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In „Libera Me“ (2000) zeigte der südkoreanische Regisseur Yun-ho Yang Feuerwehrleute auf der Jagd nach einem psychopathischen Brandstifter. Die Brandszenen in diesem Film sind unübertroffen. „Libera Me“ lebte von der Darstellung des Kampfes gegen das Feuer, vernachlässigte aber Charaktere und Geschichte. Ron Howard („Cocoon“, 1985; „Apollo 13“, 1995“; „A Beautiful Mind“, 2001) inszenierte zehn Jahre zuvor eine ähnliche Geschichte, in der es allerdings nicht um einen Psychopathen, sondern um Rache und den Zwist zweier Brüder ging.
• I N H A L T •
Brian McCaffrey (William Baldwin) musste als siebenjähriger Junge mit ansehen, wie sein Vater bei einem Einsatz der Feuerwehr sein Leben lassen musste. 20 Jahre später hat er gerade seine Ausbildung zum Feuerwehrmann absolviert und wird Mitglied der Abteilung 17 der Feuerwehr von Chicago, in der auch sein älterer Bruder Stephen (Kurt Russell) als Leutnant arbeitet. Zwischen den Brüdern besteht eine Art Hassliebe. Stephen hält Brian für unfähig, den Job bei der Feuerwehr auszuüben. Aber Brian ist fest entschlossen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.
Allerdings wird schon sein erster Einsatz zu einem Misserfolg. Zudem hat sich seine Freundin Jennifer (Jennifer Jason Leigh) von ihm abgewandt; sie arbeitet jetzt für den Bürgermeisterkandidaten Swayzak (J. T. Walsh). Stephen hingegen scheint in seinem Beruf voll aufzugehen. Auch deshalb hat sich seine Frau Helen (Rebecca de Mornay) von ihm getrennt. Da Stephen seinen Bruder dauernd spüren lässt, das er nicht viel
von ihm hält, nimmt Brian schließlich das Angebot Swayzaks an, als „sein Mann“ für Donald Rimgale (Robert de Niro) zu arbeiten. Rimgale untersucht die Ursachen für Brände. Schon bald stoßen er und Brian auf eine mysteriöse Serie von Bränden, die offensichtlich absichtlich gelegt und bei denen die Inhaber von Geschäften getötet wurden. Rimgale vermutet, dass Swayzak mit den Bränden etwas zu tun haben könnte. Und Brian, der sich wieder mit Jennifer trifft, findet über sie verdächtige Dokumente, die auf Korruption hindeuten ...
• I N S Z E N I E R U N G •
Gleich vorneweg: Die Geschichte, die Gregory Wilden und Ron Howard erzählen, köchelt auf niedrigster Sparflamme– für mehr als zwei Stunden reicht das einfach nicht aus. Zu offensichtlich ist, dass der Mörder eben nicht der Bürgermeisterkandidat sein kann – und der Rest ist einfach zu leicht zu erraten. Nicht nur das: Der Bruderkonflikt – Russell als aggressiver, unzufriedener Mann, der den Tod seines Vaters nie überwunden zu haben scheint, Baldwin als sein Bruder, der Stephen als liebenden Bruder zurück haben will – würde zwar für einen spannenden Konflikt taugen. Nur, die beiden Akteure sind schlichtweg nicht in der Lage, diesen Konflikt schauspielerisch auszutragen. Während Russell in der Rolle des ewig verletzten Sohnes einfach theatralisch übertreibt, ist William Baldwin nichts anderes als ein besonders schlechter Mime. Zumeist steht er mit wenig überzeugender Miene „fragend“ in der Gegend herum oder bewegt sich unbeholfen durch die Szenen, als wenn er gerade frisch von der Schauspielschule käme. Alles wenig überzeugend.
Das Klischee vom korrupten Politiker ist an und für sich kein Problem, wenn es denn J. T. Walsh erlaubt worden wäre, diesem Mann auch etwas an Farbe zu geben. Aber Walsh taucht sowieso nur in wenigen Szenen auf, sozusagen als notwendiges Anhängsel eines mäßigen Drehbuchs. Ebenso ergeht es Robert de Niro, der als Feuer-Inspektor zwar das gibt, was er kann, und das ist bekanntlich nicht wenig. Aber die Geschichte, in die er da hinein verfrachtet wurde, gibt nicht viel her. De Niro ist de Niro, auch hier, Donald Sutherland als krankhafter Brandstifter in einer Nebenrolle tut ebenfalls sein Bestes. Aber beide wurden gezwungen, ebenfalls auf Sparflamme zu spielen.
Großen Raum nehmen im Film die Szenen ein, in denen die Engine Company No. 17 versucht, Brände zu löschen. Viel Aufwand wurde hier betrieben. Allerdings sollte man nicht lange darüber nachdenken, ob das alles so geschehen kann, was einem gezeigt wird. Feuerwehrleute halten sich in Großgebäuden zwischen mehreren Feuerherden auf. Da sei die Frage erlaubt, ob sie angesichts der enormen Hitze nicht verbrennen müssten. Gleiches gilt für eine Szene gegen Schluss des Films, in der Stephen schwer verletzt und von seinen Leuten herausgeholt wird. Trotzdem sind die Szenen mit hohem Aufwand an Pyrotechnik, Stuntmen und Tricks inszeniert worden und teilweise beeindruckend, etwa die Szenen, in denen die spezielle Art der Brandstiftung und ihre Folgen vorgeführt werden: Eine Feuerwand platzt förmlich aus einem Raum und tötet die Geschäftsinhaber, um dann rasch zu erlöschen.
• F A Z I T •
Das allerdings rettet den Film nicht. Zu dem nervte mich (einmal mehr) die Musik Hans Zimmers, die man schon „von weitem erkennt“. Sicher wird „Backdraft“ als Action-Movie seine Anhänger gefunden haben und auch weiter finden. Mir ist die Geschichte zu dünn. Und es bewahrheitet sich einmal mehr, was Steven Spielberg so ausdrückte: Die Technik hat der Geschichte und den Charakteren zu dienen, nicht umgekehrt. Hier ist es leider umgekehrt.
Wertung: 4,5 von 10 Punkten.
Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen (Backdraft) USA 1991, 132 Minuten Regie: Ron Howard
Drehbuch: Gregory Widen Musik: Hans Zimmer Director of Photography: Mikael Salomon Schnitt: Daniel P. Hanley, Mike Hill Produktionsdesign: Albert Brenner Darsteller: Kurt Russell (Lt. Stephen „Bull“ McCaffrey), William Baldwin (Brian McCaffrey), Robert de Niro (Lt. Donald „Shadow“ Rimgale), Donald Sutherland (Ronald Bartel), Jennifer Jason Leigh (Jennifer Vaitkus), Scott Glenn (John „Axe“ Adcox), Rebecca de Mornay (Helen McCaffrey), Jason Gedrick (Tim Krizminski), J. T. Walsh (Alderman Marty Swayzak), Anthony Mockus Sr. (Chief John Fitzgerald), Cedric Young (Grindle), Juan Ramírez (Ray Santos), Kevin Casey (Nightingale), Jack McGee (Schmidt), Mark Wheeler (Pengelly), Richard Lexsee (Washington), Beep Iams (Sean McCaffrey), Ryan Todd (Brian als Kind)
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0101393
Weitere Filmkritik(en): „Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert) (3 von 4 Punkten): http://wwwn.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1991/05/651485.html
04.04.2004 22:32
Da hast du Recht, dünne Geschichten gibt es wie Sand am Meer
04.04.2004 11:18
Also muß ich den nicht unbedingt sehen...:)
03.04.2004 20:16
Also Ron Howard kenne ich hauptächlich dadurch, weil er mal bei den Simpsons einen Gastauftritt hatte ;-) Dein Bericht ist wie immer erste Klasse!