10 Jahre und 212000 km, ein kleiner Rückblick
17.08.2007
Pro:
Fährt nach 212000 km noch immer
Kontra:
Bericht lesen, selbst ein Bild machen .
Empfehlenswert:
Ja
 mcearnie
Über sich:
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Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dieser Bericht richtet sich an jene, die vielleicht vorhaben ein vergleichbar altes Model gebraucht zu kaufen. Ich verzichte daher auf detaillierte technische Daten; die kann man bei Audi auf der Webite einsehen. Stattdessen ein etwas praxisorientierter Bericht, was mir in den Jahren mit dem Gefährt so wiederfahren ist. Das klingt jetzt dann vielleicht alles recht negativ, aber es macht ja keinen Sinn die Zeiträume aufzuzählen in denen alles in Ordnung war. Unterm Strich bin ich nämlich mehr als zufrieden mit dem Auto. Seit 1997 fahre ich nun meinen 1.9 TDI mit 90 PS. Damals hat der Wagen neu, mit Klimaanlage und einem extra Satz Winterreifen, DM 35.000,- gekostet. Da muss man heute schon deutlich mehr hinlegen.
Auf dem Tacho stehen nun 212.000 km, also jährlich ca. 20.000 km. Dabei habe ich so manche Delle eingefahren. Aber nicht nur deswegen musste ich das eine oder andere Mal in die Werkstatt. Bei dem Alter und den Kilometern aber auch nicht weiter verwunderlich, Audi-Qualität hin oder her. Als Neuwagen gab es mit dem Fahrzeug eigentlich nie Probleme. Der Verbrauch lag bei meiner, zugegebenermassen zügigen Fahrweise, bei max. 8 Liter. Eine Tankfüllung reichte für ca. 720-750 km.
Pünktlich nach dem ersten Jahr der erste Defekt: die Birne des Frontscheinwerfers hat ihren Geist aufgegeben. Wie sich später herausstellen sollte, ist das ein Problem was einem regelmässig zu Beginn der kalten Jahreszeit begegnen wird. Weiß der Geier warum, aber Jahr für Jahr wenn der Winter kommt, geht erst die eine und ein paar Wochen später die andere Glühbirne hops. Nach dem ersten Jahr zeigte sich dann der erste Materialfehler im Innenraum. Die Innenverkleidung der Türen besteht (zumindest bei meinem Modell) aus mehreren Schichten eines dünnen Plastikmaterials über dem eigentlichen Hartplastik. Stück für Stück hat es sich in Fetzen abgelöst. Mittlerweile sind alle Schichten ab und somit nur noch das nackte Hartplastik (das allerdings fast die gleiche Farbe hat, und der Unterschied somit eigentlich nicht auffällt) der Innenverkleidung übrig ist.
Nach ungefähr 3 Jahren gab es dann das erste Mal ein Problem mit der Elektronik. Der Luftmassenmesser war defekt. Klingt zwar nicht sehr beeindruckend, ein Gerät das die Masse der Luft misst, hat aber gravierende Auswirkungen auf den Vortrieb. Mit anderen Worten, wenn ich Vollgas gegeben habe, konnte ich froh sein wenn ich in 5 Minuten einen Schwertransporter überholt habe. Der Luftmassenmesser mit Einbau kostete mich 30 €, und der Audi ist wieder abgezogen wie ein junger Ferrari. Zwei Jahre später sollte dieses Teil wieder einen defekt haben. Mittlerweile kann ich es selber einbauen, insofern kein Thema. Zur gleichen Zeit hat sich dann auch der elektrische Fensterheber auf der Fahrerseite verabschiedet. Das hat er zum Glück aber nur einmal gemacht.
Dann, nach ca. 4 Jahren, der meines erachtens gravierendste und gefährlichste Fehler! Ich bin gerade auf eine Autobahn aufgefahren, habe ordentlich Gas gegeben und war gerade auf dem Weg auf die Überholspur. Plötzlich geht der Motor aus, das Lenkrad blockiert. Zum Glück habe ich schnell genug reagiert und den Zündschlüssel gedreht, um das Lenkrad freizugeben. So konnte ich noch auf den Standstreifen rollen. Nach ca. 1 Minute ist der Wagen wieder angesprungen und lief wieder wie gewohnt. Inspektion stand ohnehin bald wieder an, also hab ich mich nicht weiter drum gekümmert. Als der Motor dann aber wieder mitten im Berufsverkehr auf der Strasse ausgegangen ist (muss man sich mal vorstellen - einfach aus!) und erst nach 1-2 Minuten wieder angesprungen ist bin ich gleich in die Werkstatt. Ein Relais war defekt. Für 10 € hats der Mechaniker ausgetauscht. So was banales kann zu solch gefährlichen Situationen führen! Die ersten 6 Jahre war ich regelmässig zu den vorgeschriebenen Intervallen bei der Inspektion. 300-400 € hat mich das immer gekostet, denn irgendwas haben die immer gefunden was mir gar nicht aufgefallen ist. Irgendwie kam ich mir immer über den Tisch gezogen vor. Obwohl ich auf Grund meines Misstrauens häufig die Werkstätte gewechselt hatte (immer Audi-Vertragshändler) bin ich nie drunter weggekommen. Nach dem 6. Jahr habe ich mich dann um das nötigste selbst gekümmert (Kraftstofffilter wechseln, Ölwechsel bei ATU usw.) Und siehe da - er fährt heut immer noch. Allerdings muss ich auch zugeben, dass danach bis zum nächsten Intervall auch keine Probleme aufgetreten sind. Seit ich die Inspektion quasi alleine durchführe gibt es diverse Verschleißerscheinungen, die allerdings in dem Alter nicht ungewöhnlich sind. Schwer zu sagen, ob das mit regelmässiger, professioneller Inspektion anders gekommen wäre.
Im 7. Jahr gab es beim Fahren plötzlich ein sehr kurioses Geräusch. Mit zunehmender Geschwindigkeit, klang es so als ob eine metallische Feder aufgezogen und überspannt würde. Schwer zu beschreiben das Geräusch. Ich war zu der Zeit ziemlich Pleite, daher konnte ich mir keine Werkstatt leisten und war auf das Auto aber angewiesen. Also bin ich einfach so weitergefahren. Irgendwann war das Geräusch weg, aber seither klackert/tuckert der Motor oft recht stark im Standgas. Sobald man Gas gibt klingt er wieder ganz normal. Mittlerweile weiß ich, dass es die Einspritzpumpe ist. Irgendwas da drin hat etwas Spiel und klackert dann so. Laut Werkstatt eine Verschleißerscheinung, die weiter aber keine Konsequenzen haben sollte (bis auf das sich etwas verhaken könnte, der Zahnriemen reisst und den Motorblock perforiert). Na ja. Ich fahre jetzt so seit 3 Jahren und hatte damit keine weiteren Probleme. Danach gab es noch einmal eine brenzlige Situation. Ich war auf dem Weg nach Hause von einem Bekannten. Es hat in Strömen geregnet. Ich meine damit einen Regen, wie man ihn in 10 Jahren vielleicht 1-2 mal erlebt. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Ich hatte den Scheibenwischer auf der schnellsten Stufe, aber in Sekundenbruchteilen war die Scheibe schon wieder überflutet. Es war, als ob man unter einem Wasserfall steht und versucht durch den Wasserschleier was zu erkennen. Mit Scheibenwischer ging es gerade so. Das Unwetter überkam mich gerade als ich bei einem Autobahnkreuz auf eine andere Autobahn gefahren bin. An solchen Stellen gibt es teils auch keine Standstreifen. Genau in dem Moment bleibt der Scheibenwischer einfach stehen. Innerhalb von einer Sekunde konnte ich überhaupt nichts mehr sehen. Ich bin sofort vom Gas und konnte mehr raten als sehen wo ich hingefahren bin. Irgendwie habe ich es auf einen Standstreifen geschafft und bin dann im Schneckentempo unter einer nahen Brücke stehengeblieben. Das war eine echt brenzlige Situation. Der Motor der Scheibenwischer war einfach hinüber.
Im Jahr 8 haben sich dann aber einige Reparaturen gehäuft. So hat sich zuerst einmal die Kupplung verabschiedet. 750 € hat der Spass gekostet. Als nächstes leuchtete immer die ABS Leuchte auf. ABS hat nicht mehr funktioniert. Die ganze Anlage wurde getauscht (teuer, teuer) allerdings war der Fehler nach 2 Wochen wieder da. Letztlich hat sich herausgestellt, dass eine Bremsscheibe nicht exakt eingebaut war und es aufgrund von Vibrationen dazu kam, dass das ABS ausgesetzt hat. Das ist jetzt sehr Laienhaft ausgedrückt, ein KFZ Mechaniker wird jetzt mit dem Kopf schütteln, aber so habe ich mir das in etwas gemerkt, da ich von Mechanik herzlich wenig Ahnung habe. Fast 6 Monate bin ich ohne ABS gefahren bevor die Ursache gefunden und der Fehler behoben werden konnte. Dann ist mir vorne rechts ein Teil der Feder rausgebrochen. Daraufhin musste vorne auf beiden Seiten die Federn und alle damit zusammenhängenden Teile ausgetauscht werden. Ausserdem war es an der Zeit den Zahnriemen zu wechseln. Da sind auch ganz schnell wieder 400 € weg. Alles in allem habe ich in 2 Monaten gut über 2000 € reinstecken müssen. Nach so vielen Jahren und deutlich über 100.000 km aber vermutlich nicht wirklich zu vermeiden. Im selben Winter hat dann die Batterie auch ihren Geist aufgegeben. Der Wagen stand ca. zwei Wochen ungenutzt und komplett eingeschneit auf der Strasse. Die Kälte hat der alten Batterie einfach zu stark zugesetzt. Kann passieren. Dann war aber auch erst wieder Ruhe. Vor einem Jahr kam es dann allerdings zum nächsten Problem. Der Airbag. Die Leuchte ging an, und anscheinend ist der hintere Gurtstraffer defekt. Reparatur würde 300 € kosten. Sch%&§* auf den hinteren Gurtstraffer denkt man sich vielleicht. Bei mir fährt hinten eh keiner mit. Aber das Problem ist, dass nicht nur der hintere Gurtstraffer nicht funktioniert, sondern überhaupt kein Airbag. Umso ärgerlicher, da das Problem mit dem Gurtstraffer bei Audi bekannt ist. Es gab sogar mal eine Rückrufaktion, in deren Zuge das Teil auch bei mir erneuert wurde. Aber jetzt, nach so vielen Jahren, gibt es darauf leider keinen Garantieanspruch mehr.
Interessanterweise hat sich im Laufe der Jahre der Kraftstoffverbraucht verringert. Meine Fahrweise hat sich eigentlich kaum geändert, aber mittlerweile komme ich gut 850-900 km mit einer Tankfüllung. Auch wenn der Wagen nicht mehr ganz so spritzig am Start ist wie am Anfang, zeigt der Tacho auf der Autobahn immer noch locker 200 km/h an. Im Laufe der Jahre habe ich dem Wagen viel abverlangt. Bin in halb Europa damit unterwegs gewesen, bin durch Städte, Autobahnen, Waldwege und Schotterpisten geheizt. Ich war nie der Typ der Sonntags mit Politur und Baumwolltuch sein Auto gepflegt hat, oder vor Schlaglöchern groß bremst. So sieht es jetzt auch ein bißchen aus, aber nach einem Gang in die Waschanlage und einer kleinen Inneraumreinigung, sieht der Wagen immer noch toll aus. Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten 1-2 Jahren noch mal gut 1.000 € investieren muss, aber dafür traue ich dem Wagen nochmal locker 100.000 km zu. Und wenn ers nicht mehr schaffen sollte.... ich habe das Gefühl das sich der Wagen schon jetzt längst armortisiert hat. Ich habe ihn sicher härter rangenommen, als manch anderer mit seinem Auto umgeht. Sein Geld war er auf jeden Fall wert.
Ich gebe ein gut, da zwei der Defekte schlicht lebensgefährlich waren. Ich hatte allerdings auch Pech das es gerade so heikle Situation waren.
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01.09.2011 20:15
BH - Danke für den guten Bericht.
17.08.2007 16:45
toller Bericht über das Auto! LG Newstone
17.08.2007 14:45
gerade da es is um einen bericht mit jahrelanger erfahrung handelt -> bh, gruß jan