Der 20. Januar 1982 und seine Folgen

1  16.04.2009

Pro:
jibbet nicht

Kontra:
Schmerzen

Empfehlenswert: Nein 

puckistrolch

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Erfahrungsberichte:253

Vertrauende:1

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Meine Lieben,

nachdem ich mich gestern wieder mit schlimmen Schmerzen im Knie herumplagen mußte, kam mir spontan die Idee, über mein total kaputtes Knie zu berichten.

Es passierte gestern fünf Stunden nachdem ich im Garten Unkraut aus den Fugen entfernt hatte. Plötzlich konnte ich nicht mehr auftreten, mein Knie fühlte sich heiß an. Ich humpelte um 22 Uhr von meiner Arbeit zum Auto. Mein Parkplatz ist 100 m von meiner Arbeitsstelle entfernt, normalerweise brauche ich für diesen Weg zwei oder drei Minuten. Gestern waren es zehn Minuten. Autofahren ging so einigermaßen, jedoch hatte ich auch dabei starke Schmerzen. Endlich zu Hause angekommen, mußte ich noch Treppen steigen und war anschließend total fertig. Schwindlig war mir auch.

Heute morgen ging es mir dann aber wieder besser. Leider ist es nicht das erste Mal, dass mir mein Knie ständig weh tut und das liegt höchstwahrscheinlich an der Sache, die mir am

20. Januar 1982

in Kranzegg/Bayern

beim Skilaufen passiert ist.

Skilaufen war eines meiner größten Hobbys. Ich habe es geliebt, die Pisten hinabzuwedeln, und ich stand immer sehr sicher auf meinen Skiern. Ganze Gipfel bin ich hinabgerauscht, abgesehen von kleineren Stürzen, die nicht weiter ewähnenswert sind, war alles immer total schick. Bis zu diesem schicksalhaften Tag, den ich bestimmt nie vergessen werde.

Wir waren auf Klassenreise. Wie immer stand ich siegessicher auf meinen Skiern und wedelte die Hänge herab. Die Engländer, die nie liften konnten, waren auch mal wieder voll in Action und ich weiß noch, wie wir uns fast totgelacht haben, als die mal wieder den Schlepplift nicht begriffen.

Wie gesagt, ich wedelte so rum und geriet plötzlich auf Schuss. Ich konnte nicht mehr wedeln, ich bekam das nicht mehr hin. Und dann krach, bumm, peng. Ich knallte auf die Piste. Ein wahnsinniger Schmerz im rechten Bein. Das Bein komisch weggestreckt, der Ski war weg (später wurde er von anderen Skifahrern aufgefunden und in die Jugendherberge gebracht). Ich kam nicht mehr hoch, lag einfach nur dumm im Schnee. Von oben hörte ich ständig meine Klassenkameraden rufen.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, ich lag im Schnee und wußte: du mußt hier irgendwie hochkommen. Auch heute, nach 27 Jahren, habe ich das alles noch fast minutiös vor Augen. Ich rappelte mich hoch und konnte zumindest stehen. Den einen Ski am linken Bein bekam ich irgendwie runter. Vorsichtig trat ich auf. Das ging ganz gut. Ich fühlte mich erschöpft, doch ich konnte laufen. Gebrochen war also nichts. Wenn ich gewußt hätte, was da tatsächlich alles kaputt war, dann wäre ich liegengeblieben und hätte mich ins Krankenhaus bringen lassen.

Die Schmerzen hatten dann auch nachgelassen, und mir ging es gut. Meine Lehrer und das Aufsichtspersonal fragten, kaum in der Jugendherberge angekommen, ob mir was weh täte. Das verneinte ich; mir tat ja auch nichts mehr weh. Ein Sturz eben, doch so wie es aussah, war es noch einmal gut ausgegangen.

Am nächsten Tag stand ich schon wieder auf den Brettern. Ich wedelte wieder schön und plötzlich hatte ich so ein Gefühl, als wenn mein rechtes Bein nach hinten wegknicken würde. Das war nicht nur komisch, das tat auch weh. Der Schmerz ließ aber immer wieder verhältnismäßig schnell nach, sodass ich mir darüber keine weiteren Gedanken mehr machte.

Der Sikurlaub war zu Ende und die ganze Sache auch fast vergessen. Doch komisch war es schon: immer, wenn ich mich sportlich betätigte, hatte ich das Gefühl, dass ich nach hinten wegknickte. Das fanden auch meine Eltern komisch uns so landete ich beim Orthopäden. Der konnte nichts auffälliges feststellen, ich sollte mal eine gewisse Zeit mit dem Sport aussetzen; ich bekam ein Attest, dass mich sechs Wochen vom Schulsport befreite.

Doch das sollte ja nichts nützen, denn selbst beim Rennen, knickte mein Bein weg und das tat weh. Und so landete ich im August 1982 in der Sportklinik Hellersen. Die waren damals ganz bekannt, berühmte Sportler ließen sich dort behandeln. Um sechs Uhr morgens mußte man schon dasein und wartete trotzdem noch ein paar Stunden, bis man endlich untersucht wurde. Ich fand das alles aufregend und auch lustig.

Es wurden Röntgenbilder gefertigt, mein Knie wurde gedreht. Die Röntgenbilder ergaben was am Meniskus; ob der Orthopäde das übersehen hatte, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls mußte operiert werden und ich bekam einen Termin für Dezember 1982. Ja, so lange mußte man damals warten. Bis dahin sollte ich mich schonen und auch nicht am Schulsport teilnehmen. Es ließ sich aber nicht ändern, dass man auch mal schnell rennen muß, schließlich forderte ja auch mein Hund schnelles flitzen, und ich weiterhin immer wieder wegknickte.

Im Dezember wurde ich also stationär eingeliefert. Ach, das war fein. Ich fühlte mich in dieser Klinik gleich wohl. Schon an nächsten Tag wurde operiert. Und da sahen die erst einmal, was da los war. Das linke hintere Kreuzband war komplett durchgerissen. Dieses war wohl auf dem Röntgenbild nicht zu sehen gewesen. Wohlgemerkt, es war 1982 und damals war es wohl tatsächlich so. Weiterhin waren im Knie kaputt

-Außen- und Innenmeniskus
-die Innen- und Außenbänder total zerrissen, ebenso das vordere Kreuzband
-der Knorpel stark beschädigt

Jetzt wurde richtig operiert. Ob die Innen- und Außenbänder schon damals bei dem Unfall zusammen mit dem Kreuzband kaputtgegangen waren, oder ob das erst später gekommen ist, weiß ich nicht mehr. Auch nicht, ob die Ärzte das alles übersehen hatten oder nicht, das weiß ich auch nicht mehr und es spielt auch keine Rolle.

Über eine Stunde wurde operiert und ich bekam einen Gips bis zum Oberschenkel. Zwei Wochen lag ich im Krankenhaus, dann durfte ich vier Wochen nach Hause und mußte dann wieder drei Wochen zur Nachbehandlung ins Krankenhaus.

Der Knorpelschaden wurde nicht beseitigt, da der Knorpel so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass die Gefahr bestand, dass das Bein steif bleiben könnte.

Sport wurde mir verboten. Ich darf bis heute nur Schwimmen, Radfahren und leichtes Jogging. Skifahren ist nicht mehr erlaubt, da meine Kreuzbänder damals nicht mehr genäht werden konnten. Es mußte eine Kreuzbandplastik aus eigenem Gewebe gefertigt werden. Heute wird das mit Sicherheit so nicht mehr gemacht werden, aber vor fast dreißig Jahren war das der Standard. Auch darf ich nicht mehr schwer heben und tragen. Meinen sehnlichsten Berufswunsch Krankenschwester konnte ich mir von der Backe klatschen, was vielleicht das schlimmste war.

Jahrelang ging es mir gut, ich vergaß mein kaputtes Knie fast. Nur eine 19 cm lange Narbe erinnerte mich noch daran. Und seit einiger Zeit habe ich wieder Knieprobleme, was höchstwahrscheinlich mit den damaligen Ereignissen im Zusammenhang steht und vermutlich neue Knieoperationen nach sich ziehen wird. Ich hoffe nur, dass ich nicht irgendwann ein komplett neues Knie brauchen werde, denn davor habe ich sehr große Angst.

LG Pucki

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Cara-Kyra

Cara-Kyra

10.07.2009 23:36

Dein Bericht ist aus April. Ich hoffe, du warst beim Arzt inzwischen und Dir geht es wieder besser. LG Cara-Kyra

sweetsixty

sweetsixty

04.05.2009 09:57

..ich sag ja immer: Süort ist Mord ..;-) ...ich wünsche dir alles Gute..GLG Martina

Dr.Ed

Dr.Ed

04.05.2009 01:26

Von schweren Knieverletzungen bin ich zum Glück *auf Holz klopf* verschont geblieben, aber dafür macht mir mein Rücken immer wieder Probleme. Aber tauschen möchte ich deswegen trotzdem nicht...

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