Der deutsche Lebowski
06.04.2000
Pro:
unverkrampft, witzig, schräg, lässig, witzig, cool
Kontra:
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 3Toastbrot
Über sich:
Am Ende bin ich nur ich selbst.
Mitglied seit:03.01.2000
Erfahrungsberichte:82
Vertrauende:101
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 29 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Jeder kennt Pulp Fiction. Und jeder kennt die unzähligen Versuche, ihn zu kopieren, sei es in den Dialogen, in der Musik, der Story oder der Gewalt. Besonders deutsche Filme sehen im Vergleich dazu besonders bemüht aus, weil es einfach keine amerikanische Gangsterkultur in Deutschland gibt. "Bang Boom Bang" macht glücklicherweise nicht den Fehler, das Überwerk kopieren zu wollen. Sondern schafft es, was man im deutschen Film leider zu selten finden, etwas eigenes zu erzählen. Schon die erste Einstellung ist witziger als sämtliche Sönke Wortman Komödien seit "Kleine Hai"; Ein Monolog über die Beziehung zwischen Mann und Auto, der in der gleichen Liga spielt wie Samuel L. Jackson´s Betrachtungen über Waffen in "Jackie Brown" oder das Gespräch in "Wütende Hunde" über Madonna und >Like a virgin<. Dann entwickelt sich die Geschichte oder besser, wir erfahren einiges über die Charaktere z.B. Keek, arbeitslos, kiffend (Nummernschild: DO-PE 69), ähnlich dem Dude aus "Big Lebowski", der das Geld seines im Knast sitzenden Freundes Kalle mit Pferdewetten durchgebracht hat. Kalle bricht jedoch überraschend aus und fordert sein Geld zurück, wodurch Keek gezwungen wird, an einem Überfall teilzunehmen, dessen Resultat eine Leiche, Spidermancomics und eine abgetrennte Hand sind.
Oft bemüht man die Phrase, dass "die Handlung überraschende Wendungen" schlägt. Nur trifft es bei "Bang Boom Bang" auch tatsächlich zu. Jede Geste hat ihre Bedeutung, jeder Name seine Richtigkeit (Schlucke!), jeder Dialog treibt die Spannung in die Höhe und ist gleichzeitig mehr als amüsant. Keine Situation wirkt konstruiert (bei deutschen Filmen ja nicht unbedingt selbstverständlich), alle Personen scheint man irgend wie zu kennen. Unverkrampft nennt man das wohl. Nie gleitet der Film in Klamauk ab oder wird peinlich, sondern ist einfach nur cool. Schräg. Nett. Ein bißchen dreckig. Verdammt gut. Sicher, das Ende überrascht nicht wirklich, obwohl man schon etwas in diese Richtung ahnen konnte. Aber sonst kann zumindest ich keinen weiteren Kritikpunkt finden. Sogar ausgewiesene NichtschauspielerInnen wie Alexandra Neidel, Til Schweiger oder Ingolf Lück passen wunderbar in eine eigene Welt, deren Tagesablauf aus ein bißchen Kleinkriminalität Video und Fußball besteht. Wozu braucht man Filme über Los Angeles oder New York, wenn die gleichen Geschichten auch in Dortmund passieren. Das Drehbuch jedenfalls ist sorgfältig geschrieben, Respekt vor dem Regisseur, man kann da nur Großes hoffen.
Der beste deutsche Film seit "Winterschläfer", die beste Komödie seit "Wir können auch anders". Jeder, der in irgend einer Weise die Filme von Kevin Smith, Tarantino oder J+E Coen mag, der wird "Bang Boom Bang" lieben. Deshalb ist es nicht zu verstehen, wieso die Zuschauer ihn ignorierten, während z.B. "Amercian Pie" über 5 Millionen Zuschauer sahen. Die Musik ist auch ok(größtenteils von H-Bloxxx geschrieben), vielleicht nicht so herausragend wie in P.F.), aber in den richtigen Szenen mehr als passend. Wer also "Bang Boom Bang" verpaßt, verpaßt die Erkenntnis, das deutsche Filme subversiv und abgedreht sein können. Ein Hammer.
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04.12.2000 13:53
Du hast wirklich alles auf den Punkt gebracht. Dieser Film ist einfach genial. In Bochum (UCI)kann man ihn sich immernoch in der Nachtvorstellung für 5 DM ansehen. Kultig
04.12.2000 13:53
Du hast wirklich alles auf den Punkt gebracht. Dieser Film ist einfach genial. In Bochum (UCI)kann man ihn sich immernoch in der Nachtvorstellung für 5 DM ansehen. Kultig