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tausend Gründe in den USA zu studieren

5  22.08.2003

Pro:
klasse Ausbildung, menschliche Professoren

Kontra:
Teuflisch viel Arbeit

Empfehlenswert: Ja 

vitroman

Über sich: Mag kurze prägnante Berichte, die Informationen beinhalten die ich mir nicht besser in einem Prospek...

Mitglied seit:24.06.2003

Erfahrungsberichte:26

Vertrauende:5

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nachdem mein Studium in den USA nun doch schon ein paar Jahre zurückliegt und ich nun fest in den Beruf eingebunden bin, möchte ich an dieser Stelle vielleicht auch ein Fazit ziehen, was einem ein Auslandsstudium bringen kann. Insgesamt verbrachte ich über 3 Jahre in den USA und habe daher wahrscheinlich so ziemlich die meisten Höhen und Tiefen mitgemacht ;-).
Was ich in diesem Bericht nicht geben kann sind Tipps wie man ein Stipendium bekommt, und wie sich das Auslandsstudium in den Studienplan an der deutschen UNI integrieren lässt. Gerade über den letzten Punkt sollte man sich aber Gedanken machen! Ein Auslandsstudium ist immer zu empfehlen, auch wenn es nicht direkt zu verwerten ist, andererseits sollte man den Vorteil eines Auslandsstudiums durchaus mit der Studienzeit ins Verhältnis setzen.
Wann sollte man mit dem Auslandsstudium beginnen?
Dies hängt stark davon ab in wie weit der Studiengang strukturiert ist und ob das Auslandsstudium in das deutsche Studienprogramm integriert ist. Man muss aufpassen! Manche Vorlesungen haben Zweijahreszyklen! Eine Anerkennung der Studienleistung an der ausländischen UNI sollte möglich ist . Dies ist vorab mit dem Prüfungsamt der Uni zu klären. Wenn man dort Zicken macht, genügt aber meist der Anruf des Professors. Also muss der davon überzeugt sein, dass man im Ausland genau so viel lernt wie bei ihm. Auf keinen Fall den Satz fallen lassen, das man da mehr lernen könnte! Das ist zwar meistens so kommt aber nicht so gut an!!!!
Wenn man diese Punkte zu seiner Zufriedenheit geklärt hat würde ich direkt nach dem Vordiplom gehen. Man kann sich dadurch jede Menge Frust im Hauptstudium sparen! Dazu kann man unter Umständen (und wenn man die Auslandssemester nicht als Urlaub auffasst) ein Jahr am Gesamtstudium einsparen, da zumindest aus meiner Erfahrung das Studium in den USA wesentlich effizienter ist.
Wenn das mit der Organisation nicht klappt ist der nächste gute Zeitpunkt nach der Diplomprüfung . Also sozusagen die Diplomarbeit in den Staaten machen. Es muss einem aber dann klar sein, dass man nicht mit den aus meiner Sicht lächerlichen 3 Monaten auskommt! Zudem kann es sein, dass die amerikanische Uni einen dann als Undergraduate einstuft! Wichtig ist auch hier wieder der Verwaltungsweg! Wenn man seine Diplomarbeit z.B. im Rahmen der Masters in den USA macht muss man sein deutsche Version bei der deutschen UNI einreichen bevor man den Masters macht! (das kann aber von Uni zu Uni unterschiedlich sein unbedingt fragen!!) Sonst hat man den Masters aber vielleicht kein deutsches Diplom und dann geht das Trara bei der Promotion u.U. weiter, da man bei einem ausländischen Abschluss seine Studien/promotionstauglichkeit unter Umständen in einer Prüfung nachweisen muss. Dies ging einem Kumpel von mir so der damals in der DDR anfing zu studieren und dann seinen Magister in Moskau machte.
Wichtig ist bei den oben beschriebenen Aktionen dass man jemanden am Institut hat, der einen betreut! Es kommt immer zu Pannen und dann braucht man Hilfe. Sinnvoll ist es auch, wenn man jemanden hat, der einen in Deutschland immer schön brav für das neue Semester einträgt! Ich hatte z.B. Probleme, das man mich nicht zum Diplom zulassen wollte, da ich auf Grund meines ersten USA Aufenthaltes zu wenige Semester hatte! Das war zwar nicht weiter schlimm da ich halt 3 Monate wartete, es hat mich aber eben diese 3 Monate Urlaub gekostet, denn den Nerv vor dem Diplom in Urlaub zu fahren hatte ich dann doch nicht! Auch hier vorher alles absichern!
Zumindest von der Organisation in Deutschland her ist es natürlich das einfachste nach dem kompletten Diplom in den USA im Graduateprogramm weiterzustudieren. Man hat halt etwas Zeit verloren.
Wenn ich als alter Mann nun meine ganzen Bedenken und Einwände sehe muss ich schon über mich selbst lachen! Ich bin damals mit einer unglaublichen Naivität an die Sache rangegegangen die ich heute als Blödheit bezeichnen würde! Mein Glück war wahrscheinlich das ich mich zunächst in ein bestehendes Austauschprogramm einklinkte und somit alle diese Fragen für mich geklärt waren! Und unser Auslandsbetreuer war spitze! Dazu kam, das sich alle meine Deutschen und Amerikanischen Professoren persönlich kannten und so keine Profilierungsneurosen auf beiden Seiten auftraten!

Zu den Beziehungskisten!
Von allen Leuten die ich kenne Hat nur eine Beziehungskiste das Jahr überlebt! Das muss man für sich entscheiden! Die Kommunikation heute ist aber wesentlich einfacher und billiger als zu meiner Zeit!
Also zum eigentlichen USA Aufenthalt

Angefangen hat alles mit einem DAAD Stipendium im integrierten Austauschstudium.

Beworben habe ich mich damals eigentlich eher aus Abenteuerlust als aus Interesse am Studium.... Folgende Situation: Mitternachtsvorlesung 14°° am Freitag. Der Prof . meint ich habe da 3 Stipendien für ein Jahr USA aber noch keine Bewerber! Wer geht? Da habe ich mich halt gemeldet! (übrigens ganz so leicht war es dann am Ende nicht! Am Ende wollten fast 20 mit und so ging es in ein Ausscheideverfahren) So fing der USA - Aufenthalt auch erst mit einer zweiwöchigen Rundreise kreuz und quer durch den Südwesten an. Allein das war den ganzen Stress später wert!

Dann der erste Schock! Die UNI!!

Gut so ein paar Geschichten hatte man ja schon von den Vorgängern gehört- nur ernst genommen hat man das nicht.
2000 Studenten in einem Dorf mit 1200 Einwohnern. ca. 1Stunde Autofahrt von der nächsten Stadt die wir als Europäer so nennen würden. Dafür hat die freiwillige Feuerwehr den höchsten Bildungsstandard der USA (90 % sind Professor, 95 % haben wenigstens einen Dr.) Gott sei Dank hat es nicht gebrannt !!!!

Nachdem man sich daran gewöhnt hat mitten im Nirgendwo zu sitzen (upstate N.Y.) und in einem Wohnheim zu wohnen bei dem 3 Mahlzeiten inklusive sind (soviel man will und kann, auch bekannt als die Freshmen 12 - 12 Pfund mehr in 3 Monaten) und sich mit den für Bayern ungewöhnlichen Trinkgepflogenheiten der verschiedenen Verbindungen vertraut gemacht hat, fängt man langsam an sich einzugewöhnen. Übrigens ist das Saufen dort ein ernstes Problem. Offiziell gibt es Bier erst ab 21. Die meisten Studenten sind aber im ersten Jahr 17 – 18. Die Trinkgelage sind dann so etwas wie Mannbarkeitskult! Das hat zu solchen Exzessen geführt, das meine UNI vor einem Jahr alle Verbindungen verboten hat! Also etwas vorsichtig sein! Übrigens kann es einem auch passieren, das man eingebuchtet wird, wenn man sein Bier auf der Straße trinkt! Das ist von Ort zu Ort verschieden!
Zur Sprache:
Ich lernte schon in den ersten zwei Wochen die Grenzen meines Schulenglisch kennen. Die ersten paar Wochen (ca. 3 Monate) waren auch dementsprechend stressig. Auf die Muttersprache wird keine Rücksicht genommen! Das geht auch nicht, da teilweise 5- 6 Nationalitäten in der Vorlesung sitzen und vielleicht auch ein Amerikaner. Anfangs übersetz man, wie ich sage mechanisch. Englisch lesen und hören, Deutsch merken, und bei den Prüfungen alles wieder in umgekehrter Reihenfolge. Stressig, ineffizient und die Noten sind auch nur so lala! Irgendwann platzt dann der Knoten. Man merkt das wenn man nachts um 2 in einer Kneipe den Witz versteht, den zwei Leute neben einem sich erzählen. Wenn man so weit ist wird’s leichter.
Die ersten Überraschungen
Zunächst hatten wir immer noch ein etwas überhebliche Grinsen - wir Europäer haben doch sowieso mehr Kultur als Ihr AMIS - dann nach den ersten Klausuren mit einem eher dümmlichen Gesichtsausdruck- die AMI kids mit ihren 20 Jahren machen uns mit unserem Vordiplom nach allen Regeln der Kunst nass! Wie ist das denn möglich? Haben wir denn nicht eines der besten Schulsyteme überhaupt? Heute weis ich das dem nicht so ist! s. Pisastudie
Langsam fängt man an eigene Werte und Anschauungen neu zu bewerten. Nicht zuletzt auch dadurch bedingt, dass man sich mittlerweile auch halbwegs normal mit den Studienkollegen in Englisch unterhalten kann. Nach drei Monaten ist man dann mehr oder weniger integriert und akklimatisiert. Nicht zuletzt auch durch die Professoren. Zunächst mal das Verhältnis von Studenten zu Professoren betrug damals 13 Studenten auf einen Professor und was noch viel wichtiger war, diese Professoren waren für die Studenten da! Eine völlig neue Erfahrung für einen deutschen Studenten! Man hat in der Vorlesung (maximal 20 Studenten) etwas nicht verstanden? - macht nichts, man kann einfach ins Büro des Professors und bekommt es nochmals erklärt. Dazu das persönliche Interesse der Professoren an jedem einzelnen Studenten (wir waren gerade eine Woche an der UNI, als wir (alle ausländischen Studenten) vom Dekan zu einer Grillfeier zu sich eingeladen wurden. Er kannte uns dabei nicht nur mit unserm Namen sondern wusste auch wo wir herkamen und konnte das geographisch einordnen! Man stelle sich das mal mit einem deutschen Professor vor!

Das Arbeiten an der UNI Knüppelhart aber gut!

Von der Ausstattung her war das Arbeiten ein Traum! Elektronen Mikroskop ? Ein kurzer Einführungskurs und dann konnte man ohne Überwachung jederzeit an das Gerät. Wenn man nicht mehr weiterkam (oder etwas kaputt machte) half einem schon jemand weiter. In Deutschland habe ich teilweise 3 Wochen auf Ergebnisse gewartet, die ein schlecht gelaunter Angestellter für mich messen sollte. Übrigens wurde mit allen Geräten so verfahren bis hin zum TEM. Vorteil der gesamten Studienweise: In zwei Trimestern hatte man doppelt so viele Scheine wie in Deutschland in 2 Semenstern nur möglich waren und war eigentlich mit dem Studium fertig! Ok. Dafür hatte man auch 35 Stunden Vorlesung die Woche + Hausaufgaben! Bei mir bürgerte sich dann ein 8°° Uni – nach Hause um 10°° und dann das Ganze von vorne. Im Graduateprogramm zeitweise 7 Tage die Woche! Das haben aber alle so gemacht und in sofern war es kein Problem. Das Leben spielte sich halt im Labor und Büro ab! So what!

Nachteile

Gab es Nachteile? Ja! es fehltem einen die etwas tieferen Gespräche, gepflegte Restaurants, Kaffees und die Geschichte... Nach 9 Monaten hatte ich die Nase denn auch voll! Noch 5 Monate durch die USA und Mexico und dann zurück an unsere Alma Mater ,Weißbier, ordentliches Brot, und Studentinnen der Geisteswissenschaften und dann nie wieder weg.

Der Sinneswandel und der Zweite Anlauf!

Toller Vorsatz! Hielt genau die ersten drei Vorlesungen dann hatte ich die Nase vom deutschen Le(h)erbetrieb bereits gestrichen voll. Das Skript (5 Jahre alt) konnte man auf Stichwort umschlagen. Die Diplomarbeitsthemen so interessant wie Kaffeesatz. Der Knaller nach der durch die Amerikaner erfahrenen enormen Gastfreundschaft , war dann der Fall einer amerikanischen Austauschstudentin die ernsthaft erkrankte und operiert werden musste.
Den Kommentar des Betreuers der UNI werde ich nie vergessen! Muss denn das ausgerechnet hier passieren? (Oh Gott ich muss ja vielleicht was tun ! Musste er übrigens nicht ,das haben wir Studenten alles selber geregelt)

Nach diesen Erfahrungen habe ich mich wieder bei den Amerikanern um ein Stipendium beworben, das ich glücklicherweise auch bekam und ging nach den Diplomprüfungen zum Masters für weitere 2 Jahre in die USA. Dort hatte ich nicht nur meinen „eigenen“ Prof ., der sich nur um meine Arbeit kümmerte sondern auch Studienkollegen aus China und Indien die derart viel besser in Mathe und Physik waren als ich, dass ich bis heute noch nicht weiß wie ich mein Studium überhaupt überstehen konnte (teilweise durch interkulturelle Zusammenarbeit vor allem mit der chinesischen Fraktion: Ihr erklärt mir die Mathe, ich formuliere dafür die Antworten für die Textfragen in einem verständliche Englisch für euch) .
Übrigens dazu folgende Anekdote: Als ich mich nach einer Woche im Graduateprogramm beim Dekan vorstellte, konfrontierte er mich mit der Tatsache das ich für mein Stipendium 5000 Mitbewerber hatte die alle besser Noten hatten! Nur weil man mich schon kannte und ich die meisten Graduate Credits schon als Undergraduate gemacht hatte, hatte man Gnade vor Recht ergehen lassen. Wie ich mich da gefühlt habe kann sich jeder selber ausmahlen!
Wenn man das erlebt hat, könnte man sich über die Politiker mit Ihren Vorstellungen einer Deutschen Leitkultur fast kaputtlachen, wenn da nicht dieser Unterton der deutschen Überlegenheit wäre. Den Politikern fehlt eben diese Erfahrung als Ausländer in einem andern Land zu leben und zu arbeiten und daher auch die nötige Toleranz und das Verständnis.

Wo sonst, wenn nicht an einer amerikanischen Uni kann man einem Chinesen am Sonntagmorgen im Labor mit einem jüdischen Professor, einem mohamedanischen Doktoranden und einem methodistischen Studienkollegen seine Frage beantworten, was eigentlich Christentum ist? Solche Situationen prägen einen für den Rest seines Lebens.

Was hat das Auslandsstudium außer diesen mehr subjektiven Aspekten gebracht?
Sicherlich eine Ausbildung, wie man sie an einer deutschen UNI nicht bekommen hätte können (Das System ist einfach nicht dafür ausgelegt auch wenn heute Masterstitel eingeführt werden). Einen Job in London bevor ich überhaupt mit dem Studium fertig war und mehrere Angebote für eine Promotion.

Warum ich nicht in den USA geblieben bin wenn dort alles so toll war? Gute Frage ? Was mir nach etwa 2 Jahren bewusst wurde, waren die vielen feinen Unterschiede in der Lebensweise die mich dann irgendwann nervten. Gefehlt haben mir wirklich die Kaffees, alte Städte und überhaupt die kulturelle Vielfalt Europas- die Tatsache, dass ich nur ein zwei Stunden mit dem Auto fahren muss, um schon irgendwo zu sein wo ich garantiert kein Wort verstehe!

Nach meinen persönlichen Erfahrungen mit einem Auslandsstudium würde ich jedem raten auch ins kalte Wasser zu springen und für ein zwei Jahre im Ausland zu studieren. Nur für ein Semester zu gehen ist besser als nichts, aber man hat gerade in den ersten paar Monaten so mit sich selbst und der Sprache zu tun, dass man eigentlich das Gastland gar nicht so richtig wahrnimmt oder es aber ständig mit zuhause vergleicht anstatt es einfach zu akzeptieren
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
travelgirl

travelgirl

19.01.2007 21:18

Hört sich schon recht interessant an, allderings sehe ich in meinen Fächern in den USA nicht ganz so viel Potential und mitten in der Pampa will man nun ja auch nicht zwischen dauerbreiten Amikids studieren ;)

der_Don840

der_Don840

13.02.2005 16:49

sehr sehr (gerade für mich persönlich) interessanter bericht. im moment bin ich noch in der 11. klasse eines gymnasiums, überlege allerdings schon wie und wo ich mein studium absolvieren soll. ich habe die amerikanische staatsbürgerschaft (dank meinem vater) und spreche englisch recht fließend, habe auch verwandte in den usa. das einzige problem beim studium ist für mich das geld.. die frage ist nur wie ich das finanzieren könnte. meine eltern sind jetzt nicht gerade arm, aber mehrere tausend dollar plus lebensunterhaltskosten sind doch zu viel. gibt es da stipendien in deutschland und amerika die mir für ein auslandsstudium helfen könnten?? leider habe ich auch wenig vorstellungen von den unipreisen in amerika, wenn du mir also irgend eine vorstellung geben könntest wäre das sehr nett! ich wäre dann allerdings ein resident (californien) da ich vorher 8 monate in den usa leben würde. mfg, der_Don

schaumalvorbei

schaumalvorbei

23.08.2004 18:44

Toller Bericht, hier is alles drin was man so Wissen sollte!!! :o) Sehr interessant

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