Der Milchshake-Report
15.09.2003
Pro:
Motor, Fahrwerk, Bremsen
Kontra:
Bedienung, Verarbeitung
Empfehlenswert:
Ja
 GeroMuc
Über sich:
Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit...
Mitglied seit:18.03.2001
Erfahrungsberichte:19
Vertrauende:5
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wie man bereits aus anderen Testberichter von meinereiner erfahren kann, bin ich (wenig) stolzer Besitzer eines BMW 7ers. Das schöne an diesem Fahrzeug ist, man bekommt nicht ein Auto, sondern viele. Da der Wagen laufend in der Werkstatt ist, habe ich immer wieder Gelegenheit andere Fahrzeuge als Ersatz zu testen. Es gibt bereits Leute in meinem Umfeld, die mich für einen Testfahrer der BMW AG halten…jede Woche ein anderes Auto…da ist das schon verständlich ;) Dieses mal hatte ich die Chance einen neuen BMW 5er, genauer gesagt einen 530dA mit knapp 2300 KM auf dem Tacho zu fahren. Listenpreis in der vorhandenen Ausstattung (nahezu Extra-frei) ca. 45.000 Euro.
Nun, die Dame von der Leihwagenfirma (siehe Bericht Enterprise) war selbst ein wenig aufgeregt, bei der Übergabe. „Sie dürfen jetzt dieses tolle Auto fahren“ gab sie sichtlich begeistert von sich. Also, einmal um den Wagen gelaufen um mögliche Kratzer vor der Übergabe in Augenschein zu nehmen. Nun, diese Wagenumrundung war nicht meine erste. Während der Wartezeiten beim BMW-Händler habe ich schon so manchen Meter um einen neuen 5er herum zurückgelegt. Es ist verständlich, dass sich die Geister am Design scheiden. Von vorne sieht er ja schon irgendwie schnittig aus. Aber auch etwas „böse“. Dieses Gesicht sagt „Weg da!“ auf der Autobahn „sonst gibt’s Ärger“. Was aber, wenn der Fahrer, so wie ich, eher zur Gattung der entspannten Cruiser gehört? Will ich so auftreten? An der Seite vorbei. Ja, die Leichtmetallfelgen gefallen mir. Wirken sehr sportlich, aber nicht aufdringlich. Ansonsten…hmm…eine durchgehende Kante…das ist nicht aufregend, auch nicht elegant. Weiter zur Heckansicht…tja…nein, ebenfalls nicht elegant und auch nicht aufregend. Das Heck wirkt immer noch, als hätten sie vergessen, die Tarnummantelung vom Erlkönig zu entfernen. Da hat mir ehrlich der alte besser gefallen. Der wirkte noch wie aus einem Guss…elegante, sportliche Linienführung. Aber ich muss zugeben, zumindest mutig von BMW, eines seiner Volumenmodelle so zu gestalten. Und, vielleicht brauche ich ja etwas, um mich daran zu gewöhnen. Wäre nicht das erste Auto, dass ich beim Erstkontakt abgelehnt und später doch in die Kategorie „gar nicht so schlecht“ eingeordnet hätte.
Na gut, setze ich mich mal rein. Ups, kleines Problem. Die Ausmaße der zierlichen Enterprise-Dame scheinen inkompatibel mit meinen. Ich komme nicht auf den Fahrersitz, zumindest nicht, ohne mir die Beine zu brechen und die Kniescheibe zu zertrümmern. Also mal nach den Knöpfle für die Sitzverstellung gesucht und schnell die passende Lage einstellt. Das geht schnell und ohne große Probleme. Die Anordnung der Schalter ist nicht allzu praktisch…aber man fummelt daran ja nicht jedem Morgen rum. Nun, dann mal einen Blick nach vorne werfen. Ein klares, aufgeräumtes Cockpit. Zu aufgeräumt für meinen Geschmack. Wirkt auch, als hätte man nachträglich noch schnell die beiden Anzeigen (Tacho, Drehzahlmesser) angeschraubt. Dazu das gestylte Lenkrad im T-Style. Nein, mir gefällst nicht…aber das ist ja (für andere) nicht ausschlaggebend. Insgesamt wirkt mir die vordere Front zu glatt, zu gerade. Dazu kommt noch ein silberner Streifen, der sich von links nach rechts zieht. Alu, denke ich, klopfe drauf und stelle erschreckt fest, nein, billiges Plastik. Nun ja…das Auto kostet ja auch nur knappe 90.000 alte Deutschmärker. Auch die Türverkleidung, die Griffe und Schalter für die Fensterheber sind schnittig gerade designed. Mit der lässigen Armablage auf der Fenstersäule links isses da vorbei. Ich treffe auch die Fensterheber-Knöpfe nicht immer richtig. Da kommen wir zur Bedienung. Gut, sie haben aus der Erfahrung mit dem 7er gelernt. Es gibt mehr Knöpfe, mit denen sich zumindest die wichtigsten Fahrzeugfunktionen ohne Windows-Einführungskurs steuern lassen. Aber leider: - Gibt es immer noch den Blinkerhebel und den Tempomathebel leicht versetzt auf der linken Lenkradseite. Immer noch passiert es mir, dass ich beim lässigen Übergreifen des Lenkrades den Tempomat aktiviere, anstelle zu blinken. - Der Blinker ist immer noch rein elektronisch, d.h. es gibt kein mechanisches Einrasten mehr. Dafür muss er auch zum manuellen Abschalten leicht in die Gegenrichtung gedrückt werden – nicht zuviel, sonst blinkt die andere Seite. Natürlich gibt’s auch die 3mal-Blinkautomatik für den schnellen Spurwechsel. Das ist schön. Trotzdem passiert es mir in langgezogenen Auf/Abfahrten mehrmals, dass ich beim Abschalten des rechten Blinkers, den linken aktiviere und die nach mir fahrenden Autofahrer mich wahrscheinlich für besoffen halten. - Der iDrive. Eigentlich mag ich so was ja. Wirkt extrem modern. Ich arbeite den ganzen Tag mit PCs, warum also der Aufstand? Nun ja. Trotz des modernen Aussehens, wünsche ich mir die 6 Stationstasten meines Autoradios zurück, genauso wie die paar Tasten für die Klimaanlage. Ja, BMW hat hier den Funktionsumfang deutlich eingeschränkt und das ist gut so. Jetzt muss ich nur noch ab und zu den Autobahnrastplatz anfahren um den Radiosender zu wechseln. Und, es ist ja ein klasse Zeitvetreib für die Mitfahrenden.
Wir fährt er sich denn nun? Ja, da gibt’s nichts zu meckern. Das Fahrerlebnis ist so, wie man es von einem BMW dieser Preisklasse erwartet. Sportlich und doch sehr komfortabel. Unebenheiten werden weggebügelt und dennoch bleibt der direkte Kontakt zur Strasse erhalten. Das Fahrzeug wirkt immer beherrschbar und bei den Bremsen hat man das Gefühl, als würde da wirklich irgendwo noch zusätzlich ein Anker ausgeworfen. Allerdings sollte der Beifahrer auf Milchshakes und andere farblich nicht zur Kleidung passende Getränke verzichten. Denn, die Bremsen lassen das Fahrzeug nach dem Stop ganz schon kräfig zurückschaukeln. Selbst wenn man vorsichtig und langsam an eine Ampel heranfährt, klebt Nachbars Milchschake schnell an der Frontscheibe.
Als Ausgleich dafür gibt man einfach mal Gas, sobald die Ampel grün geworden ist und nach einer zehntel-Sekunde Bedenkpause schleudert der Common-Rail-Diesel den Milchshake zurück in Beifahrers Gesicht. Der Motor des 530d ist wirklich ein Triebwerk. Leise und kraftvoll, mit einem Beschleunigungsverhalten, wie man es sonst eher kurz vorm Abheben eines Düsenjets kennt. Ein Sparkünstler ist er nicht, aber 8l/100KM sind für ein Auto mit diesen Fahrwerten nicht schlecht. Allerdings habe ich den Wagen nicht lange genug gefahren, um einen Langzeitwert zu ermitteln.
Dafür gab es auch zwei Verarbeitungsmängel, die mich an einem 45.000 Euro Fahrzeug doch irritieren. Zum einen klapperte die Windschutzscheibe, zum anderen stank die Heizung als würde Diesel ungefiltert im Innenraum verbrannt werden. Da hab ich lieber etwas gefröstelt und das Ding wieder abgeschaltet. Alles in Allem hinterlässt der 530d bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. Ein tolles Fahrgefühl, ein starker Motor, ein nahezu perfektes Fahrwerk. Dafür aber Verarbeitungs- und Qualitätsmängel, die nicht zum Premiumanspruch von BMW passen. Also…sicher ein interessantes Auto…allerdings wird es nicht mein nächstes werden!
Über die 3 Ks (Kritik, Kommentare und Krüsse..hmmm) freu ich mich! (PS: Leider gibt's das Modelljahr 2003 noch nicht)
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27.10.2003 12:39
Hi! Der Motor und die Fahreigenschaften müssen ja wirklich super sein. Auch gefällt mir der "alte" 5er viel besser als der neue, der mir viel zu japanisch aussieht. Gruß Winni
22.09.2003 22:56
sehr guter Bericht, aber irgendwie hattest du wohl ein "Montagsauto" erwischt. Tipp: Gib deinem Beifahrer nur noch wasser zu trinken....;-)
17.09.2003 14:43
Du mit Deinen negativen Erfahrungen solltest doch eigentlich keine Ansprueche mehr an BMW stellen ;o) Auf dem Foto sieht er sehr schnittig aus, würde mir gefallen. Und meine Beifahrer sollten sowieso keine Milchshakes trinken...