Erfahrungsbericht über

Baldur's Gate (DVD-ROM) (PC-DVD)

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TALES FROM THE SWORD COAST

5  18.09.2001 (29.01.2002)

Pro:
Umfang, Motivation, Spaß

Kontra:
Synchronisation, kleinere grafische Mängel

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Grafik

Sound

Multiplayer:

Bedienung

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TFaust99

Über sich: [ ]

Mitglied seit:31.01.2001

Erfahrungsberichte:155

Vertrauende:62

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 48 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

In den achtziger Jahren erwarb die Softwarefirma SSI die Lizenzen für eine Umsetzung des klassischen Pen & Paper-Rollenspiels „Advanced Dungeons & Dragons“ (= AD&D). Was folgte, waren eine Reihe richtungsweisender Rollenspiele für C64, Amiga und PC. Die wenigsten kennen den ersten Teil dieser Reihe, Pool of Radiance (ein Sequel steht seit kurzem in den Geschäften, Bericht folgt), die „Eye of the Beholder“ Serie dürfte schon bekannter sein. Insgesamt 12 der in den „Forgotten Realms“ angesiedelten Spiele erschienen, danach wurde es einige Zeit still um SSI. Die Firma wurde derweil von Interplay geschluckt, womit die Lizenz in deren Hände wanderte. Anfang 1999 war es dann soweit – der große Knall im Rollenspieluniversum stand bevor! Eine von Interplay beauftragte Kleinfirma namens Bioware hatte in aller Stille in dreijähriger Entwicklungszeit das Spiel entwickelt, an dem sich heute alle anderen RPGs zu messen haben: *Trommelwirbel* ...Baldur’s Gate.


Die Story:
Das Abenteuer beginnt im friedlichen Küstenstädtchen Kerzenburg, welches unweit der titelgebenden Stadt Baldur’s Gate liegt, die momentan unter einem bedrohlichen Eisenmangel leidet. Der Spieler lebt mit seinem Pflegevater Gorion in Kerzenburg. Dieser will unseren Helden unbedingt mit auf eine gefährliche Reise nehmen, deren Ziel er sich weigert zu verraten. Kaum nachdem die beiden jedoch das Stadttor Kerzenburgs passiert haben, werden sie schon überfallen. Gorion wird von einem mysteriösen Fremden umgebracht und der Spieler ist auf sich allein gestellt. Naja, nicht ganz auf sich allein, denn die kleine Diebin Imoen ist den beiden gefolgt und schließt sich nun dem Spieler an. Zusammen versuchen sie, Rache an dem Fremden zu nehmen und das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Dabei stoßen sie auf eine im wahrsten Sinne des Wortes überdimensionale Verschwörung, lösen ganz nebenbei das Rätsel um den Eisenmangel und werden letztendlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Aber spielt selbst...


Das Spiel:
Wie bei jedem guten Rollenspiel üblich, muss erst einmal unser Held, unsere virtuelle Spiegelung in der Welt von Baldur’s Gate, erschaffen werden. Vielfältige Einstellungsmöglichkeiten bieten für jeden Charakter etwas (von so profanen Dingen wie Geschlecht und Porträt bis hin zu Rasse, Beruf und moralischer Gesinnung). Menschen, Zwerge, Elfen, Halblinge, Gnome... jedes Volk hat seine speziellen Eigenarten. Zwerge haben zum Beispiel mit ihrer geringen Größe zu kämpfen, sind allerdings resistent gegen bestimmte Zauber. Ähnlich sind die verschiedenen Berufe: magiebegabt oder nicht ? Während ein Zauberer beispielsweise die Attacken der Gegner mit einem magischen Schild abwehren oder Fallen mithilfe von Magie entdecken und entschärfen kann, jedoch unter dem Gewicht eines normalen Schwertes schon zusammenbricht, ist ein Kämpfer in der Lage, mühelos Zweihänderschwerter zu schwingen und die schwersten Rüstungen zu tragen – allerdings muss dieser dann auf die Anwendung von Magie verzichten. Weiterhin gibt es noch die geschickten Diebe, Priester, Waldläufer, Barden... die Liste ist lang.
Interessant ist auch die Wahl der Gesinnung. Diese bestimmt über das Verhalten anderer Charaktere dem Spieler gegenüber. So kann ein entsprechend „böser“ Charakter ohne großartige Probleme in ein feindliches Räuberlager einmarschieren, während „gute“ Spieler sich den Weg erkämpfen müssen. Jedoch hat der „Böse“ dann Probleme, „gute“ Mitstreiter zu finden oder gar mit der Stadtgarnison problemlos klarzukommen.
Das eigentliche Spiel besteht dann aus einer riesigen Spielwelt (insgesamt gibt es rund 10.000 Bildschirme zu bereisen!). Der Spieler kann mit seiner Truppe (man kann sich nämlich bis zu 5 andere Charaktere in die Party holen) die Gegend um die Schwertküste bereisen. In einer Gesamtübersichtskarte wählt er sein Ziel aus, und sobald die Gruppe dort angekommen ist, darf sie sich in Echtzeit durch ein zumeist riesiges Areal bewegen, in dem es natürlich nicht sicher ist und das erst einmal erforscht werden will. Nach und nach werden immer mehr Ziele auf der Karte freigeschaltet, die bereist werden können (meist nach Beendigung eines wichtigen Auftrags oder einfach, indem man auf eigene Gefahr „ins grüne“ spaziert). Ländliche Gegenden, Wälder, Gebirgszüge, Städte, Burgen, Minen und noch vieles mehr können besucht werden. Entweder trifft man dort auf eine große Zahl von Gegnern, die es zu besiegen gilt (dazu gleich mehr), oder auf freundlich gesinnte Menschen, die den ein oder anderen Auftrag zu vergeben haben. Insgesamt gibt es im Spiel rund 120 verschiedene Aufträge, die zwar nicht alle gelöst werden müssen, um den Abspann zu sehen, jedoch oft großzügig mit Erfahrungspunkten, Gold oder besonderen Gegenständen vergütet werden.
Gegenstände lassen sich auch in den zahlreichen Geschäften erwerben, allerdings zu oftmals recht happigen Preisen.
Trifft die Party auf eine Gruppe Gegner, kommt es meist zum Kampf. Dieser kann mithilfe einer Pausetaste jederzeit unterbrochen werden, um neue taktische Anweisungen zu geben. Die richtige Taktik ist sowieso der Schlüssel zum Erfolg. Entweder man lässt die Charaktere ihre Vorgehensweise selbst bestimmen (über sogenannte Scripts, die jederzeit verändert werden können) und schaut den Kämpfen nur zu, oder man greift selbst ein und verändert Aufstellung, Waffenwahl und Strategie der Truppe.
Nach erfolgreichem Gemetzel gibt es erst einmal Erfahrungspunkte. Hat ein Charakter eine bestimmte Anzahl dieser Punkte gesammelt, darf er eine Stufe aufsteigen. Seine Lebensenergie steigt, eventuell auch seine Fertigkeiten im Umgang mit der Waffe und bei magisch begabten Charakteren gibt es neue Zauber zu lernen.
So zieht man also durch die Lande, monstermetzelnd und Aufträge erfüllend. Nach einigen Tagen der Ratlosigkeit zeichnet sich auch so etwas wie ein roter Faden für das weitere Vorgehen ab, denn schließlich wollen Rätsel gelöst und Oberbösewichte bestraft werden! Das Spiel ist in insgesamt sieben große Kapitel unterteilt, deren Bewältigung mindestens (!) 130 Stunden Spielzeit beansprucht. Baldur’s Gate ist also nichts für ungeduldige Spieler, viel Zeit muss investiert werden, die allerdings auch mit einer Menge Spielspaß belohnt wird.


Grafik und Sound:
Ein großes Manko der grafischen Umsetzung ist, dass die Auflösung nur aus 640-480 Pixeln besteht und nicht höher gestellt werden kann. Trotzdem sind die liebevoll gezeichneten Landschaften nett anzusehen, auch wenn sie mangels Animationen recht leblos wirken. Keine sich im Wind wiegenden Bäume, keine Tierchen, die durch den Wald huschen. Dafür aber nette Wettereffekte sowie Tag- und Nachtwechsel.
Musikalisch wird das Ganze von stimmungsvoller Hintergrundmusik umrahmt, die sich dem Geschehen anpasst. Außerdem verfügt jeder Charakter über eigene Sprachausgabe (die Stimme der Spielerfigur kann zu Beginn ausgewählt werden). Meckern muss man über die wirklich miese Synchronisation. Wir sind hier schließlich in einer zauberhaften Fantasywelt und nicht im tiefsten Sachsen! Aber genau so klingen etliche Stadtbewohner, so dass sich der Spieler des öfteren vor Lachen auf dem Boden wälzt, was zwar auch für Unterhaltung sorgt, aber nicht für Stimmung und Atmosphäre.


Die Steuerung:
Baldur’s Gate lässt sich komplett mit der Maus spielen. Da der Großteil des Spiels in Echtzeit abläuft, hat man einfach beim Genre der Echtzeitstrategie geklaut und eine derartige Maussteuerung entwickelt. Soll heißen der ausgewählte Charakter kann mithilfe eines Mausklicks bewegt werden, verweilt der Mauszeiger auf einem Gegner, verwandelt er sich in ein Schwertsymbol – ein Klick, und der Charakter geht zum Angriff über. Das gleiche gilt für andere Personen, nur dass der Mauszeiger hier zu einer Sprechblase mutiert.
Auch der Handel oder Austausch von Gegenständen läuft problemlos ab, ebenso wie die Menüs zur Charakterentwicklung und Magie.


Multiplayer:
Bis zu sechs Teilnehmer haben die Möglichkeit, über LAN oder Internet miteinander oder auch gegeneinander zu spielen. Ausprobiert habe ich das allerdings noch nicht.


Das Add-On:
„Tales of the Sword Coast“ heißt eine Zusatz-CD, die weitere Landschaften und Aufträge bereithält und zusätzliche 30 Stunden Spielspaß verspricht. Mittlerweile habe ich das gute Stück (welches für Freunde des Spiels wirklich empfehlenswert ist) irgendwo für 5,- DM gesehen.


Fazit:
Baldur’s Gate hat das verstaubte Rollenspiel-Genre aus der Versenkung auferstehen lassen. Ein regelrechter Rollenspiel-Boom folgte, dem BG natürlich Pate stand und mit bestem Beispiel voranschritt (mehr zum Thema „gute Rollenspiele“ siehe Ende des Berichts).
Wer a) das Genre mag und b) viel Zeit mitbringt oder c) sich für Spiele interessiert, die Geschichte geschrieben haben, ist mit Baldur’s Gate bestens bedient.
Das Spiel macht ungeheuer Spaß, es ist eine große Motivation, seine Gruppe von schwächlichen Anfängern zu starken Kriegern und mächtigen Magiern reifen zu sehen, und die Story kann mit einigen Überraschungen aufwarten und fesselt ganze Tage und Nächte vor dem Monitor.
Seit einigen Wochen ist das Spiel als Budget-Version für 20,- DM zu haben. Das macht pro CD 4,- DM, und für den Preis muss man das Spiel einfach haben!


Systemanforderungen:
Pentium 120 (ab P II/300 ist es dann auch angenehm spielbar *g*)
16 MB RAM
200 – 2500 MB freier Festplattenspeicher (je nach Wahl der Installationsgröße)


Baldurgraphie:
*** Baldur’s Gate verwendet die „Infinity-Engine“. Andere Spiele mit dieser Engine, die ebenfalls auf dem AD&D-Regelwerk basieren, sind ... ***
Planescape Torment
Icewind Dale (+ Add-On „Heart of Winter“)
Baldur’s Gate 2 (+ Add-On “Throne of Bhaal”)
*** weitere empfehlenswerte Rollenspiele, die mitunter auch schon etwas älter sind: ***
Pools of Darkness
Ultima 7
Ultima Underworld 1 & 2
Wizardry 6 & 7
Might & Magic 4 & 5
Fallout 2
Vampire the Masquerade – Redemption

Thomas Faust, 18.09.2001

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DaRaven82

DaRaven82

16.02.2003 15:04

Klasse Bericht zu einem Super Spiel, das einizgste was ich an den Spiel bemängeln kann ist der Multiplayer Modus, denn bei allen gesprächen hält das Spiel bei jedem im Netz an, das ist bei Teil 2 schon besser gelöst. Ansonsten ist das Game Top ! Gruß, Andreas

mcwakan77

mcwakan77

02.07.2002 16:01

Guter und ausführlicher Bericht! Ich bin gerade dabei es zu zocken und finde es nicht so toll. Abgesehen von der Grafik (ist ja auch schon ein älteres Spiel), finde ich es schade, dass der Erhalt von Erfahrung begrenzt ist. Allerdings habe ich das Wechseln der Klassen noch nicht so gerafft. Vielleicht ist hier noch was möglich.

Haewss

Haewss

20.06.2002 18:08

Klasse Bericht mit sehr guter Einleitung. Wenn ich das Spiel nicht schon längst hätte würde ich es mir morgen kaufen :-)

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