Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
man sieht danach vieles mit anderen Augen |
| Kontra: |
schmerzhaft, langwierig, Dauerschäden |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Neben der sagenumwobenen Archillessehne hat der menschliche Körper einige weitere Schwachstellen die verletzungsgefährdet sind.
Dazu gehört der ganze Knieapparat mit seinen Gelenk, Bändern, Sehnen, Muskeln usw. Die Funktionalität des Kniegelenkes ist evolutionsgeschichtlich eher auf das Gehen und Laufen, zur Jagd und Flucht ausgelegt, als den Beanspruchungen von neuzeitlichen Sportarten, die ein hohes Verletzungsrisiko für das Kniegelenk darstellen.
Bestimmt gab es bei den Neandertalern und Kollegen auch Kreuzbandrisse aufgrund ungeschickter Bewegungen oder Stürze, doch das Verletzungsrisiko heutzutage ist wesentlich größer. Das Kniegelenk ist von seiner Beweglichkeit nur zum Beugen und Strecken ausgelegt und nicht wie z. Bsp. das Schultergelenk für rotierende Bewegungen. Dementsprechend sensibel reagiert das menschliche Knie, wenn auf dieses Rotations- oder Torsionskräfte einwirken, so wie sie bei vielen Sportarten Tennis, Squash, Fußball oder speziell beim Skifahren auftreten.
Ich gehöre auch zu den neuzeitlichen Sporttreibenden und habe mir bei ebensolcher Tätigkeit vor Jahren eine Riß des vorderen Kreuzbandes zugezogen. In meinem Bericht erfahrt Ihr meine Kreuzbandgeschichte.
***** Wie man einen Kreuzbandriß bekommt:
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Der Kreuzbandriß, speziell der des vorderen Kreuzbandes ist eine spezielle Sportverletzung und tritt mit Vorliebe bei den bereits oben erwähnten rotations- und torsionskräftigen Sportarten auf. Durch eine ungünstige Bewegung, einen schnellen Stop mit Verdrehung reißt das Kreuzband an, bzw. vollständig ab. Natürlich kann man sich dabei auch andere Bänder und Sehnen im Knie zerren, aber ich möchte speziell auf den Kreuzbandriß eingehen, da ich mit diesem eine sehr persönliche Erfahrung gemacht habe.
Viele bekannte Fußballer oder Skifahrer, wie z. Bsp. Katja Seitzinger hatten bereits einen Kreuzbandriß, ich habe auch schon von unsportlichen Leuten gehört, die sich beim Stolpern über den Bürgersteig einen Kreuzbandriß zugezogen haben.
Vor sechs Jahren war ich (wie alle Jahre wieder) bei meinem bis dato alljährlichen Skiurlaub, dieses mal in Frankreich. Da ich neugierig auf die zu dem damaligen Zeitpunkt neuen Carvingskier war, habe ich mir diese im Skiverleih ausgeliehen und bin damit ab auf die Piste. Da ich bislang die herkömmlichen untaillierten Skier hatte, auf denen ich sehr sicher war, waren die Carving-Skier für mich sehr ungewohnt und ich bin dementsprechend vorsichtiger gefahren wie sonst. Irgendwann im Laufe des Nachmittags des ersten Skitages bin ich dann gestürzt, ich war gar nicht schnell, nur hat sich bei dem Sturz mein linker Ski und damit das anhängende Bein inklusive Knie ungünstig verdreht. Ein leichter stechender Schmerz zuckte durch mein Knie, aber in dem Moment nicht besonders schlimm. So bin ich einige Stunden weitergefahren, nur dann fing mein Knie leicht an zu schmerzen und schwoll langsam an.
So beendete ich den Skitag frühzeitig, damit ich für den nächsten Tag wieder fit war. Dem war aber nicht so, der Schmerz und die Schwellung ging nicht zurück, so ging ich zum Arzt und schilderte diesem in meinem Schulfranzösisch was passiert war. Der sah sich mein Knie an, röntgte es, drehte und streckte den Unterschenkel, runzelte besorgt die Stirn und erklärte mir „cassée“ (=gebrochen) und erzählte mir von irgendeinem „ligament crosière anterieure“ und daß ich die nächsten 2 Monate das skifahren besser lassen sollte. In Deutschland sollte ich dann zum Arzt gehen, der mich dann in etwa 2 Monaten operiert. Er verschrieb mir dann noch diverse Medikamente und eine Kniemanschette zur Stabilisierung mit seitlicher Manschette, die ich beim laufen und stehen tragen sollte. Na super, der Urlaub war gelaufen – meine Stimmung dementsprechend im Keller. Vor allem wusste ich bis zu dem Zeitpunkt gar nicht von der Existenz eines Kreuzbandes in meinen Knien und wie kann dann diesen plötzlich kaputt gehen.
Zurück in Deutschland machte ich ersteinmal einen Termin bei zwei orthopädischen Kliniken (ging damals noch) um mir dort Rat bei den Fachärzten einzuholen. Da ich den Göttern in weiß gegenüber schon immer sehr misstrauisch war, bin ich in die Landesbibliothek gegangen und habe mir dort einen ganzen Stapel medizinische Fachbücher speziell über Orthopädie, Knie, bzw. Kreuzbänder ausgeliehen und fing diese fleißig an zu lesen (sehr zum Ärgernis meiner Ärzte, da ich sie mit meiner Fragerei nervte). Durch diese Bücher habe ich sehr viel gelernt.
***** Was ist überhaupt das Kreuzband ?:
============================Im menschlichen Knie befinden, sich zwei Kreuzbänder, die wie der Name schon sagt über Kreuz liegen. (Auf der Abbildung unten seht ihr eine Schemazeichnung der Kreuzbänder). Die Kreuzbänder verbinden den Ober- und Unterschenkel miteinander. Speziell das vordere Kreuzband dient zur Stabilisierung gegen Bewegungen nach vorn. Deswegen lässt sich ein Kreuzbandriß durch einen speziellen Test, indem man bei 90 Grad angewinkelten Bein, den Oberschenkel festhält und den Unterschenkel nach vorne schiebt diagnostizieren. Hat man diese Art Schubladenbewegung im Knie, so ist eine Fraktur des Kreuzbandes sehr wahrscheinlich. In Fachkreisen heißt dieser Test auch Lachmanntest.
Ansonsten ist das vordere Kreuzband etwas so dick wie ein kleiner Finger und besitzt eine Reißfestigkeit von über etwa 200 kg.
***** Diagnose des Kreuzbandrisses:
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Nachdem der französische Arzt ja schon seinen Verdacht auf den Kreuzbandriß gestellt hatte, checkten die deutschen Ärzte mich auch mit den ähnlichen Methoden durch, speziell mit dem oben bereits erwähnten Lachmanntest bei denen von allen die gleiche Diagnose gestellt wurde: Kreuzbandriß.
Um völlig sicher zu gehen wurde noch eine Kernspintomographie von meinem Knie gemacht. Für die, die so etwas nicht kennen, man wird da in eine große Metallröhre geschoben und dann werden quasi scheibchenweise das zu untersuchende Körperteil in von Form von Röntgenbilder abgebildet. Die Kernspintomographie (CTG) kam mir wie eine Ewigkeit vor, obwohl es nur einige Minuten gedauert hat, aber das lange Stillhalten und das Liegen in der komischen Röhre war schon sehr unangenehm.
Bei der Kernspintomographie wurde in einer „scheibchenweise“, in verschiedenen Ebenen, bzw. Winkeln Schwarzweiß-Bilder, ähnlich wie Röntgenbilder von meinem Knie gemacht. Die Bilder der CTG bekam ich dann gleich mit zur Diagnose bei meinen behandelten Ärzten. Durch die CTG wurde der Verdacht der Ärzte auf einen Kreuzband bestätigt. Weil sie an der Stelle wo sonst das Kreuzband ist, bei mir nur einen Art „Knubbel“ erkannten, mit viel Fantasie konnte ich dies auch auf den Bildern erkennen.
Desweiteren ergab sich dann aufgrund der CTG noch der Verdacht auf Meniskusverletzung, sowie Überdehnung des Seitenbandes, dies könnte sich aber endgültig erst bei einer Arthroskopie diagnostizieren lassen. Die Arthroskopie des Kniegelenkes dient als weitere Diagnosemöglichkeit. Bei der Arthroskopie wird mit einer Art Minikameras das Knie untersucht wird, aber da dies etwas aufwändiger ist und ein operativer Eingriff wurde dies bei mir ersteinmal nicht durchgeführt.
***** Therapie:
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Wie erwähnt wurde aufgrund der CTG wurde der Verdacht der Ärzte bestätigt, daß das vordere Kreuzband war bei mir völlig abgerissen war und vermutlich auch der Meniskus und die Seitenbänder etwas abbekommen hatten. Die Ärzte verpassten mir ersteinmal ein Paar Krücken, damit ich mich schneller wie humpelnd von der Stelle bewegen konnte.
Außerdem sollte ich noch meine von dem französischen Arzt verschriebene Knieschiene zur Stabilisierung des Kniegelenkes weitertragen. Neben diversen Medikamenten wie Diclofenac, was für die Gelenke war sollte ich alle 2-3 Tage zur Krankengymnastik.
Darüberhinaus empfahlen mir eine Operation, jedoch erst 6 Wochen nach dem Unfallzeitpunkt, weil dann der Heilungsprozess besser ist, da durch den Riß ein Bluterguß im Knie entstanden ist, der ersteinmal noch abheilen muß. Nachdem ich das Vertrauen zu einem Arzt und der dazugehörigen Klinik gefunden hatte entschied ich mich auch dort weiterbehandelt und operiert zu werden. Der Arzt erklärte mir genau die weiteren Behandlungsmöglichkeiten, speziell die der Operation:
=> Operation:
Meine erste Frage war natürlich, ob man das Kreuzband nicht einfach wieder festnähen kann, das geht aber nicht mangels notwendiger Befestigungsmöglichkeit und weil die Blutversorgung des Bandes nicht mehr gewährleistet ist.
Bei der Operation wird die Transplantationsmethode verwendet, dabei wird körpereigenes Material benutzt, da man damit die besten Ergebnisse erzielt. Vor Jahren wurden auch Methoden mit künstlichen Materialen speziell als Kreuzbandersatz getestet, doch mit wenig Erfolg.
Zur Zeit sind zwei Operationsmethoden gängig, die nach den individuellen Anfordernissen überdacht werden müssen. Der Grundgedanke bei beiden Methoden ist eine Kreuzbandtransplantation, bei der körpereigenes Material an der Stelle des ursprünglichen Kreuzbandes transplantiert wird. Dieses Ersatzmaterial soll weitestgehend die Funktion des Kreuzbandes, bzw. Kniegelenkes wiederherstellen und dieses stabilisieren. Die beiden Operationsmethoden werden seit einigen Jahren athroskopisch, also minimal invasiv durchgeführt.
- Methode 1 / Semitendinosus-Transplantat:
Dabei wird ein Strang der Semitendinosus-Sehne, die an der Oberschenkelinnenseite liegt verwendet. Diese Sehne wird mehrfach gefaltet um die Dicke des originalen Kreuzbandes zu erhalten, dann wird sie zwischen Ober- und Unterschenkelknochen fixiert.
Nachteil: diese Methode hat einen langen Heilungsprozeß, da das Transplantationsmaterial im Knochen festheilen muß, bis es belastungsfähig ist.
Vorteil: sind kleinere Operationsnarben wie bei der Patellarsehnen-Transplantation.
- Methode 2 / Patellarsehnen-Transplantat:
Hierbei wird etwa das mittlere Drittel der Patellarsehne (das ist die Sehne, die die Kniescheibe mit dem Unterschenkel verbindet) verwendet. Dabei wird aus der Kniescheibe und dem Unterschenkel ein Stück Knochenblock mitentfernt. Das so gewonnene Transplantat wird athroskopisch an den Stellen der ursprünglichen Kreuzbandansätze fixiert. Dabei dient die eigentliche Patellarsehne als Kreuzbandersatz und der Knochenblock dient als eine Art Dübel zur Befestigung des Transplantats.
Je nach operierenden Arzt werden zusätzliche Titanschrauben verwendet, die der Fixierung der Knochenblöcke dienen, damit der Block nicht evtl. rausrutscht bevor er richtig festgewachsen ist.
Nachteile: Die Operationsnarben sind größer wie bei dem Semitendinosus-Transplantat. An der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen entstehen durch die Entnahme evtl. leichte Knochendefekte, die beim Knien beeinträchtigen können. Deswegen sollte diese Methode gut überdacht sein, wenn man einen Beruf ausübt bei dem viel gekniet wird, wie z. Bsp. bei einem Fliesenleger.
Vorteile: Das Patellarsehnen-Transplantat zeigt die größte Stabilität von allen gängigen Methoden. Das Knie ist nach relativ kurzer Zeit wieder voll belastbar. Aus diesem Grund wird diese Methode zu über 90 % bei Profisportlern genutzt.
=> konservative Methode:
Hierbei wird auf eine Operation verzichtet und versucht durch Krankengymnastik und Muskelaufbau ersetzt. Durch gezielte Kräftigung der Beinmuskulatur wird versucht das Kniegelenk zu stabilisieren. Jedoch wird dabei eine Instabilität des Kniegelenkes in Kauf genommen.
Diese Methode wird eigentlich nur bei Leuten genutzt die bewusst auf eine Operation verzichten, bzw. älteren speziell unsportlichen Menschen, die durch ein fehlendes Kreuzband im Alltag nicht weiter beeinträchtigt werden. Generell wird aber eine Operation nahegelegt, weil ohne Kreuzband im Kniegelenk bei Bewegungen auf Dauer geschädigt wird, es entstehen Knorpelschäden, Athrose oder auch der Meniskus leidet darunter.
Letztendlich muß jeder für sich selber entscheiden, welchen Weg man wählt. So habe ich eine Kollegin, die ihren Kreuzbandriß nicht operieren lassen hat, sie ist Mitte fünfzig und hat soweit keine Probleme, da sie auch eher zu den unsportlichen Personen gehört, außer ein bisschen spazieren gehen oder Radfahren vielleicht betreibt sie keinen Sport, und fühlt sich durch das fehlende Kreuzband nicht weiter beeinträchtigt. Ein Bekannter hat jahrelang auch nach einem Kreuzbandabriß ohne Kreuzband in einem Bein gelebt und hatte immer wieder Probleme, wenn er Handball, Badminton oder andere Sportarten betrieb, bei denen das Knie durch das Stoppen, Starten leicht verdreht wird. Er hat sich dann letztendlich doch zu einer OP entschieden und es nicht bereut.
***** Meine Knieoperation und Kreuzbandplastik:
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Die Ärzte und ich haben sich bei mir für die Patellarsehne-Transplantation entschieden, da ich doch nach Möglichkeit auch noch andere Sportarten, wie Radfahren ausüben wollte und nicht vor hatte den Rest meines Lebens mit Einschränkungen zu leben.
6 Wochen nach dem Sturz wurde ich operiert und nach 10 Tagen wurde ich aus dem Krankenhaus wieder entlassen. Ich hatte auch die Möglichkeit die Operation ambulant durchzuführen, doch dies war mir zur umständlich, da ich für die ersten 10 Tage zu Hause jemanden benötigt hätte der mich verpflegt, aber ich wollte auf niemanden angewiesen sein und für die erste Zeit nach der OP war es im Krankenhaus doch sehr viel komfortabler, weil das Bett, Dusche, Toilette etc. doch „gehbehindertenfreundlich“ ausgelegt waren.
Auf den Krankenhausaufenthalt möchte ich jetzt nicht großartig im Detail eingehen, das würde den Rahmen sprengen. Gerne kann ich den Interessierten unter Euch weitere Fragen darüber beantworten.
Ich wurde in Wiesbaden in der Aukammklinik operiert. Die Operation wurde bei mir mit PDA (Peridorialänastäsie), Teilnarkose, auch bekannt unter Rückenmarksspritze durchgeführt. Im Nachhinein hätte ich mich besser für eine Vollnarkose entschieden, weil ich trotz Dämmerschlaf immer wieder wachgeworden bin und halb von dem Geschehen im OP-Saal mitbekommen habe, u.a. die Geräusche, wie mein ganzer Körper durchgeschüttelt wurde und auch aus dem Augenwinkel zeitweise den Monitor der Athroskopiekamera. War zwar alles nicht so wild und mir war alles egal, aber doch steigen diese Erinnerungen immer wieder mal hoch, ich sehe diese Bilder, denke an die Situation und bei Vollnarkose wäre mir das erspart geblieben. Zumal die PDA auch nicht ganz unriskant sein kann, wegen möglichen Lähmungserscheinungen usw.
Hier noch einige Zitate aus meinem Krankenhaus-Operationsbericht:“ ... zwei Querschnitte über unterem Patellapol und Tuberositas. Scharfes Darstellen, Länsdurchtrennen deselben. Anschließend Einsetzen des Patellahohmann und Gewinnnen das Transplantates in typischer Weise ... Gesägt wird mit einem 7 mm Anschlagbohrer sowohl in die Patella als auch in die Tuberositas hinein. ... Das Transplantat wird vorbereitet und auf die Knochenblockgröße von 1 cm gestutzt. ... Verankerungslöcher vorbereitet, das Transplantat durchgezogen und mit zwei Schrauben befestigt....“
***** Die ersten Wochen nach der Operation:
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Die Operation verlief ansonsten problemlos ab. Es wurden 3 waagrechte, etwa 2-3 cm breite Schnitte gemacht und 2 kleine Einstichstellen à 0,5 cm für die athroskopischen Geräte. Nach 14 Tagen wurden die Fäden entfernt.
Ansonsten das übliche im Krankenhaus die sexy Thrombosestrümpfe und die täglichen Thrombosespritzen.
Am Tag nach der Operation fing gleich die Krankengymnastik an, jeden Tag eine halbe Stunde zur Kräftigung der Muskulatur und damit keine Verwachsungen entstehen. Mit dem frischoperierten Bein waren die Übungen etwas schmerzhaft und sehr anstrengend, doch da musste ich durch.
Nach 3 Tagen durfte ich aufstehen und mit Krücken rumlaufen, das Bein sollte ich aber nicht großartig belasten, nur mit dem Eigengewicht.
Nach 10 Tagen wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und bekam ersteinmal 10 Einheiten EAP (erweiterte ambulante Physiotherapie) verschrieben. Ich hatte mir vorher eine Krankengymnastikpraxis in meiner Nähe ausgesucht, da ich dort anfangs fast täglich, später 2-3 mal die Woche hinmusste.
Die EAP besteht aus verschiedenen Therapieformen, wie Massage (zur Lockerung und gegen Narbenbildung, Lymphdrainage(um Schwellungen abzutransportieren), Krankengymnastik (zur Muskelstärkung), Elektrobehandlung, Fangopackungen und dann noch Kraft- und Konditionstraining für den ganzen Körper. Bis auf bei dem Kraft- und Konditionstraining wurde speziell das operierte Knie behandelt, bei dem Kraft- und Konditionstraining ging es darum den gesamten Muskelapparat zu stützen und zu kräftigen um späteren Muskelschmerzen durch einseitige Fehlhaltung, die man automatisch durch das verletzte Bein annimmt, vorzubeugen. Die EAP-Sitzungen waren ziemlich langwierig, ich konnte immer mindestens 4 Stunden Zeit dafür einplanen. Die anderen Patienten und die Krankengymnasten dort waren alle sehr nett und ich habe in dieser Zeit viele Leute kennengelernt.
Nervig war, daß ich mir jedes Mal wenn wieder 10 Einheiten vorbei waren von einem Arzt eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung abholen musste für die Krankenkasse, um weitere 10 Einheiten verschrieben zu bekommen.
***** OP + 2 Monate:
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Etwa 2 Monate nach der Operation durfte ich auch wieder ohne Krücken durch die Gegend laufen, das war ein herrlich befreiendes Gefühl, sich endlich wieder ohne größere Einschränkungen fortzubewegen und nicht von allen Leuten mitleidig oder neugierig angestarrt zu werden. Zwar hatten die Krücken auch den Vorteil, daß ich im Bus immer einen Sitzplatz angeboten bekam und die Mitmenschen insgesamt doch sehr viel rücksichtsvoller und hilfsbereiter auf mich reagierten, wie ohne Krücken. Es war eine interessante Erfahrung, die ich aber diese Zeit will ich nicht noch einmal durchmachen.
***** OP + 3 Monate:
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Etwa 3 Monaten nach der Operation und insgesamt 3x 10 EAP-Einheiten, war die direkte Nachbehandlungszeit beendet und ich wurde als „geheilt“ entlassen. Ich durfte wieder Sport machen wie Rad fahren oder Joggen auf ebenen Boden. Die Ärzte teilten mir außerdem mit, daß ich nach 8 Monaten wieder alle Sportarten, auch Extremsportarten, wie z. Bsp. Skifahren, Kickboxen etc. ausführen könnte. Die Beendung der EAP-Maßnahmen war eine weitere größere Zurückeroberung meiner Freiheit, da die festgelegten Termine mich zeitlich doch immer sehr einschränkten, und ich weil ich auch wieder soweit möglich arbeitete, immer rechtzeitig Feierabend machen musste um zur EAP zu gehen. Schon währen der EAP-Zeit habe ich zuhause mit den gelernten Krankengymnastikübungen, bzw. im Fitnesstudio mit Konditionstraining parallel noch trainiert. Durch die Stillegungen meines verletzten Beines nach dem Unfall, bzw. der Operation hat sich die Muskulatur in dem „kaputten“ Bein massiv zurückgebildet, zeitweise waren es an die 5 cm Oberschenkelumfang Differenz zu dem „gesunden“ Bein. Dieses Muskeldefizit galt es wieder abzubauen und das dauerte auch noch über die EAP-Zeit hinaus. An dem Ziel habe ich auch fleißig gearbeitet und habe regelmäßig mein operiertes Knie im speziellen trainiert. In dieser Zeit bin ich so fit wie nie zuvor gewesen, ich habe bestimmt 10 kg zum einem weil ich aus Kummer über meinen Zustand auch wenig Appetit hatte und zum anderen durch das viele Training.
***** OP + 8 Monate und später:
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Nach dem ich monatelang fleißig an den Geräten im Fitnesstudio trainiert hatte und auch regelmäßig radgefahren bin, fing ich dann 8 Monate nach der OP auch wieder mit den Kursen, wie Step oder Aerobic an. Anfangs war ich dabei doch noch sehr unsicher und vorsichtig aus Angst mein Knie zu verdrehen oder zu verletzen und ich musste erst wieder die Bewegungsabläufe neu lernen. Doch nach und nach klappte das auch prima. Auch Badminton und Squash spielte ich ab und zu wieder, ich war auch wieder skifahren, wobei ich immer wieder die anfängliche Angst überwinden musste.
***** Rückblick 6 Jahre nach der OP:
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Ich war zwar auch schon vor meinem Kreuzbandriß sportlich aktiv, aber seit dieser Zeit habe ich erst richtig die Freude an der Bewegung gefunden und habe noch öfters Sport gemacht. Neben dem Fitnessstudio, fing ich an mehrmals wöchentlich fahrradzufahren, kaufte mir ein Mountainbike mit dem ich in „guten“ Jahren an die 2000 Kilometer zurückgelegt habe. 2 Jahre nach der OP
Ich fing auch an inlineskaten zu lernen und fand in darauffolgenden Jahren soviel Spaß daran, daß ich auch bei Skateevents wie den Skatenights in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden oder den autofreien Sonntagen für Skater oder Fahrradfahrer teilgenommen habe, sogar in Paris war ich schon 2x zum inlineskaten. Während dieser Zeit habe ich zahlreiche nette Leute kennenlernt. Ich weiß nicht ob dies auch ohne meinen Unfall so gewesen wäre, denn auch wenn ich durch den Kreuzbandriß ersteinmal in ein tiefes Loch gefallen bin, bin ich doch wieder aufgestanden und weiß einfach meine Gesundheit wieder zu schätzen und Dinge über die ich mich früher aufgeregt habe sind einfach nebensächlich.
Mein Kreuzbandriß war einer der einschneidensten Erlebnisse in meinem Leben, auch jetzt sechs Jahre später werde ich immer wieder daran erinnert. Zum einen erinnern mich ein Leben lang meine Narben auf dem Knie daran. Die Narben sind zwar sehr gut verheilt, aber trotzdem noch zu sehen. Man muß aber genau hinsehen, damit sie auffallen.. Außerdem bin ich in Bezug auf mein Knie noch immer sehr sensibel, so fällt es mir schwer auf dem operierten Knie auf hartem Boden zu knien, was ich dementsprechend natürlich meide. Da ich aber weder katholisch noch Fliesenleger bin und in meinem Alltags- und Berufsleben wenig knien muß, ist dies keine besondere Beeinträchtigung.
Wenn ich meine Beine mal sehr beansprucht habe vom vielen Stehen herumlaufen, oder bei extremen Sport, dann schmerzt mein operiertes Knie etwas, oder ich knicke mit dem Bein ein, bzw. fange minimal an zu hinken. Dies ist aber nicht weiter schlimm und geht schnell wieder vorbei, es ist für mich nur ein Signal, wieder langsamer zu machen und mein Orthopäde meint es hat nicht unbedingt etwas mit dem Kreuzbandriß oder der OP zu tun.- es könnte eine reine „Kopfsache“ sein.
Auch ist meine Oberschenkelmuskulatur an dem operierten Bein auch jetzt Jahre später weniger stark ausgeprägt, dies kann daran liegen, daß ich mit dem einen Bein einfach im Unterbewusstsein immer noch eine Schonhaltung einnehme, es kann aber auch sein, daß das Bein von Natur aus weniger ausgeprägte Muskulatur hat, weil ich Linkshänder und somit auch „Linkfüßler“ bin und das Knie mit dem Kreuzbandriß auf der linken Seite ist.
***** Fazit:
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Der Kreuzbandriß war ein wichtiger Einschnitt (im wahrsten Sinne des Wortes) in meinem Leben und ich bin durch diese Erfahrung ein ganzes Stück erwachsener geworden, weil ich gelernt habe wichtiges von unwichtigem zu trennen.
Ich weiß daß mein Körper verletzlich ist und wie wichtig Gesundheit im Leben ist und durch kein Geld der Erde zu ersetzen. Ich bekam von meiner Unfallversicherung, die ich zum Glück hatte, etwas Geld ausbezahlt, da mein Bein doch dauerhafte Schäden davongezogen hat, doch gerne hätte ich auf das Geld verzichtet oder ein zigfaches bezahlt um alles wieder rückgängig zu machen.
Insgesamt habe ich mit dem Operationsergebnis kein Grund zur Klage und es ist auch alles soweit gut verlaufen, doch die Medizin kann immer noch nicht so große Meisterwerke vollbringen, wie die Natur.
Dieser Bericht ist jetzt sehr ausführlich geworden, obwohl ich versucht habe ihn doch kompakt zu halten. Falls Ihr noch offene Fragen habt kann ich diese gerne beantworten.
Vielen Dank für Eure Lesungen und Bewertungen.
Viele Grüße,
Eure Gaenseblume 234
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