In Kürze:
Im deutschen Spielfilm "Aus der Tiefe des Raumes" wir dem Zuschauer eine skurrile, witzige Handlung geboten, die von der "Geburt" eines der größten Stars der deutschen Fußball-Geschichte handelt: Günter Netzer, langjähriger Spielmacher von Borussia Mönchengladbach. Die Geschichte ... Bericht lesen
Digital 5.1 ), Englisch ( Untertitel ), WIDESCREEN (1.85:1), BONUSMATERIAL: Bilden Von, FormMannschaft Interview(s), Gelöschte Szenen, Kommentar, Kurzer Film, Trailer(s), Wechselwirkendes Menü, SYNOPSIS: In the Rhineland in the 1960s, Hans Gunter, a rather shy young man in his mid-twenties, is one of the top players in the country at Tipp-Kick - a tabletop soccer game. When one of the metal figure players accidentally falls into a bath of photo-chemicals, it comes to life as a blond young football star, creating havoc in the life of its owner. ...Pass From The Back ( Aus der Tiefe des Raumes - ...mitten ins Netz! )
und wagt einen sehr persönlichen Blick auf den närrischen Ballsport: Der erste Besuch im Stadion, die kickenden Idole in Kindheit und Jugend zwischen Sportschau und Sammelbildchen, das Spannungsverhältnis Frauen und Fußball, die Kunst des Abstaubens, Heldenverehrung und Völkerverständigung. Drängende Fragen stehen in der Tiefe des Raumes: Wieso wurde Dombrowski nicht Deutscher Meister? Sollten Väter zu den C-Jugend-Spielen ihrer Söhne gehen? Ist das Aufsuchen der Herrentoilette in der Halbzeitpause wirklich ratsam? Wieso passieren die tollsten Dinge im Fußball immer dann, wenn Onkel Herbert gerade nicht hinschaut? Was ist Abseits? Und was das Gegenteil davon? Und: Wieso überhaupt Fußball?Frank Goosen spricht als Fan, vor allem des Sportes an sich, aber auch als Fan seines Vereins. Andere kriegen aber auch ihr Fett weg. Sein neues Programm ist ein Doppelpass zwischen Kopfballungeheuer und Seidenfuß, Technik und Takti
umsetze, für den gesellschaftliche Aufbruch stehe und so weiter. Es sei schon erstaunlich, kommentiert Günter Netzer trocken, "was man da alles in den Fußball hineininterpretieren kann". Aber vielleicht sei der Fußball "gerade deswegen so faszinierend, weil es eine Ebene gibt, die irgendwo hinter dem Ergebnis liegt." Günter Netzer ist eine Projektionsfigur, an der sich die Geister scheiden. Das war schon zu seinen aktiven Zeiten so. Da galt er den einen als Vertreter einer linken Fußballästhetik, während die anderen in ihm einen disziplinlosen Lebemann sahen. Fest steht: Netzer war der erste Langhaarige in der Bundesliga und der erste Popstar Fußballdeutschlands. Einmal bekam er sogar eine Professur angeboten, damals in den wilden Siebzigern; für "angewandte, ausübende und praktizierende Kunst", wie sich Günter Netzer amüsiert erinnert. Er verkehrte zwar in Künstlerkreisen, kannte Markus Lüpertz und AR Penck, doch sah Netzer sich weder als politische noch als künstlerische Avantgarde, geschweige denn als "Rebell". Er wollte als Fußballer wahr- und ernstgenommen werden und war zunehmend genervt von der andauernden "Bewertung des Fußballspielers Günter Netzer vor dem Hintergrund seines Lebensstils". Man erfährt nichts wesentlich Neues aus Günter Netzers Autobiografie, was nicht so schon -- oft pointierter -- in Helmut Böttigers Biografie Günter Netzer. Manager und Rebell gestanden hätte. Von den ersten Bolzversuchen am heimischen Geroweiher über die Stationen Mönchengladbach, Madrid und Zürich wird die aktive Laufbahn abgehandelt, dann die Zeit als HSV-Manager und schließlich der Schritt ins Sportmarketing. Der Grundton des Autors Netzer ist trocken und seine Haltung distanziert. Auch gegenüber dem Gegenstand "Netzer" selbst. Der analytische dominiert über den szenischen Blick. Vor allem persönliche Dinge werden meist summarisch erzählt. Mit Bewertungen anderer Menschen hält sich der Autobiograf -- anders als der ARD-Kommentator -- Netzer weitgehend zurück. Der vielleicht wichtigste Satz kommt fast beiläufig daher: "Wenn ich etwas entscheide, werde ich mich nicht hinterher beschweren, wie furchtbar es ist." Dennoch liegt darin vielleicht der Schlüssel zum Verständnis der Person Günter Netzer. Obwohl er als einer der genialsten Mittelfeldspieler seiner Zeit galt, hat er nur 37 Länderspiele absolviert, war beim größten Triumph seiner Ära, dem WM-Gewinn 1974, faktisch bloß Zaungast -- und hat dennoch nie bereut, dass ihm in seiner aktiven Zeit neben dem Fußball noch andere Dinge wichtig waren: "Es ist ein schönes Leben", schließt Netzer. "Ich habe es so gewollt. Ich habe alles so gewollt. Ich bin ein Glückspilz." Und das strahlt er auch aus. Vielleicht ist das das ganze Geheimnis. --Axel Henrici
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Erfahrungsbericht von KaiRabe über Aus der Tiefe des Raumes (2004) 19.11.2006
Produktbewertung des Autors:
Pro:
Herrlich skurrile Handlung, überzeugendes sechziger Jahre - Dekor .
Kontra:
nichts
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
In Kürze: Im deutschen Spielfilm "Aus der Tiefe des Raumes" wir dem Zuschauer eine skurrile, witzige Handlung geboten, die von der "Geburt" eines der größten Stars der deutschen Fußball-Geschichte handelt: Günter Netzer, langjähriger Spielmacher von Borussia Mönchengladbach. Die Geschichte beginnt, als der Tipp-Kick-Fanatiker Hans Günter eines Nachts seine wichtigste Tipp-Kick-Spielfigur in der Nähe einer Badewanne liegen lässt. Die Figur fällt hinein, später läuft auch noch Foto-Entwickler dazu, und durch die Wirkung eines Sturms erwacht am Morgen danach ein lebensgroßer Tipp-Kick-Fußballer zu seltsamem Eigenleben. Die witzige Story hat Anklänge an Klassiker wie "Frankenstein" oder "Der Golem", entwickelt sich aber nicht düster weiter, sondern wird zu einer liebevollen Hommage an einen genialen Fußballer und die Zeit, der er entstammt: die späten sechziger Jahre im Rheinland. Der Bericht behandelt die DVD-Ausgabe des Films.
Die Macher: Regisseur Gil Mehmert wurde 1965 in Werne geboren und war bislang hauptsächlich im Theater tätig. Er drehte 1999 den Kurzfilm "Ukulele Blues", der auf der vorliegenden DVD auch zu finden ist. 2001 drehte er "I hired a contract killer", offenbar eine Hommage an Aki Kaurismäkis gleichnamigen Film. Im Interview auf der DVD nennt Mehmert den finnischen Filmemacher als eines der Vorbilder für seine Arbeit. Im Jahre 2004 entstand dann "Aus der Tiefe des Raumes". Über aktuelle neue Projekte des Regisseurs ist mir leider nichts bekannt. Am Drehbuch war auch Eckhard Preuß, Jahrgang 1961, beteiligt. Er spielt im Film den zum Leben erweckten Tipp-Kick-Helden und hat sich diese Rolle somit auf den Leib geschrieben.
Die Schauspieler: Der schüchterne Tipp-Kick-Fan Hans Günter wird von Arndt Schwering-Sohnrey verkörpert. Er wurde 1972 geboren und ist mir trotz der Mitwirkung in Filmen wie "Anatomie" oder "Good Bye Lenin!" noch nicht weiter aufgefallen. Er wird 2007 im neuen Film von "Anatomie"-Regisseur Stefan Ruzowitzky zu sehen sein: "Die Fälscher". Ähnliches gilt für den Darsteller des zunächst äußerst ungelenken Fußball-Helden: Eckhard Preuß hat schon in vielen Filmen und Serien mitgewirkt, aber bei mir vor diesem Film keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen. Die von Hans Günter angebetete Marion wird von Mira Bartuschek, Jahrgang 1978, dargestellt. Bekannte Gesichter sind für mich hier nur in Nebenrollen zu finden: Christoph Maria Herbst, geboren 1966, ist als Fußball-Trainer zu sehen, der der Ex-Tipp-Kick-Figur eine echte Chance gibt. Der erfahrene Comedian ist mir spätestens seit seinen tollen Auftritten in "Der Wixxer" und "Traumschiff Surprise" ein Begriff (beide von 2004). Er hat inzwischen einige weitere Filme gemacht und fällt auch in kleinen Rollen sehr positiv auf, so in Doris Dörries "Der Fischer und seine Frau" (2005). Eine noch kleinere Rolle hat Lukas Gregorowicz (Jahrgang 1976) inne, der mir aus "Lammbock" (2001) und "Das Wunder von Bern" (2003) eine Begriff ist.
Hintergrund: Günter Netzer Eigentlich ist es ja gar nicht so unverständlich, dass einmal ein Filmemacher dem Ruhm eines solchen Fußball-Idols nachspürt und sich seine sehr eigenen Gedanken dazu macht. Günter Netzer wurde 1944 geboren und erlebte die prägende Zeit seiner aktiven Fußballer-Karriere von Mitte der sechziger Jahre bis Anfang der siebziger Jahre bei Borussia Mönchengladbach. Er wurde als Spielmacher der sogenannten "Fohlen-Elf" gefeiert und konnte mit seinem Verein 1970 und 1971 die deutsche Fußball-Meisterschaft gewinnen. 1972 trug er in der deutschen Nationalmannschaft entscheidend dazu bei, dass die DFB-Elf erstmals die Europameisterschaft gewinnen konnte. 1973 verließ er Gladbach und spielte die folgenden drei Jahre bei Real Madrid. Ab 1978 war eine für einige Zeit Manager des Hamburger SV und konnte auch in dieser Funktion etliche Erfolge feiern. Heutzutage dürfte Netzer hauptsächlich als kritischer Co-Kommentator von ARD-Fußballübertragungen bekannt sein.
Inhalt: In einer Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt, erzählt ein schwer kranker Patient einer Nachtschwester eine unglaubliche Geschichte aus den sechziger Jahren. Der inzwischen alte und schwer kranke Hans Günter berichtet über eine Geschichte, die im selbst passiert ist.
Ort der Haupthandlung ist ein Städtchen im Rheinland, die Zeit ist Mitte der sechziger Jahre. Die Atmosphäre der Zeit ist in einer liebevollen Ausstattung und einer sehr passenden Filmmusik sehr gelungen eingefangen.
Der junge Hans Günter arbeitet in einer Autowerkstatt und kennt in seiner Freizeit nur ein Hobby: Tipp-Kick. Gerade steht ein wichtiges Turnier an, auf das sich der gute Hans Günter akribisch vorbereitet. Er gibt seiner besten Tipp-Kick-Figur eine spezielle Bemalung (weißes Trikot mit Nummer 10) und geht zuversichtlich in den anspruchsvollen Wettkampf. Dort sollen zwei junge Journalistinnen einen Bericht fürs Lokalblatt schreiben, obwohl sie dem Sport zunächst gar nichts abgewinnen können. Hans Günters Erfolg beim Tipp-Kick bleibt bescheiden, aber immerhin lernt er eine der Reporterinnen, Marion, näher kennen und landet nach dem Wettkampf denn auch bei ihr zu Hause.
Während einer wahrhaft stürmischen Nacht nehmen dann seltsame Ereignisse ihren Lauf. Hans Günter hatte seinen Lieblings-Kicker auf einem Handtuchhalter oberhalb von Marions Badewanne abgelegt, doch der Spieler fiel ins Wasser; später kam lief noch Marions Foto-Entwickler hinzu. Durch die Einwirkung des äußeren Sturmes verwandelte sich die Tipp-Kick-Figur in einen lebensgroßen Fußballspieler. Dessen erste Schritte sind reichlich unbeholfen - er erinnert eindeutig an Frankensteins Geschöpf.
Doch es gibt keinerlei Umschwenken der Handlung in die düsteren Gefilde des Horror. Hans Günter nimmt sich der Kreatur an und bringt ihm Vieles bei, was man fürs Leben wissen muss. Schon vorher hat sich der Kicker seines roten Aufsatzes auf dem Kopf (zum Schießen beim Tipp-Kick) entledigt und bei einem Besuch in der Stadt einen Laden mit Perücken gesehen. Später wird sein "aufgemaltes" schwarzes Haupthaar denn auch durch eine blonde Perücke ersetzt - immer mehr wird er zu Günter Netzer.
Obwohl viele seiner Reaktionen weiterhin seltsam wirken, ist sein Aufstieg zum Fußball-Star unaufhaltsam... Und was wird eigentlich aus Hans Günter und Marion ?
DVD-Ausstattung: Die Extras sind eine sinnvolle Ergänzung zum Film. In den entfallenen Szenen wird der Handlung zwar nichts prinzipiell Neues hinzugefügt, wir erleben hier aber immerhin die allerersten fußballerischen Gehversuche des menschgewordenen Kickers. in einem zehnminütigen Making of gibt es einen Blick hinter die Kulissen, wo auch die Macher zu Wort kommen. Laut Schauspieler Eckard Preuß war wohl die Grundidee, eine Hommage an den "Standfußballer" Günter Netzer zu drehen, der ja bereits früh zu einer Kultfigur wurde. Auch Gil Mehmert sieht Netzer als Kultfigur, gewissermaßen auch als Kunstfigur, die denn auch aus einer vermenschlichten Tipp-Kick-Figur entstanden sein könnte. Da der Produktion nur begrenzt viel Geld zur Verfügung stand, wurden laut den Machern entsprechende Requisiten aus den sechziger Jahren auch aus dem Freundes-und Verwandtenkreises zusammengetragen - so entstand eine sehr überzeugende Ausstattung. In den Interviews werden einige der hier getätigten Aussagen noch etwas weiter ausgeführt. Neben dem Trailer zum Film und einigen anderen Streifen kann man sich auch noch Gil Mehmerts Kurzfilm "Ukulele Blues" ansehen.
DVD-Daten: Sprache: Deutsch, englische Untertitel möglich Ton: Stereo 5.1 Dolby Digital Auch eine Fassung mit Regiekommentar ist enthalten Bildformat: 16:9 Spieldauer: 84 Minuten Extras: entfallene Szenen, Making of, Interviews, Trailer, Kurzfilm "Ukulele Blues" Erschienen in der Reihe "good!movies" Preis bei amazon.de: 13,90 Euro
Meinung: Die Verbindung von Alltagswelt der sechziger Jahre und Fantasy-Elementen ist sehr überzeugend gelungen. Musik und Dekor geben den Zeitgeist vor und bieten eine schöne Bühne für diese Story der Menschwerdung einer Spielfigur. Hans Günter ist vom Tipp-Kick besessen und wird so wohl nicht einmal zufällig zum "Vater" des bessessenen Fußballers Günter Netzer. Der Film ist auch eine Ehrbezeugung an diesen großen Fußballer - und sicher eine, die niemand für bahre Münze halten wird.
Denkt man sich die Fantasy-Elemente weg, bleibt die romantische Komödie, in deren Zentrum Hans Günter und Marion stehen - diese kommen sich ja dadurch näher, dass sie sich beim Tipp-Kick-Qualifikationsturnier kennenlernen. So erlebt auch Hans Günter eine Art Menschwerdung und muss seinem Star-Kicker dafür dankbar sein. Daher muss er ja dem Kicker dankbar sein und unterstützt ihn zu Recht auf seinem Lebensweg. Da besteht keine Gefahr, dass der Lebensweg scheitert und aus dem Streifen ein Horrorfilm wird. Auch bei seinen Sportskameraden, darunter Berti (Vogts), findet der Kicker rasch Anerkennung, offenbar auch ein Beleg für die intergrative Wirkung des Sports.
So ist die liebevoll vorgetragene Hommage an eine Zeit und einen tollen Fußballer unaufhaltsam. Nach Ansehen dieser originellen, skurrilen Handlung frage ich mich denn auch, warum sich nicht mehr Leute ihre eigenen Gedanken über die großen und kleinen Erscheinungen des Daseins machen und sich Stories ausdenken, die vor realistisch eingefangenen Kulissen solch phantasievolle Handlungen in Szene setzen. Günter Netzer jedenfalls hatte offenbar nichts gegen diesen Film und machte keine überzogenen Persönlichkeitsrechte geltend. Auch ich habe keine Einwände gegen diesen Film und kann die DVD nur empfehlen.
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