Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Schützt und stützt das Beingelenk |
| Kontra: |
Verletzungsgefahr bei falscher Anwendung, Verhätscheln |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Hallo liebe Lesenden,
dann wollen wir mal wieder in die Welt der Pferde eintauchen ... ;-)
Heute geht’s um Gamaschen und Bandagen, und wer hätte vor vier Monaten gedacht, dass ich Euch da mal was drüber erzählen kann? Ich jedenfalls nicht.
Doch siehe, mittlerweile kann auch Eure Heksen Bandagen wickeln und Gamaschen anziehen, ja, ja ...
>>> Vorweg: Ich reite noch nicht besonders lang, ich habe KEINE jahrelange Pferdeerfahrung und das, was ich hier wiedergebe, habe ich selbst erlernt. Ich behaupte weder, dass mein Bericht vollständig noch völlig sachlich korrekt ist, es sind lediglich meine Erfahrungen. Ich habe den Bericht für Leser geschrieben, die sich für das Thema Pferd interessieren, aber eben nicht schon 50.000 Stunden auf dem Pferderücken saßen. Die Professionals unter Euch können den Bericht gern auf den Kommentarseiten ergänzen :-) <<<
● Wofür braucht man Bandagen oder Gamaschen? ●
Ganz grob (weil später dazu mehr) - Bandagen und Gamaschen werden angewendet, damit sich die Pferde bei der Arbeit oder auf der Koppel nicht selbst in die Haxen treten.
Wenn ein Pferd ungewohnte Beinbewegungen macht, wie z.B. neue Dressurlektionen, erster Freigang auf der Koppel, Springen, oder es generell eher etwas grobmotorisch veranlagt ist, verwendet man diesen Beinschutz, um die Gelenke des Pferdes zu schonen, zu stützen oder auch zu schützen. Auch für den Transport im Hänger gibt es speziellen Beinschutz.
● Was sind Bandagen? ●
Bandagen sind lange, ca. 7cm breite Stoffstreifen, die über eine Bandagierunterlage aus weichem Stoff vom Huf über das Sprunggelenk am Pferdebein gewickelt, und oben mit Klettverschluss verschlossen werden.
Bandagen kann man – je nach Länge des Pferdebeines – in verschiedenen Längen erhalten, normal sind sich ca. 2,5 bis 3 Meter lang - pro Bein. Das Wickeln erfordert ein bisschen Übung und auch ein Pferd, dass wirklich mal fünf Minuten stillstehen kann.
Da Bandagen in allen erdenklichen Farben und Materialien erhältlich sind, und der Preis für ein vierer Set so um die € 20 liegt, sind sie besonders bei Dressurreitern zum Training sehr beliebt.
● Was sind Gamaschen? ●
Gamaschen haben den selben Effekt wie Bandagen, sind aber (finde ich) einfacher zu handhaben.
Sie bestehen meistens außen aus einem ergonomisch geformten Außenteil, der das Sprungelenk und ca. 10 cm darüber umschließt. Innen sind sie entweder mit Vlies, Stoff, Lammfell oder Neopren gefüttert, damit das Ganze auch weich und angenehm am Pferdebein anliegt. Verschlossen werden sie mit Klettverschlüssen, die durch eine Schnalle gezogen werden.
Im Gegensatz zu Bandagen, die man an jedes Pferdebein passend wickeln kann, muss man beim Gamaschenkauf die Größe des Beines kennen. Sie wird in Buchstaben und Zahlen ausgedrückt. So hat mein Asti beispielsweise die Größe V2, heißt Vollblut 2.
Außer den normalen Arbeitsgamaschen gibt es noch andere Modelle:
- Transportgamaschen:
Wenn ein Pferd oft auf Turniere gefahren wird und viel im Hänger steht, sind sie sinnvoll. Sie sind höher geschnitten als Arbeitsgamaschen und schliessen am Hinterbein das „Ellbogengelenk“ mit ein. Zum einen werden so die Beine während der Fahrt gestützt (das Pferd muß sich ja mit jeder Bewegung neu ausbalancieren) und zum anderen erhalten sie einen extra Trittschutz und schützen so vor Verletzungen. (Der Hängernachbar könnte ja auch aus Versehen mal treten).
- Streichkappen:
Streichkappen sind „ganz kleine“ Gamaschen, die um die Fesselgelenke des Pferdes gelegt werden. Sie werden hauptsächlich bei Jungpferden verwendet, wenn diese mit dem Arbeiten beginnen. Da beim Anreiten das Pferd auch neue Bewegungsabläufe erlernt, schützen sie die nebeneinanderliegenden Beine vor dem Aneinander-"Streichen" und somit vor Schürfwunden, bis das Pferd die Bewegungen gut beherrscht.
- Springglocken:
Springglocken oder Hufglocken sind den Huf umschließende Plastikschalen und eigentlich keine wirklichen Gamaschen. Ihre Aufgabe ist es, den empfindlichen Kronenrand des Hufes zu schützen, sollte das Pferd aus Versehen dagegen treten. Sie werden auch bei Pferden verwendet, die zum erstenmal beschlagen sind.
Bilder und kurze Beschreibungen findet Ihr auch hier, damit Ihr Euch darunter etwas vorstellen könnt:
http://www.nadineskleinewelt.de/Haflinger/
Haflingerportrait/Beinschutz/body_beinschutz.html
● Welche Materialien gibt es? ●
Bei Bandagen braucht man auf alle Fälle ein gut wickelbares, aber nicht zu weiches Material.
Die Unterlage, die um das Pferdebein gelegt wird, besteht meistens aus einer Art Filzvlies, ich habe aber auch schon Neoprenunterlagen gesehen. Sie soll stützend und weich sein.
Die Bandage selbst besteht entweder aus einem halbelastischen Stoff, oder auch aus solch neuen Materialien wie Neopren oder Polarfleece. Wichtig auch hier ist, dass sie stützt, ein wenig elastisch ist und dass sich im Bein kein Hitzestau bilden kann.
Gamaschen gibt es in allen Ausführungen – von Leder außen und Lammfell innen, bis zu Hartgummi außen und Stoff innen.
Ebenso wie die Bandagen, kann man Gamaschen heutzutage in fast allen erdenklichen Farben kaufen.
Die Gamaschen, die ich für Asti gekauft habe, sind schwarz, haben außen schwarz glänzendes Gummi (wenn ich es wasche ;-) ) und innen einen schwarzen Neoprenbezug. Ich finde sie sehr praktisch, da das Neopren zwar wärmt (und Schweiß treibt) auf der anderen Seite aber auch sehr schnell trocknet und nach einem Ritt durch den Bach nicht scheuert.
● „Anwendung“ ●
Da bemängelt wurde, dass ich Euch hier keine Tricks und Tipps verrate, soll das geändert werden :-)
Bandagen werden gewickelt, indem man die Unterlage an das Pferdebein legt, so dass die Öffnung vorne liegt. Der Sinn der Unterlage ist es, den Druck gleichmäßig zu verteilen. Nun geginnt man mit dem Wickeln am Kronenrand des Hufes und wickelt nach oben. Nach jeder Umdrehung wird die Bandage angezogen. Hierbei müsst Ihr unbedingt darauf achten, dass die Bandage weder zu fest noch zu locker sitzt und die Unterlage flach aufliegt.
Sonst kann das Bein evtl. nicht richtig durchblutet werden, die Bandage rutscht, oder es bilden sich bei falschem Aufliegen Druckstellen, die unangenehm für das Pferd sind. Am Ende der Bandage wird diese mit Klettverschluß fixiert.
Fleecebandagen können ohne Unterlage gewickelt werden (was ich auch nicht wußte). Bandagen werden natürlich(!) auch als Verband verwendet.
Persönlich finde ich, dass das richtige Wickeln einige Übung erfodert - Ihr solltet es die ersten Male keinesfalls ohne Aufsicht machen, schließlich wollt Ihr dem Pferd etwas Gutes und ihm nicht weh tun. Eine falsch gewickelte Bandage kann schlimmstenfalls dem Pferd Schmerzen (durch Druckstellen) oder Verletzungen (durch Durchblutungsstörungen und Druck auf die Sehnen) zufügen. Also – lieber Finger weg, wenn Ihr nicht wisst, wie es richtig gemacht wird!
Beim Reiten mit Bandagen solltet Ihr darauf achten, ob die Bandagen nach einer Zeit noch immer richtig sitzen – wenn sie gerutscht sind, bringen sie null Stützeffkt und Ihr müsst neu wickeln. Ich bin im Gelände noch nie mit Bandagen geritten, nur mit Gamaschen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Bandagen im Gelände eher etwas unpraktischer sind, weil sich gegebenenfalls kleine Ästchen oder Zweige in ihnen verfangen können. Im ungünstigsten Fall verschiebt oder lockert sich die Bandage dann.
Gamaschen werden so um das Bein gelegt, dass die Schalen die Gelenkköpfe gut umschließen. Der Klettverschluß soll immer nach hinten zeigen, wenn er geschlossen ist, also gibt es auch hier „links“ und „rechts“; wie bei Schuhen. Das Innenfutter soll das Bein komplett umschließen, tut es das nicht, sitzt die Gamasche zu locker oder Ihr habt die falsche Größe erwischt.
Gamaschen lassen sich um einiges leichter handhaben als Bandagen. Allerdings sind sie auch teurer, und der Klettverschluß kann bei häufiger Benutzung schon mal den Geist aufgeben – das beobachte ich gerade entsetzt an Astis Gamasche. Auch das Anlegen von Gamaschen solltet Ihr Euch beim ersten Mal zeigen lassen, damit Ihr dem Pferd keinen Schaden zufügt. Auch sie müssen genau, fest und stützend sitzen, ohne die Blutzirkulation zu behindern.
Hersteller wie Eskadron, wo das Paar um die € 50 kostet, bieten Gamaschen an, bei welchen das Hartgummi die komplette Hinterseite des Beines und beide Gelenkköpfe schützt. Andere Gamaschen, wie die von Pfiff, bestehen aus einem tropfenförmigen Hartgummiteil, welches nur den inneren Gelenkkopf schützt, der Rest ist das „Innenfutter“. (Wer sich jetzt nichts darunter vorstellen kann, sollte mal den Link oben angucken.). Diese Gamaschen sind günstiger.
● Gamaschen oder Bandagen oder doch gar nichts? ●
Glaubensfrage.
In der Natur hat ein Pferd auch keine Stützen um die Beine, und kommt trotzdem gut zurecht, sagen viele. Klar, das stimmt. Auf der anderen Seite sehen wir aber die verletzten Pferde in der Natur auch schlichtweg deshalb nicht mehr, weil sie mit einer schlimmen Beinverletzung Raubtierfutter werden ...
Asti, mein Schulpferd, hat von meiner Reitlehrerin Bandagen verpasst bekommen, als er in seinem Sommerurlaub auf dem Bauernhof das erste Mal auf die Weide ging. Da wir nicht wußten, wie er sich dort verhalten würde, wie trittsicher er ist und ob er sich erstmal austoben muß, hat er sie zu seinem eigenen Schutz bekommen. Mittlerweile habe ich ihm Gamaschen gekauft, die wir im Gelände und zum Reiten auf dem „Platz“ verwenden. Der Boden ist dort sehr uneben und ich will nicht, dass er sich durch einen dummen Tritt verletzt. Zum Weiden und Longieren bekommt er sie mittlerweile nicht mehr angezogen.
Generell finde ich Gamaschen besser als Bandagen, weil sie wesentlich einfacher zu handhaben und auch zu reinigen sind. Es gibt aber Reiter, die auf Bandagen schwören, weil sie besser schützen sollen. Das ist eine Geschmackssache.
Ich halte nichts davon, einem Pferd zu jedem Schritt ausserhalb der Box Beinschutz anzuziehen – das ist schlichtweg Blödsinn. Aber wenn das Pferd in neue Situationen kommt (neue Umgebung, neue Lektion), die es nicht kennt, finde ich es durchaus angemessen, die empfindlichen Fesseln für’s Erste zu schützen, damit kein Unglück geschieht.
Ob Ihr Bandagen oder Gamaschen verwendet, und wenn ja, welche Art von Gamaschen, kommt auf die Anforderungen an, die Ihr an Euer Pferd stellt. Ist es höheren Belastungen ausgesetzt, als sonst? Lernt es neue Lektionen, die dazu führen könnten, dass es sich verletzt?
Wollt Ihr mit dem Springen anfangen? Und, und, und ...
Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, solltet Ihr das Für und Wider mit Eurem Trainer/Eurem Reitlehrer besprechen.
● Fazit ●
Das habe ich mir ja eigentlich schon vorweg genommen :-)
Ich halte den Beinschutz des Pferdes bei längeren Transporten oder in neuen Situationen für absolut sinnvoll.
Dieser Schutz ist zwar nicht ganz preiswert, da Bandagen setweise ab ca. € 20 und Gamaschen paarweise ab ca. € 30 zu haben sind, aber wenn das Pferd dafür vor Verletzungen geschützt ist und sicherer gehen kann, würde ich niemals zögern, sie zu verwenden.
Ich hoffe, dass ich Euch Nichtpferdlern einen sinnvollen Einblick in die Pferdewelt gewährt habe, freue mich auf zahlreiche Kommentare und wünsche Euch noch einen wunderschönen Tag!
Eine interessante Diskussion über das Thema findet Ihr auch hier:
reiterforum.gif-galaxy.de/wbboard/ thread.php?threadid=272&boardid=19
© Heksen am 27.05.2003
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
19.11.2002
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