Audi A 6- eine Alternative
21.11.2004 (01.05.2007)
Pro:
Qualität, Motor,MMI - System
Kontra:
Fahrkomfort
Empfehlenswert:
Ja
 Frog43
Über sich:
Mitglied seit:31.07.2000
Erfahrungsberichte:15
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Optik: Über Design läßt sich trefflich streiten, so auch beim neuen A6. Der überdimensionierte Kühlergrill dominiert die Frontansicht. Eine neue Formensprache von Audi - mir gefällt es. Viel wichtiger ist aber unter praktischen Gesichtspunkten der Innenraum. Hier ist die Gestaltung zwar nicht ganz so architektonisch-modern wie beim neuen 5er BMW, aber dafür ist die Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit deutlich besser. Der mächtige Mitteltunnel dominiert auch hier. Er beherbergt das MMI mit den zentralen Schaltern. Dadurch wirkt die Amaturentafel sehr aufgeräumt und nicht so mit Minischaltern überfrachtet, wie bei der E-Klasse .Insgesamt ist der Audi innen klar gezeichnet, mit pragmatischer Anordnung aller wesentlichen Bedienelemente.
Was die Platzverhältnisse betrifft liegt der Audi deutlich über E-Klasse und 5er BMW. Sowohl vorne als auch im Fond sitz man sehr großzügig. Der Kofferraum ist riesig und dank umklappbarer Rückenlehne noch erweiterbar. Die Sichtverhältnisse nach vorne und hinten sind jedoch eher begrenzt. Die im Windkanal geformten Konturen schränken halt doch die Überschaubarkeit ein. Die Einparkhilfe - anfangs von mir belächelt - erweist sich als sehr sinnvoll sofern sowohl für hinten (schlechte Übersicht) als auch vorne (noch schlechtere Übersicht) vorhanden. Qualität: was begeistert ist die fühlbare Qualität im Innenraum. Keiner Schalter wirkt billig, alles ist perfekt verarbeitet, die Materialien wirken hochwertig. Es macht einfach Spaß mit der Hand über die Oberfläche zu gleiten und die Qualität zu fühlen. Auch die Türen rasten mit einem satten, gedämpften Geräusch ein und fühlen sich massiv wie eine Tresortür an. Lediglich beim Schließen des Kofferraumdeckels ist ein hässlich, metallisches Klappern zu hören. Das passt nicht ganz zum sonstigen soliden Eindruck. Ich denke, die Qualität beim Audi setzt Maßstäbe. BMW und Mercedes wirken bei weitem nicht so solide.
MMI: Das MMI mit DVD Navigation arbeitet sehr schnell und mit gestochen scharfem Bild. Die Routenführung ist klar erkennbar und kann wahlweise durch Pfeildarstellung in der Anzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser ergänzt werden. Bei Kreuzungen oder notwendigen Richtungsänderungen wird automatisch auf die 75 Meter Zoomstellung umgeschaltet. Auch die Eingabe geht schnell von der Hand, da über den zentralen MMI Drehknopf nur ein paar Buchstaben eingegeben werden müssen und schon erscheint eine übersichtliche Vorschlagsliste.. Über das Setup-Menu lassen sich noch zahllose individuelle Einstellungen, von der Darstellung von Tankstellen über Sehenswürdigkeiten, Hotels etc bis hin zu Kartenausrichtung etc vornehmen. Meist erweist sich jedoch die wählbare Automatik-Variante als die sinnvollste. Ansonsten wird über MMI das Radio, CD-Wechsler, Telefon, Adressbuch, Navigation, Verkehrsinfo und die allgemeinen Fahrzeuggrundeinstellungen gesteuert. Das klingt nach viel und scheint kompliziert. Aber die sehr logische und absolut übersichtliche Menuführung nehmen schnell den Schrecken vor den zahllosen individuellen Variationsmöglichkeiten Sehr schön auch die Möglichkeit von den jeweiligen Hauptmenues rasch durch logisch angeordnete Tasten in die Untermenues zu kömmen. Dazu ist der Bildschirm analog zu der Schalteranordnung aufgebaut. So erscheint beim CD-Programm in der linken oberen Ecke das Schaltersymbol für "Wechsler", rechst oben "Klang" etc und man drückt nur die entsprechenden dem Bildschirm angeordneten Schalter auf der Mittelkonsole.
Auch die Bedienung von Radio und Telefon sind sehr einfach und übersichtlich. Bei Verwendung eine Bluetooth-Handys (z.B. Siemens S 65) muß noch nicht einmal die mit 129 EUR teure Halterung bestellt werden, die man sowieso wieder wegwerfen muß, falls man ein anderes Handy benötigt. Einfach das Handy in der Jackentasche lassen und schon steht die Verbindung zum bordeigenen Telefonsystem mit Zugriff auf alle im Handy gespeicherten Nummern. Einen kleine Verbesserungsmöglichkeit des ansonsten perfekten Systems gibt es aber. Da sich die zentrale Bedieneinheit auf der Mittelkonsole befindet, liegt sie außerhalb des Blickfeldes, der sonst üblichen Anordnung auf dem Armaturenbrett. Muss man die Schalter suchen, wendet sich der Blick stark von der Straße ab. Da die Schalter logisch angeordnet sind lassen sie sich nach sehr kurzer Zeit ertasten. Weil aber Oberfläche des Mittetunnels und Schalter ähnlich strukturiert sind, muß man schon mit sehr viel Fingerspitzengefühl arbeiten, um den richtigen Schalter zu ertasten. Eine andere Oberfläche und beispielsweise unterschiedliche Strukturen der Schalter (z.B. durch eine kleine runde Erhebung auf dem einen, eine Vertiefung auf dem anderen etc) würden das Auffinden erheblich vereinfachen. Dies um so mehr als der Knopf für das Navigationsprogramm nur wenig unterhalb des Knopfes für die Handbremse liegt ( ja, ein kleiner Knopf betätigt und löst die Handbremse und dienst zugleich als "Notbremse" bei Ausfall des Bremssystems) und daher leicht Verwechslungsgefahr besteht.
Fahrverhalten: Der neue A6 ist deutlich agiler als der Vorgänger. Die leichtgängige und relativ direkte Lenkung ermöglicht recht flotte Kurvenfahrt. Allerdings kommt er nicht ganz an den 5er BMW heran. Der wirkt noch ein Stück agiler. Für das doch recht große (4,91 m Länge) und schwere Auto fährt sich der Audi A6 jedoch überraschend gut. Dank Allradantrieb gibt es bei nasser oder rutschiger Fahrbahn auch keine Probleme mehr mit ständig eingreifendem ASR oder durchdrehenden Rädern. Besonders im Winter habe ich dies zu schätzen gelernt. Vorsicht ist allerdings bei Glätte geboten, der dank Allrad vehemente Anzug im Vergleich zu klassischen Front- oder Heckantrieb verleitet dazu, die Bremswirkung zu überschätzen. Denn bei Glätte bremst der Audi mit Allrad auch nicht besser, als jedes konventionell angetrieben Fahrzeug. Beim Fahrkomfort sind allerdings gewisse Abstriche zu machen. Offenbar hat man bei Audi das Fahrzeug im Interesse des Handlings relativ straff abestimmt. Gerade auf Querfugen auf der Autobahn dringen vernehmliche Stöße und Geräusche durch. Lange Bodenwellen werden zwar perfekt geschluckt aber dieses leichte Stuckern auf der Autobahn kann schon etwas nerven.
Dafür sind die Sitze (Sportsitze) wiederum perfekt. Sehr guter Seitenhalt, sehr gute Verstellmöglichkeiten und eine gute Mischung aus Straffheit un Komfort.Auf Langstrecken ist die Mittelarmlehne sehr angenehm da gut positioniert und verstellbar. Antrieb: Der 3 Liter Diesel ist ein Gedicht .Im Vergleich zum BMW ist er zwar nicht ganz so spontan, aber der vergleichbare Mercedes-Diesel ist deutlich träger und schon fast lahm. Auch die Geräuschentwicklung ist gar nicht mehr dieseltypisch. Es dringt nur ein leises Surren in den Innenraum und auf der Autobahn ist so gut wie nichts vom Motor zu hören. Der Durchzug aus nahezu jedem Drehzahlbereich ist gewaltig, so das die 225 PS den Audi trotz des sehr hohen Gewichtes zügig beschleunigen. Allerdings ist der Motor nicht gerade sparsam. Um unter 10 Liter zum kommen, muss man schon recht sanft fahren.
Ergänzung: nach rund 20 000 km ist der Verbrauch deutlich gesunken.Obgleich sich meine Fahrweise nicht geändert hat, liege ich jetzt im gemischten Betrieb ( 30% Landstraße, 50 % Autobahn, ( ca 160 km/h) 20 % Stadtverkehr) bei 8,8 Liter, wenn ich etwas sanfter fahre kann ich sogar unter 8 Liter kommen und selbst bei Dauertempo über 200km/h auf der Autobahn reichen 10 Liter ( nur zur Ergänzung: Spitze auf ebenner Autobahn laut Tacho 258 km/h, das dürfte nahe an echte 250 rankommen - dann sagt der Bordcomputer aber über 23 Liter an) Schade , dass es den 3.0 TDI nur mit Automatik gibt. Diese schaltet zwar sehr sanft und paßt sich schnell der jeweiligen Fahrweise an, aber ich denke, mit Schaltgetriebe wäre der A6 nochmals eineSpur agiler. Man kann zwar die Tiptronic auch manuell gut durchschalten, aber das DSG-Getriebe, wie es VW verwendet wäre sicherlich perfekt im Audi. Der Sportmodus der Automatik wird recht selten genutzt. Zwar bringt dies spürbar schnelleres Ansprechen aber objektiv reicht meist der Normalmodus, denn der Motor zieht bereits ab 1500 min kräftig durch.
Mir missfällt zwar noch immer an der Automatik, dass gerade beim Gaswegnehmen vor einer Kurve und starkem anschließendem Beschleunigen, eine "Überlegungssekunde" eingelegt wird , weil der Motor sich im Drezahlkeller befindet, die Automatik nicht weiss, ob sie nun hoch oder runterschalten soll,aber im Vergleich zur Automatik von BMW, geht dies alles ohne Hektik und dennoch kraftvoll. Wie gesagt, im Vergleich zu anderen Marken ist die Automatik super, aber das DSG Getriebe ist halt noch eine Spru besser. Ausstattung: Von Hause aus ist der A 6 als 3.0 TDI schon recht gut ausgestattet. Die serienmäßige Klimaautomatik reicht vollkommen aus und regelt die Temperatur meistens recht gut.Lediglich bei hohen Außentemperaturen dauert es recht lange, bis die eingestellte Innentemperatur von 22 Grad erreicht wird. Gegen Mehrpreis gibt es eine Komfortvarinate mit Luftegütesenor und ein paar weiteren Zutaten. Aber im Alltag lohnt der Mehrpreis kaum, es sei denn man möchte das elwas elegantere Design dieser Luxusvariante. Regensensor (der sehr sensibel reagiert) und Lichtautomatik sind serienmäßig.Bei der Lichtautomatik wünsche ich mir eine Kontrollleuchte, die anzeigt wenn die Automatik beschließt ,das Licht einzuschalten. Im Vorgängermodell wurde eingeschaltets Licht durch ein Symbol im Drehzahlmesser signalisiert obwohl man das Licht noch manuell einschalten musste.Bei der Automatik fühlt man sich immer unsicher, ob das Licht nun an ist oder nicht - gerade im Winter bei diesiger Sicht ein Ärgerniss.
Kosten: Der A6 ist rund 5000 EUR günstiger als ein vergleichbarer BMW oder Mercedes. Qualitätsabstriche muß man deswegen nicht in Kauf nehmen. Bei den Unterhaltskosten (Steuer, Versicherung) gibt es kaum Unterschiede, lediglich die Treibstoffkosten liegen wegen des höheren Verbrauches über denen der beiden Mitbewerber. Nachdem aber der Verbrauch nach rund 5000 km kontinuierlich zurückging, relatviert sich diese Aussage wieder. Die sonstigen Unterhaltskosten, wie Inspektion, Ersatzteile etc weichen nach bisheriger Audi-Erfahrung nicht exorbitant von Mercedes und BMW ab, d.h liegen in etwa auf dem Niveau der Mitbewerber. Die Zubehörliste ist bei Audi - wie in dieser Klasse üblich - viele Seiten lang. Sinnvoll ist auf jeden Fall das "große" Navi schon wegen der Schnelligkeit und der sehr guten Bildschirmdarstellung. Sitzheizung beim Diesel - die Zeit bis Warmluft erzeugt wird ist trotz Zuheizer immer noch länger als beim Benziner (übrigens, das Abschalten des Zusatzheizers in der Übergangszeit spart locker 0,2 bis 0.5 Ltr/100km), Sportsitze, die Einparkhilfe - am besten vorn und hinten - sind unbedingt empfehlenswert. Eine Schéinwerferreinigungsanlage ebenfalls (bei Xenon serinemäßig), Xenon selbst ist Geschmackssache. Ich persönlich sehe keinen so großen Vorteil, wer aber bei Nacht Probleme mit dem Sehen hat,soltte es unbedingt nehmen ( oder einen Optiker aufsuchen!). Ansonsten hängt es sehr stark von persönlichen Vorlieben ab, welche der unendlichen Sonderausstattungen gewählt werden. Angesichts der relativ guten Serienausstattung ist man aber in den wesentlichen Grund- und Komfortbedürfnisses bei Audi schon schnell am Ende der "Muß" angelangt.
Nach nun insgesamt rund 20 000 km in 6 Monaten kann ich Audi zum neuen A6 nur ein Lob aussprechen. Eine etwas besser ansprechende Federung, eine Optimierung im Verbrauch und besser erfühlbare MMI-Schalter sind eigentlich alles, was ich bis jetzt an Kritik vorbringen kann. Begeisternd ist auf jeden Fall die haptische und optische Qualität und der kräftige Motor. Und das Design - nun gut, entweder es gefällt oder nicht. Das muss jeder für sich selbst entscheiden Ergänzung nach 80.000 km Erfahrung: Außer Ölwechsel bei den Inspektionen waren bisher keinerlei Reparaturen fällig. Etwas ärgerlich ist der hohe Verschleiß bei der Bremse. Zwei Mal Bremsbeläge vorne und neue Bremsscheiben schlagen kräftig auf die Unterhaltskosten.
Anderserseits sinkt der Verbrauch permanent.Mittlerweile steht die Dauerverbrauchsmessung im Bordcomputer bei 8,1 Liter und bei Autobahnfahrt im geschwindigkeitsbegrenzten Frankreich sind sogar unter 7 Liter möglich. Kostenmindernd ist auch der relativ niedrige Reifenverschleiß. Das Beladen des ansonsten sehr großen Kofferraums ist ebenfalls nicht optimal, da die Ladeluke sehr klein ist ( eine C-Klasse ist wesentlich besser zu beladen).Auf Langstrecken wäre ferner eine sanfter ansprechende Federung wünschenswert.
Nervig ist auf Dauer auch die fehlende Kontrollleuchte für das Licht zumal die Automatik nach mir nicht nachvollziehbaren Kriterien das Licht ein- und ausschaltet. Gerade in beginnender Dämmerung lebt man immer in Ungewissheit, ob das Licht nun schon an oder noch aus ist. Letztendlich schaltet man der Sicherheit zuliebe doch wieder manuell. Die Lichtautomatik in einem Opel Astra funktioniert entschieden besser. Ein wenig Kritik ist auch an der Routenführung des Navigationssystems angesagt. Die Unterschiede in der Streckenführung zwischen den Routenkriterien "schnell" und "kurz" sind teilweise etxtrem. Ein "Zwischending" wäre nicht schlecht, da "kurz" teilweise das Durchfahren jeder kleinen Seitenstrasse mit sich bringt und bei "schnell" große Umwege anstehen. Auf einer "Teststrecke" von 125 km brachte "schnell" z.B. einen Weg von 165 km , während "kurz" zu 108 km, aber mit Durchfahren jedes Wohngebietes ergab. Nur die optimale Strecke von 125 km findet das Navi nicht.
Das klingt jetzt doch nach viel Kritik, doch die Mitbewerber müssen dies erst einmal besser können.
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23.09.2005 21:58
hatte den wagen als mietwagen. ging ab wie fritz. kann bewertung nur voll unterschreiben.
21.08.2005 10:53
Hi, sehr schöner Bericht. Bin den Wagen sogar schon zweimal probegefahren (verzichte trotzdem auf einen Erfahrungsbericht) und kann Deine Aussagen unterschreiben. Bis auf die im Stadtverkehr schwammige Lenkung ist der Wagen wirklich schön...und ja der Kofferraum des A6 Avant ist größer geworden ;-) Gruß Marc
04.12.2004 11:33
Super Bericht, habe den Wagen ebenfalls probegefahren und war begeistert. Ich bin der Ansicht, daß Mercedes sich warm anziehen kann. Hoffe inständig, daß der Avant vom Kofferraumvolumen größer wird als der bisherige. Gruß nickben