Bei ihr werde ich zum echten "Cow-Boy" !
19.11.2000 (25.06.2003)
Pro:
Alles und noch viel mehr .
Kontra:
schlechter Chrom, Rostanfälligkeit
Empfehlenswert:
Ja
 heiko_s
Über sich:
...war lange nicht mehr hier... Vielleicht raffe ich mich mal wieder auf!
Mitglied seit:19.11.2000
Erfahrungsberichte:36
Vertrauende:7
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 49 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nun kommt schon das 2. Update des Berichts - man wächst mit den Jahren zusammen und lernt immer mehr. Den ganz alten Bericht kille ich jetzt einfach mal um Platz zu schaffen. Mittlerweile habe ich meine Kuh in die Wüste getrieben und wieder zurück. Da kommen noch ein paar Erfahrungen dazu, vorallem die Unfallerfahrung. Auf der Autobahn bei 110 hat mir ein defektes Vorderradventil die Luft im Vorderrad geklaut. Die Kuh fing an zu "bocken", torkelte und taumelte. Weder antreiben noch bremsen brachte die Kuh wieder auf Spur. Das Ergebnis wie bei jedem guten Bullriding - Abwurf bei 110 km/h. Ich will hier nicht meine Verletzungen diskutieren sondern die Robustheit meiner Kuh loben. Trotz mehrfachen Überschlagens und Asphaltschrubbens war der Schaden nach dem Unfall gerade mal 400 Euro hoch. Ein verbogener Heckrahmen und ein paar zerstörte Anbauteile, doch weder Motor noch Fahrwerk haben was abbekommen. *HUTAB* Ich hab damit gerechnet meine Kuh nie mehr fahren zu können, aber mittlerweile treibe ich sie wieder durch die Lande - munter wie eh und je. Das Verhalten eines 245kg Kolosses im Gelände ist natürlich alles andere als elegant. Treib mal eine Kuh durch die Dünen, es wirde gehen, aber du hast viel arbeit damit - genauso ist es mit der R1100GS - sie macht alles mit - man muss ihr nur kräftig in den Hintern treten und den Weg zeigen. Geländetauglichkeit würde ich als mit eher 3 Sternen bewerten. Zur Strassenlage kann ich nun, da ich meine Kuh am Limit bewege, auch mehr sagen. Das Fahrwerk ist immer noch ohne Fehl und Tadel, auch wenn es mittlerweile vor zu schnell angefahrenenen Kurven die Hufe streckt und das ABS anschlägt. Aber selbst wenn die Fußrasten Funken sprühen und die maximale Schräglagenhaftung der Reifen erreicht ist, fühlt man sich immer noch SAU - oder KUH wohl auf der BMW. Ein echtes FUNBIKE für FASt jede Lebenslage !
********************************************** Nachdem ich mir meinen alten Bericht noch mal durchgelesen habe und feststellen musste, dass sie nicht mehr meinen heutigen Ansprüchen an einen Bericht genügt und außerdem meiner Kuh – so nennen wir BMW-Boxerfahrer liebevoll unsere „R“ Modelle – nicht gerecht wird, habe ich beschlossen meinen Bericht komplett umzustellen und mal ausführlich darzustellen was ich an meiner Kuh so liebe. Den alten Bericht lasse ich der Vollständikeit halber am Schluss noch mal dran, dann könnt ihr selbst bewerten welcher der Bessere ist ;o) Nunmehr 6 Jahre bin ich stolzer BMW R1100GS Besitzer und möchte euch mein Traumbike ein wenig näher bringen:
Das Design: ---------------------------------------- Ich denke kein Bike hat solch kontroverse Diskussionen über das Design verursacht wie die R1100GS bei Ihrem Erscheinen 1994. Von „wiederlich“ bis „traumhaft“ hört man alle Nuancen. Die Rahmengeometrie und die Verkleidungselemente sind einfach ungewöhnlich für ein Motorrad. Was z.B. hat der Spritzschutz – von GS Fahrern liebevoll „Schnabel“ genannt – denn für einen Zweck. Verrichtet das direkt über dem Reifen angebrachte „Schutzblech“ nicht zuverlässig genug seinen Dienst? Doch tut es – der Schnabel ist wohl mehr als Einparkhilfe zum Peilen oder als Tiefenanschlag beim Abstellen vor einer Wand zu gebrauchen. Mittlerweile sieht man viele GS-Besitzer die ihn abmontieren und durch eine kleine BMW-Niere ersetzen. Ich finde damit sieht die Kuh kastriert aus, daher bleibt bei meinem „verunstalteten Pinguin“, wie meine Kuh von einigen Freunden genannt wird, der Schnabel dran. Das Design ist es wohl auch, was jedes Parken in einer Fußgängerzone zum Erlebnis macht, denn spätestens nach 5 Minuten sind die ersten Bestauner meiner GS zu sehen. Widersprüchlich ist auch der Rest. Ein wenig hochbeinig und doch irgendwie eher gedrungen bullig wirkt sie. Riesig und unfahrbar steht sie vor einem, aber wenn man erstmal Platz genommen hat, fühlt verfliegt dieses Gefühl sofort. Das Fahrwerk / der Fahrkomfort: ---------------------------------------- Eine zweigeteilte Sitzbank, deren vorderer Teil sich auf 3 verschiedene Höhen einstellen lässt (von 84-86cm) schmeichelt in Breite und Länge dem Allerwertesten. Super gepolstert und Megabequem, auch nach einigen Stunden Fahrt. Die Sitzhaltung ist sehr bequem aufrecht, der Lenker ist genau da wo er hingehört – nicht zu tief oder zu weit vorne sondern eben genau da wo man ihn gerne hätte. Der Winkel der Beine könnte bei meiner Größe (1,83m) ein bisschen weniger spitz sein, aber durch gelegentliches Ausschütteln der Beine ist es auch ertragbar. Viel besser als auf meiner alten Yamaha auf jeden Fall! Ob bei langsamer Fahrt, beim Kurven durchs Gebirge oder beim Almabtrieb über die Autobahn, das Fahrwerk fühlt sich immer so an, als ob es genau gerade für diese Fahrweise gemacht wurde. Das Zentralfederbein hinten lässt sich dabei sogar noch ein bisschen auf Beladungszustand und persönlichem Bedürfnis durch ein leicht erreichbares Stellrad anpassen. Zusammen mit dem ABS, das ab der Version 2 wohl auch bei schwacher Batterie funktioniert, ein absolut gelungenes Fahrwerk das in jeder Situation mein vollstes Vertrauen hat und mit dem man sich immer sicher fühlt. Eine zu schnell anvisierte Kurve oder wilde Schlaglöcher? Kein Problem, das Fahrwerk bügelt es schon wieder aus und vermittelt dabei einen hervorragenden Kontakt zur Strasse. Lastwechselreaktionen beim Gaswegnehmen sind da, werden aber von mir nicht als störend empfunden was mich dann auch schon zum Herzstück meiner Kuh führt:
Der Motor: ---------------------------------------- Der 2 Zylinder 4 Ventilboxer gehört zu den Besten die BMW bis 1994 gebaut hat. Hier erstmal ein paar technische Leckereien: Typ 2-Zylinder-4-Takt-Boxermotor Ventile 4 pro Zylinder Hubraum 1085 ccm Bohrung x Hub 99 mm x 70.5 mm Leistung 59 (58) DIN kW / 80 (78) PS bei 6750 U/min Drehmoment 97 Nm bei 5250 U/min Verdichtung 10.3:1 Kraftstoffaufber. Bosch Motronic MA 2.2 mit Schubabschaltung Kupplung Einscheibe, trocken Getriebe 5 Gaenge Vmax ca. 195 km/h Selbst nach monatelangem Stehen im Freien, ich habe leider keine Garage, springt der Motor bereits nach kurzem Druck auf den Starter an, bläst kurz ein bisschen Kondenswasser aus dem Auspuff und ist kurz darauf voll da. Den Regler für den „choke“ (bei den Boxermotoren nur ein „Drehzahlanheber“) kann man selbst bei Minustemperaturen bereits nach 2 Minuten wieder zurücknehmen. So stelle ich mir einen Motor vor. Beim Fahren hat man jederzeit das Gefühl über ausreichend Leistungsreserven zu verfügen. Ob beim gemütlichen cruisen mit 80 im 5. Gang über die Landstrasse, am Berg wenn man sich mal verschaltet hat oder bei flotter Autobahnfahrt – immer genug Reserven um mal kurz ein Hindernis zu überholen oder noch das letzt Brikett nachzulegen wenn man mal einen Überholvorgang falsch eingeschätzt hat. Das angegliederte Getriebe lässt sich BMW typisch nur mit einigem Nachdruck und sicher nicht lautlos schalten. Wenn man sich dran gewöhnt hat (und das Getriebeöl durch vollsynthetisches ersetzt hat) hat man seine Freude an der sehr exakten Schaltung die einem immer deutlich zu spüren gibt ob man geschaltet hat oder nicht. Perfekt übersetzt würde ich sagen – fehlte da nicht der 6. Gang. Oft schon hab ich versucht bei 120 in den nächstens Gang hoch zu schalten um die Drehzahl im gemütlichen Bereich zu halten – leider vergebens. Diesen Mangel hat BMW bei der 1150er behoben, die hat 6 Gänge. Anfangs brauchte mein Motor relativ viel öl, was aber durch den kostenlosen Austausch der Kolbenringe im 3. Jahr behoben wurde – jetzt braucht sie schon fast beunruhigend wenig Öl. Der Spritverbrauch richtet sich nach der Fahrweise, bleibt aber immer in einem für diese Gewichtsklasse guten Bereich. Wenn ich alleine fahre, also etwas zügiger, dann braucht sie so zwischen 5,5 und 6l auf 100km. Fahre ich dagegen zusammen mit einem vorsichtig fahrenden Freund der seine R850GS eher langsam um die Ecken bewegt, sinkt der Verbrauch auf ca. 4,5l und liegt damit auf dem gleichen Niveau wie die 850er bei allerdings größerem Fahrspaß. Bremsen: ---------------------------------------- Die Brembo-Bremsanlage gehört zum besten was ich je gefahren bin. Vorn: Doppelscheibenbremse (Dm 305 mm), schwimmend gelagert, 4-Kolben-Festsättel, hinten Einscheibenbremse (Dm 276 mm) 2-Kolben-Schwimmsattel. Darauf wirkt das von BMW für Motorräder erstmalig entwickelte ABS. Bisher hatte ich noch keine Situation in der ich die Bremsanlage an ihre Grenzen gebracht habe. Immer war noch ausreichend „Luft“ drin und das ABS hat mir schon das ein oder andere Mal den Kopf gerettet. Angeblich soll man mit Stahlflexleitungen den Bremsdruck noch genauer dosieren können, aber ich hatte bisher noch nicht das Gefühl, das dies nötig sei.
Die Verarbeitung: ---------------------------------------- BMW typisch ist das Motorrad im Großen und Ganzen sehr gut verarbeitet. Die Kabel oder Züge sind sauber verlegt, die Lackierung perfekt ausgeführt und die auch die Kunststoffteile sind perfekt verarbeitet. Ein „sehr gut“ möchte man fast geben, wären da nicht die rostenden Schrauben im Vergaserbereich und die zu Flugrost neigenden Standrohre der Gabel. Das können die Japaner besser ! Nach Auskunft von BMW käme der minderwertige Chrom der Standrohre davon, dass in Deutschland strengere Umweltbestimmungen gelten als in Japan und der Chrom daher anders aufgebracht werden müsse. Klingt zwar plausibel, aber so wirklich glauben möchte ich dieser Aussage nicht ! Masse und sonstige Angaben: ---------------------------------------- Tankvolumen 25 l, davon 4.7 l Reserve Sitzhöhe 840 (860) mm Leergewicht fahrfertig 243 kg Zul. Gesamtgewicht 450 kg Kraftstoff Superbenzin, bleifrei Gabel BMW Telelever mit Zentralfederbein, 4fach verstellbar Schwinge Einarmschwinge (BMW Paralever)
Resumee: ---------------------------------------- Bisher habe ich einige Touren hinter mich gebracht und ich freue mich immer noch auf die nächste. Ob vollbepackt zu zweit mit einigen Kilos zuviel geladen oder alleine an an einem Sonntagnachmittag im Wispertal, ich fühlte mich jederzeit rundherum sicher und wohl auf meiner GS. Angesichts der Freude die mir dieses Motorrad aufgrund seines perfekten Fahrwerkes, seiner bequemen Sitzposition, seiner spitzen Bremsen und seines umwerfenden Motors macht, tritt der Ärger über die rostenden Schrauben und den Flugrost an der Gabel in den Hintergrund. Und über die unmöglich sauber zu haltenden Speichenfelgen kann ich schon lange hinwegsehen! Mein Urteil: 10 Sterne von denen ich hier leider nur 5 vergeben kann.
© 27.01.2002 Heiko_S Nachtrag: Nachdem ich nun gerade wieder von einer 3500km Tour zurück bin und durch das Massiv Central geprügelt bin das der Gummi an meinen Sohlen schmolz, kann ich nur sagen: DAS ist das richtige Bike für mich! Jeder Kilometer hat Spass gemacht und nicht eine Sekunde hat mich gereut. Nebenbei ist meine Kuh schon 2 mal umgefallen - im Gegensatz zu manchen Reiskochern bei denen dann die halbe Verkleidung kaputt ist, musste ich nur den Plastikmotorschutz für DM 60,- austauschen, das nenne ich perfekte Konstruktion !
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04.07.2005 17:39
Gute Infos zur GS ... der Bericht ist der beste und ausführlichste, den ich bisher hier zur Q gelesen habe, daher das "bh" von mir. Gruß, Andreas
15.02.2002 14:49
Hallo Gaucho! Jetzt kommt endlich wieder der Frühling: Zeit, der Kuh ordentlich die Sporen zu geben...
15.02.2002 11:42
Mein Vater schwört auch auf BMW, und ich kenne ein paar Leute, die so ein 'Schnabeltier' fahren und sehr zufrieden sind. Mir persönlich gefällt der BMW-typische Boxermotor nicht, aber das ist ja Geschmackssache und ändert nichts an der Qualität der Bayrischen... Beim Rost möchte ich widersprechen: an den Schrauben wird wohl überall gespart, da rosten die Japaner genauso (meiner Erfahrung nach)... ;-) LG, mo2k