Der Kurvenräuber
14.01.2003
Pro:
Unbeschreiblicher Fahrspaß
Kontra:
Funktion muss sich Design unterordnen
Empfehlenswert:
Ja
 Frog43
Über sich:
Mitglied seit:31.07.2000
Erfahrungsberichte:15
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Über das Design des neuen Mini sind eigentlich nicht viel Worte zu verlieren. Die perfekte moderne Interpretation des Klassikers ist vielleicht optisch ein wenig zu groß geraten und bei weitem nicht mehr auf Nutzwert ausgelegt, wie der Ur-Mini, aber er ist Außen wie Innen einfach schön (auch wenn sich über Geschmack bekanntlich streiten läßt). Als Erstes fiel auf, dass man sich an dieses Auto anders und länger gewöhnen muss als bei einem Wechsel von BMW, Audi, Mercedes etc. Er ist halt anders. Die netten, verspielten in einer Reihe angeordneten Kippschalter für el. Fenstheber, Nebelscheinwerfer etc sind zwar optisch ein klassischer Genuss, aber den richtigen Schalter zu finden erfordert schon einiges an Übung. Hilfreich wären hier z.B. leicht unterschiedliche Oberflächen, um die einzelnen Schalter haptisch besser unterscheiden zu können. Auch der mittig angeordnete, riesige Tacho paßt stilistisch wunderbar zu diesem Auto. Wer aber sehen will, wie schnell er eigentlich ist, muß permanent den Kopf nach rechts drehen. Der Drehzahlmesser, auf der Lenksäule thronend, ist ein Hingucker, aber der dicke Lenkradkranz verdeckt bei etwas erhöhter Sitzposition das obere Viertel. Aber wer will bei einem solchen Auto, bei dem offenbar Design und Fahrspaß als primäres Entwicklungsziel galten, schon über so kleine praktischen Mängel, wie die Außen- und Innenspiegel, die nur beschränkte Rücksicht bieten, meckern. Auch nur ein kleiner Mangel, aber bei der Kurvenfahrt, zu der der Mini ja geradezu unverschämt herausfordert, doch etwas störend, ist die Stütze für den linken Fuß. Man muß ab Schuhgröße 42 schon gehörig fädeln, um zwischen Kupplungspedal und linker Seitenwand den Weg zu finden. Als hängt der Fuß auf der kurvigen Landstraße mit häufigen Schaltvorgängen doch etwas haltlos im Raum und führt zu leicht instabiler Position des Fahrers. Der Innenraum wirkt auf den Vordersitzen überraschend groß, da die Frontscheibe weit weg vom Fahrer positioniert ist. Schalter, Oberflächen, Sitze haben eine Qualität, wie man sie eigentlich von englischen Autos nicht unbedingt gewohnt ist. Es klappert nichts und alle Materialien fühlen sich durchaus nicht kleinwagenmäßig an. Hier hat BWM wohl die Hand im Spiel, was sich auch an einigen Schaltern erahnen läßt, die man bei BWM wieder findet. Lediglich der Alu-Knauf am Schalthebel - optisch schön gemacht - kann bei Minusgraden draußen dazu führen, dass die Hand am Schalthebel anfriert. Die Bedienung des Radios - von dessem Klang ich trotz “Sound-System” bei den Bässen etwas enttäuscht war - erfordert, wie alle anderen Bedienungselement auch, etwas Übung. Dafür stimmt die Optik. Heizung und Klimaautomatik funktionieren einwandfrei, der Bedienungsknopf für den Bordcomputer ist zwar auf dem Blinkhebel witzig angeordnet, führt aber häufiger mal dazu, dass man links blinkt, obwohl man nur die Außentemperatur abfragen wollte. Über die beiden hinteren Sitzplätze sollte man besser Schweigen. Eigentlich ist der Mini ein Zweisitzer mit Notsitz, mag die hintere Sitzbank in der Ausstattungslinie “Chili” auch noch so nett anzusehen sein. Mehr als 5 Minuten kann man 2 Personen diese Enge nicht zumuten, es sei denn, die “Frontleute” gehen mit ihren Sitzen bis in die vordere Raste. Aber allein der Einstieg nach hinten verhindert in der Regel schon diese Marter. Denn wer es bei einer Größe von über 1,60 schafft, nach hinten zu kommen, kann auch im Zirkus als Schlangenmensch auftreten. Jetzt reicht es aber mit der Mäkelei. Denn dem optisch so gelungenen Mini wurde ein Fahrwerk spendiert, das -zumindest für den Fahrer - schnell alle kleinen Mängel ( fast) vergessen läßt, wenn die ersten Kurven der Landstraße auftauchen. Eine gesunde Härte zeichnet es zwar aus (aber die Fahrer des alten Mini kennen dies), doch dafür ist jede Kurve eine Offenbarung. Der alte Motorradfahrer-Slogan “The second best feeling of the world” gewinnt hier erstmals auch für ein Auto Bedeutung. Es wurde zwar schon viel über den sagenhaften Fahrspaß mit dem Mini geschrieben, aber man muß es einfach selbst erlebt haben. Daher möchte ich hier auch keine weiteren Worte darüber verlieren, sondern einfach dazu auffordern, es auszuprobieren. Er kann süchtig machen! Wenn da nicht noch ein kleiner Mangel wäre: objektiv sind die 115 Ps für das kleine Auto zwar durchaus akzeptabel und ein Blick auf den Tacho (Kopf nach rechts drehen!) Zeigt auch, dass der Mini keine lahme Ente ist, aber irgendwie hat man immer das Gefühl, am Auto hänge ein endlos langes Gummiband. Der Motor dreht sauber hoch, es gibt kein Drehmoment-Loch, der Klang ist dezent aber positiv vernehmbar und dennoch, obwohl man kräftig am Schalthebel rührt und ständig nach dem Drehzahlbereich sucht, bei dem der Motor Charakter entfaltet, es stellt sich nichts ein. Eigentlich schade, denn so richtig lahm ist der Mini nicht, aber irgendwie würde mir der Motor in einem seriösen Familienkombi besser gefallen, als in diesem Kurvenzauberer .Es müßte BMW doch mittels etwas Feinschliff gelingen, dem Motor ein klein wenig Spaß zu entlocken. Dabei muß es ja nicht unbedingt mehr Leistung sein. Bleibt noch zu erwähnen, dass der Verbrauch mit über 9 Liter nicht gerade niedrig ist. Aber mit etwas Zurückhaltung lassen sich zweifelsohne auch Werte um die 8 Liter erreichen. Doch wer will mit einem Mini schon Zurückhaltung an den Tag legen.
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15.01.2003 01:15
Nee ein Mini ist nichts für mich. Ich mag Limousinen lieber.
15.01.2003 00:17
AN DORFMAUS UND ALLE, DIE DIE GLIEDERUNG NICHR GUT FANDEN: ICH GELOBE BESSERUNG. ANSONSTEN: DANKE FÜR DIE KOMMENTARE
15.01.2003 00:07
Auch wenn ich meine Vorgänger nur "nachäffe", muß ich meinen Senf noch abgeben, weil mir Dein Bericht an sich sehr gut gefällt. Du gehst auf sehr viele Detais ein. Da merkt man die Erfahrung ;-). Allerdings würde sich Dein Bericht mit einer einfachen Gliederung besser lesen lassen. Trotzdem ein sh. LG, Katrin