Leider kein Ausnahmefilm!
11.08.2001
Pro:
Besetzung
Kontra:
Skript
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 27 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Eine äußerst heikle Situation hat sich bis zu diesem Punkt entwickelt. Ein Bus steht auf der Mitte einer Kreuzung in der Bronx, New York, Hollywoods beliebtestem Ort der Verwüstung, in Gewalt genommen von einigen schwer bewaffneten Männern, die mit Forderungen noch geizen, jedoch die Geiseln nach gewohnter Manier als Schutzschilder an den Scheiben postiert haben.
Die Distanz der Kamera verschleiert die Sicht aufs Geschehen innerhalb des Vehikels. Mit einer ruhigen Stimme, besonnenem Auftreten und ausgefeiltem Verständnis für die psychische Lage aller Beteiligten nähert sich ein gewohnt gutaussehender, konzentriert dreinblickender Denzel Washington dem Gefährt, während ein Haufen Cops ihm die Rückendeckung gibt. Unter ihnen steht auch eine schlecht frisierte Annette Bening und ein immer gern gesehener Tony Shalhoub und blicken angespannt auf die Szenerie. Denzel bittet die Geiselnehmer alle Kinder aus reiner Humanität gehen zu lassen, worauf sie zu aller Überraschung auch eingehen. Ermuntert durch die Besonnenheit der Kidnapper, bittet FBI-Mann Washington um die Freilassung der Alten. Doch als diese die ersten Schritte aus dem Bus machen, explodiert dieser ruckartig und hinterlässt einen zutiefst verstörten Washington.
Als er am gleichen Nachmittag in seiner FBI-Division energisch und wütend das Beste seiner Mannschaft fordert, schwitzt er, scheint aufgelöst und ihm läuft Blut aus der Nase von der Verletzung, die er sich bei der Explosion holte. Ein famoser, intensiver Auftakt für einen Politthriller, der ab hier leider die falschen Entscheidungen trifft, um die richtige Botschaft zu übermitteln. Im Zentrum des Films steht eine faszinierende Frage: Kann eine Nation, die auf den Grundsätzen der Demokratie fußt und deren Verteidigung zum hehren Ziel gemacht hat, Mittel des Faschismus, ergo: Militäreinsatz, Inhaftierung ethnischer Minderheiten und brutale Foltermethoden, einsetzen? Ein klares Nein wäre die Antwort, die den Widerspruch auflöst.
Bejaht wird die Frage von einem befehlswilligen General, gespielt vom dritten Star in der Runde, Bruce Willis. Doch bis es zur dramatischen Klärung der Fronten zwischen Willis und Washington kommt, und deren Auffassung von Patriotismus und dessen Nutzen, schickt Edward Zwick, Regisseur des wuchtigen Bürgerkriegdramas GLORY (1989), der Washington damals den Oscar brachte, und seitdem abonniert auf träge Melodramen wie LEGENDS OF THE FALL (1995), den maßvoll aufgewühlten Zuschauer durch einen unnötig komplizierten Plot, der an seiner Formelhaftigkeit, blassen Figuren und Berechenbarkeit zu leiden hat. Im Mittelpunkt der Handlung steht Washingtons FBI-Mann, der dermaßen von seinem Job eingenommen wird, daß er kein Privatleben hat. Anschläge islamischer Terroristen halten die Stadt in Atem und setzen Denzel unter Druck. Zudem mischt sich in der Gestalt der CIA-Agentin Bening eine zwielichtige Figur in sein Spiel ein. Ihre Motivation ist gespalten, wenn auch recht simpel aufgezogen. Noch simpler sieht es jedoch General Willis, der nach einem bestimmten Siedepunkt die militärische Notlösung für angebracht hält, soweit der Präsident (Bill Clinton aus einem TV-Interview entnommen) es für nötig hält. Als dies eintritt, findet sich Washington in einem faschistischen Alptraum wieder und wir ebenfalls...
Die heikle Thematik behandelt diese schön lackierte, aber innen hohle Produktion für einen Studiofilm mit leichter Kontroverse. Sicherlich sind die Szenen in der zweiten Hälfte auf Provokation getrimmt, erreichen aber nicht ganz den Empfänger, insbesondere weil man keine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen weiß. Benings unterkühlte Heldin ist verliebt in einen der Fanatiker, wen's interessiert? Dagegen darf Shalhoub verzweifelt seinen Sohn in den für verdächtige Islamisten eingerichteten Camps suchen und an Amerikas Moral zweifeln. Zudem ist alles andere politisch korrekt: Washingtons Mannschaft ist multikulturell, ebenso die Demonstranten und der Großteil der islamischen New Yorker sind ganz nett. Und auf die Beschränktheit des Militärs beliebt man schon lange zu dreschen. Was letztlich übrig bleibt ist ein ambitionierter, wenn auch mißglückter Thriller mit einem reinen Gewissen, angereichert mit ein paar zünftigen Explosionen und faden Dialogen, in der man versucht die Welt zu erklären, aber versagt.
Besonders enttäuschend ist in diesem Punkt der finale Schlagabtausch zwischen Willis und Washington, der sich in Dummgelabere auf dem niedrigsten Niveau wühlt und völlig unfair über die Bühne geht. Wen's juckt...
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
10.02.2002 21:37
Auch auf die Gefahr hin, daß Du jetzt glaubst, daß ich Dir ein h. gegeben habe, weil ich völlig anderer Meinung bin, muß ich schreiben, daß ich kaum einen Deiner Kritikpunkte nachvollziehen kann. Auch nach mehrmaligem Lesen wird für mich nicht wirklich deutlich, warum Du den Film derart verreißt. Die von Dir genannten Aspekte kann man genauso gut ins Positive umdrehen, was auch bei Betrachtung des Filmes für mich der Fall war. Dinge, die Dich gestört haben fand ich gerade sehr gut und was Dich an diesen Dingen gestört hat wird für mich nicht wirklich klar. Hoffe Du nimmst mir das nicht übel. Gruß, Marcos.
11.08.2001 19:28
Hallöle. Gut der Film war wirklich nicht gerade die Krönung, aber so schlecht fand ich ihn auch wieder nicht :o) Gruß Verena
11.08.2001 19:24
Daß hier mal auf die Möglichkeit eines faschistischen Putsches auch in dem Land eingegangen wird, das sich sonst großspurig als Hort der Freiheit und Demokratie präsentiert, hebt sich immerhin wohltuend von den üblichen schleimigen und vor Patriotismus triefenden Actionschinken Hollywoods ab, die anscheinend von der Army und CIA subventioniert werden. Viele Grüße ***planck***