Erfahrungsbericht über

BMW 530d

Gesamtbewertung (40): Gesamtbewertung BMW 530d

 

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Haifisch mit Persönlichkeit

5  03.03.2006 (05.03.2006)

Pro:
guckt

Kontra:
schrammt immer irgendwo an

Empfehlenswert: Ja 

Sue_Ellen_Ewing

Über sich: Moin Moin

Mitglied seit:03.03.2006

Erfahrungsberichte:10

Vertrauende:15

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das hier wird ein emotionaler und subjektiver Bericht. Bitte erwartet von mir keine technischen Daten, die können Euch andere besser liefern. Ich könnte ja jetzt sagen, ich bin eine Frau und habe von Technik keine Ahnung. Dann werden mir alle, denen die Emanzipation am Herzen liegt, an die Gurgel springen, aber, wenn ich mal ganz ehrlich sein soll, ja, ich bin eine Frau und habe von Technik keine Ahnung. Das eine muss ja auch mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu tun haben.

Deshalb möchte ich hier einen ganz persönlichen Erfahrungsbericht über dieses Auto abgeben, der keinerlei Anspruch auf eine objektive Beurteilung stellt, sondern nur meine ureigensten Gefühle widerspiegelt. Und doch, denke ich, kann gerade das eine Entscheidungshilfe für all diejenigen sein, die so unbedarft und emotionsgesteuert an den Autokauf herangehen wie ich.

Mein Auto habe ich im Herbst 2004 gekauft, es ist das Nachfolgemodell des hier im Foto gezeigten 530d.

Ein neues Auto musste heran und zwar flott. Das Alte war hinüber, ich wohne auf dem Lande und habe zwei kleine Kinder, die hin und her gefahren werden müssen, für die eingekauft werden muss und so fort. Das Alte war ein 5er Kombi gewesen, mit dem ich sehr zufrieden gewesen war. Leider hatte mein erwachsener Sohn das Auto vor die Leitplanke gesetzt. Aber nach den positiven Erfahrungen war für mich klar, dass es wieder ein BMW sein sollte.

Er stand im Verkaufsraum und guckte mich an. Das meine ich ganz ernst, er guckte. Die schnittige Optik, die arrogant blickende Anordnung der Scheinwerfer und die Haifischflosse, unter der die Antenne versteckt ist, all das gefiel mir auf Anhieb.

Natürlich war er mir eigentlich viel zu teuer. Der eloquente Verkäufer überzeugte mich aber mit dem äußerst günstigen Angebot der BMW-Leasingbank für Firmenkunden, und da konnte ich einfach nicht mehr widerstehen. Nur, wenn schon, denn schon. Also nahm ich mir den Katalog mit, um übers Wochenende die Extras zu studieren und mir mein Traumauto zusammenzustellen. Für die Übergangszeit bis zur Lieferung, sechs bis acht Wochen, wurde mir ein ebenso günstiges Leihauto angeboten.

Die Wahl fiel schwer. Es gab so viele verlockende Extras. Schon allein aus Kostengründen musste ich mich beschränken. Trotzdem kam ein stattliches Sortiment dabei heraus.

Ich wählte mein Auto in schwarz, mit Holzpaneelen und beiger Lederausstattung. Das Resultat sieht sehr edel aus und ist auch erfreulich pflegeleicht, bis auf die schwarze Außenfarbe, die natürlich jedes Dreckchen sofort sichtbar macht. Und weil ich nicht gerne in die Waschstraße fahre, fahre ich eben immer mit einem eingesauten
Bilder von BMW 530d
BMW 530d Bild 8468302 tb
Er guckt
Auto herum. Die Lederausstattung hält sich aber, trotz zweier matschender Kinder von 5 und 6 Jahren, in den knapp anderthalb Jahren, die ich das Auto nun fahre, sehr gut. Die passenden hellen Fußmatten sind dagegen natürlich ein Fiasko.

Ein Muss war für mich das adaptive Kurvenlicht. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut. Zwar fällt es, wenn man sich daran gewöhnt hat, gar nicht mehr auf, dass die Scheinwerfer just die Gegend ausleuchten, in die man steuert und nicht nur stur geradeaus, doch weiß ich noch aus der Anfangsphase, welch eine enorme Komforterhöhung eben das auf nachtschwarzen Straßen ist. Eine schöne Spielerei, kostet auch nur 800 € extra.

Das gegen Aufpreis erhältliche Business-Navigationssystem hat sich ebenfalls bewährt. Mit unkomplizierten Hinweisen hat es mich schnell und unmissverständlich zu den abgelegensten Zielen gebracht. Es ist das beste Navigationssystem, das ich bisher genutzt habe und kann mich sogar ganz von selbst um aktuelle Staus herumlotsen.

Insgesamt kamen nun stolze 60.000 € als Kaufpreis dabei heraus.

Doch kommen wir nun zur Praxis mit dem neuen Auto. Da gab es zunächst einmal etwas, das ich bisher nicht kannte, das so genannte I-Drive. Mittels dieses überdimensionierten Knopfes bedient man das ganze Extrapaket des Autos: Navigationssystem, Radio, Klimaanlage, Telefonverbindung über Bluetooth sowie den Bordcomputer. Dieses runde Ding erschien mir zunächst als Garant für Verzweiflung.

Ja, mein neues Auto war so schön und ich war so begeistert, dass ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, die Bedienungsanleitung, die das Ausmaß eines mittleren Lexikons hat, zu studieren. Aber natürlich wurde nichts daraus. Also standen I-Drive und ich uns in nackter Purität gegenüber.

Na denn, nur nicht die Nerven verlieren, sagte ich mir. Ein ganz großer Fehler ist es, das Ding, wenn man es noch nicht kennt, während der Fahrt auszuprobieren. Dann ist die nähere Begegnung mit dem nächsten Baum eigentlich vorprogrammiert. Da hilft nichts, außer sich in Ruhe hinzusetzen und herum zu probieren.

Und trotz einiger Unpässlichkeiten und Kompliziertheiten stellt sich dann zur Erleichterung heraus, dass es eigentlich ganz einfach ist, ja sogar höchst komfortabel, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Es bietet eine Fülle von Funktionen, von lustigen Spielereien wie der Angabe des geographischen Breiten- und Längengrades sowie der Höhe ü.NN des Standortes bis hin zu sinnvollen Informationen über die aktuellen Staus im Umkreis.

Als sehr komfortabel erwies sich die eingebaute Freisprechanlage. Mit einem einzigen Knopfdruck kann ich ankommende Telefongespräche entgegennehmen und alle, die mit mir im Auto sitzen, können zuhören und mitquatschen. Natürlich sollte man darauf achten, dass keine verfänglichen Anrufe eingehen…

Nachdem nun alles einmal kurz durchprobiert war und ich zwar noch immer das Gefühl hatte, hier nie den Überblick zu finden, konnte die Fahrt endlich losgehen.

Die Fahreigenschaften sind sehr überzeugend. Er schnurrt dahin wie ein dicker Kater, für einen Diesel erfreulich leise und nicht nagelig. Die Straßenlage ist hervorragend, die Lenkung leichtgängig und das Automatikgetriebe arbeitet präzise und schnell. Außerdem ist er ganz schön flott, für einen Diesel zieht er erfreulich schnell ab. Gut, gut, letztens bin ich von einem Porsche abgehängt worden, aber mit dem wollte ich mich auch nicht ernsthaft messen.

Wenn ich auf der Autobahn mit sittlichen 130 km/h dahin gleite, verbraucht er nur 7,5 Liter. Mit seinem großen Tankinhalt von 70 Litern kann ich dann auch weit entfernte Ziele bequem erreichen, ohne lästige Tankpausen einlegen zu müssen.

Wenn es mich aber treibt und ich um die 200 fahre, verbraucht er natürlich mehr, aber noch immer nur so um die 9 Liter. Schneller als 240 bin ich mit ihm noch nicht gefahren, weil ich dann das Gefühl habe, der liebe Gott ist ausgestiegen. Meinem erwachsenen Sohn zufolge hat er aber auch schon mal 260 geschafft. Besonders am steilen Straßenaufstieg zeigt er, was er kann, die Beschleunigung bei Vollgas drückt einen fast wie im Flugzeug in den Sitz.

Meistens fahre ich aber leider nur zwischen Kindergarten, Supermarkt und zu Hause hin und her. Auf solchen Kurzstrecken, die ihm kaum Zeit zum warm werden lassen, braucht er deutlich mehr, nämlich so um die 10,5 Liter. Für ein großes, komfortables Auto finde ich das aber immer noch akzeptabel.

Sein Raumangebot ist sehr großzügig. Ich habe bisher noch nicht ausprobiert, wie viele volle Alditüten in seinen Kofferraum passen, bin aber beim Einkaufen auch noch nie an seine Grenzen gestoßen. Der umfangreichste Einkauf, den ich bisher mit ihm getätigt habe, bestand aus mehreren großen Terracottakübeln, dazu etlichen 50 l Säcken Blumenerde und zahllosen kleinen, mittleren und größeren Pflanzen. Da ich die Rückbank mit einbezogen habe, gab es kein Problem. Ich hätte auch noch mindestens einen Kübel und 4 bis 5 Pflanzen mehr kaufen können, wenn nicht meine Freundin auf dem Beifahrersitz Platz genommen hätte.

Der Kofferraum lässt sich übrigens per Fernbedienung von weitem öffnen, ich warte also, wenn ich aus dem Supermarkt komme, immer, bis ein Passant hinter dem Auto vorbeigeht, lasse dann den Kofferraum aufschnappen und freue mich über das verdutzte Gesicht. Schließen lässt er sich nicht so leicht, wenn man ihn nicht von oben zudrücken will, muss man innen zugreifen und ihn mit Schmackes zuwerfen. Die Muskulatur meines rechten Armes ist dadurch schon spürbar kräftiger geworden.

Das gute Innenraumangebot zeigt sich auch an den äußeren Dimensionen. In meine Standard-Fertiggarage passt er locker rein, wenn ich einen Schuhlöffel zu Hilfe nehme. Wenn ich weiß, dass ich ein Parkhaus ansteuern muss, wache ich schon in der Nacht davor schweißgebadet auf.

Demzufolge habe ich auch hier und da schon mal etwas angeschrammt, was natürlich sehr schade ist. Das Auto bietet eine Einparkhilfe, auf dem Display wird angezeigt, wie weit es noch bis zur Kollision ist und das Ganze mit unterschiedlichen Warntönen untermalt (so ein Frauending, meinte ein Freund). Sehr schön, nur hat es mich dazu verleitet, beim rückwärts fahren gar nicht mehr nach hinten zu schauen. Diese trügerische Sicherheit hat mich dann auch mal dazu verführt, zügig zurückzusetzen, der Warnton setzte just dann ein, als ich den Betonpfeiler schon gerammt hatte.

Überhaupt meldet das Auto ständig irgendwas. Mal ist ihm zu kalt (er meldet die Bodentemperatur, wenn sie 3° Grad erreicht), mal will er neues Scheibenwischwasser, mal ist der Beifahrer nicht angeschnallt, mal ist noch eine Türe oder der Kofferraum offen, mal möchte er, dass ich doch bitte die Handbremse löse oder er will gar, dass ich tanken fahre. Auch, dass die Bremsbeläge erneuert werden müssen, meldet er. Das habe ich natürlich sofort machen lassen, nur leider fehlte der Werkstatt das erforderliche Modul, um die Meldung des Autos abzustellen, das musste erst bestellt werden. Also meldete er nicht nur lustig weiter, er fing mit der Zeit auch an, sich geradezu über die vermeintlich abgefahrenen Bremsbeläge aufzuregen. Am Ende wollte er fast nicht mehr fahren. Inzwischen hatte die Werkstatt aber endlich das Modul, für das allein mir übrigens knappe 20 € berechnet wurden. Das fand ich nicht besonders lustig. Ersatzscheibenwischer kosten übrigens 50 €. Er ist eben nicht gerade billig…

Und noch ein weiteres Beziehungsproblem haben wir: Ich wohne in einer Mittelgebirgslandschaft, und im Winter, da schneit es. Dann stoßen wir ziemlich schnell an unsere Grenzen, denn dank des Heckantriebes kapitulieren wir vor jedem Hügelchen, wenn die Straße nicht geräumt ist. Da helfen die besten Winterreifen nichts, das Heck bricht gnadenlos aus. Leider hilft dann nur, das Auto im Tal stehenzulassen und zu Fuß weiterzugehen. Besonders freue ich mich in solchen Situationen, wenn ein alter Polo lustig und unbeschwert an mir vorbei den Berg hinaufgurrt. Eigentlich merkwürdig, das Auto kommt doch aus Bayern, und die haben doch auch Berge und Schnee, warum bauen die ein reines Sommerauto? Ich werde mich dann wohl beim nächsten Mal für X-Drive entscheiden müssen...

Und wer nun mehr wissen will und wirklich über das Auto (und meine Unzulänglichkeiten diesbezüglich) informiert werden möchte, der sollte den Bericht lesen, den mein Sohn zwischenzeitlich darüber geschrieben hat: http://www.ciao.de/BMW_530d_Limousine__Test_3064908
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
gotog84

gotog84

04.01.2007 18:36

Einfach nur TOP, ein sehr schönes bericht.

WolfgangRie

WolfgangRie

01.06.2006 17:56

selten so einen amüsanten Autobericht gelesen. Super! Gruß Wolfgang

lovepea

lovepea

11.05.2006 22:50

Der guckt ja wirklich! *lach* - super geschrieben! LG Ilka

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