Bizarre Spiele - Kafka lässt grüssen
02.05.2001 (30.09.2005)
Pro:
bizarr, einfallsreich
Kontra:
Leser muss selbst Sinn herstellen
Empfehlenswert:
Ja
 mima17
Über sich:
Mein jüngster Bericht: "Die Jägerinnen von Connacht" (Buch). +++ Bitte keine Leserunden-An...
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Banks' zweites Buch ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern besteht aus drei Novellen, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Die bizarren Spiele erinnern an Kafka, Borges und an Mervyn Peake. Der Autor °°°°°°°°°°°Der schottische Autor Iain M. Banks ist inzwischen der erfolgreichste SF-Autor von den Britischen Inseln. Er zeichnet sich durch Ideenreichtum und sprachliche Finessen aus. Handlung °°°°°°°°°°°Der Londoner Kunststudent Graham Park lernt die faszinierende Sara 'ffitch kennen, verliebt sich in sie und merkt dabei nicht, dass sie ihm ihre Zuneigung nur wie dem sprichwörtlichen Esel die Karotte vor die Nase hält und ihn für ihre eigenen Zwecke eingespannt. Er ist zum Opfer einer subtilen Folter ausersehen, mit der er, als absolut Unschuldiger, brutal vernichtet werden soll. 2. Novelle: Stephen Grouts wähnt sich als auf die Erde strafversetzter intergalaktischer Krieger, der sich immer und überall vor seinen vielfältigen Feinden in acht nehmen muss. Als Konsequenz davon entwickelt er ein hochgradig paranoides Verhalten, mit dem er bei seiner Umwelt andauernd aneckt. Kein Wunder, schließlich läuft er stets mit einem Schutzhelm herum. Aber es zeigt, dass seine übertriebene Vorsicht durchaus ihre Gründe hat, nämlich dann, als er mal keinen Schutzhelm trägt...3. Novelle: Quiss und Ajayi leben in ferner Zukunft, in der die "Therapeutischen Kriege" toben. Bei ihren Vorgesetzten in Ungnade gefallen, müssen sie in der Abgeschiedenheit einer abgelegenen und bizarren, ganz aus Büchern gebauten Burg komplizierte Spiele austragen und dabei die Antwort auf die Quiz-Frage "Was geschieht, wenn eine unaufhaltsame Kraft auf ein unbewegliches Objekt trifft?" finden. Erst nach und nach lassen sich Verbindungen zwischen den einzelnen Handlungssträngen ausmachen, und auch die tragen nicht unbedingt zur Erleuchtung des Lesers bei. So könnte es ebenso gut der Fall sein, dass Quiss und Ajayi keine Soldaten aus der Zukunft, sondern ein halbautistisches Pärchen sind, dem Stephen Grouts in einer Klinik begegnet. Vollends schließt sich der Kreis, als Ajayi ein Buch findet, das mit dem ersten Satz des vorliegenden Romans beginnt.Fazit °°°°°°°°°°° Soll man sich einer trostlosen Wirklichkeit stellen oder ihr zu entfliehen versuchen? Diese Frage scheint das Thema des Buches zu sein. Hier werden nicht zufällig die phantasievollen Schriftsteller Mervyn Peake ("Gormenghast") und Franz Kafka ("Das Schloss") erwähnt. Der flüssige, ansprechende und gewitzte Stil macht den Roman auch für andere Leser als die Freunde von Kafka und Peake empfehlenswert, aber leicht macht es einem der Autor trotzdem nicht, denn, wie gesagt, dies ist kein Roman im eigentlichen Sinne, sondern... Michael Matzer © 2001-2005ffInfo: Walking on glass, 1985; Heyne 1991, Nr. 06/4852, München; 350 Seiten, DM 12,80, aus dem Englischen übertragen von Irene Bonhorst; ISBN 3-453-05373-7
Bilder von Barfuß über Glas / Iain Banks
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03.05.2001 12:02
hallo mima! ich habe schon mehrfach gute kritiken über banks gelesen aber noch keine seiner geschichten. kennst du noch mehr und wenn ja, welche würdest du zum einstieg empfehlen? bis bald! tresckow
02.05.2001 13:09
Als Kafka Fan danke ich für den Tip CU Sven
02.05.2001 13:08
Sehr ausführlich gelungener Bericht über diesen recht spannenden Schmöker !!!