BMW - Tipps & Tricks

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BMW Fahrer-Training

4  12.11.2003

Pro:
erstklassige und gut versicherte Fahrzeuge, gute Instruktoren, anspruchsvolles Programm

Kontra:
Preis

Empfehlenswert: Ja 

AMGaida

Über sich: Jeder hat ein Recht auf meine Meinung...

Mitglied seit:18.03.2003

Erfahrungsberichte:63

Vertrauende:48

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Da CIAO nicht in der Lage ist, eine Kategorie zu erstellen bzw. ich des Wartens überdrüssig bin, setze ich den Bericht hier ab. Da es sich um den Tipp handelt, das Fahrer-Training beim Hersteller direkt zu buchen, passt es hier meiner Meinung nach auch gut hin. Eine eigene Kategorie hätten die Trainings dennoch in jedem Fall verdient! ;-)

Im Jahre 1996 hab ich mit meinem Vater an einem der BMW Fahrer-Trainings teilgenommen. BMW bietet traditionell und bereits seit einigen Jahren solche Trainings an. Sie selbst nennen es "Eine Initiative für mehr Souveränität im Straßenverkehr", womit ganz klar der Unterschied zur Zielsetzung der allseits bekannten ADAC-Sicherheitstrainings deutlich wird. Bei BMW wird der Fahrspaß nicht vollkommen vernachlässigt.


WAS IST DAS?:

Die Palette der verfügbaren Trainings bei BMW belief sich damals wie heute auf 4 verschiedene Angebote. Das einfachste Programm wird im Kompakt-Training absolviert, das entweder mit dem eigenen Fahrzeug oder mit zu Verfügung gestellten BMW 3er Compact absolviert werden konnte und auch heute noch kann. Es vermittelt Grundkenntnisse und ist wohl eher als Sicherheits- denn als Fahrer-Training einzuschätzen. Die Dauer ist halbtägig und der Preis lag damals im Bereich von ca. 160 DM.

Das nächst höhere Trainings-Programm ist das Aufbau-Training, welches auch wir damals absolviert haben und worum sich dieser Bericht dreht. Es findet ganztägig statt und es wurden damals BMW 328i zu Verfügung gestellt. Heute findet es auf dem aktuellen BMW 330i statt. Mit 231 PS sollte dieser Wagen die richtigen Voraussetzungen für grenzenlosen Fahrspaß und zugleich die richtige Basis für Fahrdynamik-Schulungen bei einem solchen Training bieten.

Darüber hinaus gibt es noch das Intensiv- und das Perfektions-Training, die beide an zwei Tagen stattfinden und soweit ich weiß auch Fahrten auf Rennstrecken beinhalten inkl. Schmankerln wie Linienkunde und Rundenzeitnahme. Die beiden Trainings unterscheiden sich in den fahrbaren Untersätzen. Beim Intensiv-Training wird der 330i gefahren, beim Perfektions-Training kommt der M3 zum Einsatz. Die genauen Preise, Veranstaltungsorte und -termine sind unter http://www.bmw.de/de/services/Fahrertraining/index.html zu erfahren.


WO?:

Unser Training fand im ehemaligen Infield der Grand Prix-Strecke des Nürburgrings statt. Dort befand sich damals noch eine GoKart-Strecke sowie einige andere asphaltierte Bereiche, die beinahe optimale Bedingungen für solche Veranstaltungen boten. Mittlerweile ist der gesamte Bereich dem Umbau der Grand Prix-Strecke und damit der Mercedes-Arena zum Opfer gefallen. Auch wurde
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So kann´s gehen...
in der Zwischenzeit das Fahrsicherheitszentrum am Nürburgring errichtet bzw. ausgebaut, so dass meiner Information nach nun dieses der Austragungsort für die Trainings, die am Nürburgring stattfinden, ist.


VORMITTAG:

Für diejenigen, die zuhause einen leeren Kühlschrank hatten oder von weiter weg angereist waren und demzufolge übernachtet hatten, gab es von 7.30 bis 8 Uhr ein Frühstück im Dorint-Hotel am Nürburgring. Davon nahmen wir zumindest noch einen Kaffee zu uns und waren für die anstehenden Theorie-Informationen gerüstet, die ab 8 Uhr auf uns warteten. Die Schulungseinheit fand in einem Raum des Hotels statt, wo sich erstmal einer der zwei Instruktoren vorstellte und uns willkommen hieß. Darauf folgten theoretische Informationen über Reifen, Luftdruck, Bremsweg, Fahrdynamik (was ist Unter- bzw. Übersteuern), Fliehkräfte und andere Eigenheiten der Physik.

Daraufhin setzten sich alle Teilnehmer in Bewegung, um zu Fuß den nahe gelegenen BMW-Händler "Martini" aufzusuchen, wo sämtliche Fahrzeuge untergebracht waren. Mittlerweile hat sich wohl die Anzahl der verwendeten Fahrzeuge oder die vertragliche Situation mit dem Händler geändert, denn die Autos sind nun etwas außerhalb in Richtung Bad Münstereifel untergebracht.

Von dort aus wurde im Convoy auf das ehem. Kart-Motodrom gefahren, wo noch ein zweiter - weiblicher - Instruktor wartete. Beide Instruktoren waren am Abend vorher mit ihren Arbeitsgeräten (ein gelber und ein roter M3) aus München angereist und lockerten die Stimmung mit einigen Erlebnissen von der Hinfahrt auf. ;-) Noch dazu erläuterten sie die Instruktion, denn jedes Fahrzeug war mit einem eingebauten Funkgerät ausgestattet, über das der Instruktor während und nach der Übungen ins Auto sprechen, und seine Einschätzungen den Teilnehmern mitteilen konnte.

Die Gruppe wurde aufgeteilt und jedem Instruktor unterstanden ab dann 6 Fahrzeuge mit meist je 2 Fahrern im Auto. D.h. jeder hat abwechselnd die Übung einmal vom Autopartner vorgefahren bekommen und musste sie einmal selbst absolvieren. Die erste Übung lief mit abgestellten Motoren ab - es ging um die Sitzposition. Ein häufig beobachteter Fahrfehler beginnt nämlich schon bei der Sitzeinstellung. Möglichst tief und möglichst mit weit nach hinten verstellter Lehne lässt sich oftmals das Auto überhaupt nicht vernünftig lenken. Sei es, dass man nicht mit beiden Händen ans Lenkrad kommt, eine unzureichende Übersicht hat oder auf längeren Strecken zu schnell ermüdet...

Nachdem die Sitzeinstellung korrekt war, wurden die Lenkbewegungen vorgeführt und in einer non-stop Slalomfahrt eingeübt. Begleitet wurde das dann von ständigen Ratschlägen und Korrekturen durch das Funkgerät im Wageninneren, aus dem der Instruktor pingelig genau jeden Fehler kommentierte. Als soweit alles intus war, ging es zu den Bremsübungen auf dem Kart-Motodrom. Hier wurde aus 50 und 80 km/h eine Vollbremsung gemacht - mit und ohne ABS. Die Fahrzeuge verfügten über abschaltbares ABS und somit bekam man schonmal ein Gefühl dafür, wie heftig man reintreten musste, um alle vier Räder auf Trockenheit zu blockieren.

Die nächste Übung war etwas spaßiger. Es ging in eine bewässerte Kreisbahn mit ca. 15m Durchmesser. Es ging darum, im 3. Gang im Kreis zu fahren und zwischendurch Vollgas zu geben und somit das Untersteuern zu provozieren. Dabei wurde auch gezeigt, wie einfach es ist, durch Kupplung treten und Lenkeinschlag anpassen, die Situation in den Griff zu kriegen. Eine Übung, mit der eigentlich niemand Probleme hatte.

Als nächstes standen kombinierte Brems-/Ausweichübungen auf dem Programm, welche schon etwas heftiger waren. Hier wurde mit bis zu 80 km/h auf eine bewässerte Gasse zugefahren, vor der ohne ABS voll gebremst werden sollte, die Bremse gelöst und dann ausgewichen werden sollte. Spätestens das war dann der Moment, in dem erstmals jeder einen oder mehrere Kreisel abgelegt hat. Bis man diese Übung drin hatte und jeweils in der vorgegebenen Spur blieb, bedurfte es 1. Mut und 2. Geschick in Verbindung mit Übung. Aber jeder hatte genügend Zeit, um das ausgiebig zu probieren und auch mehr oder minder viele Pirouetten zu drehen. ;-)


MITTAGSPAUSE:

Gegessen wurde mit allen Kursteilnehmern zusammen im Dorint am Nürburgring, wo ein ausgiebiges Mittagsbüffet zu Verfügung stand. Die Mahlzeit war wie das Frühstück im Preis inklusive und passte in iherer Präsentation zum Stil der ganzen Veranstaltung. Hier wurden auch die Gespräche genutzt, um Anekdoten der BMW-Instruktoren zu hören bzw. jeder konnte mit seinen eigenen Stories aufschneiden. ;-)


NACHMITTAG:

Jetzt wurde es noch lustiger. Es ging wieder zur bewässerten Kreisbahn. Unser Instruktor Josef schnappte sich seinen M3 und drehte erstmal 2 komplette Runden im Powerslide um den Kreis. Die Teilnehmer erstarrten vor Staunen und es ging ein Raunen durch die Gruppe, als er nach dem Aussteigen meinte, dass wir das jetzt nachmachen sollten. Seinen M3 wollte er leider keinem zu Verfügung stellen. ;-)

Aber mit einem knapp 200 PS starken 328i auf ner bewässerten Kreisbahn Driften üben hat schon einen ganz besonderen Charme. Bei mir hat es maximal zu einer halben Runde gereicht, bevor ich mich gedreht habe. Bei den anderen Teilnehmern gab es ein ähnliches Ergebnis, insofern sie überhaupt den Wagen mal im Drift gehalten bekamen. Einzig bei dieser Übung war zu wenig Zeit für jeden aus der Gruppe, um wirklich ausgiebig die Übung zu probieren. Aber man konnte auch nicht erwarten, daraus als "Driftking" hervor zu gehen. :-)

Die letzten 90 Minuten am Nachmittag waren dann reines Spaßprogramm. Es ging auf das Kart-Motodrom, das in der Mittagszeit mit reichlich Pylonen versehen worden war. Da waren Slalomparcours, Tore und andere Formen von Hindernissen aufgebaut, um die herumgefahren werden sollte. Nach etwas Theorie zu optimalem Schlupf und Anfahrdrehzahl ging es dann darum, dass jeder Teilnehmer diesen Parcous auf Zeit schnellstmöglich absolvieren sollte. Am Ende der Runde war eine Bremszone markiert, innerhalb der das Fahrzeug zum Stehen kommen musste.

Das war natürlich der totale Hammer. Eine verwinkelte Gokart-Strecke und knapp 200 PS mit dem Auftrag "gib ihm!". :-) Es ging los um eine 180°-Rechtskurve, die innen angefahren wurde, dann musste man nach außen um einen Pylonen herum und wieder nach innen, um das nächste Tor zu kriegen. Doch nicht zu schnell und schön im 1. Gang (bei um 5000 U/min) bleiben, damit man den Eingang in die folgende Slalomstrecke gut erwischte. Dann hoch in den 2. Gang, Vollgas. Durch den weiteren Slalom durch, leicht anbremsen für einen Linksknick an dessen Ende die Bremszone schon wartete, aus der man aus Höchstdrehzahl im 2. Gang (gut 100 km/h) runterbremsen musste. War alles ganz leicht. :-)

Im dritten Versuch konnte ich damals immerhin die drittschnellste Rundenzeit einfahren. Doch daran gemessen, dass uns die Instruktorin mit dem gleichen Auto knapp 3 Sekunden (bei ca. 30 Sek. Rundenzeit) abnahm, schrumpften unsere Egos wieder gehörig. Die schnellsten drei bekamen dann am Ende im Dorint noch eine Urkunde und alle saßen wir noch zu einem Schwätzchen zusammen bis sich die Runde gegen 19 Uhr auflöste.

Insgesamt wurde deutlich mehr geboten als nur ein Sicherheitstraining. Die Aspekte Fahrspaß und Fahrzeugbeherrschung wurden ebenso berücksichtigt wie Sicherheitsaspekte und Grundlagen zu aktivem und souveränem Autofahren. Der Tag hat sich insgesamt sehr gelohnt, auch wenn die Sache mit damals gut 800,- DM gut bezahlt werden wollte. Dafür war aber volle Verpflegung, erstklassiges Material und rundum Versicherungsschutz mit dabei.

Aufgrund des hohen Preises ziehe ich dennoch einen Stern ab, empfehlenswert halte ich dieses oder auch verwandte Trainings - je nach Schwierigkeitsgrad und Interesse des Fahrers - aber in jedem Fall für jeden auch noch so erfahrenen Autofahrer.

Ich hoffe Euch hat mein Bericht interessiert und unterhalten. Gebt doch einen kurzen Kommentar ab, wenn Ihr bewertet und schaut auch mal in meine anderen Berichte rein. ;-)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Disastamasta

Disastamasta

27.08.2004 19:44

Hey, Super Bericht ;-) Man merkt dass es Dir Spass gemacht hat *ggg*. Ich bin neugierig geworden und wenn ich dereinst den Zettie auf dem Hof geparkt habe, dann werde ich das wohl auch mal durchziehen. Ich habe mal ein "bh" abgedrückt. CYA Disastamasta

realRIP

realRIP

03.02.2004 11:08

Umfangreicher und lesenswerter Bericht. Da möchte man sich doch am liebsten auf den Weg machen und so ein Training absolvieren. Klingt wahnsinnig interessant. Aber wie Du schon erwähnt hast, hat das auch seinen Preis. Ich hab Ende der '90er ein Fahrsicherheitstraining des ADAC besucht. Das war ne absolute Enttäuschung. Da hatte ich im normalen Straßenverkehr aufregende Situationen erlebt und gemeistert. Auf jeden Fall hattet ihr viel mehr Spaß dabei. Bin glattweg etwas neidisch. cu Jörg

Overknees

Overknees

28.12.2003 14:23

;) Sprach die Instruktorin zufällig kölschen Zungenschlag und fährt häufig das Renntaxi am Ring? *grinZ* Tja, 800,- Märker sind heftig... wir machen die Veranstaltungen ein wenig anders, halt auf eigenen Autos und es gibt nur Snacks.. dafür zahlen Nicht-AvD Mitglieder aber auch nur 200 €, Mitglieder 100 €. Und die Übungen sind auch mehr auf Grundelemente ausgerichtet, z.B. Bremsschlag üben (also möglichst schnell mit möglichst viel Druck auf die Bremse... da haben Frauen oft zuerst mal echte Probleme). Dein Bericht müsste eigentlich jeden Tag für Stunden auf die Startseite... es liessen sich soviele Unfälle vermeiden, wenn mehr Leute mitmachen würden. Greetz Marc A.

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