Vom Winde verweht...
01.03.2002
Pro:
ein paar tolle Bilder, klasse Ende
Kontra:
leider alles andere
Empfehlenswert:
Nein
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Um den Ballast aufzuarbeiten, den Bronwen Hughes’ durchgehend mißratene, wenn auch im spektakulären Finale überraschend taktvolle romantische Komödie „Forces of Nature“, hierzulande bekannt als „Auf die stürmische Art“, mit sich herumträgt und ungeschulten Zuschauer nicht so unangenehm aufstoßen wird wie unsereins Filmfanatiker, muß ich weit zurückgehen in der Geschichte des Mediums, um einen der Klassiker zu finden, der für diese einfallsarme, langweilige Klamotte als Prototyp diente: Frank Capras überschätzte, wenn auch kompetente, Oscar-gekrönte Road-Movie-Comedy-Romanze „Es geschah in einer Nacht“ von 1934 mit den unvergessenen Paarung von Clark Gable und Claudette Colbert als widerwillige Kompanions auf dem Weg von A nach B, wobei sie sich selbstredend ineinader verlieben. Nicht viel anders ist auch die Grundidee zu dem in überdrehten Bildern und mit ungeforderten Mimen eingefangenen Skript von Marc Lawrence, der lediglich Ausgangspunkt und Endziel variiert und trotz einer enormen Leerlaufzeit zu einem überraschend zufriedenstellendem Ende findet, das niemandem sonderlich negativ aufstoßen sollte. Dafür aber quält er und der in Sachen Timing und Schauspielerführung völlig untalentierte Regisseur Bronwen Hughes den Zuschauer bis zu diesem denouement mit einer berechenbaren, witzlosen und alles andere als turbulenten Klamotte, die einen schalen Geschmack hinterläßt, zumal mit Sandra Bullock und Ben Affleck in den Hauptrollen zwei talentierte Schauspieler verbissen versuchen, sich optimal auf der Leinwand zu verkaufen, um der ultimativen Starriege anzugehören. Schade!
Natürlich finden sich mehr als eine handvoll anderer Vorbilder für „Auf die stürmische Art“ wie etwa der John-Hughes-Brüller „Ein Ticker für zwei“ (1987), die charmante Rob-Reiner-Romanze „Der Volltreffer“ (1985) und selbst neuere Filme wie der Julia-Roberts-Hit „Die Hochzeit meines besten Freundes“ (1997), aber anstatt sämtliche Anlaufstellen abzugrasen, die als Inspiration für diesen finanziell recht erfolgreichen Film dienten, kommen wir doch auf den Film selbst zu sprechen, der über durchaus einige Stärken besticht. Die Handlung beginnt mit der chaotischen Junggesellen-Party für den angehenden Bräutigam Ben Holmes (Doppelkinn-Charmeur mit Dackelblick: Ben Affleck), der unsterblich in seine schöne Verlobte Bridget (die kaum bekannte, aber ansprechende Maura Tierney, u.a. zu sehen in dem Thriller „Oxygen“, 1997, und der Polit-Satire „Mit aller Macht“, 1998) verliebt ist. Doch bei jedem Gespräch mit Freunden oder Verwandten kommen ihm wiederholt Zweifel darüber, ob er denn bereit ist zum Heiraten und ob die Ehe wirklich so erstrebenswert ist.
Der in New York lebende Autor für Buchrücken besteigt trotz Flugangst ein Flugzeug, um zum Ort seiner Vermählung, dem Landsitz seiner Verlobten in Savannah, Georgia zu fliegen. Doch nach einigen Turbulenzen beschließt der panische Ben auf anderem Wege nach Georgia zu kommen. Als Unterstützung bietet sich die Zufallsbekanntschaft Sarah (Sandra Bullock) an, eine extravagante Frau, die sich am Flughafen von ihrem Lover verabschiedete und auch nach Georgia will, um dort ihren Sohn zu besuchen, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. Nun stolpern die zwei ungleichen Partner von einer haarsträubend unplausiblen Episode in die nächste, stets auf der Suche nach einer guten Möglichkeit, weiterzukommen und pünktlich zu Bens Hochzeit an Ort und Stelle zu sein. Indes plagt sich Bridget auch mit Hochzeitszweifeln herum, da sie herausfindet, daß ihre Eltern sich getrennt haben und ihre einstiger Highschool-Freund vor der Tür steht, um sie aufzuheitern. Je länger die Tour von Ben und Sarah zu Fuß, per Auto, Bahn oder sonstigen Beförderungsmitteln anhält, desto mehr ist sich Ben seiner Gefühle für Bridget unsicher und verliebt sich in die kratzbürstige Sarah...
Soweit, so konventionell. Für knapp 100 Minuten Laufzeit erleben wir nun wie die freilebende, ausgelassene und lockere Sarah den ungelenken, zerknitterten und steifen Ben zu einem ganz neuen Menschen umkrempelt, der beginnt das Leben zu genießen. Nur sind diese Episoden trotz toller Touristik-Fotografie, allerlei eigenwilliger MTV-Spielerien wie in Zeitlupe fallender Regen und recht eindrucksvollen Special Effects, die die diversen Launen der Natur erstklassig vermitteln, völlig für die Katz, da das ermüdend lanweilige Skript vor Klischees und altbekannten Szenen wimmelt. Dementsprechend lahm ist der Film. Dementsprechend locker, wenn auch mäßig aufregend die recht potente Besetzung: Affleck ist ganz okay als biederer Neurotiker und Bullock überreizt ihren Niedlichkeitsfaktor, aber die Lichtpunkte setzen die Nebendarsteller, allen voran der immer gern gesehene Steve Zahn als Bens hilfsbereiter Kumpel und Maura Tierney als potentiell verlassene Verlobte. Die übrigen Mimen, unter denen auch Gwyneth Paltrows Mutter Blythe Danner ist, sind perfekt besetzt, aber die stereotypen Figuren geben ihnen wenig Raum sich einzubringen.
Doch zumindest hat der Film durchaus seine ambitionierten Ansätze, als das er in den ruhigeren Momenten über den Sinn der Ehe zu reflektieren sucht und auch seine zwei Helden mit genug schicksalsgeplagtem Eigenleben ausstattet, daß man sie nicht gleich als eindimensionale Kunstfiguren abschreiben könnte. Doch dies alles kommt leider etwas spät. Denn für den Großteil seiner Laufzeit ist „Auf die stürmische Art“ schlechter Hollywood-Quark, der lediglich im letzten Drittel, wo es auf die Auflösung der Story hinsteuert an Gehalt und sogar an wahren, bewegenden Emotionen gewinnt. Und er kann sich gar rühmen, in dem Finale, der Ben und Bridget im Orkan der Gefühle und der Gezeiten endlich vereint, eines der besten Enden des besagten Jahres abzuliefern. Denn die ausklingenden Momente des Films sind wirklich gelungen. Nur leider ist alles vorangegangene völlig überflüssig und mißlungen.
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01.03.2002 17:00
..und mal wieder ein Richtig guter Bericht von dir! sehr schöN! ich behalte dich im auge :) Schöne Grüße und noch ein tolles Wochenende, ciao deine sweet_sixteen *bussi*
01.03.2002 16:26
Hat mir nicht sonderlich gut gefallen, aber ist ja Geschmackssache... Viele Grüße, Frank
01.03.2002 16:26
Ich fand den Film auch kakke! LeBicMac ;o)