BMW K 75 RT deutsche Wertarbeit
23.02.2010
Pro:
zuverlässiger Tourer mit langlebigen Motor, genügsam im Verbrauch und Unterhaltung
Kontra:
hakeliges Getriebe und etwas lahmer Motor
Empfehlenswert:
Ja
 RoWi46
Über sich:
Mitglied seit:22.02.2010
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo, heute möchte ich meinen Erfahrungsbericht (ersten überhaupt) über die K 75 RT schreiben. Meine Zweiradkarriere begann wie bei den meisten mit dem Roller und dem Fahrrad als kleiner Steppke. Mit fünfzehn Jahren kaufte ich mein erstes Mofa eine Herkules M5, dann eine Kreidler Flory Dreigang und eine Peugeot TSA. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem Kreidler Kleinkraftrad einer Florett RS, machte ich dann mit achtzehn den 1er und 3er Führerschein. Aus Kostengründen fuhr ich erst einmal zwei Jahre nur ein Auto und kaufte mir dann eine Yamaha 250 IT 2-Takter Motocross Maschine. Die war nichts für den Alltag und ich war eigentlich ganz froh als sie mir, an einen Kumpel ausgeliehen, dann geklaut wurde. Im Anschluss kaufte ich eine neue Yamaha 600 Ténéré, vom Fahrwerk viel zu schwammig und nach zwei Jahren einem Kolbenfresser und Getriebeschaden gab ich sie dann für eine neue BMW R 100 GS Paris Dakar in Zahlung. Die BMW fuhr ich über vier Jahre und verkaufte sie dann, weil ich des Motorradfahrens überdrüssig wurde. Die Abstinenz dauerte gerade ein dreiviertel Jahr als mir über einen Bekannten eine Honda NX 650 Dominator angeboten wurde. Sie war erst ein halbes Jahr alt, hatte 3000 km auf dem Tacho, sah aus wie aus der Schachtel und kostete unschlagbare 5500 DM. Diese Maschine fuhr ich dann sechzehn Jahre. Nach der etwas ausschweifenden Einleitung möchte ich nun zu meiner K 75 RT kommen. Der Umbau unseres Hauses war ziemlich abgeschlossen und wir hatten wieder mehr Zeit (und Geld) zum Motorradfahren. Die Honda aber, ein wirklich gutes Motorrad, war nicht gerade tourenfreundlich und schon gar nicht mit Sozia. Im Oktober 2008 las ich durch Zufall in unserer hiesigen Tageszeitung eine Annonce mit Bild zum Verkauf einer K 75 RT. Die Farbe war rot, Baujahr 92, neunzehntausend km aus zweiter Hand für 3500 Euro. Ich hatte nicht wirklich vor mir ein anderes Motorrad zu kaufen, ich war ja eigentlich mit meiner in die Jahre gekommenen Honda ganz zufrieden. Und so machte ich mich an einem Feiertag mit meiner Frau auf den Weg mir die K 75 ganz unbefangen und ohne Not anzuschauen. Nach einer Probefahrt war ich hin und weg von der Maschine, noch einmal 300 Euro herunter gehandelt und sie war mein. Montags nahm ich mir Urlaub, holte die Maschine ab, fuhr zur Zulassung und meldete sie um.
Die Optik Im Vergleich zu meiner Dominator ist das Erscheinungsbild der K 75 RT schon imposant, die große Verkleidung, die Koffer und mit 258 kg auch noch 60 kg schwerer. Die Optik ist kantig aber nicht hässlich und man sieht ihr an, dass wenn man sie damals fahren wollte, auch eine Menge Geld über den Tresen des BMW-Händler wandern musste. Der äußere Zustand meiner K 75 RT muss ich doch als sehr wertig bezeichnen. Es befand sich kein Rost irgendwo an der Maschine und der Auspuff aus Edelstahl war auch top. Einzig links und rechts an den Spiegelenden befanden sich ein paar Lackmacken, weil es in der Garage des Vorbesitzers eng zuging, einige wenige Steinschlagspuren an der Verkleidung, das war’s. Nach einer Politur sah der Lack wieder fast wie neu aus, Kompliment an BMW. Die erste Sitzprobe Die Maschine stand auf dem Seitenständer und ich konnte mit meinen 175 cm Köpergröße den Sattel ganz easy erklimmen. Die Sitzhöhe beträgt 81 cm und lässt sich nicht verstellen, es gab aber wahlweise eine niedrigere Sitzbank von 76 cm. Für mich ist die Sitzhöhe in Ordnung ich komme mit beiden Füßen sicher auf den Boden und muss nicht hin und her tänzeln. Der Sitz ist bequem und neigt auch nicht zum durchsitzen wie bei meiner alten R 100 GS. Die Sitzhaltung ist aufrecht und ziemlich entspannt, nur stoße ich manchmal mit meinen Knien an die Verkleidung. Bei größeren Fahrern vielleicht ein Problem. Kupplungs- und Bremshebel sind gut zu erreichen, wobei sich der Kupplungshebel etwas schwer ziehen lässt. Besonderheit, der Seitenständer lässt sich über den Kupplungshebel einklappen ein versehendliches Wegfahren mit ausgeklappten Seitenständer wird somit beim Einlegen vom ersten Gang unterbunden (kennt noch nicht jeder Tüv-Ingenieur, bei anderen Motorrädern wird bei ausgeklappten Seitenständer die Zündung unterbrochen wenn der erste Gang eingelegt wird).
Bedienung: Die Bedienelemente an den Griffen sind Bmw-typisch umständlich. Während andere Hersteller für die Blinkerbetätigung einen Schalter brauchen, benötigt der BMW-Fahrer drei. Blinker links, linker Griff - Blinker rechts, rechter Griff und Blinker ausschalten separater Schalter am rechten Griff. Fortschrittlich, automatische Blinkerrückstellung bei 10 Sekunden über 50 km/h oder 210 Meter Fahrstrecke. Die Rückspiegel sind fest montiert wie beim Auto und werden durch einfaches Spiegeleinstellen im Spiegelgehäuse verstellt. Die Rücksicht ist gut. Die Armaturen verfügen über einen Tachometer mit Kilometer- und Tageskilometeranzeige, Drehzahlmesser, Ganganzeige, Tankanzeige (die bei weniger als 5 Liter leuchtet), diversen Lämpchen wie sie üblich bei Motorrädern sind und einer digitalen Uhr. Bei einigen K 75-Armaturen wurde beobachtet, dass sie mit der Zeit anlaufen. Bei meinen habe ich das auch einmal erlebt, nachdem sie abgetrocknet waren aber nicht mehr.
Des Weiteren verfügt meine RT über einen Zigarettenanzünder, eine Motortemperaturanzeige sowie zwei 12 Volt Bordsteckdosen. Die Steckdose über dem Motor ist praktisch wenn man mit dem passenden Ladegerät und Adapter die Batterie ohne auszubauen laden will. Der Zündschlüssel passt bei mir in allen Schlössern: Zündung, Lenkradschloss, Staufächer in der Verkleidung, Sitzbank und Koffer. Das Lenkradschloss ist an der Gabelseite angebracht. Ich muss um abzusperren mit verrenkter Hand zwischen die Verkleidung greifen um es zu erreichen. Ging bei meiner Dominator über das Zündschloss. Entnehme ich den Schlüssel aus der Zündung um eines der Verkleidungsstaufächer aufzuschließen muss ich den Schlüssel erst drehen Zündschloss Schlüsselbart oben, Staufach Schlüsselbart unten (was ich immer vergesse).
Der Motor: Was mir gleich auffiel, im Vergleich zu meiner Honda die nach mehr als drei Tagen Standzeit schlecht anspringt, ist das Startverhalten. Egal wie kalt oder wie lang die K 75 gestanden hat, Choke in zwei Stufen einstellbar gezogen, Anlasserknopf gedrückt und schon startet die K ohne murren. Der Motor entwickelt sofort seinen unverwechselbaren turbinen-staubsauger-artigen Sound für den die K 75 ja bekannt ist. Der Motor wurde aus dem Baukastensystem der K 100 heraus um einen Zylinder gekürzt und leistet 75 PS bei 740 cm³ und einem Drehmoment von 68 Nm. Vibrationen sind diesem Aggregat dank einer Ausgleichswelle fremd und der Motor gehört mit zu den besten was es zu seiner und heutiger Zeit gibt. Laufleistungen über 100000 km sind kein Problem und es soll Maschinen geben die schon 400000 km gelaufen sind. Die K 75 wurde ab 1985 gebaut wobei die RT ab 1989 angeboten wurde. Ab 1992 wurden an der RT eine verstellbare Scheibe und Dreispeichenfelgen verbaut. 1996 wurden die letzen K 75 hergestellt und die Produktion der einzigen BMW Dreizylindermodelle lief aus. Die RT war das meistverkaufte Modell der K 75-Reihe und war wegen seiner Zuverlässigkeit auch weit als Behördenfahrzeug verbreitet (auch im Ausland). Das Getriebe: BMW hat es bis heute noch nicht geschafft ein lautloses und sauber zu schaltendes Getriebe zu bauen. So ist auch mit dem Fünfganggetriebe der K 75. Der Schaltweg ist etwas zu lang und mir passiert es immer noch, dass ich mich ab und an verschalte. Ich befinde mich dann in einem Zwischenleerlauf, um wieder in den richtigen Gang zu finden ist es am besten, wenn ich rechts ranfahre und im Stillstand wieder in die Gänge komme. Während der Fahrt getan kracht es nämlich so laut, dass man das Gefühl hat das Getriebe fliegt auseinander.
Das Fahrwerk: Das Fahrwerk der K 75 RT ist gutmütig und verzeiht auch kleine Fehler solange die Profiltiefe und der Luftdruck stimmen. Mein Moped hatte die Metzeler ME 33 Laser aufgezogen, wobei der Vorderreifen ziemlich fertig war. Ich war richtig erschrocken wie die K jeder Rille nachlief oder beim Überfahren von Fahrbahnmarkierungen hatte ich das Gefühl mich jederzeit abzulegen. Nachdem ich auf Bridgestone BT 45 wechselte glaubte ich ein neues Motorrad zu fahren. Bei sehr flotter Fahrt auf schlechten Straßen stößt das Fahrwerk aber an seine Grenzen (ist ja auch kein Supersportler). Ansonsten kann man mit der K 75 zügig dem Charakter der Maschine entsprechend unterwegs sein. Fahrleistungen: Die K 75 RT ist mit ihren 75 PS keine Höllenmaschine und hat mit ihrer Statur und dem Gewicht auch einiges zu schleppen. Besonders im Zweimannbetrieb ist der Motor doch etwas zäh und man sollte es sich doch gut überlegen wann man überholen will. In der heutigen Zeit wo der Verkehr etwas schneller geworden ist, die meisten Kleinwagen schon an die 100 PS haben, ist auf der Landstraße bei einem vorausfahrenden Auto mit 100/110 km/h der Weg zum Überholen schon etwas lang.
Die Verkleidung: Der Windschutz ist gut und bei Regen wird man ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h außer an den Armen kaum noch nass. Beim Windschild muss ich bemängeln, dass mir der Fahrtwind genau auf das Visier vom Helm geleitet wird und es ziemlich Laut wird. Eine höhere Scheibe von MRA könnte da Abhilfe schaffen. Nachteil, könnte eventl. nicht mehr über die selbige sehen, was bei Nässe und Dunkelheit nicht so schön wäre. Ich überlege noch, oder hat schon jemand mit dieser Scheibe Erfahrungen gesammelt? In der Verkleidung befinden sich noch zwei praktische, abschließbare Handschuhfächer in dem das eine oder andere untergebracht werden kann. Sonstiges: Der Scheinwerfer leuchtet nachts die Straßen relativ gut aus. Eine Warnblinkanlage und Heizbare Griffe befinden sich ebenfalls an meiner Maschine. Die Griffheizung ist zweistufig funktioniert gut, saugt aber eine Schwache Batterie schnell leer. Überhaupt bei schwacher Batterie streikt das ABS das durch ein nervendes Blinken angezeigt wird. Um dieses Blinken wieder los zu werden muss die Batterie geladen und der Fehlerspeicher ausgelesen werden. Das Auslesen des Fehlerspeichers ist keine große Sache und wird in diversen Foren beschrieben. Unter der abschließbaren Sitzbank befinden sich das gute und umfangreiche Werkzeug mit Reifenreparaturkid und ein zusätzliches kleines Staufach im Heckbürzel. Die beiden Koffer passen sich harmonisch an die Maschine an und ich fahre nie ohne sie. Um die Reifen zu wechseln ist der serienmäßige Hauptständer von Vorteil. Das Aufbocken der Maschine auf diesen ist eigentlich gar nicht so schwer wenn man es richtig macht. Linke Hand an den Lenker, recht Hand an den ausklappbaren Griff an der Seite, den Ständer mit dem Fuß auf den Tritthebel auf den Boden ablassen und beherzt mit ganzem Körpergewicht nach unten drücken und die Maschine hoch zeihen. Zum wechseln des Hinterrades muss zuerst der Kennzeichenhalter etwas umständlich abgebaut werden um das Rad rausziehen zu können. Dafür lässt sich das Rad aber wie an einem Auto einfach wechseln. Schrauben lösen und abheben.
Touren fahren: Die K 75 RT ist platzmäßig sehr gut ausgestattet. In die Koffer passen jeweils 35 Liter rein, mit Tankrucksack und einer Gepäckrolle kann man das Nötigste mitnehmen. Die Sozia sitzt bequem und wer will kann sich noch ein passendes Topcase besorgen. Der Tank fasst 21 Liter und bei einem Verbrauch von 4,5-6 Litern Super Benzin hat sie eine Reichweite von über 300 km bevor das Reservelämpchen leuchtet. Mit dem wartungsarmen Kardanantrieb entfällt sogar das lästige schmieren, spannen und ersetzen der Kette. Fazit: Die K 75 RT ist ein zuverlässiges absolut alltagstaugliches Motorrad. Sie hat kleine Macken und Kanten aber nichts Ernstes. Sie ist im Unterhalt, beim Verbrauch und Versicherung günstig und wer etwas schrauben kann und nicht immer in die Werkstatt muss (teuer), wird mit ihr günstig sein Hobby fahren können. Wer lange Touren zu zweit machen möchte (was auch möglich ist), der sollte sich vielleicht nach einer stärkeren Maschine wie z.B. K 100/K1100 umsehen. Da einige moderne Tourer heutzutage schon über 150 PS haben, werden aber auch diese, manchen Fahrern mit der Zeit zu lahm sein. Ich bin mit meiner K 75 zufrieden werde sie auch weiter fahren und empfehlen, schiele aber auch ab und zu nach den stärkeren Maschinen.
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25.02.2010 10:28
guter Einstand! LG Michael
24.02.2010 12:56
Das Supersportler was mit schlechten Straßen anfangen können ist mir zwar neu aber ansonsten ist Dein Erstbericht sehr gut gelungen. Immerhin enthält er mehr als ausreichend Informationen und ist auch sprachlich und formell gelungen. Das Du sogar noch Kritikfähigkeit demonstrierst macht den Bericht Sehr Hilfreich. Gerne weiter so... LG, Bernd
24.02.2010 08:05
Ein wirklich guter Erstbericht.