Nachdem ich nun meinen Opel Kadett-B 2 1/2 Jahre durch die Welt gescheucht habe, wurde es Zeit ihn abzumelden und wieder auf Vordermann zu bringen. Derweilen schaffte ich mir den genannten Audi an. Es ist der erste Audi, den ich besitze.
Positives:
Ich war bereits bei der ersten Fahrt schwer beeindruckt von dem Wagen. Er ist von 1991 und fährt sich wie ein Auto, das man vor drei, vier Jahren neu gekauft hätte. Mein Wagen wurde vom Erstbesitzer gepflegt und er wirkt straff, stimmig, passend und ausgereift. Er ist in keiner Weise aufgeregt, sondern wirkt ruhig und auch Motor-, Fahrwerks- und Windgeräusche fallen bei keiner Geschwindigkeit negativ auf. Die Bedienung ist einfach, alles sitzt dort, wo es sein soll. Lediglich der zu klein und unwichtig erscheinende Lichtschalter hinter dem Lenkrad und vor dem Blinkerschalter verdutzt den Audineuling etwas. Ablagen wie auch das Platzangebot sind ausreichend, lediglich der Kofferraum enttäuschte mich etwas. Das mag aber daran liegen, daß ich fast ausschließlich Oldtimer fahre und dort muß man ab der Mittelklasse schon fast von Kofferhallen sprechen.
Mehr gibt es im Grunde nicht zu sagen, da das Fahrzeug einfach stimmig ist. Was man anfasst wirkt solide, er läßt sich leichtfüßig fahren und auch der typische Türschließtest wird mit einem satten Geräusch absolviert. Ausreichend direkte Lenkung, knackige Schaltung, guter Wendekreis, legitimer Verbrauch, alles top. Der Blick nach hinten ist im Vergleich zu einem alten Auto/Oldtimer etwas unübersichtlich, da haben die heutigen Autobauer aber schon schlimmeres auf die Straße gesetzt.
Die Autos sind meist mit einem G-Kat der Euro-1 Norm ausgerüstet, bzw. nachgerüstet und lassen sich mit einem Kaltlaufregler/Minikat auf Euro-2, bzw. D3 aufrüsten. Der Steuersatz fällt damit pro angefangene 100 ccm von 15,13 € auf 7,36 € (D3 = 6,75 €). Die Umrüstung kostet ungefähr das, was man in einem Jahr dann gespart hat - machbar in jeder AU-Werkstatt (bezieht sich auf Benziner).
Negatives:
Das Fahrwerk ist im Grunde gutmütig und lädt auch zum flotten Fahren ein, sportliche Ambitionen sind ohne Modifikationen allerdings nur eingeschränkt möglich. Das Fahrwerk wird vor allem auf der Hinterachse gerne sehr leichtfüßig, wenn man es in Kurven etwas schneller haben möchte. Jedoch ist der Grenzbereich ausreichend, um nicht im nächsten Graben zu landen.
Abgesehen von dem für meinen Geschmack etwas zu kleinen Kofferraum und der etwas eingeschränkten Sicht nach hinten, gibt es noch einige typische Mängel dieser Serie, von denen auch ein paar mein Fahrzeug betreffen. Bei einem Kauf sollte man diese Punkte beherzigen, auch wenn es nichts gravierendes ist.
- Fahrwerk: Typische Schwachstelle ist die Vorderachse, die leicht überfordert gerne mal mit ausgeschlagenen Buchsen u.ä. auf sich aufmerksam macht.
- Elektrik: Eine unglückliche Konstruktion ist der Kabelstrang, welcher zur Heckklappe führt und was durch das häufige Öffnen und Schließen zu Kabelbrüchen führt. Ersatz gibt es bei Audi, kostet allerdings über 100,00 €. Nicht so häufig, aber bekannt, ist eine defekte Instrumentenbeleuchtung. Wie auch an meinem Wagen, so gibt es einige andere, die sich Nachts im Geschwindigkeitsraten beweisen müssen. Grund für den Ausfall der Beleuchtung sind des Öfteren kalte Lötstellen im Kombiinstrument, oder auch ein völlig verschlissener Helligkeitsregler, was man meist mit hin- und herdrehen wieder halbwegs beseitigen kann.
- Wasser: Die Abflüße des Wasserkastens im Motorraum neigen zum Verstopfen, was man aber durch einen überfluteten Innenraum auch ohne Ausbildung gut diagnostizieren kann.
- Windschutzscheibe: Sie neigen dazu im Laufe der Jahre Luft zu ziehen, was man an milchigen Verfärbungen in den Ecken erkennen kann. Das kann u.U. auch TÜV relevant sein, je nach Fortschritt des "Lufteinschlusses" und Laune des TÜV-Onkels.
- Wärmetauscher: Durch auffällig häufiges Austauschen des Wärmetauschers, kann man diesen wohl als einen typischen Schwachpunkt bezeichnen.
- Rost: Auch an dieser vollverzinkten Karosserie gibt es Rost. Als Schwachstelle hat sich das Heckblech gezeigt, wo hinter dem schwarzen Kunststoffänger zwei Bleche aufeinanderliegen und zu Korrosion neigen. An meinem Wagen habe ich noch eine zusätzliche Roststelle im Motorraum gefunden, wo auf der Fahrerseite eine Querstrebe auf den Rahmen geschweißt anfängt an der Verbindungsstelle zu rosten.
Fazit:
Der Audi 80 ist ein solider, zuverläßiger Wagen, der rundum einfach nur Spaß macht. Der einzige Minuspunkt ist vielleicht die schlichte, biedere Erscheinungsform, was Schöngeistern bitter zusetzen wird. Auffallen tut man mit diesem Auto nun wirklich nicht. Seiner Qualität und dem Fahrspaß tut das aber keinen Abbruch. Wenn man sich reinsetzt fühlt man sich wohl und freut sich auf die Fahrt, die gerne auch länger dauern kann. Das Einzige, was seiner Zukunftsperspektive im Wege steht, ist die umweltfeindliche und wirtschaftsfreundliche Umweltpolitik unserer Bundesregierung. Ansonsten würde dieser Wagen auch in 15 Jahren noch zu unserem Straßenbild gehören, so wie man es früher - vor KFZ Strafsteuern und ähnlichen Dingen - von alten Mercedes-Fahrzeugen kannte.
31.03.2010 12:06
Definitiv und im Wortsinne sehr hilfreich.