Ein Schiff wird kommen..
07.02.2005
Pro:
Motor, Komfort
Kontra:
Kosten
Empfehlenswert:
Ja
 andy-essen
Über sich:
Mitglied seit:23.09.2004
Erfahrungsberichte:17
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 38 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es ist schon einige Zeit her, meine Jahre mit dem BMW635CSi, trotzdem hier noch ein Erfahrungsbericht. Ich habe meine BMW im Jahr 1996 für 4000,-DM gekauft und gut zwei Jahre später für 2600,-DM wieder verkauft. Gekauft wurde der Wagen im Februar 1982 von einer Ärztin aus Duisburg, die den Wagen bis 1995 nur 70.000km gefahren ist. Danach hat ihn ein Handelsvertreter übernommen, eine Gasanlage eingebaut und ist damit 100.000km gefahren. Danach war er kurz in der Hand eines armen Menschen, der mit dem Wagen nicht zurechtkam und das Fahrzeug nur 1 Monat später (und 2000,-DM ärmer) an den Händler zurückgab. Meine bessere Hälfte hat bei diesem BMW Händler gearbeitet und deshalb haben wir den Wagen rel. günstig bekommen. Bei einem Steuergerät war die aufgelötete Batterie alle, ein "normaler" Kunde hätte das Steuergerät für 1400,00DM austauschen müssen (wenn es denn noch lieferbar gewesen wäre!!), wir haben nur eine neue Batterie aufgelötet und konnten losfahren.
Zum Fahrzeug: Der Wagen ist ein bildschönes, zweitüriges Coupé in Goldmetallic mit brauner Velourinnenausstattung und war zum Zeitpunkt der Produktion das absolute Topmodell (vom sehr sportlichen M6 einmal abgesehen). Ausgestattet mit Servolenkung, Klimaanlage, Zentralverriegelung, Bordcomputer, Nebelleuchten, elektrischen Fensterhebern, elektrischen, beheizten Spiegeln. Das gibt es heute bereits in vielen Kleinwagen, damals war das absoluter Luxus. Mein Wagen hatte außerdem eine 3-Gang-Automatik. Motor/Fahrleistungen: Der Wagen hat einen 3,5l großen Sechszylinder mit 211PS, mit Schaltgetriebe etwa 230 km/h schnell, mit Automatik nur etwa 220km/h. Die Automatik hat nur 3 Gänge, dadurch ist die Beschleunigung erheblich langsamer als bei den Handgeschalteten Versionen. Außerdem gab es damals noch keine Wandlerüberbrückung, die Verbindung Motor/Räder ist also nicht so direkt wie bei Autos mit normaler Kupplung. Der cw-Wert ist recht hoch, deshalb ist man auf der Autobahn sicherlich nicht mehr der schnellste, aber fürs Rasen ist der Wagen heute eigentlich zu schade. Zügiges Reisen ist seine Domäne. Ein moderner TDI schafft heute vergleichbare Fahrleistungen mit deutlich wenig PS und natürlich auch erheblich geringerem Verbrauch.
Fahrkomfort: Das Fahrwerk ist sehr angenehm abgestimmt. Trotz guter Straßenlage ist es frei von Härten. Die Lenkung ist sehr zielgenau und der Wagen hat auf der Autobahn einen beruhigenden Geradeauslauf. Das Motorgeräusch ist natürlich höher als heutzutage und Windgeräusche sind ebenfalls vorhanden. Die Sitze sind noch nach alter Machart aufgebaut mit echtenm Federkern, haben trotzdem guten Seitenhalt und einen überragenden Komfort. Der Velourstoff ist nicht schweißtreibend und vorn sitzt man wirklich toll. Hinten sind nur Sitzschalen, hat man diese aber nach einigen Verrenkungen erreicht sitzt man auch ganz ok. Es sollten aber nur max. 2 Personen hinten rein, in der Mitte ist ein harter, superunbequemer Buckel. Da möchte man nicht mal 5 Minuten sitzen! Zu zweit kann man sich die breite Mittelarmlehne herunterklappen. Die Übersicht ist toll. Die fast völlig ebene Motorhaube liegt vor einem wie auf einem Präsentiertablett und nach hinten sieht man den kleinen Hartgummiheckspoiler. Parken ist also durchaus ein erfreuliches Vergnügen. Die Scheiben sind ausreichend groß, die Dachsäulen schmal und die Rundumsicht ist sehr gut. Leider ist die B-Säule nicht zu versenken und die hinteren Seitenscheiben gehen nur zur Hälfte auf.
Der Kofferraum fast gigantische 640l, mit meinem im Kofferraum verbauten 70l Gastank blieben bestimmt noch über 400 übrig. Der Tank ist 70l groß und liegt neben dem vollwertigen Reserverad unter dem Kofferraumboden. Betriebskosten: Das ist das unerfreuliche Kapitel an diesem Wagen. Die Steuer ist happig, ohen Kat habe ich damals schon 1400,-Dm bezahlöt, seit der neuesten Reform sind es jetzt sicherlich noch einmal mehr. Will man den Wagen länger fahren, sollte man über die Nachrüstung eines Katalysators nachsdenken. Die Versicherung ist ebenfalls heftig, ich habe in der TK Typklasse 35 bezahlen müssen. Der Benzinverbrauch lag bei Benzinbetrieb nie unter 12 l (Autobahn 120km/h), im Durchschnitt kam ich im Gasbetrieb auf 15-16l/100km. Die Bremse ist ebenfalls nicht so haltbar wie heute. Alle 15.000km neue Klötze (vorn und Hinten!), alle 30.000 km neue Scheiben. Das war ein Luxuscoupe mit Scheiben rundum, vorn sogar innenbelüftet. Die gibt es nicht zum Discountpreis! Die Reifen halten auch nur 25.000km. Hier muß man beachten, daß diese Größe heute nicht mehr üblich ist, sind also teurer als heute gängige Größen. Die optional erhältlichen TRX (?) Räder solte man meiden, die Reifen müssen in Gold aufgewogen werden. Das waren speziell entwickelte Reifen mit besonderen Notlaufeigenschaften. Alle 7.500km signalisierte die Serviceintervallanzeige Bedarf für einen Werkstattbesuch, immer im Wechsel Ölservice und Inspektion.
Reparaturen: Das würde den Rahmen sprengen, aber ein altes Auto ist immer ein guten Zeitvertreib! Erstens die Elektronik: Der 6er war Technologieträger. Die neu entwickelte Check-control zeigte manchmal Unsinn an (z.B. zu wenig Wischwasser weil der Kontakt korrodiert war). Oder ein defektes Anlasserrelais. Da denkt man der Anlasser ist defekt, baut für viel Geld einen neuen ein und der Fehler existiert weiter. Oder leere Batterien auf irgendwelchen Steurgeräten, die man nicht mehr kaufen kann (siehe Einleitung) Rost, Rost, Rost! Die bis 1979 bei Karmann gebauten Exemplare waren wahre Rostwunder, die nach Modellwechsel bei BMW gebauten waren besser, aber bei weitem nicht perfekt. Erkennen könnt ihr die Modelle an den bis zum Radausschnitt verlängerten Stoßstangen. BMW hat dann später noch einen Modellwechsel gemacht, u.a. die Automatik auf vier Gänge umgerüstet und einen Kat eingebaut. Ich mußte bei meinem Wagen diverse Löcher im Fußraum beseitigen lassen und zwei neue Schweller einbauen. Wie gesagt, mein Mann war bei BMW...da gab es diese Reparaturen dann zum Freundschaftspreis ;-)
Bei 180.000 habe ich auf der Autobahn meinen Motor zerstört, Gas und Benzin gleichzeitig sind nicht gesund und Zylinder 5 war danach 3 mm schmaler als die anderen... Der AT Motor hat 6000,- DM gekostet, 6 neue Einspritzventile noch einmal 1200,- Insgesamt habe ich den Wagen knappe 100.000km gefahren. Zur Gasanlage: Ein Traum, Treibstoff gab es in Holland für 0,50DM pro Liter und ich habe nur 2km von der Grenze entfernt gewohnt. In Deutschland kostet er etwa das doppelte. Der Tank faßte etwa 70l, damit kommt man ca 500km weit..bei max 120km/h...man kann aber auch 20l/100km verbrauchen ;-) Die Gasanlage hat ca 3000,-DM gekostet, macht sich bei hohen Fahrleistungen schnell bezahlt. Dafür kann man einmal jährlich den Luftmengenmesser austauschen. Gas wird nämlich nach dem Luftfilter mit der angesaugten Luft gemischt und dann angesaugt. Die Einspritzventile sollten dann natürlich trocken bleiben (sonst wird es teurer, s.o.) Geht man bei heißem Motor nun vom Gas kommt es zu einem Rückstau und das Gemisch kann verpuffen...das mag die Klappe vom Mengenmesser nicht und verbiegt sich...Ist aber wohl typisch für alte Gasanlagen bei Einspritzern, unser VW Bus mit Einspritzmotor benötigte auch regelmäßig einen neuen Mengenmesser. Außerdem sollte der Verdampfer im Primär-Kühlwasserkreislauf eingebaut sein, sonst friert das Kühlwasser ein und der Motor überhitzt (Ist einem Freund passiert)
Zur Klimaanlage: Sollte auch im Winter regelmäßig benutzt werdn sonst werden die Gummidichtungen porös und das Kühlmittel entweicht. Da es das (inzwischen verbotene) Ozonkillermittelchen war hätte der Wagen auf das heute übliche Umgerüstet werden müssen. Also neue Dichtungen, neuer Kompresser usw. Das ist richtig teuer! Insgesamt habe ich für den Wagen nur für Wartung und Reparaturen ca 450,- DM pro Monat aufwenden müssen.
Blechteile müssen heute in Gold aufgewogen werden, Zierteile und Teile der Innenausstattung sind teilweise nicht mehr liefenbar (Meine Armlehne auf der Beifahrerseite war aufgequollen, konnte aber nicht ausgetauscht werden weil in braun nicht mehr lieferbar). Die Technik stammt überwiegend vom 5er BMW, ist also relativ günstig zu haben. Fazit: Ein echter GT, zügiges Kilometerfressen auf der Autobahn oder gemütliches Cruisen sind seine Domäne, wenn man es sich leisten kann (und will). Jetzt schnell zugreifen, der Wagen ist schon auf dem Weg ein echter Klassiker zu werden und man sieht ihn nur noch selten auf deutschen Straßen.
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18.02.2008 04:05
ein coupe, in das der bulle von toelz reinpasst und ihn zuegig von a anch b bewegen kann, muss einfach gut sein !
08.02.2005 18:48
Sehr informativer Bericht zu einem Traumauto
08.02.2005 15:21
Schöner Bericht zu einem schönen Auto. Es schadet aber anscheinend nicht, mit dem Schraubenschlüssel in der Hand geboren zu sein ;-) Gruß Thomas