Audi hat mit dem neuen A6 einen Vorstoß in eine neue Automobilklasse geschafft - eine neue Oberklasse, die näher als je zuvor am Luxussegment (A8) positioniert ist.
Erster Eindruck:
Beim ersten Blick auf einen alleinstehenden A6 bemerkt der Betrachter die immensen Ausmaße des neuen Audis gar nicht. Obwohl er sowohl 5er als auch E-Klasse um bis zu 10 cm (zur E-Klasse!) in der Länge übertrifft, protzten die Designer nicht mit Massivität (vgl. BMW 5er, 7er), sondern verleihen dem Audi dank italienisch anmutender Linienführung eine einzigartige Leichtigkeit - der Wagen wirkt sportlicher als 5er und weniger bieder als die E-Klasse.
Optik
Auffällig ist der neue Kühlergrill in der geduckten Front. Der breite Chromrahmen um das schwarze Gitter ist die wohl augenscheinlichste Neuerung und Anlass zu Diskussionen. Diese Reminiszenz an alte AutoUnion-Rennwagen als neues Erkennungszeichen lässt den Vordermann beim Blick in den Rückspiegel sicher zusammenzucken - bei einer Fehlwahl der Außenfarbe (z.B. weiß) aber wohl auch den Besitzer.
Bei der seitlichen Linienführung ist sich Audi treu geblieben, auch beim neuen A6 ist der Versuch gelungen, dem Wagen eine coupehafte Silhouette zu verleihen - besser gar als beim Vorgänger. Am Heck hat sich einiges Getan: Kantiger ist er geworden, maskuliner - der Abschluss des Wagens, den - zumindest im Falle des 3-Liter TDI - mehr Leute zu Gesicht bekommen werden als die gewagte Front.
Innenraum
Im Innenraum herrschen erlesene Platzverhältnisse. War schon der Vorgänger in Sachen Raumangebot großzügig, schafft der Neue Kopf-, Arm- und Beinfreiheit in Hülle und Fülle selbst für die Zweimeterfraktion. Die Sitze - sofern nicht als Sportsitze geordert - erwecken eher den Eindruck von Sesseln: Straff gepolstert zwar, sorgen sie auch auf langer Strecke für Bequemlichkeit. Bei sportlicherer Gangart lassen sie jedoch etwas an Seitenhalt zu Wünschen übrig. Für sportlich ambitionierte Fahrer sind somit Sportsitze ein Muss.
Die Mittelkonsole lässt keine Fragen offen, alles hat nicht nur seinen Platz (wie auch bei BMW), sondern hier gar seinen eigenen Platz (anders als bei BMW). Das große Display in der Fahrer-zugewandten Mittelkonsole ist gut ablebar, die Bedienung von Navigation und Radio einfach. Einzig außerordentliche Funktionen müssen durch lästiges Blättern im Menü aufgerufen werden.
Was Materialwahl und -anmutung angeht, enttäuscht der Audi seinen Fahrer, besonders, wenn der aus dem Vorgängermodell umsteigt. Zwar bietet der Neue prächtige Holzintarsia, der Kunststoff jedoch wirkt ungewohnt billig.
Negativ: Bei Geschwindigkeiten ab 130 km/h fängt eine Düse auf der Beifahrerseite an zu pfeifen. Erhöht man die Geschwindigkeit, wird das Geräusch ab etwa 180 km/h unerträglich. Sicher ein Mangel am getesteten Exemplar; ein Fehler in der Konstruktion erscheint unwahrscheinlich.
Der Motor
Der Dreiliter Turbodiesel Direkteinspritzer von Audi leistet 225 Pferdestärken und markiert (zunächst) das Ende der Dieselskala im A6.
Der Motor arbeitet ausgesprochen leise und kultiviert. Er ist zwar noch erkennbar, dass es sich um einen Selbstzünder handelt, die Geräuschdämmung erlaubt jedoch auch auf schnellerer Autobahnfahrt eine angenehme Akustik (abgesehen von Lüftungsgeräuschen, s.o.).
Beim Tritt auf das (E-)Gaspedal dreht der Audi nach einem Automatik-typischen Gedenkmoment auf und setzt den Wagen vehement in Bewegung. Erst bei etwa 250 Stundenkilometern ist mit dem drehmomentstarken Turbodieselvortrieb Schluss.
Leider hinkt der neue Dreiliter vom Klang her dem kernigen V6-Klang des 2.5 TDI (132kW), besonders im oberen Drehzahlbereicht etwas her. Wer den Klang des alten 2.5 Liter Sechszylinder-Dieseltriebwerks gewohnt ist, wird ein wenig enttäuscht.
Fahrwerk
Auch bei hohen Geschwindigkeiten lässt sich der Audi ruhig steuern, läuft dank ausgezeichnetem Fahrwerk stets spurtreu geradeaus, schafft Bodenkontakt und filtert Unebenheiten sanft heraus. Auch in Kurven zeigt sich keine spürbare Seitenneigung, der Audi bleibt mit allen vier 225er Serienrädern satt auf der Fahrbahn.
Lenkung
Beim Einparken erleichtert die kinderleichte Lenkung das schnelle Drehen des Lederlenkrades zur Manövrierung der beinahme fünf Meter langen Limousine (4,92).
Allerdings ist die Lenkung im Stadtverkehr dafür zu leichtgängig, vermittelt ein leicht schwammiges Gefühl, das sich erst bei schnellerer Autobahnfahrt strafft. Nichtsdestotrotz lässt sich der Audi in allen Situationen ohne Kräfte zährende Lenkbewegungen steuern.
Getriebe
Das Sechsgang-Automatikgetriebe stellt die einzige Getriebevariante für den Dreiliter Diesel dar - man vermisst jedoch auch keine Alternative hierzu. Das Automatikgetriebe schaltet duch die sechs Fahrstufen, ohne dass der Fahrer unnötig etwas davon mitbekommt - ein manuelles Eingreifen ist dank Tiptronikfunktion über den Wählhebel möglich, optional auch über die Schaltwippen. Insgesamt harmoniert die Sechsstufentiptronik ganz hervorragend mit dem drehmomentstarken Dreiliter und macht der A6 3.0 TDI vom Vortrieb her zu einem angenehm sportlich-komfortablen Reisebegleiter
Fazit
Audi ist mit dem neuen A6 ein wahrlich großer Wurf gelungen - nicht nur von den Abmessungen, sondern auch von den inneren Werten her. Sieht man von einigen wenigen Schwächen im Detail ab, bietet der Audi seinem Fahrer hervorragenden Fahrkomfort und gute Laufkultur, dazu bequeme Sitze und ein außerordentliches Platzangebot.
(Modelljahr 2004, lässt sich nicht einstellen!)
24.09.2005 00:20
@Masterterminator Den Bericht habe ich selbst verfasst; warum das nicht zu glauben ist, weiß ich nicht. Jedenfalls würde es mich interessieren, sollte er an anderer Stelle noch einmal auftauchen.
23.09.2005 21:54
kann man nur unterschreiben. hatten den wagen als mietwagen. ging ab wie fritz.
26.07.2005 12:49
sehr hilfreich aber leider nicht selber geschrieben!!!