Poetischer Film mit tollen DVD-Extras
03.03.2006
Pro:
poetische Liebesgeschichte, tolle DVD - Extras
Kontra:
nicht wirklich Comedy
Empfehlenswert:
Ja
 IQIQIQ
Über sich:
Aha - hier ist also alles beim Alten! - Auf die "Politik" hab ich nach wie vor keinen Bock...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Geschichte: Nick ist das schwarze Schaf einer reichen Familie und verliert einen miesen Job nach dem nächsten. So landet er schließlich als Putzmann in einer psychiatrischen Klinik, aber nicht einmal da hält er länger als ein paar Stunden durch. Leila wurde 19 Jahre lang von ihrer Mutter eingesperrt und hat nie die Welt und den Kontakt mit anderen Menschen kennen gelernt. Als die Mutter stirbt, kommt Leila in die Psychiatrie. Doch dort ist sie unglücklich und will sich umbringen - woran Nick sie hindert. Fortan folgt Leila Nick auf Schritt und Tritt, und das natürlich immer barfuss (weil sie "ihre Füsse nicht einsperren will"). Zu Nick nach Hause und natürlich auch auf seine Reise zu seiner versnobbten Familie. Leila nimmt alles wörtlich und sagt immer die Wahrheit und bringt Nick damit mehr als einmal in große Schwierigkeiten. Doch als er sie endlich in die psychiatrische Klinik zurückgeschafft hat, wird ihm klar, dass er ohne sie nicht mehr leben kann ... Der Film ist als Komödie beworben worden, und in einigen Nebenrollen glänzen bekannte Comedystars. Nichts gegen die Besetzung, die ist top, aber das ist vermutlich der Grund, warum nicht alle Leute, die den Film gesehen haben, davon begeistert waren. Denn auch wenn es immer wieder komische Szenen gibt und der Blickwinkel des Films sehr humorvoll ist, so ist doch keine knapp zweistündige Comedysendung mit Gags am laufenden Band herausgekommen, sondern ein über weite Strecken sehr beschaulicher, geradezu poetischer Film. "Romantische Komödie" mag als Genrebezeichnung zwar hinkommen, aber die Betonung liegt eher auf der Romantik als auf der Komödie. Auch die Bezeichnung "Road-Movie" kommt nicht wirklich hin. Soweit ich gehört habe, war das Konzept anfangs mal viel stärker auf die Reise, eben auf das Road-Movie hin angelegt, aber in der endgültigen Fassung spielt die Geschichte anfangs viel zu lange in der psychiatrischen Klinik und gegen Ende viel zu lange im Haus von Nicks reicher Familie, während die Reise zwischendrin gar nicht mehr so viel Raum einnimmt.
Trotzdem finde ich den Film einfach großartig, sicherlich das Beste, was in Deutschland in den letzten Jahren gedreht worden ist. Man darf eben nur nicht mit einer ganz falschen Erwartungshaltung reingehen. Das fängt an mit den sorgfältig ausgesuchten Locations und einem wahnsinnigen Aufwand, was die Bildsprache des Films angeht. Überhaupt die Bilder: Die sind durchweg entsättigt, das heißt, es gibt keine grellen Farben, alles ist matt, wirkt teilweise sogar düster. Gerade in der psychiatrischen Klinik oder in Nicks schäbiger Wohnung erinnern die Bilder sogar an uralte sepiafarbene Fotos (oder auch Stummfilme). Das gibt dem Film eine ungeheuer künstlerische Note und trägt mit Sicherheit auch viel zur poetischen Wirkung bei. Wunderschön sind auch die sparsamen Dialoge, an denen kein Wort zuviel ist. Aber die kunstvolle Sparsamkeit geht noch weiter, so braucht es beispielsweise zwischen Nick und Leila in der ganzen Geschichte keinen einzigen Kuss, und trotzdem wird dem Zuschauer deutlich, wie ihre Beziehung wächst. Die Schauspieler: Der Film ist bis in die kleinsten Rollen wunderbar besetzt. Viele bekannte Gesichter sind dabei, z.B. Comedystars wie Axel Stein und Markus Maria Profitlich, aber auch "ernsthafte" Schauspieler wie Nadja Tiller und Michael Mendl. Getragen wird der Film aber natürlich von Til Schweiger als Nick und Johanna Wokalek als Leila. Til Schweiger spielt hier, wie man ihn eigentlich schon immer kennt, etwas schnodderig, aber immer charmant. Doch die große Entdeckung ist Johanna Wokalek, die vorher nur für Theaterrollen (Wiener Burgtheater) bekannt war. Sie spielt Leila ungeheuer glaubwürdig und bringt die ganze Unschuld, Naivität und Weltfremdheit dieser Figur rüber, ohne dass sie dadurch zur Witzfigur wird.
Til Schweiger hat in diesem Film übrigens nicht nur die Hauptrolle gespielt, sondern er hat den Stoff selbst in Amerika entdeckt und gekauft, war Produzent, hat das Drehbuch mitgeschrieben (und sich dabei die Figur des Nick natürlich genau passend auf den Leib geschrieben) und Regie geführt. Man könnte meinen, sowas muss schief gehen, kein Mensch kann alles auf einmal machen, fehlt nur noch, dass er auch die weibliche Hauptrolle selbst spielt ... - Aber es hat geklappt! Der Film ist in jeder Hinsicht gelungen. Was natürlich sicher auch daran liegt, dass jemand wie Til Schweiger nicht lange bitten muss, wenn er großartige Schauspieler engagieren will, und auch die Finanzierung für ihn leichter zusammen zu bekommen ist als für andere. Wie auch immer: Nach diesem Film halte ich von Til Schweiger noch wesentlich mehr als vorher! Die FSK-Einstufung 6 ist zwar was "Jugendgefährdung" angeht okay, interessant wird der Film aber sicher frühestens ab 12, vielleicht sogar noch etwas älter, wenn die subtile Liebesgeschichte zwischen Leila und Nick für die Kiddies bzw. Teenies nachvollziehbar wird.
Die DVD-Extras: Die Extras dieser DVD sind einfach klasse! Ich wünschte mir, jede DVD wäre so ausgestatten. Die DVD-Oberfläche ist übrigens sehr "spielerisch" zu bedienen - bis auf einen Fall, wo ich das nicht so gelungen finde (s.u.), finde ich das sehr nett gemacht. Sprachen, naja, da hat man ja bei deutschen Filmen nicht viel zu erwarten - es gibt Audio Deutsch und Untertitel Englisch. Schade eigentlich, ich frag mich, ob es nicht wenigstens Bemühungen gibt, den Film auch im europäischen Ausland unterzubringen? Also zum Inhalt der Extras - da wäre: Ein Musikvideo zum Song "Barefoot" - hübsch altmodisch, schwarz-weiß und irgendwie passend zum Film. Auch wenn mir der Song als Teil der Filmmusik irgendwie viel besser gefällt als für sich allein. Dann der Kinotrailer und der Kinoteaser. Naja, gut gemacht, aber wenn man die DVD eh schon hat, dann braucht es das natürlich eigentlich nicht mehr. Interessant sind dagegen die zwei Trailerentwürfe (einer davon von Til Schweiger selbst), die mitsamt einem Kommentar von Til Schweiger ebenfalls drauf sind. Im Kommentar ist Interessantes zu erfahren, unter anderem, dass der Verleiher Buona Vista auf einem Trailer bestand, der mehr die Comedyelemente des Films hervorhob, um die Leute ins Kino zu locken. Ich hätte Til Schweigers Entwurf vorgezogen, einfach weil die Leute da keine Comedyshow erwartet hätten, sondern besser auf den Stil und Ton des Films vorbereitet worden wären. Dann die fast schon obligatorischen Pannen - natürlich hat es auch bei diesem Dreh welche gegeben. Ich bin allerdings kein Fan davon, gerade bei einer Komödie sind Pannen meist nur mäßig komisch, es sind halt Pannen, die mal passieren ... keine Ahnung, warum ich sowas ansehen sollte, hat sowas von jemandem, der auf einer Bananenschale ausrutscht ... Aber ich weiß natürlich, dass es Fans davon gibt, und auch die kommen mit gut zehn Minuten zusammengeschnittenen Pannen auf ihre Kosten.
Richtig interessant wird es dann beim Making Of ... Gut 25 Minuten Hintergrundinfos zum Film, speziell auf interessierte Zuschauer und Fans des Films zugeschnitten. Da das Making Of ebenfalls vom Filmteam stammt, kann man natürlich keine "negative Berichterstattung" erwarten, alles was gesagt wird, ist sehr positiv gefärbt, aber da es ein guter und erfolgreicher Film ist - was soll's? Vor allem kommt natürlich Til Schweiger zu Wort, aber auch Johanna Wokalek und die meisten der anderen bekannten Schauspieler geben ihre Statements ab. Die "Deleted Scenes" (rausgeschnittene Szenen) - wahlweise mit oder ohne Kommentar von Til Schweiger. Das ist die einzige Stelle, wo mir die Bedienungsoberfläche der DVD nicht so gefällt, denn man muss jeweils erst die einzelne Szene (oder "alle ansehen") auswählen und dann noch "mit" oder "ohne" Kommentar von Til Schweiger, ohne dass das intuitiv sofort ersichtlich wäre. Wie auch immer: Die "Deleted Scenes" ohne Kommentar finde ich relativ uninteressant, zumal sie auch noch kunterbunt durcheinander kommen. Mit Kommentar sind sie vor allem fachlich interessant, fast 35 Minuten geballte Informationen und Anschauungsmaterial - für Regie- oder Drehbuchstudenten sind sie unbedingt ein Tipp und für Anfänger dieser Fachrichtungen oder Leute, die überlegen, sich mit Film zu beschäftigen, noch viel mehr! Til Schweiger erklärt sehr gut, warum er sich entschieden hat einzelne Szenen herauszuschneiden, selbst wenn es teilweise seine Lieblingsszenen waren. Ich war übrigens erstaunt, wie viele Szenen gedreht wurden, aber dann letztlich im Cut rausflogen, zumal der Film ja mit 115 Minuten sowieso schon recht lang ist! Das ist durchaus nicht üblich, drehen kostet schließlich viel Geld, normalerweise fallen die meisten Szenen schon aus den letzten Drehbuchversionen. Aber wenn genug Geld da ist, hat man natürlich freie Hand, auch im Dreh noch einiges auszuprobieren und erst hinterher rauszuschmeißen. Aber die meisten Produktionen, egal ob Kino oder Fernsehen, haben's nicht so üppig, dass das möglich wäre. Die einzige "Deleted Scene", die ich auch Nicht-Fachleuten empfehlen möchte, ist die letzte "Actor ... director", wo einige Szenen zusammengeschnitten sind, die zeigen, wie Til Schweiger das Spielen und die Regie unter einen Hut gebracht hat. Fachlich bietet das wenig Interessantes, aber ich könnte mir vorstellen, dass Til Schweiger-Fans sich dafür interessieren.
Zuletzt noch der Audiokommentar von Til Schweiger und seinem Co-Produzenten. Ich finde diese Infos zum Film hochinteressant, allerdings wieder nur für fachlich interessierte Zuschauer, die hier wirklich knackig auf den Punkt mit guten Infos versorgt werden. Wer sich nur für den Film interessiert, nicht für die Überlegungen zu Regie, Drehbuch, Cut, Kosten ..., der kann damit vermutlich wenig anfangen.
Fazit: Wer diesen Film sehen möchte, der sollte vor allem nicht mit der Vorstellung reingehen, wegen der beteiligten Comedystars dürfte er hier nun auch Comedy mit einem Gag am nächsten erwarten. Mit diesem Vorbehalt im Hinterkopf möchte ich euch den Film aber unbedingt empfehlen! Für angehende Filmleute sind zudem, unabhängig vom Film selbst, die DVD-Extras lehr- und hilfreich.
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26.01.2008 17:18
Ich habe mir den gestern angesehen und bin total deiner Meinung, top Bericht, lG, Daniela
07.10.2007 11:23
steht auf meiner to-watch liste -grüsse MOFFT
04.03.2006 12:25
Du hast mich auf den Film neugierig gemacht. Hatte zwar bereits von ihm gehört, jedoch nicht all zu viel. Ein ganz klasse Bericht wie ich finde! LG Latoya777