Der bajuwarische Mr. Hyde
04.06.2003 (11.06.2003)
Pro:
Motor, Fahrwerk, Design = Fahrspaß
Kontra:
Motorqualität, Elektronikprobleme
Empfehlenswert:
Ja
 RawSushi
Über sich:
Mitglied seit:11.06.2002
Erfahrungsberichte:2
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
EINFÜHRUNG Das M3 Cabrio ist ein Auto, das zwei Seelen in seiner Brust trägt. Zum einen das Cabrio, das zum relaxten Cruisen in der frischen Frühlingssonne oder am lauen Sommerabend einlädt – Dr. Jekyll, zum anderen ein wirklich bestialischer Sportwagen – Mr. Hyde.
Inzwischen bin ich den Wagen über 15 Monate gefahren und habe beide Seiten seiner Seele ausgiebig kennen und schätzen gelernt. Für Fahrzeugdaten bitte ich, die BMW-Website zu bemühen.
DESIGN Wenn ich mich dem Wagen nähere, grinst mich das breite Haifischmaul an: Na, wen wollen wir heute fressen? Den normalen BMW 3er (E46) finde ich etwas langweilig, der M3 mit der aggressiven Front, den breiteren Kotflügeln und dem markanten Auspuffquartett ist zwar nicht so dezent wie sein Vorgängermodell, aber stets stillvoll und sportlich. Das Heck ist etwas niedriger als beim M3 Coupe, dadurch wirkt das Cabrio hinten harmonischer proportioniert und insgesamt kompakter.
Als Farbe würde ich auf jeden Fall die M-Farbe Carbonschwarz empfehlen: Das Schwarz hat einen Blauschimmer, der den Wagen edel glänzen lässt. Außerdem wirkt die Front mit den großen Lufteinlässen weniger brutal. Die kraftvoll-filigranen Felgen mit der Mischbereifung der Breite 225mm vorne und 255mm hinten lassen den Wagen satt auf Straße stehen. Das dreifach gefütterte Stoffverdeck ist mit der Heckscheibe aus Glas nahezu perfekt: Binnen 15 Sekunden öffnet oder schließt es vollautomatisch und ermöglicht geschlossen selbst jenseits von 200 km/h Gespräche mit dem Beifahrer, ohne zu schreien. Wer den Wagen nicht im Winter draußen parken muss, braucht auch kein Hardtop, das mit gut € 2.000 zu Buche schlägt.
Beim Offenfahren ist das Windschott zwar zweckmäßig ab 100 - 120 km/h, doch es gibt dem ganzen die Optik eines Affenkäfigs. Warum kauft man außerdem ein Cabrio? RICHTIG! Damit Wind und Sonne hereinkommen! Also weg damit! INNENRAUM
Der Innenraum ist in der klassischen BMW-Optik gehalten mit sehr dezenten Änderungen. Am auffälligsten ist das serienmäßige Sportlenkrad, das die Dicke einer mittleren Salami hat. Die Salami liegt auch noch saugut in der Hand. Fast bekommt man Appetit reinzubeißen, mjam! Die Ausstattung ist serienmäßig schon recht umfangreich, lediglich Bi-Xenon-Scheinwerfer, CD-Wechsler sowie bei Vielfahrern Navigationssystem und Telefon(vorbereitung) sind sinnvolle Extras mit hohem Nutzwert.
Vier Personen passen problemlos in den Wagen. Die Sportsitze sind serienmäßig mit Leder bezogen und vorne mit Sitzheizung ausgestattet. Heizung und Sitzheizung feuern so wirkungsvoll, daß man unter 10°C immer noch mit offenem Verdeck fahren könnte - wenn die Freundin nicht so eine Frostbeule wäre. Das Navigationssystem wählt zum Teil unsinnige Wege, die Ortkundige nicht fahren würden. Trotzdem ist es aufgrund der dynamischen Navigation sehr hilfreich, um aktuelle Baustellen und Staus rechtzeitig zu umfahren.
MOTOR Der Motorraum ist vollgepackt, so dass man die 343 Bestien kaum zu Gesicht bekommt. Aber man hört sie umso deutlicher, sobald man den Motor anlässt:
Der Hund der Nachbarin zieht verschüchtert den Schwanz ein, das tiefe Brummen lässt bereits im Stand erahnen, was nun kommen wird. Im kalten Zustand reagiert der Motor noch spröde und nervös. Die verlöschenden Lichter im Drehzahlmesser zeigen an, wie warm der Motor ist. Nach 5 Minuten und ebenso vielen Kilometern ist die Freigabe bis zur Abregelgrenze bei 8000 U/min erteilt. Wer sein Auto liebt und keinen frühzeitigen Motorschaden provozieren will, sollte auf die Öltemperatur achten. Es dauert ungefähr doppelt solange, bis die Öltemperatur ca. 90°C erreicht. Das M3 Cabrio kann man zunächst sehr zivilisiert bewegen - bis etwa 3000 U/min hört man lediglich ein entferntes Grollen. Doch dieses gemeine Verlangen, auf’s Gaspedal zu drücken – UUUUAAAHHHHH – erst fängt eine Horde von Höllenhunden an, ab 4.000 U/min zu bellen, dann geht es in Brüllen und Tosen über. Dies passiert in wenigen Sekunden. Der Drehzahlmesser geht auf 6.000, 7.000 bis knapp über 8.000 U/min. Im zweiten Gang werden 100 km/h erreicht. Kurz danach in den dritten. Heiße und kalte Schauer ziehen abwechselnd über meinen Rücken. Wie elastisch der Wagen ab mittleren Drehzahlen hochzieht, ist schierer Wahnsinn! Gib mir mehr davon, Hyde!
Mit seinen engen Abstufungen ist das manuelle Getriebe optimal auf den Motor abgestimmt. Es schaltet sich knackig mit kurzen Schaltwegen. Die als Extra angebotene Formel 1-Lenkradschaltung namens SMG vermisst man nicht wirklich. Ein ganz unscheinbarer Schalter mit der Aufschrift "Sport" ist unter der Klimasteuerung angebracht. Man sollte ihn eher mit oder "Sucht" beschriften, denn nach Drücken erscheint unmittelbar Mr. Hyde. Der Motor nimmt jetzt noch giftiger den Druck des Gasfußes an.
Erstaunlich bei dieser Leistung: Je nach Fahrstil kann man den Wagen mit 11-12 Litern Super plus oder auch mit 15 Litern und mehr bewegen. FAHRWERK
Der Wagen ist selbst in kniffligen Kurven kaum aus der Ruhe zu bringen und erlaubt hohe Querbeschleunigungen. Mit Hilfe elektronischer Helfer werden die 343 PS sicher auf Straße gebracht. Zusätzlich sorgt ein mechanisches Sperrdifferential an der Hinterachse für ausgezeichnete Traktion. Die Bremsen verzögern erstklassig, obwohl sie fast dezent zugreifen. Das Fahrwerk ist knackig-sportlich abgestimmt, noch mit einem Rest Federungskomfort. (Hier sollten Mercedes AMG-Fahrer lieber ihre Bandscheiben schonen und ihren Benz schaukeln, bis bei den Mitfahrern die Seekrankheit ausbricht ... würg .... )
Auf groben Unebenheiten spürt man ein wenig das für Cabrios typische Karosseriezittern, die einzige kleine Schwäche. QUALITÄT
Traurig, aber wahr, das Stoffverdeck bzw. die Heckscheibe klapperte in geschlossenem Zustand. Nach drei Anläufen schaffte es die Werkstatt, das Problem zu beheben. Unergründet blieb, warum das Verdeck einige Male den Schließvorgang verweigerte. Dann im März 2003 ein Schreck: BMW rief den Wagen in die Werkstatt, um vorsorglich die Ölpumpe und die Pleuellagerschalen auszutauschen. Qualitätsbeobachtungen hätten ergeben, daß die Ölpumpe möglicherweise nicht einwandfrei arbeitet mit der Folge kapitaler Motorschäden. Tja, der Motor arbeitet offenbar im absoluten Grenzbereich.
Kurz danach setzte die Sprachführung des Navigationssystems aus. Diagnose: Fehler in der Hardware, das gesamte Radio muss getauscht werden. Daraufhin funktioniert die geschwindigkeitsabhängige Lautstärke für Radio/CD nicht mehr und die Alarmanlage schlägt ohne ersichtlichen Grund an ... ähm, peinlich!
Wohlgemerkt: Alle Probleme wurden auf Garantie ohne eigene Werkstattkosten behoben. Dennoch ist das Qualitätsempfinden nachhaltig erschüttert. FAZIT
Ein bombiges Auto, dezent und alltagstauglich - mit dem Sound und dem Fahrvergnügen eines Ferrari! Im Vergleich zu einem Porsche 911 Cabrio deutlich günstiger. Damit die "Freude am Fahren" nachhaltig bleibt, sollte BMW unbedingt die Elektronik standfester machen.
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13.02.2009 04:00
"mit dem Sound und dem Fahrvergnügen eines Ferrari!" naja ich bin mal mit dem ferrari meines onkels und mit meinem m3 über die nordschleife gefahren da ist doch ein kleiner unterschied :-)
25.05.2004 00:12
Allein vom Lesen über den M3 bekomme ich eine Gänsehaut. :)
13.03.2004 14:19
'tschuldigung: "ein" ---> "kein"