschriebene Dunstglocke über Athen war einfach nicht vorhanden. Luft und Himmel war immer klar und scheinbar sauber. Offensichtlich ist Ende August, wenn die Griechen selbst unterwegs sind, ein guter Besuchstermin.

Die Belästigungen, die die Bauarbeiten für Olympia 2004 mit sich brachten, haben uns zu keiner Zeit wirklich beeinträchtigt!

Athen ist absolut empfehlenswert! Man muss allerdings gut zu Fuß sein. Entsprechendes Schuhwerk obligatorisch!

Scrollerfrage: Wie heißt die griechische Ehrenwache?

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • lia12 veröffentlicht 08.10.2003
    Ich weiß es, aber ich sag es dir nicht. Kleiner Tipp fängt mit E. an... :-)))
  • Knabberratte veröffentlicht 06.10.2003
    Athen hat mir vor einigen Jahren auch sehr gut gefallen, du bist z. T. an den selben Orten gewesen. Aber mit gut zu Fuß, da hast du recht!
  • gitarrnfreak veröffentlicht 29.09.2003
    300€ für 3 tage... is mir zuviel, als schülerin ^^ aber athen is sicher mal nen besuch wert, gehör aber eher zu den leuten die lieber shoppen gehen...
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