Back to the Past
24. Jan 2009
Pro:
spannende, beklemmende Vision, gut recherchiert
Kontra:
Sprache ist Bestseller - tauglich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Aufmachung:
mehr
 olsen77
Über sich:
hjemlengsel /// Tausend Dank an alle, die lesen und kritisch und ehrlich kommentieren. /// you must...
Mitglied seit:08.04.2006
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''Abhängigkeit'' = seelischer, eventuell auch körperlicher Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein dringendes Verlangen oder unbezwingbares Bedürfnis besteht, sich die entsprechende Substanz fortgesetzt und periodisch zuzuführen." Das ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation für Abhängigkeit im medizinischen Sinne, beschreibt aber auch allgemein dieses Phänomen, so das wir diese Beschreibung in abgewandelter Form in anderen Bereichen anwenden können. Und dafür brauchen wir nicht allzu weit zu gehen oder uns an einen entfernten Ort zu begeben, wir erleben eine Form der wirtschaftlichen Abhängigkeit tagtäglich. Wenn wir zur Tankstelle fahren, die nächste Lieferung Öl für den Tank vor dem Haus bestellen, im Supermarkt nach einer simplen Plastiktüte greifen. Wohin wir auch schauen, Öl ist nicht nur in vielen Dingen. Diese Dinge werden von jedem von uns gebraucht. Doch dabei wissen wir, dass die Ressourcen irgendwann erschöpft sind. Nur weiß keiner genau wann und trotz dieses Gedankens an ein Ende des Öls schränken wir unseren Verbrauch nicht ein.
Was allerdings im Fall des Falles passieren kann, welche globalen Auswirkungen der so genannte Peak Oil hat, wenn das globale Ölfördermaximum nicht nur erreicht, sondern auch überschritten ist, beschreibt Bestseller-Autor Andreas Eschbach in seinem beklemmenden Roman "Ausgebrannt" und schafft eine Zukunft fern der heutigen globalen Weltwirtschaft. PEAK OIL
Markus Westermann ist kurz davor, richtig Karriere zu machen. Er arbeitet in den USA für eine Firma, die nicht nur Steuersoftware entwickelt, sondern auch weltweit vertreibt. Dafür muss er die Übersetzungen ins Deutsche arrangieren. Mit dem Sprung in die Staaten hofft Westermann, endlich in Amerika angekommen zu sein. Doch als die Firma nach dem Projektende ihn wieder zurück nach Europa versetzen will, sträubt er sich dagegen. Doch wie der Zufall es will, auf einer Veranstaltung trifft er auf den Österreicher Block, der früher weltweit bei Ölbohrungen gearbeitet und eine spektakuläre Theorie entwickelt hat, wo Öl überall zu finden ist und wie man diese Orte überhaupt entdeckt. Westermann und Block werden zu Geschäftspartnern und mit einer bekannten Investitionsgesellschaft gelingt es den beiden, auch das nötige Kapital für Probebohrungen zum Beweis von Blocks These zu bekommen. Allerdings scheint das Projekt gründlich schief zu laufen und als in Saudi-Arabien an mehreren Stellen kein Tropfen Öl gefunden wird, ist Block eines Tages wie vom Erdboden verschwunden und Westermann auf sich allein gestellt. Plötzlich taucht mit Charles Taggard zudem ein Cia-Agent auf. Als Westermann in die Staaten zurückkommt und versucht, die Investitionsgesellschaft zu überzeugen, weiterhin Geld in das Projekt zu pumpen, wird er bei einem Autounfall schwer verletzt. Nach dem künstlichen Koma erwacht Westermann überraschend in einem deutschen Krankenhaus.
Wie und mit wessen Hilfe er dahin gekommen ist, erfährt er erst später. Denn die Welt ist im Aufruhr. Das globale Ölfördermaximum ist erreicht. Zudem geht ein saudi-arabischer Hafen mit riesigen Öltanks in Flammen auf. Schließlich steigt der Preis fürs Öl ins Unermessliche. Doch das ist nur der Anfang einer tief greifenden Veränderung der globalen politischen und wirtschaftlichen Landschaft. Und diese Veränderung treibt Westermann noch einmal in die Staaten, wo er Blocks Unterlagen zu seiner These finden will. Allerdings sind diese plötzlich verschwunden. Es ist schließlich Charles Taggard, der ihn aus der Patsche hilft und ihn in ein abgelegenes Dorf entführt, das sich einer vergangenen Zeit verschrieben und sich von der unruhigen Welt abgeschottet hat. Doch die Einöde ist nicht das Ziel Westermanns. Er flieht und verändert mit einer Aufsehen erregenden Erfindung seines Vaters die Welt. BACK TO THE PAST?
Nachrichten zur Energie bestimmen seit einigen Jahren die Medien. Der Strompreis steigt, der Benzinpreis gleich mit. Zwischen Russland und der Ukraine kommt es zum Streit, so dass kein Erdgas mehr nach Europa geliefert wird - und genau in dieses die Medien und das Alltagsleben beherrschende Thema fällt Eschbachs Roman "Ausgebrannt" wie eine Bombe, die kräftig explodiert. Natürlich nicht im realen, vielmehr im übertragenen Sinn. Denn das Buch beschreibt nicht nur die Abhängigkeit zwischen Öl und der Wirtschaft, sondern bringt eine Vision zutage, die, sollte sie Wirklichkeit werden, unser Leben radikal verändern wird. Besonders prägnant wird dies in dem Roman am Schicksal von Markus´ Schwester Dorothea deutlich. Mit ihrem Mann Werner hat sie ein herrliches Haus in einem abgeschiedenen Dorf nahe Stuttgart gekauft. Doch dieses Geschäft hat einen Haken: die Immobilie verbraucht zu viel Öl. Beide schaffen es jedoch im Laufe der Geschichte, sich an die Umstände anzupassen. Dorothea eröffnet im Ort einen kleinen Laden. Nahe liegende Bauern beliefern sie mit Lebensmittel. Ihr Geschäft boomt spätestens, als die Benzinpreise es nicht mehr zulassen, in die entfernten Supermärkte zu fahren.
Neben den USA und Deutschland als Handlungsort nimmt Eschbach den Leser auch nach Saudi-Arabien mit. Hier scheitern zwar Markus Westermann und sein Kompagnon Block bei ihrer Suche nach dem Erdöl. Doch Markus Bruder Frieder wird hier ebenfalls das Geschäft seines Lebens machen. Nach dem Abebben der Unruhen im Land und der Wahl eines neuen Königs, erhält Frieder den Auftrag, ein riesiges Solarkraftwerk in der Wüste zu errichten. Allerdings sind nicht nur erneuerbare Energien Thema des Buches und damit ein Ausweg aus der Energiekrise. Der Autor blickt weiter in die Zukunft. Denn 30 Jahre später blickt man auf eine Welt, die man nicht mehr wieder erkennt, die als ein Gegenentwurf zu unserer heutigen Wirtschaft und unseres heutigen, vor allem bequemen Lebens erscheint: Es gibt keinen Tourismus mehr, da sich keiner mehr ein Flugticket mehr leisten kann. Stattdessen fahren Züge, fliegen Luftschiffe. Überall auf der Welt brechen immer wieder Auseinandersetzungen aus, wird das glorreiche Internet verschwunden sein. Man lebt einfach einfacher.
Neben diesem spannenden Vorausblick, was könnte sein wen, verfügt Eschbach über einen Schreibstil, der sehr fesselt, den man allerdings nur als bestseller-tauglich einstufen kann. Große poetische oder philosophische Anstrengungen sollte man nicht erwarten. Der Blick in eine vergangene Zukunft scheint Philosophie genug. Zudem gibt es neben einigen Krimielementen auch eine Reihe erotische Szenen, auch an exquisiten Orten wie im Privatflugzeug oder in der Stretchlimousine. Allerdings fordert Eschbach vom Leser Aufmerksamkeit, denn er verzweigt die Handlung nicht nur mit verschiedenen Handlungsorten, sondern auch -zeiten. Für diesen Roman hat Eschbach, wie es von ihm auch bekannt ist, aufwendige Recherchen betrieben. Seine Angaben zur Ölförderung gehen zurück auf einschlägige Fachliteratur, vorrangig Aufsätze. Allerdings, so schreibt er in seinem Vorwort, hat die Opec seit 1982 keine Zahlen zu den einzelnen Ölfeldern mehr veröffentlicht.
Auch ein wichtiger Fakt, der gemeinsam mit diesem Buch ein beklemmendes Gefühl hinterlässt, zum Nachdenken anregt und vielleicht auch im Handeln jedes Einzelnen zu Veränderungen führen kann. So eine Hoffnung. Ein unumsichtiges Verbrauchen, ja, Verschwenden von Energie wird uns früher oder später zu einem Punkt bringen, der uns zu einem anderen Leben zwingen wird. Zu einem Leben "back to the past" mit regionalen statt globalen Wirtschaftskreislaufen, mit viel mehr von Landwirtschaft geprägten Landstrichen, erneuerbaren Energien und vor allem weniger Technik in allen Lebensbereichen. Vielleicht wird uns die Umwelt dafür danken. EIN KLEINER AUSZUG
"Krieg ums Öl zwischen USA und Russland? titelte ein Boulevardblatt und illustrierte das Ganze mit einem Foto brennender kuwaitischer Ölfelder aus dem letzten Golfkrieg, in das ein B2-Bomber einmontiert war. Der Ton der diplomatischen Noten nahm täglich an Schärfe zu. Die Amerikaner pochten auf Verträge, die Russen auf… nun ja, so genau verstand niemand, worauf eigentlich. Sie schienen auf alle Fälle zu dem Entschluss gekommen zu sein, das Öl am Kaspischen Meer lieber selber behalten zu wollen. Ein in der Ölindustrie angesehener Berater erklärte, das Vorkommen sei ohnehin kaum zu realisieren. Es handle sich nur um ein kleines Ölfeld, dessen Erschließung außerdem den Bau einer Pipeline erforderlich mache - kurzum, es rechne sich nicht. Doch auch diese klare Feststellung änderte nichts an den Gewittern in den hohen Schichten der weltpolitischen Atmosphäre. In dieser Situation sackte auf einmal der Druck in der Gasleitung ab, die aus Russland gen Westen und schließlich nach Deutschland führte. Die mit russischem Gas betriebenen Kraftwerke fielen aus, die Stromnetze brachen reihenweise zusammen. Ein Drittel Deutschlands war für mehrere Stunden völlig ohne Strom. Insgesamt dauerte es fast einen halben Tag, bis dank massiver Stromimporte aus Frankreich alles wieder lief, wie es sollte." DER AUTOR
Andreas Eschbachs Namen findet man in regelmäßigen Abständen auf den verschiedenen Bestsellerlisten. Der 1959 in Ulm geboren Schriftsteller zählt zu den bekanntesten Science-Fiction-Autoren in Europa. Er konnte für seine zahlreichen Bücher Preise auch schon mehrfach in Empfang nehmen, darunter den Deutschen Science Fiction Preis, den Deutschen Phantastik Preis und den Kurd-Laßwitz-Preis. Vier Jahre nach der Veröffentlichung seines Debütromans mit dem Titel "Der Haarteppichknüpfer" wird er mit seinem Buch "Das Jesus Video" schlagartig bekannt. Seine Werke sind bereits in zahlreichen Sprachen veröffentlich worden. Mit der Möglichkeit für die Perry-Rhodan-Reihe als Gastautor zu schreiben, wurde ein Traum von ihm war. Denn sein Interesse für SF kommt nicht ungefähr, studierte Andreas Eschbach vor seinem schriftstellerischen Schaffen in Stuttgart das Fach Luft- und Raumfahrttechnik. Neben seinem Wirken als Autor unterstützt er den Schriftstellernachwuchs, war in dieser Rolle unter anderem als Referent in Schreibseminaren tätig. Andreas Eschbach lebt mit seiner zweiten Frau in der Bretagne. Weitere bekannte Romane sind unter anderem "Der Nobelpreis", "Eine Billion Dollar" und "Quest". DATEN ZUM BUCH
"Ausgebrannt" erschien erstmalig 2007 als gebundene Ausgabe im Lübbe-Verlag. Im November letzten Jahres kam die Taschenbuchausgabe in den Buchhandel. ISBN: 978-3-404-15923-9, Seiten: 750, Preis: 9,95 Euro
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12.04.2009 08:31
Ein Profibericht!!! Ich habe momentan keine grpße Lust, Bücher zu lesen.
26.02.2009 23:30
Ein Bericht mit sehr viel Bedacht geschrieben, beispiellos gegliedert und toll geschrieben. Durch fehlendes Fazit kann man sich selber ein Bild machen. So schreibt man Texte! Danke :) BH
23.02.2009 15:22
Ich hab es schon mal in der Hand gehabt, aber dann doch leider wieder zurückgelegt - LG Ela