Baltic Storm (2003)

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Baltic Storm (2003)

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Da hätt man viel mehr draus machen können

2  26.10.2003 (28.09.2004)

Pro:
Ein "heißes Eisen" wird angepackt

Kontra:
Sehr oberflächlich mit wenig Tiefgang

Empfehlenswert: Nein 

squarerigger

Über sich: Besonders am Herzen liegt mir derzeit meine Meinung zur (Nicht-)Zukunft der Atomkraft. - Besucht me...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

28.09.2004: Heute jährt sich zum 10. Mal der Tag des Untergangs der "Estonia". Die offenen Fragen zur Ursache sind immer noch nicht geklärt!

Originalmeinung vom 26.10.2003

Am vergangenen Freitag war ich mal wieder im Kino. Der seit 16. Oktober in den deutschen Kinos laufende Film „Baltic Storm“ interessierte mich schon lange, schon seit ich in den Medien über die Dreharbeiten gelesen hatte.

Grundlage dieses Films ist der tragische Untergang der estnischen Fähre „Estonia“ in der Ostsee in der Nacht vom 27. auf den 28. September 1994, bei dem mehr als 850 Menschen ihr Leben verloren. Dieses Schiffsunglück interessierte mich schon lange. Zum einen bin ich selbst leidenschaftlicher Segler und kenne daher das Gefühl, im Sturm auf See zu sein; zum anderen war ich während meines Schweden-Urlaubs 2002 auch am Mahnmal für die „Estonia“-Opfer in der Nähe des „Vasa“-Museums in Stockholm und kam dort auch mit einer Hinterbliebenen eines Opfers ins Gespräch.

Der Verdacht, daß der offizielle Untersuchungsbericht der schwedisch-finnisch-estnischen Untersuchungskommission nicht die volle Wahrheit enthält, steht schon länger im Raum. Die deutsche TV-Journalistin Jutta Rabe hat in ihrem Buch „Die Estonia – Tragödie eines Schiffsuntergangs“ eine ganze Reihe noch längst nicht beantworteter offener Fragen gestellt, die durchaus zum Nachdenken anregen können.

Jutta Rabe ist auch eine der treibenden Kräfte hinter dem Film „Baltic Storm“ – allerdings gelingt es diesem Film bei weitem nicht, die Sachlichkeit, mit der sie in ihrem Buch argumentiert, zu vermitteln. Als eine mögliche Ursache des Untergangs sieht Rabe in ihrem Buch verschiedene durch Menschen ausgelöste Explosionen, welche zu massiven Wassereinbrüchen an Bord der „Estonia“ führten.

Diese These wird in „Baltic Storm“ zu einem Agententhriller aufgebauscht. Zur Handlung: Die „Estonia“ wurde im Film zweifelsfrei dadurch versenkt, daß russische KGB-Mitglieder das Schiff mittels gezielter Sprengladungen versenkten, um zu verhindern, daß ein estnischer Wissenschaftler mit hochbrisantem Bio-Kampfstoffen in die USA überläuft. Die deutsche TV-Journalistin Julia Reuter kommt diesem Sachverhalt auf die Spur und versucht zusammen mit dem schwedischen Anwalt Erik Westermark und dem deutschen Kapitän Jan Peters (beide „Estonia“-Überlebende, die bei dem Unglück Sohn bzw. Ehefrau verloren haben) diese Verschwörung aufzudecken.

Die Figuren Reuter, Westermark und Peters basieren tatsächlich auf real existierenden Personen. Darum herum wird jedoch eine gigantische Verschwörungstheorie gestrickt, bei der, wie kann es auch anders sein, das US-amerikanische Verteidiungsministerium die Hauptrolle spielt. Mehr möchte ich hier zur Handlung nicht verraten, da es ja sein könnte, daß der ein oder andere Leser den Film noch anschauen will.

Trotz eines Aufgebots an Stars (Greta Scacchi als Julia Reuter, Jürgen Prochnow als Erik Westermark, Donald-Sutherland als ranghoher Pentagon-Mitarbeiter Lou Aldryn) ist „Baltic Storm“ beileibe kein guter Film. Er bleibt, insbesondere was die menschliche Komponente dieser Tragödie, das Leid der Opfer betrifft, sehr, sehr oberflächlich. Auch vom technischen Standpunkt her ist er eher schlecht und mutet teilweise wie von Amateuren mit Super-8 gedreht an. Daß es der Handlung zeitweise an Logik fehlt, kommt erschwerend hinzu.

Betätigt sich Jutta Rabe in ihrem Buch „Die Estonia – Tragödie eines Schiffsuntergangs“ noch als kritische Fragerin, die auf massive Lücken im offiziellen Untersuchungsbericht hinweist, so versucht der Film eher, eine künstliche Wahrheit zu schaffen – wobei die Wahrheit eben in Sachen „Estonia“ noch lange nicht endgültig ermittelt ist (und leider, da hat der Film wiederum recht, wohl auch nie ermittelt werden wird, weil die zuständigen Behörden in Schweden, Finnland und Estland hier mauern).

In meinen Augen ist „Baltic Storm“ ein Flop. Dies ist mehr als schade, denn aus dieser Thematik hätte man auf jeden Fall deutlich mehr machen können. Gerade weil Jutta Rabe in ihrem Buch eigentlich eher einen durchaus seriösen, investigativen Journalismus praktiziert, empfinde ich es als mehr als übel, daß dieser Film nun auf ein Niveau abgleitet, welches eher dem der Bild-Zeitung entspricht.

So sorry, aber das reicht wirklich nur für 2 Sterne.

Ehe ich zum Ende komme, möchte ich noch ein paar Facts, die vielleicht die Cineasten unter Euch interessieren, erwähnen.

Der Film wurde 2002/2003 von Regisseur Reuben Leder gedreht; als Prouzent trat neben der schon erwähnten Journalistin Jutta Rabe u.a. die auf Actionfilme spezialisierte US-amerikanische Produzentin Mimi Leder auf.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bolmsoe

bolmsoe

05.10.2004 15:10

Den hab ich irgendwie nie gesehen, obwohl es natürlich ein Thema ist, das mich von Haus aus interessiert. Schade, dass er so schlecht umgesetzt wurde. Vielleicht finde ich ihn ja irgendwann mal als günstige Ramsch-DVD, da würde ich ihn mir ansehen.

atek

atek

31.10.2003 15:04

Hat mir gefallen!

Sweetgirl19

Sweetgirl19

26.10.2003 13:03

Sehr schöner Bericht, mir fehlt da nichts, außer den Film selbst mal zu sehen *lach* Liebe grüsse und noch einen schönen Sonntag, Saskia

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