Audi 80 1.8

Erfahrungsbericht über

Audi 80 1.8

Gesamtbewertung (38): Gesamtbewertung Audi 80 1.8

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Langläufer in Bestform

5  18.05.2006 (14.03.2010)

Pro:
Sparsam, wirtschaflich, komfortabel

Kontra:
Neu nicht mehr erhältlich

Empfehlenswert: Ja 

Deichgraf63

Über sich:

Mitglied seit:15.03.2003

Erfahrungsberichte:8

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 18 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich beschreibe hier meinen Audi 80, Typ 89 (auch B3 genannt).

Motor: 1,8l , 55kW (75PS) bei 4500U/min, maximales Drehmoment 140Nm bei 2500U/min, Keihin II-Vergaser, Ursprünglich U-Kat, nachger. HJS G-Kat.
Getriebe: vollsynchronisiertes (auch Rückwärtsagang) 5-Gang Schaltgetriebe
Aufbau: Vollverzinkte, selbsttragende Ganzstahlkarosserie, 4-türige Stufenhecklimousine
Gepackraum: 401l (Nach VDA-Methode), nach Herausnahme der Zwischenplatte und versetzen des Notrades 430l
Erstzulassung 04/1987

Den Audi 80 erwarb ich im Februar 1992 mit einem Tachostand von etwa 78.000 Kilometern als Nachfolger für einen mich ständig mit Defekten nervemden Golf II (72PS U-Kat). Das Fahrzeug ist azuritblau lackiert und hat eine ebenfalls blaue Innenausstattung "crayon", also die Basisinnenausstattung.

Ab Werk war der Audi mit folgenden Zusatzausstattungen ausgerüstet: 5-Gang Schalgetriebe, rechter Außenspiegel, manuell zu betätigendes Schiebe-/Hubdach Radio "alpha" und höheneinstelbarer Beifahrersitz.

Später habe ich dann noch den ebenfalls als Sonderausstattung für den 75PS-Motor lieferbaren Drehzahlmesser aus einem Unfallwagen nachgerüstet. Der Drehzahlmesser ist dann anstelle der riesigen "Küchenuhr" verbaut, die Zeit wird dann über eine kleine Digitalanzeige angezeigt. Eine elektrische Zentralverriegelung von InPro, die auch den Gepäckraum mit einbezieht rüstete ich ebenfalls nach. Interessant, daß auch bei der werksseitig angebotenen pneumatischen ZV der Tankdeckel in diesem ersten Baujahr nicht mit in die Zentralschließung einbezogen war. 1999 habe ich eine Eberspächer Standheizung einbauen lassen, nachdem ich nach einem Umzug keine Garage mehr zur Verfügung hatte. Ich habe zweimal gekratzt, dann hatte ich die Nase voll. Das serienmäßige "alpha"-Radio mußte einem Blaupunkt "Monteux" weichen, dieses mochten andere Zeitgenossen auch, seitdem verrichtet ein "Düsseldorf" mit CD-Wechsler seinen Dienst. Nachdem Bagaluten mit zweimal die normale Stabantenne abgebrochen hatten, baute ich eine vollautomatisch Hirschmann Motorantenne ein. Der Wagen ist ansonsten unverbastelt, irgendwelche pubertäten Bastelorgien wie Tieferlegung, Spoiler, "Wummerkisten" und andere Prollausstattung mußte er nicht hinnehmen. Weil das originale Kunststofflenkrad schon arg abgegriffen und völlig glatt war, kam dann ein gebrauchtes Original-Audi-Lederlenkrad an seinen Platz.

Mitterweile zeigt der Kilometerzähler des Audi schon unglaubliche 409.000 Kilometer an, der Wagen war im Norden Dänemarks, nach Lodsch in Polen (wurde dort nicht geklaut ;- ), in der Schweiz im Berner Oberland, in Frankreich und Luxemburg, kein Liegenbleiber in all den Jahren. NIcht, das nicht mal ein kleiner Defekt auftrat, doch konnte ich alles in Selbsthilfe erledigen, bei heutigen Autos ausgeschlossen, hat man nicht ein Notebook samt passender Leitungen und Diagnoseprogrammen sowie einen Vorrat an Steuergeräten dabei.

Es ist die schon fast als langweilig zu bezeichnende Unkompliziertheit, die das Leben mit dem Audi 80 auszeichnet, er verrichtet so zuverlässig seinen Dienst, wie eben das Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Da besteht schon die Gefahr, mal die Wartung zu vergessen oder den Ölwechsel kräftig zu überziehen. Es gibt sogut wie keinen Ölverbrauch, der ein Nachfüllen von Öl zwischen den Intervallen erfordert. Das war bei etwa 350.000 Kilometern der Fall, da gibt ein Liter pro 5.000 Kilometer drauf, nach dem Einbau frischer Ventilschaftdichtungen war das Problem vollständig gelöst. Im vergangenen Jahr wurden dann ein paar Dinge fällig, der berüchtiger Wärmetauscher mußte gewechelt werden, weil der undicht war. Den Sommer über habe ich die Zu- und Ableitung dahin einfach kurzgeschlossen, das stoppte den Wasserverlust. Übrigens auch ein Tip für unterwegs, so einem dieser Defekt erwischt. Der Wärmetauscher kostet im freien Handel nur die Hälfte von dem, was Audi-Werkstätten verlangt, auch wegen des Arbeitslohnes sollte man besonders in diesem Fall einen großen Bogen um die "Marken-Apotheke" machen. Zum Austausch muß nämlich ddas komplette Armaturenbrett ausgebaut werden. Dabei gehen gern die A-Säulenverkleidungen (vordere Fensterpfosten) zu Bruch. Als Ersatz gibt es nur die textilbezogenen Exemplare des Nachfolgers B4, die sind teuer und schmutzempfindlich. Als Ersatz für die weggebrochenen Clipse eignet sich Butyldichband. Die Vorderachse wurde im vergangenen Jahr auch überholt, alle Metallgummilager (Stabi, Federbeinlager, Querlenkerbuchsen) ausgetauscht. Die Kühlmittelpumpe war zwar nicht undicht (übrigens noch die erste!), war aber schwergäng, was schnell zu einem rutschenden Keilriemen führte. Anhand des Kupplungsspiels merkte ich, daß die hydraulische Kupplungskorrektur am Ende ihrer Möglichkeiten ankam, das Kupplungsspiel konstant zu halten, so war denn bei 380.000 Kilometer der erste Kupplungswechsel fällig. Die alte hatte aber noch etwa 30% Rest! Vor dem TÜV habe ich dann auch noch den Leitungsstrang er Heckklappe gewechselt, die Leitung für die Nebelschlußleuchte war gebrochen, ein wohl verbreiteter Fehler, nicht nur beim Audi 80.

So mancher hätte sicher in Anbetracht dieser Reparaturen den Kauf einen Neuwagen oder eines anderen Gebrauchten in Erwägung gezogen, ich nicht. Ein Neuwagen hat schon mit dem Moment der Erstzulassung einen Wertverlust erlitten, der die Aufwendungen der Reparaturen übersteigt, bei einem Gebrauchten weiß man nie, welche Macken der Vorbesitzer nicht richten lies, wie erst er es mit der Wartung genommen hat. Der Audi bestand dann im ersten Anlauf die Hauptuntersuchung im Dezember ohne Mängel. Der TÜV-Prüfer prüfte sogar den Ölstand, weil es ihn stutzig machte, daß ein Auto diesen Alters und dieser Laufleistung von unten staubtrocken ist. In diesem Jahr sind zum zweiten Mail neue Stoßdämpfer geplant (der erste Wechsel erfolgte bei 180.000km) und neue Ganzjahresreifen gibt es auch wieder. Ein weiterer Vorteil der moderaten Motorisierung ist, daß man nicht unbedingt spezielle Sommer- und Winterrreifen benötigt, sondern auf die ebenfalls als Winterreifen anerkannten Ganzjahresreifen zurückgreifen kann. Sicher, die Steuer ist wegen "Euro 1" relativ hoch, dafür zahle ich nur 280€ im Jahr für Haftpflicht und Teilkasko ohne Selbstbeteiligung. Neuere Autos kosten schon in der Teilkasko mehr, meist schließt man ja die noch teurere Vollkasko ab. Bedenkt man dann noch die hohen Kosten allein für einen Ölwechsel bei neuen Autos, dann kann man die geringen Kosten für die drei Liter Ölinhalt des Audi-Aggregates schon als günstig betrachten und zum Anlaß nehmen, dies rechzeitig zu wechseln und eine gute Qualität zu nehmen. Mein Audi ist im Übrigen noch weitgehend scheckheftgepflegt, dafür suche ich dann die Audi-Werkstatt auf, für ältere Autos gibt auch dort Sonderangebote für die Inspektion.

Der Mittelschalldämpfer wurde bei etwa 130.000km gewechselt, der Endschalldämpfer bei 180.000km. Bei beiden wurde zwischenzeitlich mal eine Halterung neu angeschweißt, aber das war es dann schon.

Alte Autos können genauso zuverlässig sein, wie Neuwagen, wenn nicht sogar zuverlässiger, wenn die Wartung gewissenhaft durchgeführt wird, dieser Audi ist der Beweis dafür.

Der Verbrauch liegt im langjährigen Mittel bei etwa 7,2 Litern Normalbenzin pro 100 Kilometer, die Extrema lagen bei etwa 5,3 Litern pro 100 Kilometer, bei extrem sparsamer Fahrweise unter günstigen Bedingungen und 8,8 Liter für 100 Kilometer bei einer Schnellfahrt von Wolfsburg nach Künzelsau mit einem Schnitt von rund 135km/h; die Strecke war in etwa 3,5 Stunden bewältigt, erst auf dem Rückweg mußte ich tanken. Der große Tank in Verbindung mit dem günstigen Verbrauch ermöglicht trotz der eher geringen Leistung hohe Reisegeschwindigkeiten bei relativ geringen Kosten.

Dem üppigen Tank steht das eher bescheidene Gepäckraumvolumen gegenüber, daß bei Audi 80 dem Modelljahres mit 401 Litern (VDA Quadermethode) angeben wird. Im Gepäckraum liegt eine Platte, unter der sich neben dem Notrad weiterer Stauraum für Kleinkram die Abschleppseil und Starthilfekabel befindet. Durch diese Platte ist der Gepäckraumboden nur wenig niedriger als die Einfüllöffnung, so müssen schwerere Gegenstände wenigstens beim Ausladen nicht über eine hohe Ladekante gehoben werden. Für den (Einkaufs-) Alltag eine gute Lösung. Beschafft man sich die lange Befestigungsschraube für das Notrad, kann man dieses auch, wie bei späteren Baujahren geschehen, links stehend im Gepäckraum befestigen, wo auch ein vollwertiges Rad Platz findet. Zusätzlich benötigt man dann noch eine Gepäckraumbodenmatte. Nun kann man die Platte im Gepäckraum bei Bedarf entfernen und hat 430 Liter Gepäckraumvolumen, mehr haben auch zeitgenössische und aktuelle Fahrzeuge dieser Größe nur selten. Der Gepäckraum hat eher den Nachteil der ungünstigen Bauform. Verwendeit man flexible Reisetaschen oder kleinere Koffer, geht eine Menge hinein. Wer dort aber riesige Hartschalenkoffer einladen will, wird scheitern. Für solche Fälle und auch für ausgiebige Baumarkteinkäufe eigenen sich andere Autos besser. Entschädigt wird man durch die geniale Konstruktion der Heckklappenscharniere, die beim Schließen nicht in den Gepäckraum schwenken und dort Gepäck beschädigen können. Bis heute verbauen einige Hersteller antiquierte Scharniere, oft schwenken die trickreich in eine Verkleidung, die allerdings das Gepäckraumvolumen mindert.

Audi sah den 80er als kleine, aber feine Reiselimousine, für 2-3 Personen reicht auch der Gepäckraum, mithin reicht er auch für die heute verbreitete 1-Kind-Familie. Denn, Hand auf's Herz: Muß das riesige Schlauchboot immer aufgebpumpt mit in den Urlaub genommen werden?

So ist der Audi 80 ein feines Fahrzeug, eher für Freunde der gepflegten Fortbewegung denn zum Rasen (dafür gibt es ja noch die anderer bayrische Automarke). Das Fahrwerk ist eher weich abgestimmt, enge Kurven mit hohen Geschwindigkeiten zu nehmen erfordert eine ausgefeilte Fahrtechnik. Trotz der weichen Abstimmung neigt der Audi 80 wegen der primitiven Hinterachse z.B. bei Bahnübergängen doch zur Härte, eine Einzelradaufhängung wäre hier besser gewesen, kam erst viele Jahre später im zweiten A4-Aufguß. Der Audi 80 bekam die Technik seines in den Grundzügen 1978 präsentierten Vorgängers, daraus resulitiert seine Zuverlässigkeit, aber eben auch eine relativ schlechte Raumausnutzung und die Hinterachse. Die Ingenieure wollten dem 80er ursprünglich die Achse des ebenfalls in der Entwicklung befindlichen "Nasenloch"-Passat spendieren, Herr Piech wollte aber keine VW-Teile im Audi, so blieb die alte Konstruktion. Heftige Kritik an der Form des Gepäckraums führten dann dazu, daß der B4 kam - und mit ihm die Passat-Hinterachse, die eine günstigere Gepäckraumform und eine klappbare Rücksitzbank ermöglichte, ein teurer Fehler...

Die Bedienung des Audi 80 gibt keine Rätsel auf, der Choke läßt sich einwandfrei dosieren. Ich persönlich empfinde die oft kritisierte Anordnung des Lichtschalter als kleinen zusätzlichen Hebel vor dem Blinker und des Warnblinkschalters als kleinen zusätzlichen Hebel vor dem Blinkerschalter als ideal. Zu deren Betätigung muß man nicht die Hände vom Lenkrad nehmen, wie bei anderen Konstruktion. Besonders ist dies von Vorteil, wenn man in voller Fahrt auf ein Stauende auf der Autobahn zufährt und die Nachfolgenen mittels Warnblinker auf die Gefahr aufmerksam machen möchte. Meist braucht man bei einer relativ starken Bremsung beide Hände am Lenkrad und die Augen auf der Straße, keine Chance da irgendwo abseits nach einem Warnblinkschalter zu suchen. Die Schaltung ist sehr leichtgängig und präszise, ich kenne nichts besseres. Die Kupplung geht dank hydraulischer Betätigung ebenfalls leicht, auch die Lenkkräfte sind trotz nicht vorhandener Servolenkung moderat, erkauft wird das durch eine recht indirekte Auslegung, am muß also viel kurbeln. "Sportliche" Fahrernaturen werden den Audi wegen dieser Eigenheit in Verbindung mit dem weichen Fahrwerk eher weniger schätzen.

Den Audi 80 kann ich jedem empfehlen, der ein Auto sucht, das einfach klaglos seinen Dienst verrichtet, der keine Rennfahrerambitionen hegt und auch nicht laufend sperrige Gegenstände transportieren möchte. Gut gepfegt macht man auch nach fast 20 Jahren im Audi 80 eine gute Figur, unlackierte Spiegel und Stoßfänger machen ihn weitgehend resistent gegen häßliche Parkkratzer, die Vollverzinkung hält ihm die "braune Pest" zuverlässig vom Leib. Die höhrer Steuer sollte nicht schrecken, das spart man bei Kraftstoff, Wartung und Versicherung leicht wieder ein. Auch bei hohen Geschwindigkeiten bleibt der Audi erfreulich leise, das niedrige Drehzahlniveau läßt nicht wie bei den neueren kleinvolumigen Motoren ein Kleinwagenfeeling aufkommen. 3800 Umdrehungen pro Minute bei Tachoanzeige 160km/h kann man stundenlang aushalten. Der Motor gibt seine Leistung und sein maximales Drehmoment schon bei Drehzahlen ab, die eher auf einen Diesel schließen lassen. Der Audi kann schaltfaul gefahren werden, der fünfte Gang kann schon bei nur wenig mehr als Leerlaufdrehzahl zum Einsatz kommen, wenn keine starke Beschleunigung gewünscht ist.

Gibt es denn gar nichts Negatives an dem kleinen Ingolstädter zu berichten? Doch, die Bremsschläuche sind nicht besonders langlebig, alle vier Jahre sind die meist porös, was der TÜV-Prüfer nicht sehen will. Mein Tip, da man ohnehin alle zwei Jahre die Bremsflüssigkeit wechseln sollte, wechselt man bei jedem zweiten Mal gleich die Bremsschläuche mit, das spart Geld, weil die Arbeiten des Entleerens, Wiederbefüllens und Entlüftens der Bremsanlage ohne hin bei einem Wechsel erledigt wird. Die sehr flach stehende und gewölbte Verglasung sorgt für eine kräftige Aufheizung des Innenraumes, mindestens ein Schiebe-/hubdach sollte er Audi 80 schon haben, Klima ist sehr selten. Die Radkösten vorn ragen recht weit in den Füßraum und zwingen vor allem den Beifahrer zu einer eher starren Sitzhaltung. Die Gepäckraumbeleuchtung funktioniert nur bei eingeschalteter Beleuchung, der Deckel des Handschuhfaches schließt schlecht. Raucher würden vermutlich die Position des Aschers direkt vor dem Schaltknüppel kritisieren. Die Kontrolleuchten in den Schaltern für die Nebelschlußleuchte und die Heckscheibenheizung werden genau vom Lenkradkranz verdeckt, diese Kontrolleuchten gehören in das Kombiinstrument, nicht in die Schalter. Das Fahrwerk ist sehr auf Untersteuern ausgelegt, das ist zwar recht gut beherrschbar, vermittelt aber doch das Gefühl von Unhandlichkeit. Bei feuchter Fahrbahn, erst recht bei Eis und Schnee neigt der Audi zu Traktinsproblemen beim Anfahren. Ursache ist wohl die Audi-typische Anordnung des Getriebe und des Differentials hinter dem Motor. Der lange Überhang führt zur schlechten Belastung der Antriebsachse. Audi arbeitet daran, zum Konstruktionsprinzip des NSU (VW) K70 mit dem unter dem Motor liegenden Differential zu wechseln. Das bringt zusätzlich auch mehr Radstand, damit noch besseren Geradeauslauf und mehr Innenraum. Die eher indirekte Lenkung fordert vor allem bei sehr hohen Geschwindigkeiten vestärkte Aufmerksamkeit. Nach Tacho kann auch der 75PS Audi 80 auf Autobahn-Gefällstrecken schon mal am Tachoanschlag (220km/h) kratzen, da hat man bei Wind und in Kurven schon etwas Mühe mit dem zielgenauen Lenken, nichts für Anfänger und Sonntagsfahrer.

Mittlerweile (Februar 2007) hat der Audi 429.000 Kilometer auf dem Tacho, läuft immer noch einwandfrei. Im Herbst gab es neue Reifen, die neu auf dem Markt gekommenen Goodyear Vector 5+ (Das "+" ist sehr wichtig!) und rundherum neue Stoßdämpfer, Gasdruckstoßdämpfer von Monroe. Seitdem ist die kräftige Untersteuerneigung erheblich gemildert.

Neue Hydrostößel sorgen nun für Ruhe im Ventiltrieb, auch war das vordere Abgasrohe fällig. Das alles ist normaler Verschleiss.

Leider ist in der vergangenen Woche ein Nachbar meiner Eltern in den Audi gefahren, doch zum Glück ist er gerade noch einmal an einem wirtschaftlichen Totalschaden vorbei geschrammt und mittlerweile wieder für rund 2.000€ repariert worden, so kann der Dauertest weitergehen, Ziel sind nun die 500.000 Kilometer, die in schätzungsweise zwei und einem halben Jahr erreicht sind.

Der Audi 80 ist ein schönes Auto, das gestreckt und ein wenig sportlich fahrt. Das weckt sicher bei dem einen oder anderen falsche Vorstellungen. Der Audi 80 ist kein geräumiger Familienwagen, wer das will, muß sich mit der stattlichen Länge eines Audi 100 arrangieren oder dem "Schuhkarton" Jetta II. Auch Fahrer, die es gern tiefer, härter, beiter und laut mögen, sollten sich anderweitig orientieren und nicht auch noch die Typklassen des Audi 80 verderben.

Ich hoffe, der Audi 80 wird noch lange bei mir seinen Dienst versehen, an mir soll es nicht liegen, ich habe keinen Bedarf an einem anderen Wagen. Wer jetzt an ABS, ESP und Co. denkt, dem sei geraten, das Geld lieber in regelmäßige Sicherheitstrainungs zu investieren. Der beste Fehler ist immer noch der, den man vermeidet, einen Audi 80 zu kaufen ist unter Berücksichtigung der allgemeinen Ratschläge für den Gebrauchtwagenkauf ganz sicher kein Fehler.

[Nachtrag 30.08.2007]:
Mittlerweile ist Ende August 2007 und der Audi 80 ist immer noch bei mir im Dienst. Mittlerweile zeigen sich im Innenraum Spuren der Jahren, so ist die äußere Wange des Fahrersitzes durchgescheuert und der Spiegel in der Beifahrersonneblende löst sich so langsam aus selbiger.

Technisch hat es immer noch keine wirklichen Probleme gegeben, der aktuelle Tachostand beträgt mittlerweile 443.000 km. Zur Hauptuntersuchung muss die Bremsflüssigkeit neu und ein Stück Bremsleitung, das Rost angesetzt hat, muss auch noch ausgetauscht werden, der Termin ist im Dezember, noch genug Gelegenheit, ein paar Kilometer zu fahren. Wenn ich meinen Schnitt halte, dann wäre bei der Hauptuntersuchung in 2009 die "5" an der ersten Stelle des Kilometerzählers. Es handelt sich wohlgemerkt um einen Benzinmotor in einem Auto, nicht um einen Lok- oder Schiffsdiesel.

Nun ist es geschafft, im Dezember gab es ohne Probleme eine neue Plakette für die AU und eine für die bestandene Hauptuntersuchung, die oben angesprochene Bremsleitung war nur flugrostig und musste nicht ausgetauscht werden, nun geht es also mit mittlerweile 452.000km auf die halbe Million Kilometer zu. Die grüne Umweltplakette gibt es dank nachgerüstetem G-Kat (Schlüsselnummer "77") auch.

Es ist mal wieder Zeit für einen neuen Zwischenstand, der Audi ist immer noch im Einsatz, mittlerweile mit 490.500km, die hintere Bremse wurde zwischenzeitlich auch mal fällig, die vorderen Sitze haben nun Lammfell-Schonbezüge erhalten. Vor rund 10.000km war mal wieder der Lichtschalter fällig, ansonsten nur die normale Wartung, er läuft und läuft und läuft... Es gibt nun ein paar kleine Kantenroststellen, die werde ich demnächt mal angehen, mit einem "Negerkeks" das Blech blank machen, neu verzinken und lackieren. Am Wochenende stehen aber erst einmal wieder 800km Strecke an, wir wollen doch noch in diese Jahr die halbe Million vollmachen.

Nun ist es geschafft, seit drei Wochen steht die "5" an der ersten Stelle des Kilometerzählers und der brave Audi hat tatsächlich die halbe Million mit der ersten Maschine geschafft. Im vergangenen Jahr gab es dann mal neue Auspuffteile, die hinteren Bremsen wurden erneuert, die Stanheizung, die in den vergangnen Monaten dauernd lief, benötigte eine neue Glühkerze. Im Herbst habe ich die lärmende 65A Lichtmascheine gegen eine 90A von der Autoverwertung getausch, da gab es selbst im Kurzstreckenbetrieb keine Probleme wegen einer leeren Batterie durch die Standheizung.

Nun zeigen sich aber die Jahre, der Himmel wirft genauso Falten wie die Türverkleidungen, Ursache ist, dass der Schaumstoff zwischen dem Trägermaterial und dem Textilbezug sich einfach auflöst und zu einer schmierigen, orange-braunen Masse wird, schön ist etwas anderes, aber nach 23 Jahren uns so vielen Kilometern darf das mal sein. Leider gibt es selbst für Geld und gute Worte keinen Ersatz bei Audi, Gebrauchtteile brächten nichts, die würden bald das gleiche Problem haben. Da fehlt es Audi noch am Premium-Service

Nun wird er bei mir ersetzt, Nachfolger wird ein gebrauchter VW Caddy Life TDI, der Audi bleibt aber in der Familie, mein Neffe, seine Frau und seine drei Kinder freuen sich auf den Audi für symbolische 50€.

Danke den geduldigen Lesern und dem treuen Audi, mit einer kleinen Träne geht er am kommenden Freitag an seinen neuen Eigner.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Framework91

Framework91

26.03.2008 19:44

Klasse geschrieben..lässt echt keine Fragen offen. Freue mich schon auf deinen Nachtrag in 2009.

Stelu80

Stelu80

15.02.2007 12:24

Super Bericht. Der Bericht hat die Eigenschaft "Erfahrungsbericht" 100% verdient. BH

Thomas_Hannover

Thomas_Hannover

18.05.2006 16:52

Mehr Erfahrung geht ja wohl kaum noch! Schön wären noch die Kosten für Steuer und Versicherung, die ist bei älteren Fahrzeugen ja immer etwas höher, leider.

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