Audio/HiFi - Tipps & Tricks

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Schallplatten reinigen, restaurieren und auf CD

4  29.05.2006 (12.07.2006)

Pro:
Schont die wertvollen Raritäten, ermöglicht Hören im Auto und unterwegs, kein Knistern mehr

Kontra:
Stilbruch, etwas Aufwand, ggf .  Kostenfaktor

Empfehlenswert: Ja 

thunderbird.elite

Über sich: So langsam hab ich auch Ciao Café für mich entdeckt und hab euch dort mit zwei Anleitungen zur "...

Mitglied seit:12.06.2005

Erfahrungsberichte:78

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(Update 12.7.06): Neuigkeiten bei Reinigung der Platten

Die gute alte Schallplatte: Groß, schwarz und irgendwie kultig. Puristen mögen es für Stilbruch halten, Schallplatten auf CD zu überspielen, aber das ganze hat natürlich auch seine Vorteile. Nicht jeder heißt John Lennon und hat einen Plattenspieler im Auto installiert, und den nicht existenten LP-Walkman möchte ich mir lieber auch nicht vorstellen. Außerdem dürften die meisten Platten und Plattenspieler klanglich der CD unterlegen sein, sodaß vom theoretischen Vorteil eines analogen Mediums nichts mehr hört. Bei guten Aufnahmebedingungen wird die überspielte Platte nicht schlechter klingen als die originale, und zudem noch ohne das typische Knistern, wenn man das Tonmaterial davon befreit.

Grob unterteilt kann man sagen, besteht dieser Ratgeber aus folgenden Kapiteln:
- Welche Hardware braucht man
- Verbesserung: Platte selbst billig und effizient reinigen
- Überspielen und restaurieren

Was braucht man, um eine Schallplatte auf CD zu überspielen?

- Erst einmal natürlich einen Plattenspieler. Dabei kann man in der Regel das bereits vorhandene Gerät nutzen. Wer was neues anschaffen muss: Nicht immer ist teuer auch gut. Oftmals sind gebrauchte Geräte besser als die heutigen Plastikgeräte aus der 100 Euro Klasse. Die Lücke zwischen 100 Euro "billig" und 1000 Euro "teuer" schließen heutzutage nur noch DJ-Plattenspieler, die auf ganz andere Anwendungsbereiche ausgelegt sind und möglicherweise im Hifi-Bereich schlechter klingen als die billigen Plastikgeräte. Als "Geheimtip" gelten gebrauchte Geräte von Thorens.
Sehen die Platten so aus, als hätte jemand die besten Stücke angekreuzt, lohnt sich evtl. der Blick auf einen Tangentialarm-Plattenspieler. Diese haben nicht mehr die Plobleme mit der Seitenführung und neigen somit bei tiefen Kratzern nicht mehr so sehr zu Sprüngen. 100% ausschließen kann man Sprünge mit Tangentialarm-Geräten auch nicht, aber vermindern. Zudem haben Tangentialarm-Geräte, welche den Arm nicht drehen sondern seitlich führen, keine Winkelfehler mehr, was bei Stücken am Anfang und am Ende der Platte zumindest theoretisch von Vorteil ist. Praktisch bringt das ganze nicht viel, billige Tangentialarm-Geräte rumpeln dank schlechter Nachführung sogar noch stärker als Schwenkarm-Geräte - mit einem klassischen Plattenspieler ist man normalerweise besser bedient, kommt billiger weg und hat obendrein keine so anfällige Technik wie die motorisierte Tonarmnachführung des Tangentailarms.

- Einen Tonabnehmer: Darüber machen sich die Wenigsten Gedanken, da die meisten Plattenspieler mit eingebauten Tonabnehmern daher kommen. Die meisten Geräte kommen mit sogenannten Moving Magnet Tonabnehmern daher. Etwas brilliantere Höhen bringen Moving Coil Tonabnehmer, die aber ansich schon teuer sind und auch bessere Vorverstärker benötigen. In der Regel reicht Moving Magnet (MM)

- Einen Vorverstärker: Schallplattensignale sind sehr schwach und obendrein noch sehr bass-arm (der Bass wurde vor dem Pressen künstlich reduziert, damit die Nadelauslenkung bei Schlagzeugen nicht zu groß wird). Der Vorverstärker hebt den Bass wieder an und verstärkt das Signal auch sonst auf die üblichen "Line"-Pegel handelsüblicher Eingänge von Verstärkern

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Schallplatten - Ein Hauch von Nostalgie
und Soundkarten. Einige Soundkarten und Verstärker verfügen über vorverstärkte Eingänge (gekennzeichnet mit "Phono"). Allerdings sind diese oftmals halbherzig realisiert und heben z.B. den Bass zu stark oder zu schwach an, rauschen oder verursachen sonstige Störgeräusche. Besser, aber keine Pflicht: Vorverstärker von Hifi- und Schallplattenspezialisten wie NAD oder ProJect oder das c't Selbstbau-Projekt Phono-Pre.
Moving Coil (MC) Tonabnehmer benötigen andere Vorverstärker als Moving Magnet (MM) Systeme, daher ist es wichtig, daß man zu dem korrekten Gerät oder einer Kombilösung die beides kann (z.B. NAD PP-2) greift. Die meisten Plattenspieler haben MM-Systeme, MC findet sich nur im Highend-Bereich.
Theoretisch ist es auch möglich, sich den Vorverstärker zu sparen und den Plattenspieler an den Mikrofoneingang der Soundkarte anzuschließen. Der verstärkt dann das Signal schon mal auf vernünftige Lautstärke. Entzerren kann man das ganze auch in der Gratis-Software Audacity über den Equalizer, EQ-Kurve "RIAA". Dies ist allerdings eine Sparlösung, welche qualitativ nicht optimal ist, möglicherweise zu noch schlechteren Ergebnissen führt wie eingebaute Vorverstärker aus Hifi-Verstärkern.

- Einen CD-Rekorder, oder haushaltsüblicher, einen PC mit Soundkarte und CD-Brenner. Theoretisch tut's hier jede Soundkarte. Besonderheit bei der von mir hier auch schon einmal getesteten Soundblaster Audigy 4 Pro von Creative: Diese Karte hat zwar keinen eigenen Vorverstärker, aber eine integrierte "Cleanup"-Funktion, welche auch während der Aufnahme auf ein Eingangssignal angewendet werden kann. Diese Funktion kann Rauschen (bei Platte selten) und Knistern sehr effizient entfernen. Insbesondere Knistern entfernt die Audigy um einiges effizienter als z.B. der Knisterfilter von Nero 7 Waveeditor. Und das ohne sonst irgendwie den Klang zu verschlechtern.

Hiermit ist man erst einmal versorgt. Ein Plattenspieler mit irgendwie geartetem Vorverstärker (in Soundkarte, Verstärker, Plattenspieler oder extern) zum Abspielen und die Soundkarte zum aufnehmen, eigentlich kann es jetzt losgehen.

Verfeinern wir das ganze ein wenig:

Viel besser klingt das ganze, wenn die Platte sauber ist. Aber Platten-Waschmaschinen sind teuer, der Ruf der billigeren Exemplare zweifelhaft. Billiger und trotzdem effizient ist die Selbstreinigungsmethode.

Man braucht:
- Eine Carbon-Bürste: ca. 5 Euro bei den großen Elektromarktketten
- Ein Platten-Reinigungstuch: ca. 4 Euro (kein Mikrofasertuch aus dem Haushalt!), ebenfalls bei den Elektro-Ketten erhältlich - Das Tuch vorher mit Wasser ausspülen und wieder trocknen lassen!
- Isopropanol-Alkohol 98% (also der reine, "100%", absolut 100% ist nicht möglich), ca. 2,50 für 200ml (reicht für viele viele Platten) in der Apotheke

Zusätzlich wenn man die Reinigung noch etwas besser machen will:
- Destilliertes Wasser
- Netzmittel (aus dem Fotobedarf, z.B. Mirasol 2000 Antistatic von Tetenal) - Theoretisch tut's auch Spüli, das darf aber keine hautpflegenden Mittel, Öle, Duftmittel und sonstiges enthalten, was die meisten heute aber tun, außerdem ist Netzmittel besser, da es auch antistatisch, antibakteriell und gegen Pilzbildung (enthält Fungizide) wirksam ist.
- Einen defekten Plattenspieler als Drehteller

Die Reinigungs methode mit reinem Isopropanol:
- Platte auf den Plattenteller legen
- Carbon-Bürste von innen nach außen auf die Platte legen, sodaß sie die ganze Platte abdeckt
- Plattenteller von Hand drehen, dabei die Bürste langsam von innen nach außen führen, hierbei wird der Dreck langsam von innen nach außen von der Platte runtergefegt.
- Ist der Staub und der grobe Dreck weg, geht es an die Feinreinigung:
- Eine Spitze des Tuches mit Isopropanol tränken (feucht, nicht triefend-nass)
- Diese Spitze auf der inneren Seite der Platte ansetzen und den Teller von Hand drehen, dabei das Tuch langsam von innen nach außen führen, sodaß die Platte mit und mit geputzt und der Dreck wieder von innen nach außen geführt wird
- Ist die gesamte Platte mit dem mit Alkohol getränkten Tuch abgewaschen wie oben beschrieben noch einmal mit der Carbon-Bürste den gelösten Dreck runterputzen.
- Abspielen/Kopieren

Jetzt kommt das große Aber: Diese Methode sollte man nicht zu oft anwenden. Denn Isopropanol entzieht Oberflächen die Feuchtigkeit und kann sie spröde machen. Allerdings ist, wie viele Chemiker einem versichern, Vinyl hier nicht sonderlich empfindlich und wird nicht von Isopropanol angegriffen. Zumindest nicht empfindlich. Somit ist die Methode eher was für hartneckige Verschmutzungen und die Super-Reinigung vorm Überspielen und nichts für den Alltag.

Zudem ist bei zwei meiner Platten etwas ganz seltsames passiert: Während viele Platten nach der Reinigung einfach nur schön glänzend schwarz waren, bildete sich bei zweien ein ganz eigenartiger Schmierfilm. Da diese Platten gebraucht waren und ich die Vorgeschichte nicht kenne bleiben mir da nur zwei Theorien:
1: Sie wurden in der Vergangenhiet nass abgespielt und ich habe mit dieser Methode Rückstände von Nassspielfluid gelöst oder
2: Ich habe ein anderes Tuch verwendet, statt eines feinen Haushaltstuches ein antistatisches Schallplattentuch das irgendwie beschichtet ist und ich es vorher nicht ausgespült hatte.

Jedenfalls war dieser Schmierfilm nur schwer wieder zu beseitigen, ist aber jetzt weg und hat sich auch weder negativ auf die Haltbarkeit noch auf den Klang der Platte ausgewirkt.

Die andere Methode, welche besser ist:
- Die Platte auf einen defekten Plattenspieler legen
- Unter Drehbewegung eine Mixtur aus 50% Isopropanol, 50% destilliertem Wasser und einem Schuss (wirklich nur ein paar Tröpfchen) Netzmittel auftragen - einfach vorsichtig (nicht zu viel aber auch nicht zu wenig) drauf kippen, da sich das ganze durch die Fliehkraft auf Platte und Plattenspieler ziemlich heftig verteilt auf jeden Fall ein defektes Gerät nehmen.
- Mit einem fusselfreien weichen Tuch (z.B. Schallplattentuch, aber wie gesagt ausspülen) mit der einen Seite die Flüssigkeit unter Drehung des Tellers unter ganz leichtem Druck verteilen
- Etwas einwirken lassen (halbe bis eine Minute)
- Unter Drehbewegung mit der trockenen Seite des Tuches antrocknen/abtrocknen
- Auf den intakten Plattenspieler legen
- Mit der Carbonbürste noch mal was Dreck und frisch niedergeschlagenen Staub runterbürsten
- Abspielen/Kopieren

So ist die Platte sauber und klingt schon einiges besser. Wenn die erste Seite fertig überspielt ist, verfahre ich vor dem Kopieren mit der zweiten Seite genauso.

Beim Überspielen wird der Line-Eingang der Soundkarte mit dem Vorverstärker (z.B. Line-Out des Hifi-Verstärkers, der einen eigenen Vorverstärker hat, Plattenspieler mit eigenem Vorverstärker, externer Vorverstärker) verbunden, oder der Plattenspieler direkt mit dem Phono-Eingang der Soundkarte, wenn diese einen besitzt.

Als Eingangspegel macht man nichts verkehrt, wenn man schlicht und ergreifend "0dB", also keine Verstärkung, keine Absenkung einstellt.

Als Aufnahmeformat muss "44.1KHz, 16 Bit, Stereo" eingestellt werden, das Format, welches später auf CD gebrannt wird.

Dann nur noch Aufnahme auf PC starten und Abspielen beim Plattenspieler - und schon wird das Vinyl digital.

Das Material kann man, in Echtzeit während der Aufnahme oder später im Audioprogramm, noch etwas verbessern. Wie bereits gesagt kann man dafür die EAX-Konsole der Audigy 4 Pro mit dem oben erwähnten "Audio Cleanup" nutzen (die Aufnahme muss dabei über selbiges Programm erfolgen), oder wenn man nicht mal eben über 200 Euro für eine Soundkarte ausgeben will oder bereits eine gute Karte hat, die aber nicht über eine solche Funktion verfügt, eben auch in Software.

Bei der Software empfehlen sich folgende Filter (am Beispiel von Nero Waveeditor, der in der Version 7 alle diese Filter besitzt, und in dieser Reihenfolge):
- DC-Offset entfernen: Gerade billige Soundkarten und Verstärker neigen zu einem sogenannten Gleichspannungs-Offset, auch DC-Offset genannt. Dabei ist das Signal einfach "nach oben" oder "nach unten" verschoben. Die Offset-Korrektur legt 0 auf 0 und schiebt alles weitere äquivalent mit.
- Rauschanalyse und Rauschfilter: Die Rauschanalyse muss(!) auf eine stille Stelle angewendet werden, die nichts an Musik enthält. An dieser Stelle wird analysiert, welches Grundrauschen vorhanden ist. Anhand der analysierten Daten wird an allen, den leisen wie den lauten Stellen, das Rauschen entfernt
- Klicken entfernen: Hierbei wird das schallplatten-typische Klicken und Knistern entfernt.
- Normalisieren: Hierbei wird die lauteste Stelle auf den Spitzenpegel von 0dB (höchste Lautstärke) angehoben. Wichtig: Die ganze Platte normalisieren und nicht nur eine Seite oder gar einzelne Stücke, da ansonsten evtl. ein durch unterschiedliche Lautstärken in einzelnen Stücken erreichter Spannungsbogen kaputt geht.

Bis auf den Declicker finden sich diese Funktionen auch in der Gratis-Software Audacity. Hier finden sich allerdings vielleicht Gratis-Declicker als VST-Plugins, welche Audacity einbinden kann.

So aufbereitet kann die riesige aufgenommene Datei noch in einzelne Stücke unterteilt, ins Brennprogramm geladen und gebrannt werden.

Hierbei empfehlen sich hochwertige Rohlinge wie Verbatim (Mitsubishi Chemicals) oder Plextor (Taiyo Yuden). Für den besonderen Pfiff kann man mit aktuellen Druckern auch Printable-CDs nehmen. Einige Internet-Versender bieten neben den allseits bekannten weißen Rohlingen, wie man sie von Verbatim, TDK und Sony kennt, auch Rohlinge von Taiyo Yuden mit silberner Druckoberfläche an. Diese sind mit einer ähnlichen Beschichtung versehen wie Overhead-Folien für Tintenstrahldruck und glimmern dann silbern statt weiß durch den Aufdruck durch, was gerade bei Bildern einen besonderen Effekt gibt, aber natürlich nicht "foto-echt" ist.

Ich hoffe, euch einen guten Ratgeber zum Überspielen von Schallplatten gegeben zu haben, der vor schlechtem Klang, aber auch teuren Fehlkäufen ohne Funktion schützt.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
BataillonDAMour

BataillonDAMour

18.11.2006 19:24

Hi! In einem meiner alten DDR-Technikbücher ist tatsächlich ein LP-Walkman abgebildet. sowas gab es wirklich mal - vielleicht auch nur als Prototyp. LG, Martin

Creaturamortale

Creaturamortale

29.05.2006 20:49

also wenn jemand mehrere platten besitzt, könnte dein bericht möglicherweise durchaus hilfreich sein. ich fand ihm auf jeden fall äusserst interessant zu lesen. lg Creatura

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