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Beim Stöbern in meiner nahegelegenen Weltbild-Filiale fand ich unter anderem folgendes Buch:
AUSGESETZT
von James W. Nichol
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Der Autor -------------
James W. Nichol wurde 1940 geboren. „Ausgesetzt“ ist sein Debütroman. Für diesen Roman wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Sein zweiter Roman erschien unter dem Titel „Verachtet“.
J.W. Nichols lebt in Ontario.
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Das Buch -------------
„Ausgesetzt“ (orig. „Midnight Cab“ 2003) erschien bereits im Juni 2005 beim Droemer/Knaur Verlag und wurde vom selbigen im Mai 2006 erneut aufgelegt. Ich bin im Besitz der Weltbild Ausgabe, welche 2009 unter der ISBN978-3-86800-123-5 herausgegeben wurde. Dieses 381-seitige Taschenbuch kostete mich 5,95 €.
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Rückentext ---------------
Ein dreijähriger Junge wird an einer einsamen Landstraße in Ontario ausgesetzt, seine Mutter verschwindet spurlos. 16 Jahre später weiß Walker Devereaux nicht, wer er eigentlich ist. Ein altes Foto und ein Brief sind seine einzigen Anhaltspunkte. Als er beschließt, das Rätsel um seine Herkunft zu lösen, gerät er in das Visier eines mörderischen Psychopathen. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt…
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Inhalt & Meinung -----------------------
19 Jahre alt ist Walker Devereaux, als er sich auf die Suche nach seinen Eltern, insbesondere nach seiner Mutter, macht. Er kann sich noch gut an den Tag erinnern, als ihn seine Mutter an einen Zaun stellte und ihn eindringlich bat, sich daran festzuhalten. Dann verschwand sie. Für immer. 3 Jahre war er damals alt…
Heute – 16 Jahre später – will Walker wissen, wer er eigentlich ist. Ein Foto zweier junger Mädchen und einen Brief fand man damals in seiner Hosentasche. Mit diesen beiden Dingen macht er sich auf die Suche nach seiner Familie. Er geht nach Toronto, mietet sich eine kleine Wohnung und nimmt einen Job als Taxifahrer an. Dort lernt er die körperlich behinderte Krista kennen, die ihn von nun an bei seinen abenteuerlichen Unternehmungen begleiten wird…
Dem Leser ist von Anfang an klar, daß sich um Walker´s Eltern ein Geheimnis rankt. Man kann seine Beweggründe, seine Eltern zu suchen, um seine Wurzeln zu ergründen, gut nachvollziehen, bangt aber auch um ihn, da man spürt, daß sich Walker dadurch in Gefahr begeben wird. Ohne direkt irgendwelche Dinge anzusprechen schafft es Nichol, Angst zwischen die Zeilen zu streuen, so daß man das Unheil nahen spürt. Und so ist man von Walker´s Schicksal umgehend ergriffen und vom Buch gefesselt.
Das Buch beginnt zwar recht sachte und vorerst relativ spannungslos, ist aber dennoch sehr interessant und ergreifend. Man steigt also langsam in das Geschehen ein, ebenso langsam, wie Walkers Suche vonstatten geht. Doch dann wird in Walkers Wohnung eingebrochen. Foto und Brief werden ihm gestohlen. Irgendjemand scheint also von seiner Suche zu wissen und darüber nicht gerade erfreut zu sein. Als dann noch sein Auto abgefackelt wird, wird es unheimlich. Walker jedoch läßt sich durch seinen unsichtbaren Feind nicht einschüchtern. Er ist gewillt, seine Eltern zu finden. Seine Freundin Krista steht ihm dabei hilfreich zur Seite.
Es ist unheimlich spannend, Walker bei seiner abenteuerlichen Suche, die ihn bis nach Jamaika bringen wird, zu begleiten. Man bewundert ihn für seinen Mut, obwohl er manchmal schon recht leichtsinnig ist. Und so langsam lassen sich ja auch Erfolge verzeichnen, denn er kommt seinem unglaublichen Familiengeheimnis Stück für Stück näher. Er findet tatsächlich heraus, wer seine Mutter ist. Glaubt er zumindest, denn es gibt auch die Version, daß sein angeblicher Onkel sein Vater ist. Oder liegt das Geheimnis etwa im Inzest? Wer weiß… Mörderisch ist die Vergangenheit seiner Familie auf jeden Fall.
Angenehm mitzuverfolgen ist nebenbei auch die sich entwickelnde Liebe zwischen Walker und der körperbehinderten Krista. Zart wie ein Schmetterling und frei von jeglichen Vorurteilen ist diese junge Liebe, die einen tief berührt. Irgendwie hat man das Gefühl, daß sich zwei einsame, aber starke Seelen gefunden haben, die gemeinsam der Welt trotzen. Das find ich einfach wunderbar.
Parallel zum aktuellen Geschehen gibt es immer wieder Kapitel, die einen zurück in die Vergangenheit versetzten. Dort gibt es einen Jungen namens Bobby, der sowohl sexuell als auch psychisch nicht ganz auf der richtigen Schiene fährt. Schon früh findet er Gefallen am Quälen und Töten. Erst sind Tiere seine Opfer, dann sogar ein kleiner Junge. Makabere und bestialische Szenen lassen einem einen Schauer über den Rücken jagen.
Diese Bobby-Szenen werden immer wieder eingeschoben, wobei dieser Junge sprunghaft zum Mann heranwächst und man als Leser auf diese Art mitverfolgen kann, was aus ihm wird. Anfangs ist einem lange nicht klar, wie dieser Bobby mit Walkers Suche nach seinen Eltern zusammenhängt. Doch umso älter Bobby wird, umso mehr von seinem Leben preisgegeben wird, und auch umso mehr Walker Fortschritte in seiner Suche macht, desto mehr erkennt man die unglaublichen Zusammenhänge. Eine unheimlich tragische Familiengeschichte wird hier offenbar. Doch als Walker dieses Geheimnis lüftet, sieht er seinem Tod ins Auge…
James W. Nichol besticht in seinem Debütroman durch seinen perfekt ausgefeilten Schreibstil. Unheimlich gekonnt setzt er die Geschehnisse zweier verschiedener Welten so zusammen, daß sich die Spannungsspirale immer schneller dreht, bis die beiden parallel laufenden Storys miteinander verknüpft werden. Birgt jede Story für sich schon ihre Geheimnisse, so mag man kaum glauben, was geschieht, als sich die Wege von Walker und Bobby kreuzen. Der Thriller gipfelt in einem gigantischen Finale, das einem dem Atem stocken läßt.
Walker und Krista sind die beiden Hauptfiguren des Romans. Parallel zu ihnen Bobby. Rund um diese gibt es natürlich einen gewissen Personenkreis, der jedoch stets überschaubar bleibt. Beide Stränge für sich sind logisch nachvollziehbar, doch erst nach und nach ergeben sich Zusammenhänge. Durch diesen Aufbau seines Thrillers hat Nichol es geschafft, noch mehr Spannung hineinzupacken, die einen bis zur letzten Seite nicht mehr losläßt.
Ich bin von „Ausgesetzt“ absolut begeistert. Eine unheimlich packende Story, die gleich mehrere tragische Schicksale birgt, und ein absolut perfekter Schreibstil, sowie Buchaufbau, sorgen für absolute Spannung und Nervenkitzel der ganz besonderen Art. Das Buch läßt einen regelrecht mitfühlen. Es lenkt einen in gewisse psychische Abgründe, die einen schaudern lassen. Und es unterhält einen trotz allem niveauvoll.
Von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 dicke Sterne für dieses Buch.
18.07.2009 13:13
Das ist ja so gemein! Jetzt hab ich noch ein Buch mehr dass auf die Leseliste für meinen 3-wöchigen Urlaub kommt. LG
09.07.2009 15:35
Ich habe das Buch auch gelesen - fand es irgendwie grausig.... Dein Bericht ist gut. Viele Grüße aus Ba-Wü!
06.07.2009 23:24
Guter krimitipp, Grit! <bh> VLG, mima