Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
superruhig, fett auf der Strasse, eine neue Dimension der Oberklasse |
| Kontra: |
bissgen viel Sprit, offensichtlich anfällige Software |
Arbeitgeberspur, Blinker gesetzt, Lichthupe – so kennt man die Fahrer der 3er und 5er BMWs, vor allem letztere werden überproportional häufig von Spinnern sträflich dämlichen Zuschnitts bewegt.
Der 7er bildet hier eine traditionelle Ausnahme – wer hier drin sitzt, hat es eh geschafft und lässt die hektischen Jobs von anderen Leuten machen.
Mit dem Erscheinen des aktuellen Modells kam aber zumindest mal wieder Hektik an der Front der Neider und Besserwisser auf, die quasi schon mal die den Untergang des Abendlandes spürten, weil mal jemand einen mutig designten Wagen auf den Deutschen Markt bringt.
Ähnliche Aufruhr gab es damals schon 1991, als der W140, der riesengroße S-Klasse-Panzer von Mercedes auf den Markt kam. 90% der Leute, die über diesen Wagen lästern, werden nie in einem fahren, geschweige denn sich selbst einen leisten können oder wollen – da frage ich mich dann manchmal schon, woher 100e von Leserbriefen in der Auto, Motor und Sport eigentlich kommen....
Egal.
Ich hatte den Wagen nun für ein Business-Rollout in mehreren europäischen Ländern unter meinem Hintern – 16 Tage lang – und muss sagen, dass ich alles in allem extrem positiv überrascht war, was den Wagen als solchen angeht.
Das Heck finde ich auch grottenhässlich, darüber muss man, glaube ich, nicht viele Worte verlieren. Es wirkt aufgesetzt, unfertig und entspricht nicht der Dynamik, die man vom Design eines BMW erwartet. Gemessen am A8 oder der S-Klasse, mit der wir diese Touren sonst unternehmen, wirkt der 7er dadurch schon auf den ersten Blick unnötig teuer. Deutlich unangenehmer, als dies beispielsweise im Falle des ebenfalls leicht überproportionierten 140er Mercedes der S-Klasse war.
Das ist schon deshalb so total überflüssig, weil der Vorgänger wirklich extrem hübsch, gefällig und eher dezent wirkte – den konnte man überall mit hinnehmen, ohne sich zu schämen. Speziell jedoch bei unseren Auftritten in Italien kam ich mir ganz und gar wie der Typ „protziger Wessi“ vor, obwohl wir wirklich nur mit diesen großen Karossen fahren, weil wir wirklich extrem viel und schnell fahren und man tatsächlich entspannter ankommt in diesen Kisten.
In Italien, auf engeren Strassen, kommt man dann auch schnell dahinter, was das Wort UNÜBERSICHTLICH wirklich bedeutet – der aktuelle 7er ist es jedenfalls – und zwar in alle Richtungen, selbst nach links, wenn man so will, da die tief im Auto gelagerte Sitzposition sogar die Übersicht nach links behindert. Zwischen wenig glatten Mauern aus Naturstein herzufahren ist daher mit einem solchen Wagen ein absoluter Alptraum.
Das gilt für den Wagen ansonsten wirklich nicht – im Gegenteil: Ich kann mich nicht erinnern, je ein handlicheres Auto dieser Größe bewegt zu haben, ein absoluter Traum an leichtfüssigkeit, Geradeauslauf, Ansprechverhalten - einfach wundervoll.
Und zwar nicht nur wundervoll, weil es sich hier nun mal um ein Oberklasseauto handelt, von dem man das ja für bald 6stellige Euro-Summen verlangen kann, sondern auch gemessen an allem, was sonst in dieser Klasse geboten wird, ist der 7er ganz weit vorn. Der 7er fährt sich nicht eine Sekunde träger als ein 3er oder 5er – im Gegenteil: Speziell in engen Kurven, etwa an Pässen, die ich in der Schweiz und Österreich mit dem 7er unter die Räder nehmen durfte, mach der Wagen den Eindruck eines riesenhaften GoCarts. Hier kann in dieser Klasse ansatzweise nur noch der 8er von Audi mithalten, der dies jedoch mit ein wenig zu hartem Fahrwerk erkauft. Fairer Weise muss man natürlich sagen, dass der A8 auch schon seit 1994 auf dem Markt ist.
Dennoch: Auch das neue Modell wird sich hier warm anziehen müssen, um mithalten zu könne. Auch die S-Klasse ist zwar sensationell supergut gefedert, jedoch auch wiederum nicht so ausgewogen wie der 7er von BMW – zumal: der Mercedes ist nicht ganz so dynamisch, regt auch nicht so sehr dazu an, den Wagen in der Art zu bewegen, wie der BMW das tut.
Das ist zwar im Prinzip eine Binsenweisheit, ist mit dem aktuellen 7er im Wesentlichen auch nur deshalb so erstaunlich, weil man dem Wagen aufgrund seiner hecklastigen Klobigkeit diese Art der Fortbewegung, diese Lässigkeit einfach nicht recht zutrauen will – man merkt dann aber schnell, dass bei diesem Wagen einfach alles am Leib sitzt und passt.
I-Drive .... da haben sich ja nun mal schon die meisten Berufenen und ein paar weitere alle Mühe gegeben, kein gutes Haar dran zu lassen. Kann ich ehrlichgesagt nicht sooo sehr teilen – mit einer Ausnahme: das Ding hat zwei Ausfälle gehabt, von denen der eine mich echt sauer gemacht hat, weil ich keinerlei Audio-Funktionen mehr nutzen konnte.
Bizarr: der autorisierte BMW-Händler repariert da nix, sondern spielt ein UPDATE ein – da kommt man sich ein bisschen vor, wie an der Windows-Hotline...
Leider hielt das Update nur einen Tag, dann war das Ding wieder Platt und zeigte rein gar nichts mehr. Das ist natürlich für einen Wagen mit 8000 Kilometern auf dem Tacho jenseits von peinlich – aber scheinbar nichts ungewöhnliches – schließlich handelt es sich hier genauso um Software, wie eben beim neuesten Office oder dem nächsten Windows-Typ – Software heutiger Komplexität hat nun einmal Fehler. Nur: Ich habe noch nie Software für diesen Preis erworben.
Ansonsten ist I-Drive nicht besser oder schlechter als irgendein anderes Bediensystem – man muss sich nur dran Gewöhnen – das dauert etwa 3 Tage – solange dauert es aber auch, von einem X-beliebigen Wagen auf einem Mercedes mit Fußfeststellbremse und nur einem Bedienhebel oder auf einen Audi mit Lichtschalter am Lenkrad und Automatikhebel zum runterdrücken umzusteigen.
Warum also der ganze Heckmeck um dieses System?
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht....
Alles neue ist pauschal verdächtig...
Man muss mal einen Blick in die Anleitung werfen...
Unterm Strich jedoch bleibt aus meiner Sicht nicht viel von der Kritik übrig – es ist einfach eine Art von Bedienung – andere Autos haben eine andere.
Nur: Am Anfang muss man sich ungewöhnlich drauf konzentrieren und hat ein bisschen viel mit dem Sichtkontakt zu tun.
Der tiefere Sinn mag sich für den Aufwand daher unterm Strich nicht immer ganz erschließen – ein „reduce to the max“ wäre hier sicherlich sinnvoller gewesen, eine Überprüfung, ob man nicht auf intelligentere Wege zur Reduktion der Tasten finden als ein nearly-all-in-one.
Dem absoluten Fahrvergnügen des BMW tut dies indes keinen Abbruch – der Wagen macht Spass, wie kein Oberklasseauto vor ihm – und ich bin nicht gerade ein eingeschworener Fan der Marke. Eines aber kann der alte 7er um Längen besser: Unter 14 Litern geht beim neuen 7er nicht viel - das ist nicht zeitgemäß, zumal wir auf der Tour nicht gerade gerast sind.
auf weiteres reicht mir jedoch erst mal der alte 7er
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