Freude am Fahren??
16. Nov 2001
Pro:
Platzangebot / Qualität
Kontra:
Abstimmungsmängel / Preis - Leistungsverhältnis
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 write13
Über sich:
Mitglied seit:04.09.2000
Erfahrungsberichte:32
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dieses Auto zu beurteilen, fällt nicht leicht. Um ein grobes Fazit vorweg zu nehmen und gleichzeitig das Dilemma des Kritikers zu veranschaulichen: Der durchschnittliche Autofahrer, mit durchschnittlichen Ansprüchen an sein Fahrzeug, der einen robusten, sicheren, wertbeständigen Wagen mit großzügigem Platzangebot sucht und zudem eine eitle Ader pflegt, die Wert auf ein gehobenes Image (das er allerdings auch bezahlen können muss) legt, wird den Kauf des BMW 520i Touring kaum bereuen.
Wer aber, angelockt von den Versprechungen der BMW Werbung (die keinerlei Mangel an Selbstbewusstsein erkennen lässt), ein Fahrzeug sucht, das ihm Freude am Fahren sportlicher Prägung bietet und sich vielleicht auch noch dem Prinzip verpflichtet fühlt, ein Produkt und seine Leistungen in Relation zum verlangten Kaufpreis zu setzen, der wird mit dem Kauf dieses Wagens kaum glücklich werden können. An den nun folgenden Beschreibungen der Details, kann hoffentlich jeder selbst für sich festmachen, zu welchem Käufertyp er gehört.
Beginnen wir mit dem äußeren Auftritt. Eine Schönheit ist er nicht direkt, aber bei einem Auto dieser Dimension ist das nicht die oberste Priorität. Und irgendwie kommt er bei mir trotzdem recht sympathisch an. Aber das ist ohnehin Geschmackssache. In jedem Fall ist die Karosserie praktisch (außer bei der Parkplatzsuche) und großzügig gestaltet. Wer hier nicht alles hinein bekommt, ist selbst schuld. Angenehm fällt zudem der sehr kleine Wendekreis auf. Der Qualitätseindruck ist sehr gut. Das Fahrzeug wirkt schwer, robust und gut gedämmt. Setzen wir uns also hinein. Als erstes fällt das belanglose Armaturenbrett auf. Wer in erster Linie Funktionalität sucht, findet die Standardanzeigen sehr übersichtlich vor sich. Wer aber dem Glauben aufgesessen ist, für ca. DM 75.000,-- (durchschnittliche Ausstattung) dürfe das Interieur ein wenig Schönheit zeigen, ein wenig angenehme Atmosphäre verströmen, den belehrt BMW eines besseren. Tristesse wohin das Auge blickt. Und ein gefährliches Manko hält die Bedienung leider auch parat. Der Schalter für die
Warnblinkanlage auf dem Mitteltunnel könnte kaum ungünstiger platziert sein. Ärgerlich ist auch, das einige Komponenten der Belüftungsanlage nicht beleuchtet sind und entsprechend im Dunkeln per Armaturenbrettabtasten gesucht werden müssen.
Die Seriensitze sind leider ebenfalls beanstandenswert. Wer häufig lange Strecken fährt, wird unweigerlich von Rückenschmerzen geplagt. Zwar ist die Rückenlehne lang genug, um auch die Schultern zu unterstützen, aber im unteren Bereich fehlt es an Unterstützung. Im Lendenbereich ist die Lehne zu weich, während sie an anderen Stellen, an denen der menschliche Rücken keine Unterstützung benötigt, straff abgepolstert ist. Das dies in einem solch teuren Wagen hingenommen werden muss, ist umso erstaunlicher, als es Wettbewerber gibt, die es deutlich besser können. Dem geplagten Rücken hilft es da wenig, das es auch solche Wettbewerber gibt, die es schlechter machen. Also fahren wir los. Der 6 Zylinder Motor hat einen angenehmen Klang. In einem 3er könnte ich ihn mir als sehr lebhaft vorstellen. In diesem Modell merkt man aber schnell, das 165 PS sich mit 1700kg Gewicht ziemlich plagen müssen. Der Wagen ist nicht langsam. Im täglichen Verkehr kann man zügig mitschwimmen und auf der Autobahn erreicht er Tacho 230 km/h, wer aber sportlich (wir erinnern uns an das Werbeversprechen) fahren möchte und eine hohe Durchzugskraft bei mittleren Autobahngeschwindigkeiten zu schätzen weiß, verliert leicht den Spaß an diesem Schwerarbeiter.
Absolut nervig ist das Ansprechverhalten des Motors. Obwohl er selbst wenig dafür kann. Im Prinzip hängt er recht gut am Gas, aber die Auslegung der Kupplung und die hakelige Schaltung verhindern erfolgreich sportliche Gangwechsel. Das Kupplungspedal hat einen unangenehm langen Weg, der einerseits den Sitzkomfort beeinträchtigt, da er nicht mit den anderen Pedalwegen harmoniert und andererseits dazu führt, das der Druckpunkt schlecht zu treffen ist, was der Motor regelmäßig mit Drehzahlverlust und unangenehmem Ruckeln quittiert. Diese Unart wird verstärkt durch die Schaltung. Gerade von BMW hatte ich mehr erwartet. Die Gangebenen sind schlecht definiert und insbesondere bei schnellen Gangwechseln verweigern sich die Zahnräder teilweise gänzlich. Das nervt und erzieht zu gemütlicher Fahrweise (wer´s mag). Beruflich fahre ich häufig unterschiedliche Fahrzeuge, an eine ähnliche Getriebeschwäche kann ich mich nicht erinnern.
Und noch ein Manko fällt auf im Zusammenspiel zwischen Getriebe und Motor. Die Gänge, insbesondere Nr. 4 und Nr. 5 sind schlecht auf den Motor abgestimmt. Der 4. ist zu kurz ausgelegt, was auf der Autobahn nervt, da man kurz nach dem Runterschalten gleich wieder wechseln muss und der 5. ist zu lang übersetzt, was zwar eine vergleichsweise hohe Endgeschwindigkeit bringt, aber auch dazu führt, das der Wagen auf gerader Strecke in den Begrenzer läuft (habe ich schon in zwei 520ern festgestellt). Das zeugt nun wirklich von einer sehr oberflächlichen Abstimmungsarbeit. Zwischendurch mal etwas Gutes zum Aufatmen für die BMW Fans. Die Bremsen sind hervorragend. Kräftig zupackend und spurstabil auch bei vollem Einsatz und ohne Fading. Hier wird das Gewicht des Fahrzeugs in keiner Weise bemerkbar. Klasse!
Fehlt zur Komplettierung noch ein Statement zum Fahrwerk (Serienfahrwerk). Es ist weitgehend gutmütig und bei normaler Beanspruchung macht es den Wagen sicher und einfach beherrschbar. Aber die stolz BMW Werbung hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt, der sich vom sportlichen Fahrspaß ernährt. In diesem Auto könnte er dem Hungertod erliegen. Der 520i Touring neigt sich in Kurven deutlicher, als es die Werbung glauben machen will und aufgrund der vorher beschriebenen Eigenschaften von Motor und Getriebe meidet man kurvige Landstraßen freiwillig. Auf der Autobahn neigt er sich in schnellen, langen Kurven ebenfalls so, das man lieber den Fuß vom Gas nimmt und auf nicht topfebenem Untergrund neigt er zum harmlosen, aber Spaß zehrenden, Versetzen. Das der Wagen beim zügigen Anfahren auf feuchter Straße, wie es beim Einfahren in viel befahrene Hauptverkehrsstrecken schon mal vorkommen kann, trotz eingeschaltetem ASR zu durchdrehenden Rädern neigt, gehört zu den Ungereimtheiten bei diesem Modell. Wieder oberflächliche Abstimmungsarbeit?
Ach ja, der Verbrauch. Hätte ich ja fast vergessen. Wenn man auf meinem bevorzugten Terrain, der Autobahn, zügig unterwegs ist, nimmt er sich zwischen 15 und 17 Liter. Das muss man bei dem Gewicht wohl akzeptieren. Von der lustigen Seite nehme ich da die Eigenheit, das der Bordcomputer steif und fest behauptet, es wären 11,8 Liter (merke: krumme Zahlen sind glaubhafter??) gewesen. Der Tankzettel beweist aber leider das erste Ergebnis. Noch eine Randbemerkung zum superhippen Xenonlicht. Mein Fahrzeug ist damit ausgestattet. Der Einsatz von ca. 1,5 großen, braunen Scheinen führt zu einer attraktiveren Optik (wovon der Fahrer aber am wenigsten hat) und zu einem Problem. Der Lichtschein, der vor dem Auto erzeugt wird, übertrifft den einer herkömmlichen Weihnachtsbaum-Kerze nur unwesentlich. Die geballte Dunkelheit vor dem Auto ist äußerst gewöhnungsbedürftig und man beginnt unwillkürlich nach der Leuchtweitenregulierung zu tasten. Mit dem Ergebnis, das man feststellen muss, das es keine weitere Stufe gibt. Zwar scheint das Licht in ausreichender Entfernung auf alles reflektierende, aber das befindet sich selten in Fahrbahnmitte, also dort, wohin der Blick gerichtet wird. Und wenn man z.B. von einer Autobahn abfährt, kommt es häufig vor, das man plötzlich ins Dunkle fährt und auch jegliche reflektierende Fahrbahnzeichnung fehlt. Mit BMW´s Xenonlicht steht man dann urplötzlich im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln.
Zugegeben: Die tendenziell negative Bewertung kommt weitgehend dadurch zustande, das ich von dem Wagen sportliche Talente erwarte, die er nicht zu bieten hat. Aber genau diese Talente verspricht BMW seinen Kunden und folglich sollte man sie erwarten dürfen. Im Grunde seines Herzens ist der 520i Touring ein geräumiger Cruiser. Wenn man ihn als solchen versteht und akzeptiert, kann er durchaus ein angenehmer Weggefährte sein. Dazu sollte man Idealerweise über die finanzielle Gelassenheit verfügen, die auch bei einem derart teuren Auto über eine oberflächliche Abstimmung hinwegsehen hilft.
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08.11.2002 19:22
Ich glaube Du hast mich vor einem Fehler bewahrt
10.09.2002 09:05
Hi Dirk, meinem Verständnis sind Bewertungen dazu da, den Bericht als solchen zu bewerten und nicht eine andere Meinung abzuwerten. Egal. Zum Thema: Wenn Du meine Berichte liest, wirst Du sehen, das mich nur der die tatsächliche Qualität eines Produkts im Verhältnis zu seinem Preis und seinem Anspruch interessiert. Daher das Ergebnis. Das ein BMW natürlich einen MB in den Schatten stellt ist schon klar, aber wer hohe Ansprüche hat, sollte sich an wirklich guten Konkurrenten messen lassen. Und auch die gibt es, wenn auch nicht unbedingt in D, Image hin oder her... (Wie schon der alte Sprite sagte: Image is nothing - Durst ist alles! ;) cya write13
10.09.2002 08:36
Hi, da ich Deine Ausführungen nicht nachvollziehen kann, gibts es diese Bewertung von mir. Ich besitze dieses Auto ebenfalls und stimme mit Dir nicht überein. Wichtig wäre für Dich einen Vergleich anzustellen mit dem direkten Konkurrenten (MB E220 T, Motor, Bremsen, Ausstattung, Sportlichkeit). Ich denke dann stimmst Du wieder der BMW Werbung (Sportlich ...) zu. Nichts für ungut, aber ein so tolles Produkt durch den Kakao zu ziehen, finde ich reichlich daneben. Dirk Kulosik