Sonderpädagogisch
28.11.1999
Pro:
Hübsch einfach .
Kontra:
Nervtötend pädagogisch
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 knoerer
Über sich:
Mitglied seit:28.11.1999
Erfahrungsberichte:52
Vertrauende:1
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Fast alle Hollywood-Mainstreamfilme laden ein zur Lektüre ihrer, im weitesten Sinne, politischenImplikationen, sind lesbar als Arrangements von Geschlechterpolitik, als Kommentare zu den jeweils aktuellen Verschiebungen in der gesellschaftlichen Ideologie. Der Reiz einer solchen Lektüre ist ein sozusagen strukturalistischer (oder auch rhetorischer): gerade die Formelhaftigkeit der Elemente, ihre topische Qualität, lenkt das Augenmerk auf die Nuancen der Variation. Aufschluß bietet nicht das, was manifest und sichtbar ist, was die Filme als Botschaft vor sich hertragen, sondern das, was als Unterschied in der Verwendung der Topoi Differenzen macht. Das bedeutet, daß sich ein solches Lektüre-Interesse (das ja nur eines von mehreren möglichen Interessen ist - und in spannender Relation zur durchaus strukturanalogen formalistischen Lektüre steht) sich nicht dem Scharfsinn von Drehbuchautoren oder Regisseuren verdankt; kluge politische Filme sind in Hollywood die große Ausnahme, wenn auch gelegentlich möglich, siehe zum Beispiel - über weite Strecken - 'Wag The Dog'. 'Ausnahmezustand' ist nun ein explizit politischer Film, ein mehr als handfester Kommentar zum Thema 'terroristische Bedrohung' - und als solcher ein grauenerregend simples und langweiliges Stück Volkspädagogik. Er ist Illustration einer einzigen Botschaft: wie bedrohlich die Lage auchsein mag, der Einsatz des Militärs, die Ausrufung des Ausnahmezustands ist die viel gefährlichere Bedrohung der Demokratie als jeder Terrorismus. Das verminte Gelände politischer Argumentation wird, damit diese Message auch auf jeden Fall ankommt und niemand verwirrt wird, aufs säuberlichste abgesteckt und mit Plakaten zugepflastert, auf denen steht: nicht alle Araber sind böse, nur die terroristischen. Das darf man nicht verwechseln. Wichtig! Drei Ausrufezeichen. Man hat daher auch einen guten Araber auf Seiten der superdemokratischen Kräfte (FBI!) installiert. Erleben läßt sich, wie man als Schauspieler Ausrufezeichen spielt, mal zwei, mal drei, mal vier: weit aufgerissene Augen, zugleich eine ziemlich ausdruckslose Miene. Annette Bening, Denzel Washington und auch Bruce Willis sehen in schöner Abwechslung auf ganz stupende Weise schauspielerisch richtig schlecht, ja unfähig aus - aber die eigentliche Schuld trägt dabei die Kamera, die in penetranten Großaufnahmen vom inhaltlich leeren Nachdruck dieser Ausrufezeichengesichter gar nicht genug bekommen kann.
Annette Bening hat dabei - zwischen dem superdemokratischen FBI Mann, den Denzel Washington gibt und dem faschistoiden Bösewicht, den Bruce Willis spielt - eigentlich noch die dankbarste Rolle, als undurchsichtiger Go-Between zwischen Gut und Böse, Amerika und Arabien, aber zum einen fehlt es ihr eindeutig am schauspielerischen Potential, damit etwas anzustellen, und zum anderen ist diese Figur nicht viel mehr als bloße Funktion der Plotkonstruktion und ihrer spannungserzeugenden Verbergungsmomente. Und Spannung kann, der Film gerät in einen ganz exemplarischen Teufelskreis, gerade deshalb nicht aufkommen, weil einen sehr schnell keine dieser Figuren mehr interessiert. Dazu kommt, daß diese Frauenfigur direkt aus der Topik schlimmster Misogynie entnommen ist. Die Frau ist ahnungslos, verführbar, dann wieder zynisch - und zuletzt das bereitwillige Opfer, der Sündenbock, durch dessen Tod endgültig alle Unklarheiten (der Moral wie des Plots, die hier umstandslos übereinkommen) beseitigt sind. Nicht zuletzt im Tod der doppelgesichtigen Frau ist der Film von einer so gnadenlosen wie zugleich offensichtlich unbedarften Restlosigkeit und segelt instinktsicher in ständiger, ständig neu versicherter Nähe zum vermeintlich rettenden, in Wahrheit alles verderbenden, Ufer der political correctness.
Ablesbar ist an ihm erst auf einer zweiten Ebene weniger Politisches als die Angst Hollwoods vor jedem unabgesicherten Gedanken, vor jedem Anflug von politischem Wagemut. Auf diese Weise entpuppen sich so lieb gemeinte, liberale wie demokratische Botschaftten brüllende Filme wie diese als strukturell erstickend konservativ - und absehbar ist die völlige Unfähigkeit einer solchen Ideologie, gegen einen klug und raffiniert daherkommenden Gegner anderes zu tun als stupide und wehrlos auf die eigene Gutheit zu pochen. Was gefährlich ist an diesem Film, ist seine Dummheit - und wäre es nicht gefährlich, so bliebe es doch allemal eine ästhetische Katastrophe.
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 Werner86
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