LPG-Autogas - Eine Alternative?
10.12.2008
Pro:
Geringe Treibstoffkosten, Saubere Verbrennung
Kontra:
Teure Nachrüstung, nicht jeder Benziner geeignet
Empfehlenswert:
Ja
 autoklinik
Über sich:
Ich hab einfach zu wenig Zeit...Aber nun ist er da: Nach einem Jahr Pause mein erster Bericht 2012 u...
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Spätestens, als im diesjährigen Sommer (2008) die Benzinpreise durch die Decke schossen - Preise über 1,50 Euro pro Liter schlugen immense Löcher in die Tankkasse - fiel die Entscheidung nicht nur unseren Firmenwagen mit einer LPG-Autogasanlage auszustatten, sondern mit dem Einbau solcher Anlagen das Leistungsspektrum unserer Autowerkstatt auszudehnen.
LPG-Autogas - Eine Alternative Diverse Recherchen führten zu einer Geschäftsverbindung mit der Firma Vogels Autogassysteme in Rheinbach, die einerseits Einbauschulungen durchführt und andererseits Importeur des renommierten Herstellers Landi ist. Aufgrund der großen Nachfrage mussten wir allerdings bis Anfang Dezember auf unseren Schulungstermin warten, dann war es soweit: Am 5.12. wurde von mir und meinem Team unter Anleitung eines Spezialisten das vor-konfigurierte Equipment zehn Stunden lang in den Evasion gebaut. Seit einer knappen Woche fährt das gute Stück nun mit LPG-Gas.
Doch zunächst sei erst einmal geklärt:
Was ist eigentlich LPG Autogas? Im Gegensatz zu CNG (Erdgas) ist LPG ein Gasgemisch aus Propan und Butan-Gas, welches unter entsprechendem Druck flüssig ist, deshalb spricht man auch von L(iquified) P(etroleum) G(as). Früher wurde dieses Gas zum Beispiel bei der Förderung oder Raffinierung als Abfallprodukt einfach abgefackelt. Durch eine große Energiedichte und rückstandsfreie Verbrennung, wird Flüssiggas zu einem preisgünstigen, umweltfreundlichen und sauberen Energieträger und damit zu einer echten Alternative zu den bekannten Treibstoffen. Auch durch die Absenz von Schwefel, Benzolen und Blei verschafft sich Autogas gegenüber Benzin klare Vorteile.
Mono- oder bivalent
Noch in den Kinderschuhen steckt der monovalente Gasantrieb, das heißt, das betreffende Fahrzeug läuft ausschließlich mit Gas, sei es LPG oder CNG. Speziell im letzteren Fall spricht eindeutig die schlechte Versorgungslage - nur einige hundert CNG-Tankstellen verteilen sich über das Bundesgebiet - gegen den Erwerb eines solchen Fahrzeugs. Doch auch, wenn es inzwischen weit über 5000 LPG-Tankstellen in Deutschland gibt, schränkt man sich mit der Monovalenz unnötig ein. Ohnehin dürfte ein solches Fahrzeug nur beim Neukauf interessant sein. Wer ein gebrauchtes Fahrzeug NACHRÜSTET wird sicher auf die bivalente Variante zurückgreifen, d. h. das betreffende Fahrzeug wird mit einer Gasanlage ausgestattet, die den Gasbetrieb wahlweise zulässt. Ein solches Fahrzeug wird in der Regel mit Benzin gestartet, erst, wenn die Motor- respektive Kühlwassertemperatur 40°C erreicht hat, steigt der Motor automatisch auf Gasbetrieb um. Auf diese Weise wird eine hohe Betriebssicherheit erreicht.
Nachrüstung Aufgrund der stark gestiegenen Benzinpreise ist die Nachfrage nach Gasumrüstungen in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen, die Umbaubetriebe haben lange Wartezeiten. Durch den Preiseinbruch auf dem Mineralölmarkt der letzten Wochen hat sich der Run zwar etwas gelegt, dennoch ist die Nachfrage groß. Wenn nun die Entscheidung gefallen ist, eine Gasanlage nachzurüsten sollten einige Fragestellungen im Vorfeld geklärt werden: - Ist mein Fahrzeug überhaupt geeignet? - Welcher Anlagetyp soll eingebaut werden? - Welcher Nachrüstungsbetrieb kommt in Frage? Grundsätzlich sind alle Benziner geeignet nachgerüstet zu werden, Dieselfahrzeuge scheiden bei den Überlegungen von vorn herein aus. Aber auch einige Benziner sind nicht unbedingt geeignet. Zum Beispiel sind die Motoren der Mercedes A- und B-Klasse aufgrund der schlecht gehärteten Ventilsitze nach Gaseinbau noch gefährdeter als ohnehin Ventilschäden zu erleiden. Wer also über eine Nachrüstung nachdenkt sollte beim Hersteller zunächst grünes Licht für den betreffenden Typ einholen. In der Regel können die Einbauwerkstätten über ihre Lieferanten entsprechende Informationen einholen. Auch können ungünstige Platzverhältnisse die Nachrüstung erschweren bzw. unmöglich machen. Immerhin muss ein Tank, ein Verdampfer sowie diverse Leitungen, Kabel und Ventile untergebracht werden. Für alte Vergaser- oder Monojetronicmotoren gibt es sogenannte Venturianlagen, bei denen eine genaue Gaszumessung relativ schwierig ist, der Mehrverbrauch liegt hier schon mal bei 30%. Bei meinem Evasion wurde eine Landi LSI, also eine sequentielle Einspritzanlage eingebaut, bei der vor jedes Einlassventil eine über das Lambdasignal ermittelte Gasmenge eingespritzt wird. Der Mehrverbrauch dürfte bei 10 bis 20 % liegen. Womit wir auch schon beim Thema
Armortisation
wären. Zunächst muss ja erst einmal die Anlage ins Auto. Je nach Anlagentyp, Größe des Motors (eine Achtzylinderrail kostet halt mehr als eine für Vierzylindermotoren), Umrüstungsbetrieb müssen ca. 2000 bis 3000 Euro investiert werden. Das ist natürlich viel Geld und wenn es fragwürdig ist, dass das ins Auge gefasste Fahrzeug die nächste HU übersteht oder andere relevante Motorgebrechen vorliegen, sollte lieber von einer Umrüstung abgesehen werden. Setzt man aber mal folgende Rahmenbedingungen: Ein Mittelklassewagen mit realistischem Benzinverbrauch im gemischten Betrieb von 9 Liter bei einer Jahresfahrleistung von 12000 km (Bundesdurchschnitt) verursacht bei den derzeitigen, sehr niedrigen Benzinpreisen ca. 1250 Euro Kraftstoffkosten per anno. Das gleiche Fahrzeug spart bei Zugrundelegung von etwa 15% Mehrverbrauch und einem Gaspreis von z.Z. 0,63 Euro (Der Gaspreis variiert lokal sehr stark, am heutigen Tage wurden Preise zwischen 0,43 und 0,75 Euro notiert, entsprechende Foren gibt's im Internet) etwa 800 Euro. Daraus errechnet sich eine Einsparung von zur Zeit 450 Euro pro Jahr. Die Armortisation würde also über fünf Jahre dauern.
Da der Benzinpreis aber großen Schwankungen unterworfen ist und in den nächsten Jahren sicherlich wieder deutlich ansteigen wird, wird sich diese Zeitspanne sicher verkürzen. Legt man zum Beispiel den Benzinpreis des Sommers zu Grunde ergibt sich bei den oben beschriebenen Bedingungen ein Einsparpotential von ca. 700 bis 800 Euro/Jahr und damit eine Armortisationsdauer von etwa 3,5 Jahren. Je mehr Fahrstrecke zurückgelegt wird, bzw. je höher der Benzinverbrauch des nachgerüsteten Autos ist, desto eher rechnet sich der Gasumbau. Um es also ganz klar zu sagen: Die Nachrüstung einer fahrenden Einkaufstasche, die 4000 Kilometer im Jahr zum Discounter bewegt wird, lohnt sich definitiv nicht.
Sicherheit/Gefahren
Immer wieder werden Vorbehalte bezüglich der Sicherheit solcher Anlagen laut. Speziell im Falle eines Unfalls oder Brandes könnte doch das Gas explodieren. Diese Vorbehalte sind unbegründet: Alle LPG-Tanks sind geprüft, ein ungewollter Austritt z. B. durch Deformation wird über ein Ventil gesteuert durchgeführt. Aufgrund der geringen Zündwilligkeit ist eine Explosion nicht möglich. Auch sind die Drücke im Tank so niedrig, dass eine Explosion nicht passieren kann. Um es zu präzisieren: Das Benzin, welches wir zumeist in Plastiktanks spazieren fahren ist gefährlicher. Abschließend seien noch einmal stichpunktartig Vor- und Nachteile einer nachgerüsteten LPG-Anlage angeführt:
Vorteile
- Einsparung von Kraftstoffkosten, der Steuersatz ist bis 2018 fest geschrieben. - Umweltfreundlichere Verbrennung, keine Schwefel-, Blei- und Feinstaubemission, geringere Treibhausgasemission (trotz Mehrverbrauch!) - Erhöhung der Reichweite - Gegenüber CNG gut ausgebautes Tankstellennetz
Nachteile - Große Eingangsinvestition - Reserverad muss i.d.R. dran glauben - Nicht alle Benziner geeignet
FAZIT
Für Vielfahrer (ab ca. 15000 Kilometer/Jahr) ist eine Umrüstung auf Dauer sicherlich ein gutes Geschäft, wobei gilt: Je neuer das betreffende Auto, um so lohnenswerter ist eine Nachrüstung. Ob der Einbau in unseren alten Evasion (Immerhin hat die Kiste schon 225000 Kilometer in den dreizehn Jahren ihrer Existenz abgespult) über die Funktion als Schulungsobjekt hinaus lohnend sein wird, mag die Zeit erweisen, entsprechende Updates seien hiermit schon mal angekündigt! (c) autoklinik 2008
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21.11.2009 02:10
Normalerweise kommentiere ich meine eigenen Berichte nicht, aber hier muss ich eine Ausnahme machen: @kjw206: Es ist überhaupt kein Problem längere Autobahnfahrten mit LPG betriebenen Autos zu machen. Es sei denn, ungeeignete Motoren (z.B. Mercedes A-Klasse) oder eine schlechte Bauteilkonfiguration sind im Spiel. Unser Evasion hat diverse Fahrten über bis zu 700 Kilometer am Stück klaglos weggesteckt. Desweiteren kann ich ja nicht jeden Einzelfall kennen und nur weil DU jemanden kennst, der Probleme mit dem Support hatte kannst Du mir das doch nicht als fehlende Info MEINES Berichtes ankreiden! Unser Support und der unserer Lieferanten ist gut und bislang gab es noch keinen LPGaser, dem wir nicht das Laufen beigebracht hätten! Gruß, Stefan
25.10.2009 21:23
Nur "hilfreich" aus zwei Gründen. 1. Weist Du nicht daraufhin, dass längerer Autogas-Betrieb auf der Autobahn nicht empfehlenswert ist, was Autogas für Vielfahrer uninteressant macht. 2. Treten Probleme mit der Autogasanlage und/oder dem Fahrzeug auf, ist der Support durch den Anbieter der Autogasanlage nicht in jedem Fall gegeben. Mir ist ein Fall bekannt, in der die Werkstatt nun schon seit einem halben Jahr den Fehler an einer Anlage sucht, seitens Landi Renzo jedoch keine Auskunft zu Fehlersuche gegeben wird. LG kjw
20.04.2009 15:18
Ich stehe auch kurz vor diesem Schritt, wobei ich immer noch überlege, ob nicht ein Diesel passender wäre. LG, Stephan