Bachata

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Heute möchte ich einfach mal die Bachata vorstellen. Und zwar aus meiner ganz persönlichen Sicht. In den letzten Jahren hat die Bachata in den Latino Discos immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist inzwischen nach Salsa und Merengue zur dritthäufigst gespielten Musikrichtung geworden. Dabei ... Bericht lesen





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Was ist eine Bachata?
Erfahrungsbericht von trabajador5 über Bachata
18.06.2001


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Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Heute möchte ich einfach mal die Bachata vorstellen. Und zwar aus meiner ganz persönlichen Sicht.
In den letzten Jahren hat die Bachata in den Latino Discos immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist inzwischen nach Salsa und Merengue zur dritthäufigst gespielten Musikrichtung geworden. Dabei ist dieses Phänomen durchaus nicht auf Deutschland beschränkt. Zumindest für die USA, für Spanien und für Portugal kann ich sagen, dass inzwischen sehr häufig Bachata gespielt und getanzt wird. Vor fünf Jahren noch wurde meist nur maximal ein bis zweimal pro Abend eine Bachata gespielt, wenn überhaupt. Inzwischen nehmen die Bachateros in den Latino-Charts der USA die vordersten Ränge ein. Für aktuelle Informationen empfehle ich die Seite http://laritmo.com.

Die Leute, die in Deutschland Tanzunterricht geben, haben größtenteils keine Ahnung von der Bachata, und so herrscht meistens eine gewisse Orientierungslosigkeit auf der Tanzfläche. Die meisten behelfen sich mit einem Gemisch aus Salsa und Merengueschritten. Die Bachata unterscheidet sich aber von den anderen Tänzen. Deutsche neigen dazu, ihre Tanzpartnerin polkalike wie einen Kreisel rotieren zu lassen. Je mehr Drehungen, desto besser. Drehungen sind bei der Bachata eher weniger gefragt. Man lauscht der Musik und schlürft mehr oder weniger ineinander verkeilt übers Parkett. Jeweils am Ende der Schrittfolge wird das Bein kurz angewinkelt.

Die Bachata stammt aus der Dominikanischen Republik. Insbesondere im Cibao, das ist das fruchtbare Tal zwischen Santiago und Mao Valverde und in Samana wurde schon immer Bachata gespielt. Bachata ist die Hausmusik dieser Gegend und hatte hier immer schon mehr Bedeutung als der Merengue. Es ist die Musik der einfachen Leute, die Geschichten aus dem täglichen Leben in der Dominikanischen Republik erzählt. Ganz klar dominiert wird die Musik von der Gitarre, die typischerweise sehr hart angeschlagen wird und den für die Bachata typischen Klang erzeugt. Ein Teil der Bachatas fällt textmäßig wirklich in die allerunterste Schublade. Hier geht es ganz offen wirklich nur um Sex und um verschiedene Stellungen etc. Das sind die Lieder, die mich persönlich eher weniger interessieren. Diese Bachatas waren vielleicht auch der Grund, warum viele Dominikaner des Südens früher immer die Nase gerümpft haben und nichts von Bachata wissen wollten. Das war für die Capitalenos halt nur Bauernmusik oder Puffmusik.

Es gibt aber auch noch eine andere Seite.
Die Bachata ist sehr melancholisch. Man kann sie, was die Inhalte anbelangt, vielleicht mit dem Blues vergleichen, obwohl sie eigentlich nichts mit der Sklaverei zu tun hat. Oft enden sie mit dem Tod oder mit Trennung. Häufig wird in ihnen die ganze Schlechtigkeit der Frauen geschildert. Verlassene Männer, Alkohol und Bachata sind oft ein explosives Gemisch, das schon häufig die Initialzündung für Familiendramen gegeben hat. Die Männer sitzen in der Bar und hören Bachata. Irgendwann nehmen sie eine Machete und drehen durch. Vielleicht auch deshalb hat Luis Miguel del Amargue die Bachata „no le mates“ (bring sie nicht um) geschrieben, in der die Männer aufgefordert werden, eine Trennung zu akzeptieren. Ich selbst kenne das Gefühl, wenn nach mehreren Bachatas der Rum wie Wasser schmeckt. Es ist eigentlich kein schlechtes Gefühl. Man verspürt dabei so eine angenehme Art Trauer. Tanzt man dabei, also sind auch Frauen in der Nähe, so bekommt die Bachata etwas heiteres und man vergisst die Texte und den Schmerz der tief in einem drin durch die Bachata angekratzt wird.

Fast alle bekannten Bachateros waren schon in Deutschland. Ich persönlich war schon auf Konzerten von Zacarias Ferreira, Frank Reyes und Raulin Rodriguez. Typischer Vertreter ist für mich dabei Raulin, den ich im Cinemaxx in Essen besucht habe. Er ist eher ein ruhigerer Mensch, der freundlich auf dem Stuhl sitzend in ganz normaler Kleidung gitarrespielend seine Texte präsentiert. Und die haben es in sich und fordern dazu auf, aus tiefster Seele mitzusingen. In den Pausen unterhält man sich, macht ein Photo mit dem Sänger und wechselt ein paar Worte. Auch das ist (noch?) typisch für die Bachateros. Raulin hat mir sein Plakat signiert und beim Verfassen der Widmung merkte ich, dass es mit der Beherrschung der Buchstaben bei ihm nicht so weit her ist. Ich unterhielt mich kurz mit ihm über ein paar gemeinsame Bekannte und wir wünschten uns Alles Gute. Es gab da einen kleinen Spanier, der aussah wie ein Mitglied einer Boygroup. Er kannte alle Texte in und auswendig. Als Raulin dies sah, bat er ihn auf die Bühne und gab sein Mikrofon ab. Das weibliche Publikum im jüngeren Alter war der Ohnmacht nahe.
Raulin freute sich wie ein Schneekönig und sang das nächste Lied im Duett. Auch dies typisch.

Bachata hörte ich oft vor meinem Haus in Santiago. Wenn mal wieder der Strom ausgefallen war, setzten wir uns alle auf die Straße und erzählten Geschichten. Batterien für einen Ghettoblaster waren auch immer vorhanden. Da war Maximino, mein Nachbar. Jedes Mal fing er an zu singen und seine Frau hielt ihm den Mund zu. Wir hörten zum x-ten Mal die Story, als er ein großer Bachatero war. Er erzählte dabei die Geschichten von aufrechten Menschen, die zur Zeit der Diktatur von Trujillo nicht den Mund gehalten haben. Keiner glaubte ihm so recht. Seine Lieder wurden seinerzeit verboten und alle Radiostationen mussten seine Platten vernichten. Maximino ist inzwischen gestorben, an Lungenkrebs. Er hat nicht geraucht und immer gesund gelebt, aber er war Maurer und hat sein Leben lang Häuser gebaut, auch Dächer aus Asbestbetonplatten, die er mit der Flex ohne Mundschutz selbst zugeschnitten hat. Nach seinem Tod hat mir seine Frau einige Negativformen für Schallplatten und alte Tonbänder gegeben. Sie wollte, dass ich sie für ihn in Deutschland hörbar mache.

Ich habe noch ein Tonstudio gefunden, das ein entsprechendes Tonbandgerät hatte. Ich ließ 8 Songs auf CD brennen. Plötzlich hörte ich Maximino wieder, wie er Bachata singt, diesmal mit Instrumenten. Es klang alles sehr professionell, wie aus dem Radio. Er sang die Geschichte einer Schülerin, die bei einer Demonstration gegen die Diktatur erschossen wurde oder einfach nur Lieder von unglücklichen Männern. Als ich vor drei Jahren das letzte mal in die Karibik flog, habe ich die CD mitgenommen. Das ganze Viertel heulte, als die Stimme von „Massi“ erklang. Vielleicht auch deshalb habe ich eine sehr persönliche Beziehung zu dieser Musik.

Inzwischen versuchen viele Salseros mal so die ein oder andere Bachata zu singen. Ich kann nur sagen: scheußlich. Die Bachata kommt aus dem Volk der Dominikanischen Republik und nur die Dominikaner der Unterschicht können sie richtig singen.
   
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