BMW Motorräder Baureihe 5 und 6 (1969-1976)

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BMW Motorräder Baureihe 5 und 6 (1969-1976)

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Der Touren-Klassiker: BMWs der Serie /5

5  07.03.2002 (07.03.2004)

Pro:
Sehr zuverlässig, robust, langstreckentauglich, überschaubare Technik, hoher Werterhalt, klassische Optik

Kontra:
Relativ hoher Preis, nur noch selten im Originalzustand zu bekommen

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Fahreigenschaften:

Gewicht

Bremsleistung bei Trockenheit:

Komfort:

Verarbeitung

Zuverlässigkeit

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DerFetteZwerg

Über sich:

Mitglied seit:14.02.2002

Erfahrungsberichte:18

Vertrauende:3

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wer sich heutzutage ein neues Motorrad kaufen möchte, sieht sich mit einer schier unübersehbar großen Angebotsvielfalt konfrontiert.
Da gibt’s die Supersportler, die Tourer, die Reiseenduros, die Geländemaschinen, die Softchopper...
Vorteil : In diesem Dschungel findet jeder früher oder später genau das, was er sucht .....
Oder doch nicht?

Nun, - der bunte Papageienkombi fährt zufrieden seinen Supersportler, die Barbour-Wachsjacke passt hervorragend auf die Reiseenduro, das schicke Wildleder-Fransenjäckchen flaniert stolz auf dem Softchopper vorbei...so weit, so gut.

Was macht aber der Träger einer schlicht-schwarzen klassischen Lederkombi, der es vorzieht, mit Jet-Helm und Motorradbrille zu fahren? Dieses Outfit will nicht so recht zu einem Vertreter moderner Motorradtechnik passen...
Zwar gibt’s da die sogenannten „Retro-Bikes“, - aber die sind meist nicht wirklich klassisch und demzufolge keine echte Alternative.

Da muß also eine Gebrauchte her, - am besten aus den 70ern. Die haben ja eine ganze Reihe von Maschinen mit Kult-Status hervorgebracht, - wie die legendäre Honda CB750four, die Suzuki GT750 „Wasserbüffel“, die Kawasaki Z900 oder Ducati 750SS, - um nur einige zu nennen.

Wenn unser Klassik-Freund allerdings mit seiner Neuerwerbung auch größere Touren mit Sozius und Gepäck in Betracht zieht, kommt er beinahe zwangsläufig auf ein weiteres Kultbike dieser Jahre: Die BMW Baureihe /5

Modellbeschreibung

Als BMW 1969 die brandneue Baureihe /5 präsentierte, ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die Fan-Gemeinde, - hatte der bayerische Hersteller doch mit etlichen Traditionen gebrochen:

Die neuen Modelle hatten sich nicht nur äußerlich vollkommen verändert, - auch die Technik war komplett überarbeitet worden.
Die Maschinen präsentierten sich mit Telegabel statt der geschobenen Langschwinge vorne,
serienmäßiger Doppelsitzbank, verschiedenen Größen von Vorder- und Hinterrad, die nun natürlich nicht mehr untereinander austauschbar waren, gleitgelagerten Motoren, und völlig überarbeiteten, - nicht mehr seitenwagentauglichen Fahrwerken..

Gestartet wurde , - das war fast schon revolutionär - per Knopfdruck über einen elektrischen Anlasser !! Natürlich war der bewährte Kickstarter aber ebenfalls noch vorhanden.

Bisher gab es BMWs ausschließlich in schwarz oder weiss, (nur die Amerikaner hatten als wichtigstes Exportland farbliche Zugeständnisse erhalten).

Damit war nun auch in Deutschland Schluss, - die neuen Modelle
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BMW Motorräder Baureihe 5 und 6 (1969-1976) Bild 698 tb
R75/5 im Sportanzug, Kurzschwinge 1971
konnten in vielen bunten Farben geordert werden.

Geblieben war indessen das Grundkonzept, - mit 2-Zylinder Boxer- Motor und Kardanantrieb.
Allerdings hatte man die Schwungmassen der Motoren erheblich reduziert, die träge Gasannahme der großen Boxermaschinen gehörte damit schlagartig der Vergangenheit an!
Desweiteren hatte man die Nockenwelle tief in die Eingeweide des Motors verbannt, wo sie besser geschmiert werden konnte. Die charakteristischen Stößelrohre fanden sich nun demzufolge unter den Zylindern wieder.

Angeboten wurden drei Modelle: die R50/5 mit 32 PS, die R60/5 mit 40PS und das Flaggschiff R75/5 mit 50PS.
Gebaut wurde die /5 von 1969 bis 1973, - 1974 kam die Ablösung in Form einer modellgepflegten Version der /5, - die Baureihe /6 , die auch zwei Modelle mit 900 ccm beinhaltete... Aber dazu ein andermal mehr !

Fahrverhalten

Leistungsmäßig ihrer fernöstlichen Konkurrenz stets deutlich unterlegen, hatte die BMW /5 jedoch ein Fahrwerk, welches es dem geübten Fahrer problemlos ermöglichte, das Leistungsmanko auszugleichen.
Speziell auf kurvigen Straßen sahen die Japaner kein Land mehr.
Noch eindeutiger fiel der Unterschied bei kurvigen Gebirgspässen aus, wo die BMW ihr bereits bei niedrigen Drehzahlen üppig vorhandenes Drehmoment effektiv nutzen konnte.

In Verbindung mit den langen, komfortbetonten Federwegen und dem großen 24-Ltr.Tank waren Reisedurchschnitte möglich, von denen die Fahrer japanischer Motorräder nicht einmal zu träumen wagten!

Die Bremsanlage mit Doppelnocken-Trommel vorne und Simplex-Trommel hinten war zur damaligen Zeit durchaus den Verkehrsverhältnissen gewachsen, - speziell die Vorderradbremse galt allerdings als giftig und brachte bei unvorsichtiger Handhabung das Vorderrad ohne Mühe zum Pfeifen !!
Sensible Einstellung der beiden Backenbetätigungshebel konnte diese Tendenz allerdings mindern.
Heutzutage sind jedoch - nicht zuletzt durch Verwendung von hydraulisch betätigten Scheibenbremsen und breiteren Reifen - wesentlich bessere Bremsverzögerungen möglich, - das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man auf ein Motorrad älteres Semesters umsteigt...

Kritik

Natürlich hatte auch die BMW gewisse Eigenheiten, die den Umgang mit dieser Maschine bis heute prägen, -

Gerne wird hier – vor allem von Fahrern japanischer Fabrikate – das Getriebe genannt!
In der Tat ist der Bedienungskomfort der bayerischen Schaltbox meilenweit vom Standard japanischer Getriebe entfernt. Dennoch kann man auch eine BMW durchaus geräuschlos schalten. Dazu bedarf es allerdings einiger Übung und ein wenig Einfühlungsvermögen.

In Punkto Haltbarkeit gab es an den Getrieben nie etwas auszusetzen. Im normalen Betrieb waren sie immer für über 100 000km gut.

Eine weitere Eigenart ist das Reaktionsmoment des Kardanantriebes.
Das Motorrad hebt sich beim Gasgeben aus der Federung und sackt wieder zusammen, wenn man das Gas zurückdreht.
Ungeübte Fahrer bewegen sich auf einer BMW in einer Weise vorwärts, die an Bockspringen erinnert, - dies hat der BMW den Spitznamen „Gummikuh“ eingebracht.
Auch dieses Verhalten ist natürlich gewöhnungsbedürftig, - aber ich muß sagen: wenn ich auf einer anderen Maschine unterwegs bin, fehlt mir dieser Fahrstuhleffekt regelrecht...Natürlich fährt man nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch eine BMW durchaus würdevoll !!

Ein versierter Fahrer ist sogar in der Lage, dieses besondere Verhalten fahrtechnisch zu nutzen, um in schnell gefahrenen Kurven die Bodenfreiheit der Maschine zu erhöhen. Man gibt kurz vor dem Scheitelpunkt der Kurve beherzt Gas, - und die sich versteifende Hinterhand sorgt für ein paar cm mehr Abstand zur Straße.
Dieses Manöver sollte man allerdings nur dann durchführen, wenn der Kurvenverlauf vollständig einsehbar ist, - ein Bremsvorgang in dieser Situation hätte fatale Folgen!

Das Kardan- Reaktionsmoment wurde durch die Verwendung einer längeren Hinterradschwinge ab dem Modelljahr 1973 zwar abgeschwächt, - blieb aber auch weiterhin ein Erkennungsmerkmal der klassischen BMWs.

Die Modelle ab `73 hießen fortan „Langschwinge“, folgerichtig wurden die vorherigen nun „Kurzschwinge“ genannt.

Bewertung

Auch heutzutage ist eine gut gepflegte /5 durchaus alltags- und langstreckentauglich. Der Service-Aufwand ist gering, das Bordwerkzeug umfangreich und von hervorragender Qualität.
Ein weltumspannendes Service-Netz sorgt zudem dafür, dass man auch bei größeren Problemen im Ausland nicht hoffnungslos verloren ist.
Die Technik erweist sich als simpel und gut überschaubar, Elektronik ist nur in rudimentärer Form vorhanden, kleinere Reparaturen stellen deshalb auch den technisch nur mittelmäßig versierten Fahrer nicht vor unüberwindbare Schwierigkeiten.
Sollten Ersatzteile nötig sein, so gibt es die in der Regel sofort über den Ladentisch, oder innerhalb weniger Tage auf Bestellung.

Die Zuverlässigkeit einer /5 ist legendär und selbst unter heutigen Verkehrsverhältnissen darf man einer /5 getrost die große Tour zumuten.

Natürlich gibt es - wie bereits erwähnt -heute wesentlich bessere Bremsanlagen und selbst die Japaner haben inzwischen gelernt, gute Fahrwerke zu bauen, - aber einen ca. 30 Jahre alten Klassiker sollte man sowieso mit der ihm gebührenden Würde bewegen, und das Fahrwerk ist auch im Vergleich zu modernen Konkurrenten immernoch gutmütig und richtungsstabil.

Dabei sei aber auf eine Tatsache unmissverständlich hingewiesen:
Ein BMW-Fahrwerk will penibelst eingestellt sein ! Es reagiert äußerst unwillig auf Fehleinstellung von Lenk, - Schwingen – oder Radlager.
Selbst ein geringfügig falscher Luftdruck im Reifen kann durchaus dazu führen, dass man seine lammfromme BMW plötzlich nicht mehr wiedererkennt!!

Richtig behandelt erweist sich eine /5 aber auch im dritten Jahrtausend als zuverlässige, gutmütige Reisemaschine, die mit ihren liebenswerten Eigenarten eine wohltuende Abwechslung zum japanischen Motorrad-Einheitsbrei bietet.

Kurz zu meinen eigenen Erfahrungen mit dieser Maschine:
Ich habe eine 75/5 seit 1980, - inzwischen war ich in ganz Europa damit unterwegs, - bisher über 200 000Km.

Der Motor ist bis heute ungeöffnet und die Teile, die ich tauschen musste passen bequem in eine Hand! (Damit meine ich natürlich nicht die normalen Verschleiss-Teile !)
Wer nun meint, das sei vielleicht ein Einzelfall....der irrt sich!!
Inzwischen besitze ich die komplette Baureihe /5, - also R50/5, R60/5 und eben die bereits erwähnte R75/5, - alle mit jeweils über 100 000km auf den Motoren, - und alle bisher ohne große Probleme unterwegs.

Im letzten Jahr kam noch eine R90S in den Stall, -aber das ist Gegenstand eines zukünftigen Berichts...

Preise

Die billigen Jahre sind vorbei, - das muß man in aller Deutlichkeit sagen !!

Eine gut gepflegte /5 im Originalzustand erfreut sich steigender Bewertungen , - und ist finanziell mittlerweile weit über den damaligen Neupreis gestiegen.
Man wird eine gute 75/5 kaum unter 4000 Euro bekommen, auch eine 50/5 ist nur unwesentlich günstiger zu haben.
Dies liegt daran, dass die 50/5 die geringsten Produktionszahlen aufweist , und heute ausgesprochen selten ist. Die 500er fiel bei der Ablösung durch die Baureihe /6 ersatzlos aus dem Programm, - sie war also bis heute die letzte BMW der traditionsreichen 500er Klasse.

Am günstigsten bekommt man wohl die 600er, - dennoch... auch hier sind 2500 – 3000 Euro für unverbastelte , gebrauchstüchtige Maschinen die unterste Grenze.

Das hohe Preisniveau hat aber auch einen Vorteil: man erwirbt eine gute Geldanlage, die /5er Reihe wird sicherlich nicht mehr billiger werden !!

Und, das sei zum Schluss noch erwähnt, - - hier passt sie endlich wie geschaffen: die schöne, schlichte, klassisch-schwarze Lederkombi.

Gute Fahrt!!



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
alfrohn

alfrohn

01.02.2012 15:04

Auch zehn Jahre später ein toller Bericht, und die billigen Jahre sind jetzt erst recht vorbei. Ersetze "DM" durch "€ mal 2", dann kommt es ungefähr hin und ist bis jetzt der Hauptgrund, warum ich selbst eine 1150er fahre und meinem Vater seine damals, 1976, neu gekaufte R90/6 lasse :) Danke für diese fundierte Zeitreise!

isalein

isalein

07.03.2002 22:23

Ein sehr schöner und informativer Bericht. Liebe Grüße isa

rouvinho

rouvinho

07.03.2002 17:20

Weiterhin viel Spass auf der Gummikuh...

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