Kaum einer kannte ihn, viele hatten eine Meinung..
25.04.2009
Pro:
Viel Platz und guter Komfort
Kontra:
Nicht übermäßig fest gegen Rost, hohen Lenkkräfte
Empfehlenswert:
Ja
 Juminator
Über sich:
Fast ein Physiker, fast ein Gitarrist, fast ein Poet.
Liebt alles was "Twäng" oder "...
Mitglied seit:22.04.2009
Erfahrungsberichte:8
Vertrauende:2
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Es begab sich vor vielen Monden das meine Mutter beschloss "Ich will auch mal einen Neuwagen haben". Damals, 1986, gab es noch recht viele Händler für Austin und Rover im Umfeld der Massa-Märkte (Der Austin wurde hier im Köln-Bonner Raum auch häufig als das Massa-Auto tituliert), und der Austin kam auch zum Discount-Preis. (Bei uns waren es glaube ich etwas unter 20000 DM für die Familienkutsche, ein mittelblauer Kombi.) Das war so unschick das die großen Austins sehr unpopulär waren und natürlich an jedem Stammtisch vor Rost zerfielen. Heute ist Samstag, und ich habe Langweile also erzähle ich mal:
Der Austin Montego bewegte sich in der Größenordnung zwischen Opel Kadett und Rekord, zwischen Golf und Passat. In der Kombiversion bot er 7 Sitze (5+Notsitze im Kofferraum) und hatte aus seinem 1,6 Liter vierzylinder Vergasermotor 83 PS die per recht kurz übersetztem 5-Gang Getriebe die Vorderräder antrieben. Der Innenraum war in zeitgenössischem weicherem Schaumstoff in fröhlichem, leicht bräunlichem Mausgrau gestaltet und von den ergonomischen Aspekten her recht angenehm gemacht. Die zu kurbelnden Fenster gingen einigermaßen schwer. Platz für passende Sitzpositionen gab es genug, vorne wie hinten recht großzügige Sitze mit geteilt umklappbarer Lehne hinten was eine etwa 1,80 lange, ebene Ladefläche mit guter Stauhöhe ergab. Mit 4 Türen, großer Heckklappe, viel Platz, guter Übersicht und einem recht schicken Zeitgenössischen Äußeren war der Wagen von allen Aspekten her ein ausgewachsener Familientransporter. Nichts Besonderes -obwohl, halt: Maier, Müller und Schulze fuhren Opel, Ford und VW. Oder Japaner. Das hier war ein Austin! *Takes a nip of tea and holds up the anglophile banner* Der war anders, der war halt nicht deutsch. Also schon ein bischen besonders.
Für meine Schwester und mich war er nach dem Fahrschuldiesel, wie damals üblich 2er Golf, das erste Auto das wir fuhren. Während meine Schwester sich in Dur und Moll über den Austin ärgerte wuchs er mir schnell ans Herz. Umlernen war angesagt: Liebe inhaber des EU-Fürerscheins, es gab eine Äre der Saugdiesel wo man die Kupplung fast digital behandeln konnte, dann rollten die Kisten schon. Nicht wie bei den neuen Turbodieseln, die bei niedrigen Drehzahlen gar keine Kraft haben. Der Umstieg vom Fahrschultrecker auf ein richtiges Auto war daher ein Abenteuer. Naja, ein Kleines. ;-) Ich glaube auf meiner ersten Ausfahrt zu einen Kilometer entfernten Supermarkt habe ich den Montego 3 oder 4 mal abgewürgt. Die Lenkung war recht schwergängig und das Getriebe würde man doch als hakelig bezeichnen, aber man hatte schon bald raus in welcher Lage sich die Gänge befinden, und sauber angesteuert flutschte der Schaltknüppel auch gut durch seine Kulisse. Das Gaspedal fühlte man kaum durch die Schuhsohle, Bremspedal und Kupplung boten einen angenehmen Widerstand ("Wo ist das Gaspedal?" *tastet suchend mit dem Fuß: Tapp-Tapp-Wrumm!* "Ach, da!") Der Motor brauchte gescheiten Gasansatz um nicht beim anfahren abzusterben, aber bei etwas Übung ging der Familienkombi mit 83 PS ab wie Schmitz' Katze- 10,9 Sekunden von Null auf Hundert waren damals schnell, und auch heute könnte der Montego sich damit mit Familienkutschen gut messen. Opel Kadet 1,6 und der 1,6er Golf konnten da nicht mit. Seine höheren Lenkkräfte und der insgesammt etwas derbere Charakter dieses Autos hießen bei mir sowieso "Sportlich". Derbe war auch der Zug des Antriebs an der Lenkung. Aber es fühlte sich auch ehrlich an. Ein Auto eher für Männer als zierliche Familienmütter, das wegen seiner Kippsicherheit wohl auch bei Stuntfahrern geschätzt wurde. Lange Federwege und eine mittelharte Federung ließen bei mir auch dieses "Sports-Saloon-Lieferwagen-Pampersbomber"-Image als Mix vom Bild des Montego übrig. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 165 Km/h angegeben, aber auf dem Tacho von Unserem stand auch schon mal die Nadel bei 190.. Der fünfte Gang war als Overdrive ausgelegt, und sowie es auch nur etwas bergab ging legte der Monty los. Einmal in Fahrt lies er sich die auch von Moderaten Steigungen nicht mehr ganz nehmen. Und die Fahrt konnte Dauern, denn er war sparsam! An sich ein Klasse Auto, oder? ja, da waren auch Pferdefüße. Der Sprit zum Beispiel: In England sind die Stufen der Oktanklassen etwas anders als auf dem Festland. Der Montego benötigte Oktanzahl 100 (wenn ich mich nicht täusche) und war somit gerade eben so verdammt das hier teure Super zu tanken wo er in England noch mit dem günstigeren "Star Plus" (Glaube ich hieß es) zurechtgekommen wäre. Die eingetragene Reifengröße war 180/60 14, wenn ich mich recht entsinne. Nagelt mich nicht drauf fest, jedenfalls ist der Punkt: 185er, 65er Querschnitt gab es an jeder Hundehütte. Dieses Format an Reifen allerdings nicht. Und es wurde natürlich auch die Originalbereifung empfohlen, Michelin Reifen. Die waren auch super, nur hatte das exotische Format von einem Premiumhersteller dann beim Reifenwechsel seinen Preis! Lange ist es her das ich einen gesehen habe. Die Montegos sind quasi ausgestorben. Es wird an die 10 Jahre her sein das ich den letzten gesehen habe. Der stand beim Opelhändler nebenan. Was mir auffiel war das er die gleichen Roststellen hatte wie man sie bei Kadett-E-Kombis des Alters vorfindet. Unserer wurde nicht so alt, er schied am 17. September 1991 aus dem Autoleben. Ich rutschte bei einsetzendem Regen auf nassen Strassenbahnschienen aus und donnerte frontal gegen eine Straßenlampe. Uns' Monty war ein Totalschaden, ich hatte nur eine Prellung am Auge von der Kopfnuss die ich dem Lenkrad gab und Druckstellen vom Gurt an der Hüfte. Aufschlag mit ca. 40 Km/h, laut Gutachter.. Moment: Gleichalte Golf und Kadett hätten da nicht besser ausgesehen! Immerhin hatte die Laterne fast den linken Längsträger erwischt, also nicht den in Tests damals üblichen Aufprall mit 100% Überdeckung auf ein Festes Hindeniss wiedergegeben. Der eine Längsträger hatte das Gros der Wucht schlucken müssen, Monty war bald einen Meter kürzer geworden aber mir ging es ganz gut, und die Fahrertür ging fast problemlos auf, alle anderen Türen ganz normal? Die Karosserie war wohl ziemlich stark, mit einer gut definierten und funktionierenden Knautschzone, hm? Heute ist es eher eine nostalgische Notiz wenn man vom Montego redet, Abgasgesetze, Verschrottungsprämien und harter Alltag als undeutsches Familienauto für Leute die sich "nichts Richtiges" leisten können haben ihn ausgerottet. Mein Fazit bleibt das der Montego ganz im Gegenteil zum Stammtischgeschwätz ein gutes bis sehr gutes Auto auf der technischen Höhe seiner Zeit war, das auf dem Festland unter mangelnder Anpassung an die hiesigen Normen etwas litt, und unter dem Made-in-Germany-Snobismus sehr stark litt.
Meines Erachtens war er besser als Kadett und Golf.
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26.04.2009 02:08
Der ist sehr selten gibts da Überhaupt noch einen
25.04.2009 22:36
Eigentlich alles drin...
25.04.2009 18:20
..da guckt man mal nicht hin und schon isser grün geworden..*gacker*...