Schüleraustausch England/Frankreich und Polen

4  15.07.2003

Pro:
Sprachkenntnisse, Autonomie und jede Menge Erfahrung

Kontra:
die Aufdringlichkeit französischer Jugendlicher

Empfehlenswert: Ja 

peppelsX

Über sich:

Mitglied seit:06.07.2003

Erfahrungsberichte:7

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich habe während meiner Schulzeit drei mal an einem Schüleraustausch teigenommen, und zwar nach Bridlington/England, Millau/Frankreich und Krakau/Polen. Während dieser Fahrten habe ich sehr unterschiedliche Eindrücke gesammelt und möchte euch darüber berichten.

1. Bridlington/England:
Mein erster Schüleraustausch; ich war 14 Jahre alt. Es ging an die Küstenstadt Bridlington.
PRO:
- Endlich habe ich erkannt dass der Englischunterricht etwas gebracht hat. Am ersten Tag verstand ich wirklich kein Wort, da in jeder Ecke Englands ein anderer Akzent gesprochen wird. Zwei Tage später konnte ich nur noch gebrochen deutsch und mit Akzent sprechen. ich habe gemerkt dass man nicht jedes Wort verstehen muss um den Kontext zu begreifen. Ein echtes Erfolgserlebnis "Ich kann englisch". Ein Austausch nach England ist besonders in der 7. oder 8. Klasse zu empfehlen, da die Schüler sich dann oft in der Null-Bock-Phase befinden

Kontra:
- das Essen!!!Aber es wird ja niemand gezwungen bestimmte Sachen zu Essen, aber morgens schon Bohnen und Speck zu riechen ist doch ziemlich eklig
- die heftigen Preise, leisten kann man sich als Schüler kaum etwas

allgemein ist besonders dieses Land zu empfehlen!! Wirklich Negatives weiss ich auch von Freunden nicht zu berichten.


2. Millau/Südfrankreich
Mein zweiter Austausch, ich war 16 Jahre alt.
Pro:
- Das wetter!!!!!! ("gibts hier auch mal Wolken?"), echtes Urlaubsfeeling
- Das Essen: lecker lecker Baguettes
- Die Herzlichkeit mancher Menschen!
- viele Sehenswürdigkeiten
- die Franzosen sprechen besser deutsch als wir französisch

Kontra:
- Ich habe noch nie in meinem Leben so aufdringliche Menschen kennengelernt: wenn man sich mit einem Jungen unterhalten hat, dann kam nach spätestens zwei Minuten die Frage ob man nicht mit dem Mounsieur schlafen möchte! Ich dachte zunächst ich unterhalte mich mit den falschen, aber nein!! Man wird das sofort gefragt, und nicht aus Spass!
Na ja wenns denn mal wenigstens beim Fragen geblieben wäre: ständig wurde man mit sabberndem Blick angegafft,die Jungs klebten einem echt am Arsch, wenn ich das so sagen darf. Und wenn man Nein sagte verstanden sie das nicht.
- das letzte Wochenende: Party bei jemandem der Sturmfrei hat,wir drei deutsche Mädchen haben nach ner Stunde die Nase voll, bleiben im Schlafzimmer einer der anderen deutschen. Leider kann man das Zimmer nicht abschließen. und es ist echt nicht toll wenn man davon aufwacht, dass einem die Bettdecke hochgehoben wird und jemand versucht zu einem ins Bett zu kriechen.
Es ist auch nicht toll mitten am Tag auf offener Strasse angemacht, begrabscht und festgehalten und schließlich geschlagen zu werden nur weil man auf die blöden anmachen nicht eingeht.
- Jeder Jugendliche dieser Stadt kifft! Das ist jetzt keine Übertreibung
- Nach dem Besagtem Vorfall wo ich von nem Araber geschlagen wurde erfuhr ich von meinem Lehrer dass in dem Austausch ein Jahr vorher jemand fast vergewaltigt worden wäre.
- ständige Anmachen und Sprüche in denen man uns als deutsch=Nazi bezeichnete
ich weiss auch nicht, ich möchte hier eigentlich niemanden schlecht machen, auch nicht das Land an sich. Wie gesagt ich war nur in diesem Städtchen und weiss nicht wie es anderswo ist.
Sollte irgendjemand vor haben dort hinzufahre: Tu es nicht wenn du weiblich bist!!!

3. Krakau/Polen
Mein dritter Austausch mit 17 Jahren

Die Fahrt:
Ab Berlin mit einem polnischen Zug nach Krakau; mein Gott, ich habe die ganze Nacht nichts getrunken damit ich nicht auf diese Toilette musste. Ich habe echt noch nie sowas dreckiges gesehen!

Die Stadt Krakau:
wunderschön, viele kleine Kneipen, die unterirdisch gelegen sind;
wir wohnten alle in ghettos und hätten nie gedacht wie schön die Wohnungen doch von innen aussehen;
man hat vieles zu besichtigen: Schloß von ehemaligen Königen, Universität an der der Papst studiert hat,synagogen uvm.

Die Menschen:
seit der Polenfahrt weiss ich was Gastfreundschaft ist: man wird so vollgestopft mit essen, das gibt es gar nicht. die Rückreise hat ca 12 Stunden gedauert, und ich bekam zwei Taschen voll Essen, mit ungefähr 20 Brötchen,..
Ich habe echt nur herzensgute Menschen kennengelernt; auch wenn man nachts um zwei nach hause kam: die Oma steht auf und fragt ob sie dir was kochen soll!!!!

Die Preise:
ein Paradies, besonders die Märkte. Da gibt es alles und alles ist billig!
In der Kneipe hat n bier vielleicht umgerechnet 1,20 DM gekostet, also 60 cent.

Ausflüge:
- Judenfriedhöfe, Synagoge; wir lernten jemanden kennen der auf Schindlers Liste stand
- 5-tägiger Aufenthalt in Auschwitz: Besuche der Kzs Auschwitz und Birkenau, Besichtigung der Krematorien, Gespräch mit dem letzten Überlebenden Häftling aus Auschwitz;
und auf einmal begreift man was man aus Büchern nie verstanden hat...

Insgesamt war Polen der beste Austausch für mich. Ich habe gesehen dass Menschen, die total arm sind immer noch bereit sind alles zu geben und ausserdem hat mich der Aufenthalt in Auschwitz geprägt. Ich würde jedem empfehlen einmal eine solche Reise zu machen!!!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
PlanetSab

PlanetSab

16.07.2003 17:21

Ich war zwar nicht im Austausch, aber mit Frankreich habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht! Meine Schwester war vor einiger Zeit in Beaune, da soll es super gewesen sein... für mich: nie wieder Frankreich!!! Super Bericht übrigens! LG

burk

burk

15.07.2003 21:44

Das mit dem Nazi-heissen ist leider weit verbreitet :-(((( Dabei kann unsereinst wirklich nix mehr dafür, und sogar unsere Eltern ned (teilweise schon die Großeltern). Aber es ist halt einfach.... :-((( -- Polen: Find ich klasse dass du das so siehst. Und es zeigt die Menschlichkeit, die eben in nicht verkonsumierenden Gesellschaften noch vorhanden ist. -- vlG, Burkard

Wolle0509

Wolle0509

15.07.2003 14:49

Erfahreungen-ja aber Tipps habe ich nicht finden können.

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