Andreas Eschbach wurde 1959 in Ulm geboren. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete auch schon als Softwareentwickler. Er war Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs und schrieb als solcher seinen ersten Roman: Die Haarteppichknüpfer. Seinen Durchbruch schaffte Andreas Eschbach mit seinem Roman Das Jesus Video, der auch verfilmt wurde. Heute lebt er in der Bretagne und arbeitet dort als freier Schriftsteller.
STORY
Der Deutsche Markus Westermann will es in Amerika schaffen. Er kommt als kleiner Angestellter über seine Firma nach Amerika und will sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hocharbeiten. Er arbeitet hart an seinem Erfolg und schafft es tatsächlich, einen verlängerten Aufenthalt zu bekommen. Doch sein Ziel, stinkreich zu werden, ist noch in weiter Ferne. Da kommt ihm die Begegnung mit Herrn Block aus Österreich gerade Recht. Dieser behauptet, er könne Erdöl finden, genug, um die Menschheit noch viele Jahre damit zu versorgen. Markus erkennt seine Chance und beginnt, ein riesiges Geschäft aufzuziehen. Unterdessen kommt es in Saudi-Arabien zur Katastrophe: Ein Sabotageakt verhindert, dass Erdöl verschifft werden kann, und es kommt weltweit zu einem Ölpreisanstieg. Als das größte Ölfeld in der Wüste tatsächlich versiegt, sieht sich die Menschheit mit dem plötzlichen Ende des Erdölzeitalters konfrontiert. Weltweite Hungersnöte, das Ende der Welt, wie wir sie kennen sind die Folge...
LESEPROBE
Das Amerika, in das er kam, war nicht mehr das Land, das er gekannt hatte. Die Straßen, auch die vier- und sechsspurigen Highways, waren so leer, als laufe gerade das Endspiel der Baseballmeisterschaft oder als habe eine Seuche die Einwohner dahingerafft. Wenn man Fahrzeuge sah, waren es meist Busse oder Lastwagen; einzelne PKWs sah Markus so gut wie keine. Das war unangenehm, denn es hatte zur Folge, dass man ihm nachsah. Wenn er an einem Bus vorbeikam, verdrehten die Insassen die Köpfe; standen einmal Leute am Straßenrand, unterbrachen sie ihre Gespräche und sahen ihm nach, wenn er vorbeifuhr. Und nicht weniger dieser Leute trugen Ledergürtel mit Revolvern im Holster. In vielen Orten, durch die er kam, standen reihenweise FOR-SALE-Schilder vor verlassenen Häusern. In Industriegebieten war es noch schlimmer; sie sahen vielfach aus wie von einer unbekannten Naturkatastrophe verheert: angekohlte Stahlgerippe, wo Hallen abgebrannt waren, ganze Fensterfronten in denen keine einzige Scheibe mehr heil war, und zerbeulte, geplünderte Autos vor verfallenen Händlerbaracken. (Seite 615)
EINSCHÄTZUNG
Ausgebrannt ist ein Endzeitthriller, der gut recherchiert das Ende des Erdölzeitalters beschreibt. Auch wenn sich das Ganze streckenweise düster und bedrohlich liest, bleibt doch konstant ein positiver Unterton. Es kommt nie so ganz das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Hilflosigkeit an, eher der stetige Optimismus von jemanden, der weiß, dass jemand überleben wird. Schon nach wenigen Seiten ist klar, dass dieses kein Thriller ist, den man einfach herunterlesen kann. Man wird regelrecht zugeschüttet mit Daten und Fakten und der Autor springt rasant zwischen seinen Schauplätzen hin und her. Es gibt Wechsel, aber nicht nur bei den Orten (da springt man schon einmal von Deutschland nach Amerika von dort nach Saudi-Arabien und dann nach Österreich), denn auch wenn Markus die Hauptfigur ist, erfahren wir auch noch etwas aus dem Leben Anderer. Seiner Geschwister zum Beispiel, die Schwester, die ihr Traumhaus gekauft hat, das sich schließlich als heizölfressendes Albtraumhaus entpuppt. Und dann ist da noch der Bruder, der um das Überleben seiner Firma fürchten muss. Und der Agent, der Erfindern die Erfindungen stielt. Und so weiter. Es dauert eine Weile, bis man sich eingelesen hat, und selbst dann ist es noch anstrengend. Man muss unheimlich aufpassen, bei den vielen Personen und Orten nicht den Überblick zu verlieren.
Dazu kommen noch etliche Zeitsprünge, gleiche Person, gleicher Ort, aber andere Zeit. Der häufige Wechsel macht einem beim Lesen fast schon schwindelig, weil man immer hochkonzentriert sein muss, alle Handlungsstränge im Hinterkopf behalten muss, aber eigentlich interessiert es am Meisten, wie es wohl weitergeht. So schafft Andreas Eschbach schon nach wenigen Seiten eine ungeheure Spannung, wegen der man das Buch am Liebsten in einem durch auslesen möchte. Weil es aber dann doch zu anstrengend ist, zwingt man sich zu Pausen. Aber die dürfen nicht zu lange sein, weil man sonst aufgrund der Fülle den Überblick und den Anschluss verliert. Es ist also nicht ganz einfach, am Ball zu bleiben. Aber ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe, konsequent jeden Tag zumindest ein paar Seiten, um den Faden nicht zu verlieren. Am Ende kommen sämtliche lose Enden dann natürlich zusammen und es gibt eine befriedigende Auflösung. Der Spannungslevel ist konstant hoch und die Geschichte schreitet stetig mit einem guten Tempo voran. Zwischendurch zieht sie richtig an, gegen Ende verliert sie etwas an Fahrt, aber langweilig wird sie nie. Gut gefallen beim Lesen die Daten, sie wirken schlüssig, gut recherchiert und man hat das Gefühl, eine unheimliche Fülle an Information zu kriegen, ohne dass das Ganze einen Dokumentationcharakter bekommt. Andreas Eschbach verliert sich manchmal etwas in den detaillierten Ausführungen über Ölgewinnung, Weltwirtschaft und Politikintrigen, aber da es immer wieder Szenenwechsel gibt, verliert sich dieser Eindruck auch immer recht rasch wieder.
Bemerkenswert finde ich noch, dass bei meinem Exemplar (Taschenbuch, 1. Auflage, November 2008) einige Seiten fehlen. Nach der 128 geht es plötzlich mit 593-624 weiter, danach wieder mit 161. Es fehlen also einige Seiten, was mir bei bisher noch keinen Buch passiert ist. Die fehlenden Seiten sind übrigens nicht an anderer Stelle zu finden, und die Seiten 593-624 sind genauso an der richtigen Stelle wieder zu finden. Da das Buch sowieso in unzähligen Einzelszenen aufgebaut ist, ist dieser Blick in Richtung Ende der Geschichte nicht dramatisch. Im Gegenteil, man erfährt auf diesem Weg früh, dass das Erdöl tatsächlich ausgehen wird, was bis dahin nur Theorie war. Ohne diese Information von hinten wäre der Anfang wohl etwas lang gewesen, da man länger nicht weiß, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass der Autor sich das so vorgestellt hat, es nimmt zwar kaum Spannung, aber irgendwie eben doch. Der Erzählfluss wird nur deshalb nicht gestört, weil man ohnehin schon an die rasanten Szenenwechsel gewöhnt ist. In dieser Auflage gibt es auch ein paar kleinere Fehler, beispielsweise ist einmal davon die Rede, dass von den sechs Monaten schon fünfendhalb vorbei sind, wobei aus der Story hervorgeht, dass es nur fünfendhalb Wochen sein können. Auf die Länge verlieren sich die kleineren Patzer aber, und im Nachhinein hat man das Gefühl, ein gutes, spannendes Buch gelesen zu haben.
Die Figuren gefallen mir, sie sind glaubwürdig, manchmal etwas unsympathisch, aber so sind nun einmal Menschen. Der Autor legt mehr Wert auf Glaubwürdigkeit denn darauf, jede Figur sympathisch zu gestalten, was mir positiv auffällt. Gelungen ist der Genremix aus Heldenstory, Agententhriller, Endzeithorror und Wirtschaftskrimi allemal. Es kommt keine Langeweile auf und die Fakten wirken kompetent recherchiert und übermittelt. Das Thema gefällt mir, Andreas Eschbach hat eine beeindruckend glaubwürdige Variante des Endzeitszenarios geschaffen. Immer wieder kommt zur Sprache, wie abhängig wir vom Erdöl sind und wie leichtfertig wir mit dem Ressourcen der Erde umgehen. Glücklichweise verfällt er aber nicht in diese moralisierende Öko-Schiene, die so gerne gefahren wird. Trotzdem ist der Aspekt zurück zur Natur nicht wegzudenken. Es kommt auch die (gute) Frage auf, was einem Hightech-Wissen nützt, wenn man keine Kartoffel anbauen kann und wenn man nicht melken kann. Die Umstände können sich jederzeit ändern und die meisten Menschen sind überhaupt nicht darauf vorbereitet. Ausgebrannt regt zum Nachdenken an, bringt die Thematik auf den Punkt und ist dabei auch als Unterhaltung bestens geeignet. Spannung von Anfang bis Ende.
Eschbach ist meines Erachtens nach wohl der beste wissenschaftsaffine Autor der heutigen Zeit. Seit diesem Buch und "Eine Billion Dollar" sehe ich die Welt mit anderen Augen.
die Zeit der versiegenden Ölreserven katapultiert. Wir erleben ein düsteres Szenario, das uns drastisch und spannungsgeladen vor Augen führt, wohin der immer größere Hung...
ht bevor! Als in Saudi-Arabien das größte Ölfeld der Welt versiegt, kommt es weltweit zu Unruhen. Bahnt sich tatsächlich das Ende unserer Zivilisation an? Nur Markus West...
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30.05.2012 15:47
Eschbach ist meines Erachtens nach wohl der beste wissenschaftsaffine Autor der heutigen Zeit. Seit diesem Buch und "Eine Billion Dollar" sehe ich die Welt mit anderen Augen.
07.06.2009 15:07
bh & lg
04.06.2009 21:42
Sehr schöner Bericht :) LG